Neuritis vestibularis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. September 2017
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Als Neuritis vestibularis bezeichnen Mediziner eine Funktionsstörung des Gleichgewichtsorgans. Dabei leiden die Betroffenen unter Drehschwindel.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Neuritis vestibularis?

In der Medizin ist die Neuritis vestibularis auch als Neuropathia vestibularis bekannt. Gemeint ist damit eine akute oder chronische Störung der Funktion des Gleichgewichtsorgans, das sich im Innenohr befindet. Weitere Bezeichnungen für die Erkrankung lauten Vestibulopathie, Vestibularis-Neuropathie sowie Neuronitis vestibularis.

Dabei bedeutet Neuronitis übersetzt „Nervenentzündung“. Mitunter wird das Leiden auch „Hörsturz des Gleichgewichtsorgans“ genannt. Die Inzidenz der Neuritis vestibularis liegt bei 3,5 von 100.000 pro Jahr. Der Anteil an den Diagnosen in Spezialkliniken für Schwindel beträgt rund sieben Prozent.

Dabei zählt die Neuropathia vestibularis zu den drei häufigsten Schwindelformen. In den meisten Fällen tritt die Schwindelerkrankung zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr auf. Außerdem zeigt sich die Vestibulopathie oftmals im Frühling oder im Frühsommer.

Ursachen

Welche Ursachen für die Neuritis vestibularis in Betracht kommen, ist noch immer unklar. Es wird vermutet, dass Viren für das Entstehen der Erkrankung verantwortlich sind. So zeigen sich vor Ausbruch der Neuropathia vestibularis nicht selten virale Infekte. Aber auch Durchblutungsstörungen können die Auslöser der Schwindelerkrankung sein.

Diese rufen Funktionsstörungen oder sogar einen Funktionsausfall des Gleichgewichtsorgans auf der Körperseite, die von der Erkrankung betroffen ist, hervor. Während das Gehirn der betroffenen Person auf der gesunden Seite nach wie vor normale Signale erhält, zeigt sich auf der erkrankten Seite überhaupt kein oder nur ein gestörtes Signal. Durch dieses Ungleichgewicht leidet der Patient im Anfangsstadium unter starken Schwindelattacken. Als weitere seltene Ursachen werden Herpes-Infektionen, die Lyme-Borreliose sowie Autoimmunkrankheiten vermutet.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Als typisches Symptom der Neuritis vestibularis gilt ein heftiger Drehschwindel. Dieser geht in der Regel mit Übelkeit und Erbrechen einher. Auch das allgemeine Befinden des Patienten leidet unter der Erkrankung. Nicht selten ist der Schwindel so heftig ausgeprägt, dass die Betroffenen ohne Hilfe nicht imstande sind, zu laufen.

In manchen Fällen tritt eine Besserung der Beschwerden ein, wenn der Patient sich ruhig auf den Rücken legt und dabei die Augen schließt. Werden jedoch selbst leichte Bewegungen ausgeführt, verschlechtert sich der Zustand wieder. Die Symptome der Neuritis vestibularis halten meist einige Tage lang an. Im weiteren Verlauf werden sie jedoch allmählich besser.

Eine weitere Begleiterscheinung der Neuropathia vestibularis stellt der Nystagmus dar, bei dem es zu ruckartigen Augenbewegungen kommt. Dabei bewegen sich die Augen in Richtung der Nerven des Gleichgewichtsorgans, die nicht von der Erkrankung betroffen sind. Als typisch gilt zudem eine Fallneigung im Stehen oder Sitzen zur erkrankten Seite hin. In der Regel nicht beeinträchtigt wird bei einer Neuritis vestibularis das Gehör des Patienten.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei Verdacht auf eine Neuritis vestibularis sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden. Dieser befasst sich zunächst mit der Anamnese (Krankengeschichte) des Patienten und lässt sich von ihm die Symptome beschreiben. Von Interesse sind außerdem mögliche Vorerkrankungen.

Eine wichtige Rolle spielt auch der Nystagmus der Augen. Zu dessen Überprüfung setzt sich der Patient eine spezielle Frenzel-Brille auf. Nächster Schritt ist das Vornehmen einer Vestibularisprüfung zur Untersuchung des Gleichgewichts. Dabei wird der Gehörgang einer warmen Spülung ausgesetzt. Bei diesem Verfahren werden auch die Augen kontrolliert. Menschen, die unter einer Neuritis vestibularis leiden, zeigen dabei keinerlei Veränderungen der Nystagmus-Richtung.

