Nervus medianus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. November 2016
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Der Nervus medianus entspringt dem Armnervengeflecht Plexus brachialis, das zwischen dem 6. Hals- und dem 1. Brustwirbel (C6 – Th1) aus der Wirbelsäule austritt. Der Nerv wird dem peripheren Nervensystem zugeordnet und enerviert motorisch und sensibel einen Teil der Muskeln des Unterarms und der Hand einschließlich Finger.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Nervus medianus?

Der Nervus medianus (mittlerer Armnerv) wird dem peripheren Nervensystem (PNS) zugeordnet und übt eine Doppelfunktion aus. Seine efferenten Fasern senden sensorische (sensible) Impulse an das Gehirn, während die afferenten Fasern motorische Signale aus Rückenmark oder Gehirn an die betreffenden Muskeln leiten.

Die Zugehörigkeit des Nervs zum peripheren Nervensystem bedeutet, dass er im Gegensatz zu den Nerven des Zentralnervensystems (ZNS) nicht der Blut-Hirnschranke unterliegt. Die aus gebündelten Nervenfasern bestehenden Erregungsleitungen des mittleren Armnervs sind - wie bei allen peripheren Nerven - zum Schutz, zur Versorgung und zur Verleihung einer gewissen Reißfestigkeit von 3 Schichten Bindegewebe eingehüllt.

Er verzweigt sich in seinem Verlauf von der Axelhöhle bis zur Unterseite der Handfläche, um alle Muskeln, für die er zuständig ist, mit Impulsen für Kontraktion oder Lockerung versorgen zu können und um sensorische „Daten“ rückzumelden, die für vegetative Steuerungen wichtig sind.

Anatomie & Aufbau

Der Nervus medianus entspringt dem seitlichen Nervenstrang des Plexus brachialis. Er ist einer der drei großen Armnerven und verläuft, von der Nervenwurzel in der Axelhöhle (Medianusgabel) ausgehend, im Oberarm zum Ellenbogen. Bis zum Ellenbogen bleibt er unverzweigt.

Zur sensiblen und motorischen Versorgung bestimmter Unterarmmuskeln, die hauptsächlich für Beugung und Einwärtsdrehung des Unterarms sorgen, verzweigt sich der Nerv in drei Äste. Im Unterarm verläuft er – geschützt von zwei Muskeln - zwischen dem Nervus ulnaris und dem Nervus radialis. An der Handwurzel wandert der Nerv unter dem breiten Sehnenband (Retinaculum flexorum) durch den Karpaltunnel in die hohle Handinnenfläche, wo er sich nochmals verzweigt, um bestimmte Fingermuskel zu enervieren.

Der Nerv wird von drei Bindegewebsschichten eingehüllt. Das Endoneurium, die innerste Schicht, besteht aus lockerem Bindegewebe, das zur Versorgung der Nervenfasern eine Vielzahl von Blut- und Lymphgefäßen enthält. Das darüber liegende Perineurium enthält straffes Bindegewebe, das in der Lage ist, viele Nervenfasern zu bündeln und voneinander zu separieren. Nach außen wird der Nervus medianus vom Epineurium umhüllt, das neben festen kollagenen Fasern auch Fettgewebe enthalten kann, das für eine gewisse Polsterung und Verschiebemöglichkeit sorgt.

Funktion & Aufgaben

Grafische Darstellung der Anatomie der Hand, des Karpaltunnels, des Mittelarmnervs und des Karpalbandes.

Als Mischnerv des peripheren Nervensystems kommen dem Nervus medianus zwei Hauptaufgaben zu. Bestimmte Muskeln des Unterarms, des Daumenballens und der Handfläche muss er motorisch enervieren. Die entsprechenden Muskeln reagieren auf willentliche Signale zur Kontraktion oder zur Entspannung, die vom Mittelarmnerv auf die Muskeln übertragen werden.

Konkret sorgt der Nervus medianus für die motorische Enervierung fast aller Unterarmflexoren, die für Beugung und Drehung des Unterarms verantwortlich sind. Ebenso werden mehrere Muskeln auf der Palmarseite der Hand versorgt, die hauptsächlich Bewegungen des Daumens ermöglichen und zwei weitere Muskel in der Mittelhand. Die zweite Hauptaufgabe besteht in der sensiblen Enervierung der Haut über dem Daumenballen und über einem Teil der Handinnenfläche (Palmarfläche). Die sensiblen Nerven melden physikalische Zustände wie Druck, Vibration und Temperatur, aber auch Schmerz.

Diese unwillkürlichen Meldungen, die von Rückmeldungen sensorischer Sinne wie Hören, Sehen, Schmecken, Riechen, etc. unterschieden werden müssen, lösen unwillkürliche Reaktionen aus – etwa in der Art sich selbst steuernder Regelkreise. Bei Meldung einer Temperaturabweichung nach oben, werden die Hautporen angewiesen, sich weiter zu öffnen, um sie den Effekt der Verdunstungskälte wieder auf den Sollwert abzukühlen.

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Krankheiten & Beschwerden

Ein Totalausfall des Nervus medianus durch Lähmung, Läsion oder starker Kompression hat je nach Lage der Störung gravierende Auswirkungen auf die Motorik des Daumens und des Zeige- und Mittelfingers. Wenn der Betroffene versucht, die Hand zur Faust zu ballen, bleiben Zeige- und Mittelfinger gestreckt.

Das Symptom wird umgangssprachlich auch als Schwurhand bezeichnet. Ebenso ist die Beweglichkeit des Handgelenks und des Unterarms eingeschränkt, falls die Störung oder Unterbrechung des Nervs oberhalb des Ellenbogens lokalisiert ist. Die eingeschränkte oder total ausgefallene sensible Innervierung äußert sich durch Einschränkungen oder Wegfall von Schmerz- und Berührungsempfindungen sowie durch fehlende unwillentliche Rückmeldungen, die der Regelkreissteuerung dient.

Eine relativ häufige Erkrankung, die sich unter anderem durch obige Symptome zeigt, ist das Karpaltunnelsyndrom. Der Nervus medianus wird im Bereich des Karpaltunnels unterhalb der palmarseitigen Sehnenplatte der Hand komprimiert oder gänzlich abgedrückt. Die Ursachen für die Behinderung des Nervs sind sehr vielfältig und können z. B. Verletzungen, Hämatome oder Ödeme sein, die wiederum durch andere Krankheiten bedingt sein können. Falls die Nervenblockade über einen längeren Zeitraum anhält, ist Muskelabbau die Folge. Das Karpaltunnelsyndrom kann konservativ oder operativ behandelt werden.

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