Neuritis nervi optici

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 18. September 2017
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Bei der Neuritis nervi optici handelt es sich um eine Entzündung des Sehnervs. Häufig stellt sie ein frühes Symptom der Multiplen Sklerose dar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Neuritis nervi optici?

In der Medizin ist die Neuritis nervi optici auch als Optikusneuritis oder Sehnerventzündung bekannt. Zeigt sich die Entzündung innerhalb des Sehnervenkopfs, ist von einer Papillitis die Rede, tritt sie dagegen im hinteren Sehnervabschnitt auf, liegt eine retrobulbäre Neuritis vor. Begleitet wird die Neuritis nervi optici von Schwellungen an den Nervenfasern, die sich am Sehnervenkopf befinden, sowie von Durchblutungsstörungen.

Dadurch besteht das Risiko von Sehnervschädigungen und Sehkraftverlust. Im schlimmsten Fall kann es zu einer Erblindung kommen. In den meisten Fällen zeigt sich die Neuritis nervi optici einseitig. Die Erkrankung gilt auch als frühes Anzeichen von Multipler Sklerose. Besonders betroffen von einer Sehnerventzündung sind Menschen im Alter zwischen 20 und 45 Jahren. Bei Frauen ist die Erkrankung häufiger zu verzeichnen als bei Männern.

Ursachen

Die Ursachen für eine Neuritis nervi optici sind unterschiedlich. Nicht selten zeigt sie sich im Rahmen der Multiplen Sklerose, bei der es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt. Dabei werden die Myelinscheiden der Nerven attackiert. Durch eine Beeinträchtigung der Myelinscheiden wird das Übermitteln von Nervensignalen gestört. Aber auch andere Autoimmunkrankheiten wie Lupus erythematodes und Sarkoidose kommen als Urheber einer Optikusneuritis infrage.

An einer Neuritis nervi optici können auch Kinder erkranken. Meist liegt bei ihnen eine Papillitis vor, die von allgemeinen Infekten wie einer Erkältung hervorgerufen wird. Allerdings lässt sich bei rund 70 Prozent aller erkrankten Kinder gar keine konkrete Ursache für die Entzündung finden. Mitunter entsteht die Sehnerventzündung infolge von Krankheiten wie Malaria, der Lyme-Borreliose oder Syphilis. Gelegentlich ist auch eine Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) der Auslöser der Neuritis nervi optici.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Hauptsymptom der Neuritis nervi optici stellt die Verschlechterung der Sehkraft dar. Schon innerhalb von Tagen oder sogar Stunden kann es zu einer deutlichen Einschränkung des Sehvermögens kommen. Bemerkbar macht sich der Sehkraftverlust in erster Linie im zentralen Gesichtsfeldabschnitt. Der Betroffene sieht wie durch einen grauen Schleier oder ein Milchglas.

Darüber hinaus treten Schmerzen am Auge auf, die durch Augenbewegungen ausgelöst werden. Die Schmerzen werden oft sehr unterschiedlich wahrgenommen. So können sie stechend, pochend, dumpf oder diffus sein. Außerdem reagieren die Augen überaus empfindlich. Nicht selten leidet der Patient auch unter Störungen der Farbsättigung beziehungsweise Farbenblindheit, was besonders bei der Farbe Rot der Fall ist.

Ebenso können sich die Schmerzen durch Wärme verstärken, was Mediziner als Uthoff-Phänomen bezeichnen. Nimmt der Patient beispielsweise ein warmes Bad, führt dies oft zu einer Verschlechterung der Sehkraft. Bei circa 30 Prozent aller Erkrankten kommt es außerdem zum Auftreten von Lichtblitzen. Ebenfalls schmerzfördernd sind Druck und grelles Licht.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Führen die Beschwerden der Neuritis nervi optici den Patienten zum Arzt, stellt dieser zunächst einige Fragen. So möchte er wissen, ob Schmerzen bei Bewegungen der Augen bestehen, ob das eine Auge schlechter sieht als das andere, seit wann sich die Sehkraft verschlechtert hat, ob in letzter Zeit grippale Infekte oder fieberhafte Erkrankungen bestanden und ob eine Herz-Kreislauf-Erkrankung vorliegt.

Ebenfalls von Bedeutung sind mögliche Multiple-Sklerose-Fälle innerhalb der Familie, ob der Patient Lichtblitze wahrnimmt und ob er Alkohol oder Tabak konsumiert und regelmäßig Medikamente einnimmt. An die Befragung schließt sich das Bestimmen der Sehschärfe an, wobei der Patient Buchstaben und Zahlen auf einer Tafel abliest. Mit einer kleinen Lampe leuchtet der Arzt in die Augen, um die Pupillenreaktion zu testen.

