Nervus thoracodorsalis

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 10. November 2016
Symptomat.deAnatomie Nervus thoracodorsalis

Auf dem Rücken innerviert der Nervus thoracodorsalis den großen Rückenmuskel sowie den großen Rundmuskel. Beide spielen eine wichtige Rolle für die Armbewegungen. Läsionen treten beispielsweise im Rahmen der neuralgischen Schulteramyotrophie und der Armplexuslähmung auf.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Nervus thoracodorsalis?

Der Nervus thoracodorsalis gehört zum peripheren Nervensystem und zählt zu den Fasern des Plexus brachialis. Hauptsächlich beteiligt der Nerv sich an der Steuerung bestimmter Armbewegungen, indem er zwei Muskeln innerviert, die beim Menschen auf dem Rücken liegen.

Dabei handelt es sich um den Musculus teres major und den Musculus latissimus dorsi. Der Name des Nervus thoracodorsalis leitet sich von seinem charakteristischen Verlauf ab: Seine Bahn führt ihn erst über den Brustkorb (Thorax), bevor er am Rücken (dorsal) an den innervierten Muskeln endet.

Eine willkürliche Bewegung des Arms beginnt im Gehirn des Menschen. Im Motorzentrum entsteht ein elektrisches Signal, das über die Nervenzellen zum Rückenmark gelangt und es durch neuronale Fasern verlässt, die durch den Wirbelkanal zwischen zwei Wirbeln führen. Der Ursprung des Nervus thoracodorsalis liegen im Rückenmark zwischen den Halssegmenten C6 und C8. Seine Bahn teilt sich bereits am Rückenmark und erstreckt sich symmetrisch in beide Körperhälften.

Anatomie & Aufbau

Der Nervus thoracodorsalis gehört zum Armgeflecht, das die Physiologie als Plexus brachialis bezeichnet. Es stellt eine Sammlung verschiedener Nerven dar, welche unterschiedliche Schulter-, Rücken- und Armmuskeln neuronal versorgen.

Sie bilden kein fest umschlossenen einheitliches Gewebe, sondern eine lose Ansammlung von Nervenfasern, die zu verschiedenen Bahnen gehören. Der Nervus thoracodorsalis stellt einen Fasciculus posterior des Plexus brachialis dar, da er zu den hinteren Ästen gehört. Die posterioren Fasern bilden ihrerseits eine Untereinheit der infraclaviculären Äste des Nervengeflechts: Diese Zweige befinden sich allesamt unterhalb des Schlüsselbeins. Neben dem Nervus thoracodorsalis umfassen sie auch den Nervus subscapularis, den Nervus radialis, den Nervus axillaris sowie sechs weitere Nerven.

Der Nervus thoracodorsalis sendet seine motorischen Befehle an den großen Rückenmuskel (Musculus latissimus dorsi), der vorne am Oberarmknochen ansetzt; sein Ursprung befindet sich sowohl an einigen Brust- und Lendenwirbeln als auch am Darmbein, der Fascia thoracolumbalis, einigen Rippen, dem Schulterblatt und Kreuzbein (Os sacrum). Andere Fasern des Nervus thoracodorsalis führen zum Musculus teres major, der sich ebenfalls auf dem Rücken befindet, am Schulterblatt beginnt und am Oberarmknochen ansetzt. Bevor er die Muskeln erreicht, begleitet der Nervus thoracodorsalis die Arteria subscapularis in ihrem Verlauf.

Funktion & Aufgaben

Nervensignale weiterzuleiten ist die Hauptaufgabe des Nervus thoracodorsalis. Die elektrische Ladung des Aktionspotenzials breitet sich dabei entlang der Nervenfaser (Axon) aus, die der zugehörigen Nervenzelle entspringt. Die meisten Nervenfasern im menschlichen Körper sind von Schwannschen Zellen umgeben, die eine natürliche Isolierschicht bilden. Dabei grenzen die Schwannschen Zellen nicht lückenlos aneinander.

Bei diesen Unterbrechungen handelt es sich um Ranvier-Schnürringe, an denen sich die Zelle entlang des Axons jedes Mal aufs neue depolarisiert. Erreicht ein Aktionspotenzial einen solchen Abschnitt, reizt es Natriumionenkanäle, die sich in der Membran befinden. Die Natriumteilchen sind positiv geladen: Wenn sie nach der Öffnung der Kanäle ins Innere strömen, führen sie deshalb zu einer Veränderung der elektrischen Ladung in diesem Axonabschnitt. Gleichzeitig reizt die Verschiebung bereits das nächste Segment.

Um den ursprünglichen Zustand der Zelle wiederherzustellen, gibt das Innere des Axons zunächst aktiv Kaliumionen ab. Sie sind ebenfalls positiv geladen und stellen dadurch einen Ausgleich her, sodass die elektrische Ladung der ursprünglichen entspricht. Erst anschließend befördern Transportmoleküle in der Membran die richtigen Teilchen wieder in hinaus und hinein, bis sie auch die richtige Ionenzusammensetzung erreichen.

In der Zwischenzeit kann das Axon in diesem Segment kein neues Aktionspotenzial bilden, weshalb die Dauer auch als Refraktärzeit bekannt ist. Sie hält etwa zwei Millisekunden an. Aus diesem Grund kann eine einzige Nervenfaser – beim Nervus thoracodorsalis und bei allen anderen Nerven – immer nur als Einbahnstraße für Signale fungieren. Verschiedene Nervenfasern, die dicht beieinander liegen, können jedoch beide Richtungen abdecken.




Krankheiten

Infolge einer Schädigung des Nervus thoracodorsalis können sich motorische und sensible Störungen manifestieren. Eine solche Läsion ist beispielsweise im Rahmen der neuralgischen Schulteramyotrophie möglich. Sie stellt eine Entzündung des Plexus brachialis dar, zu dem auch der Nervus thoracodorsalis gehört.

Die Entzündung äußert sich in plötzlichen starken Schmerzen in der Schultern und im Oberarm (ein- oder beidseitig), bevor ungefähr eine Woche später eine teilweise oder vollständige Lähmung (Parese) eintritt und das Muskelgewebe schließlich schwindet (Atrophie). Unter den Symptomen der Erkrankung leidet vor allem der Musculus deltoideus, doch die Beschwerden können sich auch auf Schulter- und Armmuskeln erstrecken.

Seltener ist das Zwerchfell betroffen. Untersuchungen können in der Regel Antigen-Antikörper-Komplexe (Immunkomplexe) nachweisen, die auf das Vorliegen einer Infektion hinweisen. Obwohl die genauen Ursachen der neuralgischen Schulteramyotrophie bislang nicht geklärt sind, scheint sie mit Virusinfektionen, Impfreaktionen, Überbelastung und Heroinkonsum in Zusammenhang zu stehen.

Ein weiteres Beispiel für eine Schädigung des Nervus thoracodorsalis ist die Armplexuslähmung, die auf Verletzungen an den Nervenwurzeln zurückgeht. Fasern des Plexus brachialis reißen in diesem Fall ab und können infolgedessen keine Signale mehr übertragen. Für die Läsion ist üblicherweise ein Geburtstrauma oder Gewalt von außen verantwortlich. Je nachdem, welche Fasern abreißen, kommt es zum Ausfall der entsprechenden Neurone.

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