Nephronophthisen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. September 2017
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Nephronophthisen sind Nierenerkrankungen, die auf eine genetische Mutation oder Deletion zurückzuführen sind. Das terminale Nierenversagen stellt sich im Rahmen dieser sieben Krankheitsformen spätestens bis zum 25. Lebensjahr ein. Als kurative Therapie steht bislang lediglich eine Transplantation zur Verfügung.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Nephronophthisen?

Bei Nephronophthisen handelt es sich um genetische Nierenerkrankungen mit chronisch entzündlichen Eigenschaften. Das interstitielle Nierengewebe ist der Hauptangriffspunkt der Krankheiten. Bislang wurden sieben verschiedene Erbkrankheiten dieser Gruppe zugeordnet:

  • juvenilen Nephronophthise
  • infantile Nephronophthise
  • adoleszente Nephronophthise

Die restlichen drei Erkrankungen werden als NPHP4, NPHP5, NPHP6 und NPHP7 bezeichnet und sind bislang nicht besonders gut erforscht.

Bis in die 70er Jahre beschrieb die Forschung die Nephronophthisen als medullär zystische Nierenerkrankungen. Histologisch lassen sich diese Erkrankungen kaum voneinander abgrenzen. Der Erbgang der medullären zystischen Nierenerkrankungen unterscheidet sich aber vom Erbgang der Nephronophthisen. Statt einem autosomal-dominanten Erbgang liegt bei den Nephrophthisen ein autosomal-rezessiver Erbgang vor. Die Häufigkeit aller Formen wird mit einem Verhältnis von etwa 1: 100.000 angegeben.

Ursachen

Die Ursache für alle Nephronophthisen ist eine Genmutation oder Gendeletion. Die Erkrankungen sind also genetisch bedingt und autosomal-rezessiv vererbbar. Bei der juvenilen Nephronophthise liegt das mutierte Gen auf Chromosom 2 Genlocus q13. Dieses Gen codiert für das Protein Nephrocystin-1. Wenn es mutiert oder gelöscht wird, verliert das Protein seine Funktion. Die infantile Nephronophthise wird dagegen mit einer Mutation oder Deletion auf dem Chromosom 9 Genlocus q22-q31 assoziiert, das für das Protein Inversin codiert.

Bei der adoleszenten Form liegt der Gendefekt auf Chromosom 3 Genlocus q21-q22. Die vierte Form der Nephronophthise wird durch eine Mutation oder Deletion auf Chromosom 1 Genlocus p36.22 ausgelöst, wo für das Protein Nephroretinin codiert wird. Bei der fünften Variante liegt eine Deletion oder Mutation auf Chromosom 3 Genlocus q21.1 vor, die das Protein Nephrocystin-5 beeinträchtigt. NPHP6 wurde auf eine Anomalie auf Chromosom 12 Genlocus q21.33 zurückgeführt und bei NPHP7 ist das Zinkfingerprotein beeinträchtigt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei allen Nephronophthisen treten enorme Salzverluste ein, die den Patienten erheblich dehydrieren und in der Regel eine Verschiebung im Elektrolythaushalt auslösen. Der Urin lässt sich nicht mehr auf eine Konzentration von 800 mosm*kg−1H2O bringen. Azotämie tritt ein. Betroffene haben also einen überdurchschnittlich hohen Gehalt stickstoffhaltiger Stoffwechselprodukte im Blut.

Auch eine Anämie oder Blutarmut zählt zu den Symptomen einer Nephronophthise. Zusätzlich tritt eine Hypokaliämie, also Kaliummangel auf. Ebenso häufig ist eine Übersäuerung nachzuweisen. Die Tubuli der Nieren sind atrophisch und erweitern sich zystisch. Anders als bei gesunden Patienten liegen die Tubuli an der kortikomedullären Grenzlinie.

Zysten bilden sich vor allem an den Sammelrohren des Nierenmarks und am distalen Konvolut der Nieren. Die Nierenfunktion lässt Schritt für Schritt nach und mündet in terminales Nierenversagen. Nur bei der adoleszenten Nephronophthise tritt das terminale Nierenversagen erst nach der Volljährigkeit ein.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Der Arzt stellt die Diagnose einer Nephronophthise in der Regel über Bluttests, Urinproben und Nierenfunktionsszintigraphie sowie Bilgebungsverfahren. Als Bildgebungen kommen sowohl Ultraschall, als auch MRT infrage. In der Regel bleiben Nephronophthisen über lange Zeit unerkannt, bis sich schwere Beschwerden einstellen.

