Neurinom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 25. Oktober 2016
Symptomat.deKrankheiten Neurinom

Bei einem Neurinom handelt es sich um einen Tumor, der aus den Schwann'schen Zellen wächst und gutartig ist. Je nach Lage des Tumors können sich die Symptome von Fall zu Fall stark unterscheiden; Schmerzen und Nervenausfälle sind jedoch besonders häufig. Zur Behandlung kommen in erster Linie die operative Entfernung des Neurinoms und eine Strahlentherapie infrage.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Neurinom?

Das Neurinom ist eine spezifische Art von Tumor und wächst aus Schwann'schen Zellen. Diese Art von Gliazellen wachsen spiralförmig um den Fortsatz der Nervenzellen und schaffen dadurch eine elektrisch isolierende Schicht, was die Geschwindigkeit der Signalübertragung steigert. Neurinome, die an diesen Schwann'schen Zellen entstehen, beeinträchtigen deshalb die Funktionsweise des jeweiligen Nervs.

Die meisten Betroffenen sind zwischen 40 und 60 Jahre alt; grundsätzlich kann sich das Neurinom jedoch in jeder Altersgruppe entwickeln. Wegen seiner gutartigen Natur ist es auch als benigner peripherer Nervenscheidentumor (BPNST) bekannt. Weitere Namen für das Neurinom sind: Schwannom, Schwannzell-Tumor und Neurolemmom beziehungsweise Neurilemmom.

In sehr seltenen Fällen (weniger als ein Prozent) kann das an sich gutartige Neurinom zu einem bösartigen Neurofibrosarkom werden. Arme und Beine sind vom Neurofibrosarkom besonders oft betroffen, während das Neurinom vor allem im Kopf und Hals auftritt.

Ursachen

Wie alle Tumore geht auch das Neurinom auf Neubildungen im betroffenen Gewebe zurück. Bei einer Neurofibromatose Typ 2 ist die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung eines Neurinoms deutlich erhöht. Die Erbkrankheit führt zur Tumorbildung im Gehirn, wobei sich die Neubildungen überwiegend um den Nervus vestibulocochlearis gruppieren.

Des Weiteren besitzen in vielen Fällen das Rückenmark und andere Hirnnerven weitere Tumore. Fehlbildungen der Augen, Hautveränderungen und Auffälligkeiten des zentralen Nervensystems insgesamt treten bei der Neurofibromatose vom Typ 2 ebenfalls häufig auf. Zu den allgemeinen Symptomen des Neurinoms und gegebenenfalls Akustikneurinoms kommen bei dieser Erkrankung weitere Beschwerden hinzu, die auf weitere Tumore zurückgehen.

Mediziner unterscheiden zwei Unterformen der Neurofibromatose Typ 2, wobei der Feiling-Gardner-Typ erst ab einem Alter von 20 Jahren in Erscheinung tritt und sich durch langsam wachsende, zentrale Tumore auszeichnet, wohingegen der Krankheitsbeginn beim Wishart-Typ vor dem 20. Lebensjahr liegt und diese Unterform zu vielen schnell wachsenden Tumoren führt.

Seltener sind Neurinome eine Begleiterscheinung der Neurofibromatose Typ 1; dort treten sie jedoch ebenfalls statistisch öfter auf und die Krankheit ist insgesamt häufiger als der Typ 2. Neben Neurofibromen sind Café-au-lait-Flecken und Lisch-Knoten in der Iris charakteristische Merkmale der Typ-1-Neurofibromatose.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Da sich das Neurinom an unterschiedlichen Stellen im Nervensystem bilden kann, ist das Erscheinungsbild der Krankheit sehr vielfältig. Häufig gehören Schmerzen zu den Symptomen; welcher Körperbereich davon betroffen ist, hängt von den geschädigten Nervenbahnen ab.

Unter Umständen ist der Nerv, aus dessen Schwann'schen Zellen das Neurinom wächst, überhaupt nicht mehr funktionsfähig. In diesem Zusammenhang können Lähmungen auftreten. Typischerweise manifestieren sich die Symptome nur allmählich und nehmen an Umfang und Schweregrad zu, da das Neurinom oft langsam wächst.

Eine bestimmte Form des Schwannoms stellt das Akustikneurinom dar. Dabei handelt es sich um ein Neurinom, das am Nervus vestibulocochlearis wächst. Der VIII. Hirnnerv innerviert das Innenohr und ist sowohl für das Hören als auch für den Gleichgewichtssinn bedeutsam.

Das Akustikneurinom äußert sich in akustischen Beschwerden wie Tinnitus und Hörproblemen sowie in Gleichgewichtsstörungen und Schwindel. Weitere mögliche Symptome umfassen Übelkeit, Erbrechen, Taubheitsgefühle im Gesicht, Gesichtslähmung, verringerte Empfindlichkeit für Druck und Berührungen im äußeren Gehörgang, Doppeltsehen, Ohr- und Kopfschmerzen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Anhand des klinischen Bildes können Neurologen oft bereits grob eingrenzen, wo vermutlich die Ursache der nervlichen Störung liegt, die zu den individuellen Beschwerden führt. Eine Untersuchung mittels Magnetresonanztomografie (MRT) oder anderen bildgebenden Verfahren macht den Tumor sichtbar und kann auch ggf. andere Ursachen und Faktoren abbilden. Sehr kleine Neubildungen, die noch keine Einschränkungen verursachen, sind dabei wegen der begrenzten Auflösung der Bildgebung nicht immer zu erkennen.

Behandlung & Therapie

Nicht in jedem Fall ist ein umgehendes Eingreifen erforderlich. Neurinome entwickeln sich typischerweise langsam und erlauben dem Behandler zuweilen, das Verhalten des Tumors erst zu beobachten, bevor er über die Art der Therapie entscheidet. Bei dieser Überlegung spielen auch die potenziellen Behandlungsrisiken eine Rolle.

Wie bei allen Therapieansätzen ist hier die individuelle Abwägung von Kosten und Nutzen für den jeweiligen Patienten ausschlaggebend; ein pauschales Urteil ist nicht möglich. In einem operativen Eingriff können Ärzte das Neurinom entfernen, um weiteres Wachstum des Tumors und damit die Ausweitung der Symptome zu verhindern.

Das Neurinom wächst jedoch aus den Schwann'schen Zellen, welche die betroffene Nervenzelle elektrisch isolieren. Deshalb muss der Operateur unter Umständen auch einen Teil des Nervs mit dem Tumor entfernen, was zum Fortbestehen der bereits eingetretenen Symptome führen kann.

Nach der Entfernung liefert eine gründliche histologische Untersuchung weitere Erkenntnisse über die Art des Tumors. Die Strahlentherapie stellt eine weitere Option zur Behandlung des Neurinoms dar, wobei ionisierte Strahlung auf das betroffene Gewebe einwirkt. Strahlendosis und Dauer der Behandlung variieren je nach Patient.




Vorbeugung

Im Zusammenhang mit der Neurofibromatose vom Typ 1 und 2 entwickeln sich häufig Neurinome. Da es sich bei beiden Formen um genetische Erkrankungen handelt, können Betroffene diesen Umstand bei der Familienplanung berücksichtigen.

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