Sinnvoll können zudem spezielle Untersuchungen der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde oder bildgebende Diagnoseverfahren sein. Dazu gehören die Sonographie (Ultraschalluntersuchung), die Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanztomographie (MRT). Der Hals-Nasen-Ohrenarzt stellt die Diagnose durch eine Kalorikprüfung des Innenohrs sicher.

Dabei kommt es am Gleichgewichtsorgan zu einer thermischen Untererregbarkeit, die durch warmes beziehungsweise kaltes Wasser oder Luft erfolgt. Da Schwindelanfälle außerdem zahlreiche andere Ursachen haben können, ist deren Abgrenzung bei Verdacht auf eine Neuritis vestibularis besonders wichtig. Bei den möglichen Erkrankungen kann es sich um Morbus Meniere oder den gutartigen Lagerungsschwindel handeln.

Die Neuritis vestibularis nimmt in der Regel einen positiven Verlauf. So ist bei den meisten Patienten der Gleichgewichtssinn nach einem Zeitraum von circa zwölf Wochen wiederhergestellt oder zumindest verbessert. Etwa 15 Prozent aller Betroffenen leiden jedoch zusätzlich unter einem gutartigen Lagerungsschwindel.

Behandlung & Therapie

Mitunter kann es bei einer Neuritis vestibularis erforderlich sein, die betroffenen Personen stationär in einem Krankenhaus zu behandeln. So müssen die Patienten für eine gewisse Zeit Bettruhe einhalten. Zur Behandlung von Symptomen wie Schwindelgefühlen, Erbrechen und Übelkeit werden ihnen entsprechende Medikamente verabreicht.

Um die Durchblutung zu verbessern, finden mehrere Infusionen statt. Diese sind auch hilfreich, um Flüssigkeit, die durch Erbrechen verloren geht, zu ersetzen. Als bewährtes Medikament gilt das Glucocorticoid Methylprednisolon. Die Behandlung mit dem Stoff dauert etwa eine Woche. Im Verlauf der Therapie wird die Dosis nach und nach reduziert, um den Gleichgewichtsnerv wiederherzustellen.

Bessert sich die Störung nach kurzer Zeit nicht wieder, finden Trainingsmaßnahmen statt, in deren Rahmen der Patient den Umgang mit seinen Beschwerden erlernt. Im Mittelpunkt steht dabei das intensive Gleichgewichtstraining. Es dient dazu, den Heilungsprozess zu beschleunigen. Zu diesem Zweck setzt der Arzt unter kontrollierten Bedingungen das Gleichgewichtssystem Situationen aus, bei denen es zu Schwindelgefühlen kommt. Durch den Reiz lässt sich die Erholung fördern.

Komplikationen

In der Regel ist die Prognose bei Neuritis vestibularis günstig. Schwerwiegende Komplikationen kommen nur vereinzelt vor. Meist ist der Schwindel nach ungefähr einem Vierteljahr wieder vorbei. In seltenen Fällen kann es jedoch zu Rezidiven kommen, die dann aber das andere Ohr betreffen. Des Weiteren tritt bei circa 15 Prozent aller Patienten ein benigner (gutartiger) Lagerungsschwindel im gleichen Ohr auf.

Auch dieser kann gut behandelt werden und stellt nur eine vorübergehende Erscheinung dar. Komplizierter wird es jedoch für Betroffene, die den krankheitsbedingten Drehschwindel als traumatisches Ereignis erleben. In diesen Fällen kann sich zusätzlich noch ein phobischer Schwankschwindel entwickeln. Da dieser nicht auf organische Ursachen, sondern ausschließlich auf psychische Ursachen zurückgeführt werden kann, muss sich hier die Therapie auf die Beseitigung der Angststörung konzentrieren.

Eine eventuell schwerwiegende Komplikation des Drehschwindels kann von einem gefährlichen Sturz ausgelöst werden, der oft mit schweren Verletzungen und Knochenbrüchen verbunden ist. Dieses Risiko betrifft besonders ältere Menschen, deren Knochenstabilität bereits zusätzlich durch Osteoporose herabgesetzt ist. Sehr selten kommt es bei Neuritis vestibularis zu einem chronischen beidseitigen Labyrinthausfall.

Hier ist die Steh- und Gehmotorik bei Dunkelheit oder geschlossenen Augen gestört. Langfristig führt diese Doppelbelastung beider Ohren häufig zur vollständigen Orientierungslosigkeit im Raum. Die Ausübung von Gefahrberufen oder Risikosportarten ist dann nicht mehr möglich.

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Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen gegen die Neuritis vestibularis sind nicht bekannt. So liegen die Ursachen der Schwindelerkrankung noch immer im Dunkeln.

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Quellen

  • Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Boenninghaus, H. G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009

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