Nervus laryngeus superior

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Mai 2017
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Der Nervus laryngeus superior verläuft im Hals des Menschen. Sein Ramus internus besteht aus sensiblen Fasern, welche den oberen Teil der Kehlkopfschleimhaut und einige Geschmacksrezeptoren innervieren. Der Ramus externus trägt zur motorischen Steuerung des Musculus cricothyroideus bei, der die Stimmbänder spannt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Nervus laryngeus superior?

Beim Nervus laryngeus superior handelt es sich um den oberen Kehlkopfnerv. Er bildet einen Ast des Nervus vagus, der als zehnter Hirnnerv weitere Abzweigungen besitzt. Dazu gehören der Ramus meningeus und der Ramus auricularis im Kopf des Menschen sowie die Halsäste Ramus pharyngeus, Ramus laryngeus recurrens und Ramus cardiacus. Auch der Nervus laryngeus superior gehört zu den Abzweigungen des Halses, nach denen sich der Nervus vagus weiter zur Brust und bis in den Bauch erstreckt.

Der Nervus laryngeus superior besitzt seinerseits zwei Abzweigungen. Der Ramus internus und der Ramus externus sind jeweils nach ihrer relativen Lage zueinander benannt. Die Fasern des Nervus laryngeus superior bestehen aus den myelinisierten Fortsätzen von Neuronen und beginnen am Axonhügel der jeweiligen Zelle.

Anatomie & Aufbau

Der Nervus laryngeus superior erhält seine Fasern aus dem Nervus vagus (zehnten Hirnnerv) und zweigt von diesem am Ganglion inferius nervi vagi ab. Von dort aus zieht der obere Kehlkopfnerv weiter bis zur äußeren Halsschlagader (Arteria carotis externa). Ungefähr an dieser Stelle teilt er sich und gibt zwei Äste ab: den äußeren (Ramus externus) und den inneren Ast (Ramus internus). Die beiden unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich ihres Verlaufs, sondern auch in Bezug auf ihre Funktion. Der Ramus externus führt vorwiegend motorische Fasern, während den Ramus internus sensible Fasern ausmachen. Der innere Ast besitzt einen größeren Durchmesser als der äußere Zweig.

Der Ramus internus folgt dem Verlauf der oberen Kehlkopfarterie (Arteria laryngea superior), die sauerstoffreiches Blut zum Larynx transportiert. An der Seite des Blutgefäßes durchquert der innere Zweig des Nervus laryngeus superior die viereckige Membrana thyrohyoidea. Die Nervenfasern des Ramus internus enden an der Schleimhaut, die den Kehlkopf bedeckt, und innervieren diese bis zu den Stimmlippen (Labia vocalia).

Einige Fasern des Ramus externus ziehen zum Plexus pharyngeus, doch die meisten von ihnen verlaufen zum Musculus cricothyroideus. Den Kehlkopfmuskel kennt die Medizin auch als Antikus oder Externus.

Funktion & Aufgaben

Mit seinen beiden Ästen erfüllt der Nervus laryngeus superior sowohl sensible und sensorische als auch motorische Funktionen. Der Ramus internus innerviert die Kehlkopfschleimhaut bis zu den Stimmlippen (Labia vocalis) und leitet von dort aus sensible Reize an das Gehirn weiter. Aus diesem Grund gehört diese Bahn zu den afferenten Nerven.

Beim Schlucken von Flüssigkeit und Speisen benötigt der Körper die Informationen aus dem Nervus laryngeus superior und aus anderen sensiblen Neuronen, um den Kehlkopf zu verschließen und damit dem Eindringen von Fremdkörpern in den Larynx vorzubeugen. Für diesen Prozess ist ein Reflex verantwortlich. Darüber hinaus spielt die sensorische Reizung des Ramus internus beim Hustenreflex eine Rolle – zum Beispiel, wenn trotz des reflektorischen Verschlusses Flüssigkeit oder Nahrung in die Atemwege gerät. Außerdem versorgt der Ramus internus des Nervus laryngeus superior einige Geschmacksrezeptoren und trägt auf diese Weise zur gustatorischen Wahrnehmung bei.

Der Ramus externus verkörpert eine motorische Nervenbahn. Seine efferenten Fasern leiten aus dem zentralen Nervensystem Befehle an den Musculus cricothyroideus weiter. Seine Aufgabe besteht darin, die Stimmbänder zu spannen. Um das zu erreichen, zieht der Musculus cricothyroideus den Ringknorpel (Cartilago cricoidea) des Kehlkopfes nach unten und hinten. Bei gespannten Stimmlippen klingt die Stimme höher, was beim Sprechen und Singen relevant ist.

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Krankheiten

Läsionen am Nervus laryngeus superior können zu Schluckstörungen (Dysphagien) führen, wenn der Körper keine sensiblen Reize aus der Kehlkopfgegend mehr registriert.

Der Reflex, der für das Verschließen des Kehlkopfes verantwortlich ist, wird in diesen Fällen oft nicht ausgelöst, weshalb Flüssigkeit oder Speisebrei in die Atemwege gelangen kann (Fremdkörperaspiration). Gelangt der Fremdkörper in die Lunge, kann er dort mechanische Schäden anrichten oder zur Entstehung von Infektionen führen. Der Ausfall des motorischen Ramus externus des Nervus laryngeus superior wirkt sich für gewöhnlich auf die Stimme des Betroffenen aus. Diese klingt typischerweise gebrochen oder heiser. Das Frequenzspektrum kann eingeschränkt sein und zu monotonem Sprechen führen.

Schäden am Nervus laryngeus superior können auf unterschiedliche Ursachen zurückgehen. Neben zentralnervösen Erkrankungen, die optional auch andere Nervenbahnen betreffen, kommen lokale Läsionen als Auslöser infrage. Ein Risiko von Operationen im Halsbereich, zum Beispiel an der Halswirbelsäule, sind Schäden an umliegendem Gewebe. Der Nervus laryngeus superior ist darüber hinaus im Rahmen einer Schilddrüsenentfernung (Thyroidektomie) gefährdet. Eine solche Schilddrüsenresektion ist unter anderem bei Karzinomen am hormonproduzierenden Organ indiziert. Das Schilddrüsenkarzinom verkörpert eine Krebserkrankung, die mehrheitlich Frauen befällt und als selten gilt. Neben der operativen Behandlung kommt auch eine Strahlentherapie in Betracht. Die konkreten Behandlungsmöglichkeiten hängen jedoch vom Einzelfall ab.

Auch die operative Therapie einer Stenose, die ein Blutgefäß verengt und dadurch den Blutfluss behindert, kann den Nervus laryngeus superior lädieren. Die Medizin bezeichnet diese Operation als Ausschälplastik oder (End-)Arteriektomie. Sie ähnelt der Lymphknotenausräumung, die am Hals auch unter der englischen Bezeichnung Neck Dissection bekannt ist und ebenfalls eine mögliche Ursache für Schäden am Nervus laryngeus superior darstellt. Neuralgische Schmerzen sind als Erkrankung des oberen Kehlkopfnervs eher selten.

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