Ferner wird die Beweglichkeit der Augen kontrolliert. Dabei folgt der Patient dem Finger des Arztes oder einem Stift und gibt an, ob er dabei Schmerzen verspürt oder Doppelbilder sieht. Des Weiteren wird eine Untersuchung des Augenhintergrundes vorgenommen. Zu diesem Zweck leuchtet der Arzt mit einem Ophthalmoskop (Augenspiegel) in die Augen, um die Netzhaut zu beurteilen.

Weitere Diagnosemethoden sind eine Kontrolle der Farbwahrnehmung sowie ein Test der Sehnervleitung. Besteht Verdacht auf Multiple Sklerose, können eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Lumbalpunktion erfolgen. Ist eine Multiple Sklerose für die Sehnerventzündung verantwortlich, lässt sich das Sehvermögen durch eine medizinische Behandlung bessern.

Ansonsten ist der Verlauf der Neuritis nervi optici unterschiedlich. Mitunter hält die Entzündung zwei Wochen an und bessert sich dann spontan wieder. In schweren Fällen können die Beschwerden aber auch dauerhaft anhalten.

Komplikationen

Eine Sehnervenentzündung, Neuritis nervi optici genannt, kann verschiedene Ursachen haben und ist häufig ein Indikator für eine beginnende Multiple-Sklerose-Erkrankung (MS). Welche Art von Komplikationen auftreten, ist abhängig von den Verursachungsfaktoren der Nervenentzündung und vom Ort des Entzündungsherdes. Er kann direkt im Bereich des Austritts der Nervenfasern aus dem Augapfel liegen (Papillitis) oder im hinteren Teil des Sehnervs in Form einer retrobulbären Neuritis.

Typische Komplikationen sind Sehkraftverschlechterung, Schleiersehen und Schmerzen am Auge bei Augenbewegungen. Darüber hinaus sind die Augen empfindlich gegen Lichtreize und in etwa einem Drittel aller Fälle werden Lichtblitze gesehen. Wenn bei den Betroffenen weder Bluthochdruck, Diabetes oder eine Erkrankung an Tuberkulose vorliegt, heilt die Nervenentzündung häufig auch ohne Behandlung ab und die Symptome können sich vollständig zurückbilden.

In anderen Fällen ist eine Ursachen bekämpfende Behandlung erforderlich, um die Symptome und Komplikationen zu beseitigen. Falls die Entzündung des Nervus opticus von einer Autoimmunreaktion ausgelöst wird, ist eine Therapie hilfreich, die das Immunsystem unterdrückt, beispielsweise durch Immunsuppressiva. In diesen Fällen würden sich die Symptome unbehandelt verschlimmern, was im Extremfall zu einer völligen Erblindung auf dem betroffenen Auge führen würde. Ungünstig wirken sich starkes Rauchen und exzessiver Alkoholgenuss auf den Verlauf der Krankheit aus.

Behandlung & Therapie

Die Therapie der Neuritis nervi optici hängt von deren Ursachen ab. Wird die Entzündung von Multipler Sklerose ausgelöst, erhält der Patient Immunsuppressiva. Sie bewirken eine Unterdrückung des Abwehrsystems. Meist handelt es sich dabei um Glukokortikoide wie Methylprednisolon oder Kortison. Ihre Dosierung ist zu Therapiebeginn hoch und wird im weiteren Verlauf abgesenkt.

Allerdings darf der Patient nicht unter Bluthochdruck, Diabetes, Magengeschwüren oder Tuberkulose leiden, da dies zu einer Verschlechterung der Erkrankungen führen würde. Später erfolgt dann eine spezielle Behandlung der Multiplen Sklerose.

Sind Bakterien die Auslöser der Optikusneuralgie, kann der Patient Antibiotika bekommen. Prinzipiell muss sich der Erkrankte schonen und Bettruhe einhalten. Da sich die Sehnerventzündung oft auch ohne Therapie wieder spontan zurückbildet, ist nicht immer eine spezielle Behandlung erforderlich.

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Vorbeugung

Präventive Maßnahmen gegen eine Neuritis nervi optici sind nicht bekannt. Als sinnvoll gilt jedoch der Verzicht auf Tabak und Alkohol.

Bücher über Sehstörungen

Quellen

  • Augustin, A.J.: Augenheilkunde. Springer, Berlin 2007
  • Burk, A. et al.: Checkliste Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Lang, G. K.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

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