Nervenblockade

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. September 2017
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Unter einer klassischen Nervenblockade wird die Beeinträchtigung, bzw. völlige Blockade, peripherer Nerven in ihrer Funktion als Reizleiter für motorische, sensorische und vegetative Impulse verstanden. Die permanent oder fakultativ auftretenden Beeinträchtigungen der Nerven können durch mechanische Druck- oder Zugreize oder durch chemische Reize ausgelöst werden und führen je nach Schwere der Läsion zu ständigen Schmerzen und eingeschränkter Funktion der betroffenen Muskeln bis hin zu völliger Lähmung und Kraftlosigkeit.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Nervenblockade?

Periphere Nerven sind in der Regel multifunktional und bestehen aus spezialisierten motorischen, sensiblen und vegetativen Nervenfasern (Faszien), die durch Hüllgewebe voneinander isoliert sind und insgesamt als Nervenstrang vom Epineurium umgeben sind. Die motorischen Faszien leiten willentliche Kontraktions-, bzw. Entspannungsimpulse an „ihre“ Muskeln weiter, die daraufhin kontrahieren oder entspannen.

Während die sensiblen Faszien sensorische und haptische Reize– auch Schmerzempfindungen – „transportieren“, dienen die vegetativen Fasern zur Impulsleitung für nicht dem Willen unterliegende Regelkreise. Da die peripheren Nerven zum Teil anatomische Engstellen überwinden müssen oder in speziellen Knochenrinnen verlaufen, können sie durch Muskelverspannungen infolge Überlastung oder einseitiger und wiederkehrender Fehlbelastungen durch Druck oder Zug geschädigt werden.

Das verursacht entsprechende motorische, sensorische und vegetative Störungen, die sich auch durch intensive Schmerzen äußern können. Eine totale Blockade des Nervs, z. B. infolge einer Durchtrennung hat die totale Lähmung „seines“ Muskels zur Folge, weil der Muskel keine motorischen Kontraktionsimpulse mehr erhält.

Ursachen

Neben Unfällen, die zu direkten Läsionen peripherer Nerven führen können, liegen die Hauptursachen für Nervenblockaden meist bei wiederkehrenden Fehlhaltungen und –belastungen. Es handelt sich dann um eine repetitive strain injury (SRI), die sich durch eine Vielzahl von Symptomen bemerkbar machen kann. Auslösefaktor kann bereits hochmonotones, längeres Schreiben am Bildschirm sein, wenn der Arbeitsplatz ergonomisch suboptimal eingerichtet ist und gleichzeitig über Multitasking auch Dauerstress besteht, der bei verschiedenen Muskeln einen Dauertonus auslöst und zu Kompressionsschäden an den peripheren Nerven führen kann.

Eine weitere typische Ursache für eine Blockade peripherer Nerven kann ein Bandscheibenvorfall sein, bei dem das Bandscheibengewebe Druck auf die Nervenwurzel an der Austrittsöffnung aus dem Wirbelkanal ausübt. Je nach Beeinträchtigung des betroffenen Nervs können Schmerz- und Symptomausstrahlungen bis in die Versorgungsgebiete des betroffenen Nervs stattfinden.

Außer durch mechanische Quetschungen und Läsionen können Nervenblockaden auch systemisch durch chemische Substanzen (z. B. durch Pilz-, Schlangen- oder Quallenvergiftungen) verursacht werden, die teilweise irreversibel und irreparabel oder sogar lebensbedrohlich sein können.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die wichtigsten Symptome für eine Nervenblockade sind permanenter Schmerz bei gleichzeitigem Kribbeln in der Extremität, die durch den betroffenen Nerv versorgt wird und erkennbarer Kraftverlust an der Gliedmaße. Bei Verdacht auf eine Nervenblockade schließt sich eine Untersuchung der Motorik, Haptik und Schmerzempfindungsfähigkeit an.

Weitere klinische Abklärungsmöglichkeiten liegen in der Messung der Nervenleitgeschwindigkeit und in einer Elektromyografie (EMG). Das EMG kann Aufschluss darüber geben, ob eine festgestellte Schwäche des Muskels auf einer Erkrankung des Muskels selbst beruht oder auf der verminderten Funktionsfähigkeit des Nervs.

