Neurasthenie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 18. September 2017
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Der Begriff Neurasthenie war früher eine häufige Bezeichnung für eine Reihe nervöser Beschwerden. In der modernen Medizin wurde er weitgehend durch die Bezeichnung Chronisches Erschöpfungssyndrom abgelöst.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Neurasthenie?

Die Begriff Neurasthenie kennzeichnet eine Nervenschwäche, eine Überreizung der Nerven. Sie war im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine der häufigsten Diagnosen, wenn für körperliche Probleme keine organische Ursache gefunden werden konnte. Weil keine organischen Schäden nachweisbar sind, wird die Neurasthenie heute eher als psychische Störung oder Neurose angesehen, auch wenn noch nicht genau erforscht ist, ob die Ursachen mehr im psychischen oder körperlichen Bereich liegen.

Zu den verschiedenen Anzeichen einer Nervenschwäche kann es nach langen Krankheiten, starken seelischen Spannungen, Zeiten anhaltender, hoher Konzentration oder emotionalen Problemen kommen. Betroffene leiden dann schon bei geringen körperlichen oder geistigen Anstrengungen unter Erschöpfung und chronischer Müdigkeit. Die Bezeichnung „Neurasthenie“ wurde durch den New Yorker Nervenarzt George M. Beard geprägt, der die Überreizung der Nerven als Reaktion auf die elektrische Revolution seiner Zeit sah. Die moderne Medizin spricht vom Chronischen Erschöpfungssyndrom oder Burnout-Syndrom.

Ursachen

Eine Neurasthenie ist meistens die Folge längerer seelischer Anspannung, anhaltenden Stresssituationen oder Krankheiten. Oft bekommen Menschen in Reha-Behandlungen die Diagnose, besonders wenn sie auch beruflich stark unter Druck stehen. Der permanente Arbeitsdruck führt zu einem Leistungsdruck, der dazu führt, dass sich Arbeitende immer mehr unter Druck fühlen, nur noch funktionieren zu müssen und nicht mehr selbstständig handeln zu dürfen.

Besonders gefährdet sind Menschen mit persönlichen Eigenschaften wie Ehrgeiz, Hang zum Perfektionismus, unzureichenden Stressbewältigungskompetenzen, einem Helfersyndrom oder der Unfähigkeit, auch mal nein zu sagen. Überhöhte Ansprüche, denen sie nicht mehr gerecht werden können, lassen sie innerlich ausbrennen. Anders als bei der Neuropathie liegen bei der Neurasthenie keine organischen Schäden an den Nerven vor. Zu unterschiedlichen Zeiten wurden unterschiedliche Ursachen gesehen.

Sigmund Freud sah sie im Aufstauen von sexueller Energie, andere Forscher sahen in ihr eine narzisstische Störung aufgrund von Selbstwertproblemen oder einem misslungenen Konfliktverhalten. Momentan werden die Ursachen mehrheitlich in einer Reizüberflutung durch äußere Einflüsse oder körperlicher und geistiger Überanstrengung gesehen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei einer Neurasthenie können sich vielfältige Symptome zeigen. Häufige Anzeichen sind Erschöpfung und häufige Müdigkeit, Ängstlichkeit, Herzneurosen sowie Neuralgien. Aber auch Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit und Melancholie gehören zu den Anzeichen. Mitunter zeigt sich die Erkrankung in sexueller Unlust oder Sexualstörungen.

Die Symptome können durch Außenreize begünstigt werden, können aber auch durch zu viel Monotonie entstehen. Schon geringe körperliche und geistige Belastungen führen bei den Betroffenen dazu, dass sie sich länger erholen müssen als gesunde Menschen. Schon seit Ende des 19. Jahrhunderts war dieses Krankheitsbild bekannt.

Von dem österreichischen Schriftsteller Robert Musil ist zum Beispiel bekannt, dass er 1913 wegen Herzklopfen mit erhöhtem Puls, Zuckungen beim Einschlafen, Verdauungsstörungen, depressiven Stimmungen und seelischer Ermüdung einen Nervenarzt aufsuchte. Er arbeitete seinerzeit als Bibliothekar an der Technischen Universität und litt unter dem Stumpfsinn dieser Arbeit.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Wegen der vielfältigen Symptome ist eine Neurasthenie nicht leicht zu diagnostizieren. Betroffene leiden meistens subjektiv sehr stark unter ihren Symptomen, auch wenn für diese keine organische Ursache gefunden werden können. Hinzu kommt, dass der Verlauf meistens schleichend ist. Bevor eine Diagnose gestellt wird, können oft Jahre ins Land gehen. Oft werden erst einmal eine längere Zeit die körperlichen Beschwerden untersucht und gegebenenfalls behandelt.

