Nervus facialis

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 3. November 2016
Symptomat.deAnatomie Nervus facialis

Als Nervus facialis wird der Gesichtsnerv des Menschen bezeichnet. Er bildet den 7. Hirnnerv.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Nervus facialis?

Der Nervus facialis ist auch als Gesichtsnerv, 7. Hirnnerv, Nervus VII oder Nervus intermediofacialis bekannt. Dabei handelt es sich um den 7. Gehirnnerv. Gemeint ist damit ein Kiemenbogennerv, der aus den Nerven des 2. Kiemenbogens hervorgeht. Er ist für die viszeromotorische Innervation sämtlicher Muskeln zuständig, die sich aus der Muskelanlage des Kiemenbogens bilden.

Anatomie & Aufbau

Beim Nervus facialis handelt es sich um den einzigen Hirnnerv, in dem zugleich sensible, parasympathische, sensorische und motorische Fasern vorhanden sind. Der Nerv entsteht aus ca. 10.000 Nervenzellen. 7000 dieser Zellen bringen markhaltige motorische Fasern hervor. Die restlichen 3000 Zellen gehören zum Nervus intermedius. Sie verfügen über marklose sensorische, sensible und parasympathische Fasern.

Durch die motorischen Bestandteile des Nervus facialis werden in erster Linie die Muskulatur der Mimik und die Hinterabschnitte der Mundbodenmuskulatur innerviert. Dabei handelt es sich um den Musculus stylohyoideus sowie den Ventor posterior des Musculus digastricus. Außerdem gibt es Fasern, die in Richtung Musculus stapedius führen. Sie dienen zur Feinregulation des Gehörs. Gemeinsam mit der Chorda tympani (Paukensaite) nehmen die sensorischen Fasern des Gesichtsnervs einen Verlauf über den Nucleus tractus solitarii. Auf diese Weise wird im Vorderabschnitt der Zunge für die funktionelle Versorgung der Geschmacksknospen in der Zungenpapillen-Region gesorgt.

In Richtung Haut des Meatus acusticus externis sowie des Trommelfells befinden sich die sensiblen Gesichtsnervenfasern. Dort nehmen sie die Übermittlung von Temperaturempfindungen sowie von Berührungs- und Schmerzreizen vor. Über den Nervus intermedius werden dem Nervus facialis parasympathische Nervenfasern zugeführt, die aus dem Nucleus salivatorius superior stammen. Mit der Chorda tympani ziehen sie in Richtung Mundhöhle und kümmern sich um die Innervation der Mundspeicheldrüsen. Weitere parasympathische Gesichtsnervenanteile führen zur Tränendrüse, die von ihnen versorgt wird.

Seine Hauptzentren hat der Nervus facialis in der Region der Medulla oblongata. Nach der Umrundung des Abducenskerns wird das Gehirn von den Fasern des Gesichtsnervs am Kleinhirnbrückenwinkel verlassen. Anschließend gelangt der 7. Hirnnerv über den Porus acusticus internus weiter zum Felsenbein bzw. dessen Meatus acusticus internus. Dort tritt er am Fundus in den Canali nervi facialis ein.

Am Felsenbeinabschnitt wird zudem das Ganglion geniculi gebildet. Dort sind die Perikaryen der afferenten Fasern zu finden. Außerdem entsteht durch den Nervus facialis ein zweites sogenanntes „Knie“, das die Bezeichnung Geniculum nervi facialis trägt.

Aus dem Felsenbein bilden sich drei Äste des Nervus facialis. Dies sind der Nervus petrosus major, der die Tränendrüse innerviert, der Nervus stapedius, der den Musculus stapedius versorgt, sowie die Paukensaite. Aus dem Foramen stylomastoideum erfolgt der Abgang von weiteren Ästen wie dem Nervus auricularis posterior.

Funktion & Aufgaben

Durch den Nervus facialis werden unterschiedliche Wahrnehmungen weitergeleitet. Dazu gehören Empfindungen des äußeren Gehörgangs, der Ohrmuschel sowie der Zunge in Richtung Gehirn. Des Weiteren übernimmt der Gesichtsnerv die Steuerung der Gesichtsmuskeln, der Speichel-, Tränen und Nasendrüsen, der Zungenmuskulatur sowie eines Mittelohrmuskels.

Der Nervus facialis wird zu den gemischten Nerven gerechnet, weil er sowohl über efferente als auch über afferente Nervenfasern verfügt. Von den efferenten Fasern werden Befehle des Gehirns zum betroffenen Erfolgsorgan weitergeleitet. Dabei kann es sich beispielsweise um einen Muskel handeln. Die afferenten Fasern geben dagegen Informationen vom Erfolgsorgan an das Gehirn weiter. Dazu zählen zum Beispiel die Temperaturempfindungen der Haut.




Krankheiten

Unterschiedliche Erkrankungen können den Nervus facialis in Mitleidenschaft ziehen. Dazu gehört in erster Linie die Fazialisparese (Fazialislähmung). Dabei kommt es zur Lähmung einzelner oder sämtlicher Muskeln des Gesichtsnervs auf einer Seite des Kopfes. Ursächlich für die Fazialislähmung sind in den meisten Fällen Durchblutungsstörungen des Nervus facialis innerhalb des knöchernen Kanals, Entzündungen des Ohrs oder Raumeinengungen in der Felsenbeinregion.

Als typische Symptome einer Fazialisparese gelten das Herabhängen des Augenunterlids, ein unvollständiger Verschluss des Lids und Steigerungen des Hörempfindens. Außerdem kann der Patient seine Stirn nicht runzeln und leidet unter Störungen der Tränensekretion sowie Geschmacksstörungen. Eine weitere Erkrankung des Nervus facialis stellt die faziale Myokymie dar. Dabei handelt es sich um wellenartige Kontraktionen am Muskel entlang, die unwillkürlich auftreten und auch im Schlaf nicht enden. Sie werden durch Verletzungen an den zentralen Kernen des Gesichtsnervs innerhalb des Hirnstamms ausgelöst.

Auch Entzündungen des Nervus facialis, die im Ganglion geniculi auftreten, rufen mitunter Beeinträchtigungen hervor. Als Ganglion geniculi wird ein Nervenschaltzentrum bezeichnet, das sich am Verlauf des Gesichtsnervs dicht am Hirnstamm befindet. Die Entzündung markiert eine spezielle Form der Fazialisparese und umfasst zumeist sämtliche Nervenfunktionen. Lediglich die Augenbrauen lassen sich auch weiterhin anheben.

Ebenfalls zu den Erkrankungen des Nervus facialis zählt der Spasmus fazialis (Tonischer Fazialiskrampf). Gemeint sind damit tonische synchron ablaufende Verkrampfungen sämtlicher Muskeln, die vom Gesichtsnerv versorgt werden. Häufigster Grund dafür ist eine Nervenkompression in der direkten Nähe des Hirnstamms, die durch eine Vene, eine Arterie oder Gefäßfehlbildung entsteht. Ebenso können Multiple Sklerose oder ein Tumor für die Kompression verantwortlich sein.

Eine andere Beeinträchtigung des Nervus facialis bildet das Melkersson-Rosenthal-Syndrom, dessen Ursachen nicht bekannt sind. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Fazialislähmung, Schwellungen der Mundschleimhaut und des Gesichts sowie Schmerzen in der äußeren Ohrregion.

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