Nervus occipitalis minor

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 3. November 2016
Symptomat.deAnatomie Nervus occipitalis minor

Der Nervus occipitalis minor ist ein sensibler Nerv des Plexus cervicalis, der Fasern aus den Rückenmarksegmenten C2 und C3 enthält. Er ist für die Sensibilität der Haut hinter den Ohren verantwortlich. Bei Schädigungen des Nervs treten Sensibilitätsstörungen auf.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Nervus occipitalis minor?

Der Plexus cervicalis ist auch als Halsgeflecht bekannt. Es handelt sich um eine Zusammenlagerung vorderer Nervenäste der Rückenmarksnerven eines bis vier. Der Plexus entspricht einem somatischen Plexus und ermöglicht einen Faseraustausch einzelner Rückenmarkssegmente.

Er ist vor den Ursprüngen von Musculus scalenus medius und Musculus levator scapulae angesiedelt und steht mit dem Nervus hypoglossus, dem Nervus accessorius und dem Grenzstrang in Verbindung. Im Plexus cervicalis liegt der Nervus occipitalis minor, der auch als kleiner Hinterhauptnerv bekannt ist. Sein Ursprung liegt in den ersten Spinalnerven. Es handelt sich um einen sensiblen Nervenast, der Fasern aus den Rückenmarkssegmenten C2 und C3 enthält. Sein Versorgungsgebiet entspricht den Hautflächen hinter dem Ohr. Der Nerv ist beidseitig vorhanden und ist rein sensibel.

Anders als motorische Nerven tragen rein sensible Nerven zusätzlich zu ihren sensiblen Fasern keinerlei motorische Nervenfasern. Motorische Nerven enthalten dagegen nie ausschließlich motorische Fasern, sondern tragen immer auch sensible Faseranteile in sich. Der rein sensible Nervus occipitalis minor ist nicht in allen Spezies erforderlich. Haustiere wie Hunde und Katzen besitzen zum Beispiel keinen Nervus occipitalis minor.

Anatomie & Aufbau

Der Nervus occipitalis minor geht von den Ästen des zweiten und dritten Spinalnerven aus und windet sich von dort aus um den Musculus sternocleidomastoideus. Gemeinsam mit den Nerven Nervus transversus colli, auricularis magnus und supraclaviculares taucht der Nervus occipitalis im Punctum nervosum und damit Hinterrand des Skelettmuskels auf.

An der Hinterkante des Muskels steigt er in kraniale Richtung. Es handelt sich wegen seinem aufsteigenden Verlauf also um einen afferenten Nerv. In Schädelnähe durchstößt der sensible Nerv die oberflächliche Faszie des Halses. Von hieraus verläuft er den Schädel entlang in kraniale Richtung und zieht sich bis in sein Versorgungsgebiet innerhalb der Retroaurikular-Region. In diesem Bereich kommuniziert der afferente Nerv mit dem Nervus auricularis magnus, occipitalis major und auricularis posterior.

Der Plexus cervicalis besteht abgesehen vom Nervus occipitalis minor aus den sensiblen Zweigen den Nerven Nervus auricularis Magnus, transversus colli und supraclaviculares. Das sensible Versorgungsgebiet all dieser Nerven liegt am hinteren Kopfbereich und dem Hals, sodass sämtliche der genannten Anteile am Punctum nervosum die Halsfaszie durchbohren.

Funktion & Aufgaben

Nerven transportieren bioelektrische Signale durch den Körper. Anders als efferente Nerven leiten afferente Nerven Signale nicht vom zentralen Nervensystem in zu einzelnen Zielorganen im Körper. Sie empfangen viel mehr Signale aus den einzelnen Körpergeweben und leiten diese Signale in Form eines Aktionspotenzials in zentrale Nervensystem.

Sensible Nerven wie der Nervus occipitalis minor sind mit den Rezeptoren der Haut verbunden. Beim Nervus occipitalis minor handelt es sich dabei genauer gesagt um die Thermo-, Noziz- und Mechanorezeptoren, die in der Haut hinter den Ohren sitzen. Diese Rezeptoren nehmen Schmerz-, Temperatur-, Druck- und andere Berührungsreize in ihrem rezeptiven Gebiet wahr und erzeugen abhängig von der Reizstärke ein Aktionspotenzial verschiedener Intensität. Diese Empfindungen der Rezeptoren wandern entlang des sensiblen Nervs aus dem Körper ins Zentralnervensystem. Zur Aufgabe rein sensibler Nerven zählt nicht die Leitung von tiefensensiblen Empfindungen.

Reizungen der Muskelspindel und des Golgi-Sehnen-Organs werden von den sensiblen Fasern motorischer Nerven vermittelt und fallen nicht ins Aufgabengebiet von Nerven wie dem Nervus occipitalis minor. Dank des Nervs erreichen lediglich Temperaturreize, Berührungen oder Schmerzempfindungen hinter dem Ohr unser Bewusstsein. Wäre das nicht der Fall, könnten wir schlechter auf Gefahrenreize reagieren und würden zum Beispiel nicht bemerken, wenn das Haar hinter unseren Ohren Feuer fängt.




Krankheiten

Bei Schädigungen des Nervus occipitalis minor stellen sich Sensibilitätsstörungen der Haut hinter dem Ohr ein. Diese Sensibilitätsstörungen können zum Beispiel einem anhaltenden Kribbeln entsprechen. Auch Taubheit, verändertes Schmerz- und Temperaturempfinden hinter dem Ohr oder die absolute Empfindungslosigkeit an dieser Stelle können nach Schädigungen des sensiblen Nervs auftreten.

Periphere Schädigungen des Nervs können mit Vergiftungen, Mangelernährung, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, mit Traumata oder Infektionen assoziiert sein. Bei einem Abbau des Myelinmantels um periphere Nerven verliert der Nerv seine Leitfähigkeit, was bis zur absoluten Funktionslosigkeit fortschreiten kann. Dieses Phänomen ist als Polyneuropathie bekannt und kann im Zusammenhang mit den genannten Ursachen oder mit ideopathischer Ursache auftreten. Ein noch verbreiteteres Phänomen ist das Nervenkompressionssyndrom. Zu einer Nervenkompression kann es durch Tumore kommen, aber auch Unfälle oder anatomische Engpässe können eine Nervenverklemmung begünstigen.

Der Nervus occipitalis minor kann zusammen mit anderen Nerven des Plexus cervicalis zum Beispiel von Musculus scalenus medius und Musculus levator scapulae eingeklemmt werden. Das ist vorwiegend dann der Fall, wenn die genannten Muskeln hypertrophieren. Eine solche Hypertrophie kann verschiedene Ursache haben und zum Beispiel eine Antwort auf vermehrte Belastung der Muskeln sein. Eine weitere Ursache für Sensibilitätsstörungen hinter dem Ohr können Rückenmarkläsionen der Segmente C2 und C3 sein.

Als primäre Ursache solcher Läsionen kommen Traumata, Rückenmarksinfarkte und Rückenmarksentzündungen infrage. Entzündungen im Rückenmark sind meist bakteriell oder autoimmunologisch bedingt und können so zum Beispiel im Rahmen der Autoimmunerkrankung MS auftreten.

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