Am günstigsten ist eine frühzeitige Diagnose, weil die meisten Betroffenen ängstlich ihre Beschwerden beobachten, wodurch neue Ängste geschürt werden, die die Symptome verstärken können. Oft werden mehrere Ärzte aufgesucht, um endlich eine Ursache zu finden. Die Diagnose erfolgt in den meisten Fällen durch eingehende Gespräche mit den Patienten über die Symptome, nachdem körperliche Ursachen ausgeschlossen werden konnten.

Komplikationen

Bei der Neurasthenie leiden die Betroffenen in der Regel an einer chronischen Erschöpfung. Diese wirkt sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Patienten aus und kann auf lange Sicht zu schwerwiegenden Komplikationen oder Beschwerden führen. In der Regel kommt es bei dieser Krankheit auch zu einer Verwirrung und zu Angstzuständen. Auch Störungen der Konzentration können dabei auftreten, die sich sehr negativ auf die Entwaldung des Kindes auswirken.

Weiterhin leiden die Betroffenen an sexueller Unlust und auch an einer Reizbarkeit oder an Depressionen. Die Neurasthenie führt im weiteren Verlauf ebenfalls zu Verdauungsbeschwerden oder zu einem erhöhten Puls. Dabei kann es auch zu Schlafstörungen und zu Muskelzuckungen kommen. In der Regel kann die Neurasthenie gut behandelt werden. Nur in schwerwiegenden Fällen ist die Behandlung mit Hilfe von Medikamenten notwendig.

Antidepressiva weisen dabei verschiedene Nebenwirkungen auf, die auftreten könnten. Weiterhin muss der Betroffene den Stress reduzieren, um die Beschwerden der Neurasthenie zu vermeiden. In der Regel ist ein positiver Krankheitsverlauf zu verzeichnen, wenn die Neurasthenie früh genug diagnostiziert und behandelt wird. Eine gesunde Lebensweise wirkt sich dabei sehr positiv auf die Erkrankung aus.

Behandlung & Therapie

Die nervösen Symptome, die bei einer Neurasthenie auftreten, sind ein Zeichen dafür, dass die Selbstheilungskräfte des Körpers durch Anforderungen von außen geschwächt sind. Deshalb sollten Betroffene zunächst einmal einen Gang herunterschalten und Entspannungsphasen einlegen, um sich wieder zu regenerieren. Es empfiehlt sich eine individuell abgestimmte Verhaltenstherapie, um Verhaltensmuster, die die Störung begünstigt haben könnten, durch neue, gesundheitsfördernde zu ersetzen.

Am besten erfolgt parallel ein leichtes Körpertraining, um die Tendenz zur Schonung, die Betroffene aufgrund ihrer Beschwerden an den Tag legen, wieder zu reduzieren. Dabei ist es wichtig, dem Körper so viel wie möglich zuzumuten und gleichzeitig so viel Schonung wie nötig zu gewährleisten. Da die Neurasthenie als systemische Erkrankung gilt, bei der nicht klar ist, ob die Ursachen mehr in der Seele oder im Körper liegen, sollte parallel zur Verhaltenstherapie der Lebensstil angepasst werden.

Wenn Depressionen und Angstsymptome auftreten, können begleitend Antidepressiva verordnet werden. Hilfreich und wichtig ist es, das Betroffene lernen, Stress auf eine gesunde Art wieder abzubauen.

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Vorbeugung

Eine gute Vorbeugung vor nervösen Störungen ist eine gute Balance zwischen Stress und Erholung. Wer häufig unter Hochdruck arbeitet, sollte einen Gang zurückschalten. Manchmal hilft es, einfach mehr Pausen einzulegen und Prioritäten zu sitzen. Bei zu viel Monotonie hilft Abwechslung und bei Überreizung der Nerven die Minimierung der Stressfaktoren.

Bücher über Neurasthenie & Erschöpfung

Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Gleixner, C., Müller, M., Wirth, S.: Neurologie und Psychiatrie. Für Studium und Praxis 2015/16. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2015
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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