In gravierenden Fällen kann ein bildgebendes Verfahren wie Myelografie oder CT eingesetzt werden. Falls Nervenblockaden unbehandelt bleiben und sich die Ursachen für die Blockade nicht zurückbilden oder eine evtl. Vergiftung nicht vom Körper abgebaut werden kann, stellen sich irreversible Lähmungen, Schmerzunempfindlichkeit und Muskelschwund ein, weil der Muskel nicht mehr gefordert wird.

Komplikationen

Die Beschwerden und Komplikationen einer Nervenblockade sind sehr stark von der Ausprägung der Krankheit abhängig. In der Regel leiden die Betroffenen dabei an starken Schmerzen und weiterhin auch an Lähmungen und an Störungen der Sensibilität. Diese Lähmungen können sich auch in andere Regionen des Körpers ausbreiten und zu Einschränkungen im Alltag des Betroffenen führen. Weiterhin wirken die Patienten auch abgeschlagen und kraftlos und können ihre Muskeln oft nicht mehr bewegen.

In einigen Fällen sind die Patienten damit auf die Hilfe anderer Menschen in ihrem Alltag angewiesen und leiden an deutlichen Bewegungseinschränkungen. Auch die Schmerzempfindlichkeit des Patienten steigt aufgrund der Nervenblockade erheblich an und es kommt es zu einem Muskelschwund, wenn die Nervenblockade über einen längeren Zeitraum anhält. Die Lebensqualität des Betroffenen wird durch die Krankheit deutlich verringert und eingeschränkt.

Eine Behandlung kann in diesem Falle mit Hilfe von verschiedenen Therapien stattfinden und damit die Beschwerden lindern. Ob es dabei allerdings zu einem Erfolg kommt, kann nicht universell vorausgesagt werden. Auch operative Eingriffe sind in einigen Fällen möglich, um die Nervenblockade zu lösen. Eventuell wird aufgrund der Nervenblockade auch die Lebenserwartung des Patienten verringert.

Behandlung & Therapie

Bei klar diagnostizierten Nervenblockaden liegt das erste Ziel einer Therapie in der Beseitigung der Ursache für die Nervenschädigung, so dass sich der Nerv anschließend wieder regenerieren kann. In vielen Fällen kann eine konservative Physiotherapie und andere begleitende Anwendungen Abhilfe schaffen.

Es können auch spezielle Deblockiertechniken angewendet werden, die im Versuch passiver oder aktiver Remobilisierung der betroffenen Muskelpartien bestehen. Der speziell ausgebildete Therapeut wendet bestimmte Techniken an, die die Muskelblockade lösen soll. Falls der Nerv durchtrennt wurde und sich das distale und das proximale Ende zu weit voneinander entfernt haben, kann ein neurochirurgischer Eingriff an einer Spezialklinik indiziert sein.

Während der Operation werden die beiden Nervenenden zunächst identifiziert und dann mittels besonderer Technik miteinander verbunden, so dass sie sich postoperativ wieder regenerieren können. Sollte die Verbindung der beiden Nervenenden nicht spannungsfrei möglich sein, kann ein Stück eines körpereigenen anderen Nervs als Überbrückungsglied eingesetzt werden.

Alternativ kann sich auch die Verlegung des Nervs anbieten, wenn dadurch eine später zu befürchtende Zugspannung vermieden werden kann. Nach einer derartigen Operation muss sich eine mindestens 2-wöchige Ruhigstellung als Regenerationsphase anschließen.

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Vorbeugung

Eine Vorbeugung vor Nervenblockaden besteht hauptsächlich in einer Vermeidung von wiederkehrenden Fehlbelastungen und Dauerstress ohne Erholungsphasen. Als aktive Vorbeugemaßnahmen sind regelmäßige Entspannungsübungen, leichte und regelmäßige sportliche Betätigung und Gymnastik, die vor allem Dehnübungen der Muskeln beinhalten sollte, zu empfehlen.

Bücher über Nervenschmerzen

Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Hacke, W.: Neurologie. Springer, Heidelberg 2010
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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