Die Prognose für Betroffene ist eher ungünstig. Spätestens mit 25 Jahren stellt sich für alle Patienten terminales Nierenversagen ein. Die adoleszente Form ist mit den vergleichsweise günstigsten Prognosen verbunden, da das Nierenversagen bei dieser Unterart erst nach der Volljährigkeit zu erwarten ist.

Komplikationen

Bei an einer Nephronophthise leidendem Patienten kommt es immer zu Komplikationen. Alle genetischen Defekte führen früher oder später zum Nierenversagen. Allerdings ist der Zeitpunkt des Eintritts des terminalen Nierenversagens abhängig davon, um welchen Gendefekt es sich handelt. Danach kann das Leben bis zu einer Nierentransplantation mit Hilfe einer Dialyse aufrechterhalten werden.

Beim häufigsten Gendefekt, dem NPHP1-Defekt, tritt das terminale Nierenversagen bereits vor dem 25. Lebensjahr ein. Es kann in diesem Zeitraum jederzeit auftreten. Mit Hilfe einer symptomatischen Behandlung könnte der Eintritt des Nierenversagens noch aufgeschoben werden. Noch ungünstiger ist die Prognose für den NPHP2-Defekt. Hier tritt das terminale Nierenversagen häufig schon vor der Geburt ein, aber spätestens noch innerhalb des ersten Lebensjahres.

Etwas günstiger ist der Verlauf beim NPHP3-Defekt. Das terminale Nierenversagen findet hier meist erst um das 19. Lebensjahr statt. Über die Gendefekte NPHP4, NPHP5, NPHP6, NPHP7 ist noch nicht viel bekannt. Allerdings kommt es auch hier jeweils zu einem Nierenversagen.

Der Patient bedarf einer ständigen ärztlichen Behandlung und Überwachung, da es sonst zu einer Anhäufung von harnpflichtigen Substanzen im Blut, zu einem Kaliummangel, einer Anämie (Blutarmut) und einer metabolischen Azidose (Übersäuerung) kommt. Trotz ständiger Blutreinigung kann ein Totalausfall der Nieren eintreten, ein lebensgefährlicher Zustand, der nur mittels einer Nierentransplantation behoben werden kann.

Behandlung & Therapie

Eine ursächliche Therapie gibt es für Patienten der Nephronophthisen nicht. Die Behandlung beschränkt sich auf eine Linderung der Symptome. Die Stück für Stück voranschreitende Niereninsuffizienz lässt sich mit den aktuellen Therapiemöglichkeiten also nicht aufhalten. Die einzige Aussicht auf vollständige Heilung ist eine Transplantation der Nieren. Bei mehr als zehn Prozent aller Betroffenen wird die Diagnose erst dann gestellt, wenn bereits terminales Nierenversagen vorliegt.

Als Nierenrersatztherapien stehen nach Eintreten des terminalen Nierenversagens mehrere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Als Dialysen stehen die Hämodialyse und die Peritonealdialyse zur Auswahl. Bei allen Dialyseverfahren handelt es sich um Verfahren der Blutreinigung, die die blutreinigenden und entgiftenden Funktionen der Nieren ersetzen sollen. Die Hämodialyse ist ein extrakorporales Verfahren und findet so außerhalb des eigenen Körpers statt.

Die Peritonealdialyse ist dagegen ein intrakorporales Verfahren und wird innerhalb des Patientenkörpers angewandt. Ersteres Verfahren wird bedeutend häufiger als Nierenersatztherapie verwendet. Die Dialyse kann auf Dauer eine funktionstüchtige Niere nicht ersetzen. Daher wird bei terminalem Nierenversagen früher oder später immer eine Nierentransplantation erforderlich. Dabei kann es sich entweder um die Transplantation einer Verwandten-Niere handeln oder um die Transplantation einer Verstorbenen-Niere.

Gegenwärtig werden öfter geeignete Spendernieren gefunden, als je zuvor, denn Transplantat-Listen sind in der heutigen Zeit nicht mehr auf Deutschland begrenzt, sondern beziehen sich auf die gesamte EU. Die Forschung ist derzeit außerdem damit befasst, medikamentöse Therapien für Patienten mit Nephronophthisen zu entwickeln. So wird sich das fortschreitende Nierenversagen in absehbarer Zeit eventuell medikamentös hinauszögern lassen.

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Vorbeugung

Da es sich bei Nephronophthisen um mutationsbedingte Erbkrankheiten handelt, lässt sich den Erkrankungen kaum vorbeugen.

Bücher über Nierenschmerzen

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Keller, C.K., Geberth, S.K.: Praxis der Nephrologie. Springer, Berlin 2010

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