Nephrektomie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 24. November 2016
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Als Nephrektomie wird die chirurgische Entfernung einer Niere bezeichnet. Mögliche Indikationen für eine operative Entfernung der Niere sind ein Niereninfarkt oder eine Organfehlbildung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Nephrektomie?

Bei der Nephrektomie wird eine Niere operativ entfernt. Die Nieren sind als paarige Organe angelegt. Sie sind bohnenförmig, 10 bis 12 Zentimeter lang und 4 bis 6 Zentimeter breit. Ihr Gewicht variiert zwischen 120 und 200 Gramm. Hauptaufgabe der Nieren ist die Harnbildung. Dafür ist eine Filtration, Reabsorption und Konzentration des Urins nötig.

Zudem ist die Niere an der Regulation des Wasser- und Elektrolythaushalts sowie an der Regulation des Säure-Basen-Gleichgewichts beteiligt. Die erste Nephrektomie wurde am 2. August 1869 von dem Chirurgen Gustav Simon in Heidelberg durchgeführt. Vor dem Eingriff am Menschen hatte Simon die Nephrektomie an Tieren mehrfach trainiert. Mit der ersten Nephrektomie bewies Gustav Simon, dass eine gesunde Niere ausreicht, um die Urinausscheidung zu übernehmen. Vorher wurde angenommen, dass der Mensch mit nur einer Niere nicht lebensfähig ist.

Funktion, Wirkung & Ziele

Eine Indikation für eine operative Entfernung der Niere ist der Niereninfarkt. Als Niereninfarkt wird eine Nekrose von Nierengewebe bezeichnet, die aufgrund von Durchblutungsstörungen und Sauerstoffunterversorgung (Ischämie) entstanden ist. Häufig wird der Niereninfarkt durch eine Thrombose hervorgerufen.

Diese kann aufgrund von Vorhofflimmern, Aneurysmen der Herzwand, Herzklappenersatz oder Entzündungen der Herzinnenhaut entstehen. Auch venöse Thrombosen können einen Niereninfarkt bedingen. Hier liegt meist eine Rechtsherzinsuffizienz zugrunde. Eine mögliche Ursache ist aber auch die Kompression der Nierenvenen durch einen Nierentumor.

Eine weitere Indikation für eine Nephrektomie sind rezidivierende Nierenentzündungen (Nephritiden). Bei der Nephritis sind in der Regel das Nierenfunktionsgewebe und das Nierenbecken entzündet. Meistens entstehen Nephritiden durch aufsteigende Infektionen aus den Harnwegen. Begünstigend wirken Nieren- und Harnsteine, Diabetes mellitus, Fehlbildungen und Schmerzmittelmissbrauch. Auch schwere Fälle von Nierensteinen (Nephrolithiasis) können eine Entfernung der Niere erforderlich machen.

Als Nephrektomie wird die chirurgische Entfernung einer Niere bezeichnet.

Ferner kann eine Nephrektomie bei einer Hydronephrose indiziert sein. Eine Hydronephrose ist eine krankhafte Erweiterung des Nierenbeckens. Durch diese Erweiterung kommt es zu einer Harnabflussstörung. Das Nierenbecken ist aufgebläht, das Nierenparenchym hingegen verschmälert. Dieses Phänomen wird auch als Wassersackniere bezeichnet. Hydronephrosen können angeboren oder erworben sein. Ursachen der sekundären, also der erworbenen, Hydronephrose sind Verschlüsse der Harnwege durch Steine, Karzinome des Harnleiters, Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane oder Erkrankungen der Harnblase.

Schwere Organfehlbildungen erfordern ebenfalls eine Nephrektomie. Dasselbe gilt für bösartige Nierenerkrankungen. Nierentumore sind häufig Zufallsbefunde. Rund 90 Prozent aller bösartigen Nierentumore sind Nierenzellkarzinome. Seltener finden sich gutartige Tumore oder sogenannte Onkozytome.

Größere oder zentral gelegene Tumore werden im Rahmen einer radikalen Nephrektomie entfernt. Bei der radikalen Nephrektomie wird die komplette Niere entfernt. Der Eingriff kann offen operativ oder laparoskopisch erfolgen. Bis vor wenigen Jahren war die offene radikale Nephrektomie noch das Therapieverfahren der Wahl bei Nierentumoren. Heute wird die laparoskopische Nephrektomie bevorzugt. Eine offene Operation wird dann durchgeführt, wenn eine laparoskopische Entfernung aufgrund der Größe des Tumors oder aufgrund von vorherigen Operationen nicht möglich ist.

Die Operation kann in überstreckter Seitenlage (retroperitoneal) oder in Rückenlage über einen Bauchschnitt (transperitoneal) durchgeführt werden. Die Nierengefäße werden abgeklemmt, sodass die Blutzufuhr unterbrochen ist. Anschließend wird die Niere mitsamt der Fettkapsel entfernt. Eventuell werden zusätzlich die Lymphknoten und die Nebenniere entfernt. Die Nebenniere sitzt der Niere auf. Im Gegensatz zur Niere ist sie nicht für die Harn-, sondern für die Hormonproduktion zuständig. In der Regel können die Patienten nach einer Nephrektomie nach 8 bis 10 Tagen wieder entlassen werden.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Eine Operation und damit auch die Nephrektomie ist immer mit Risiken verbunden. Im Verlauf der Operation kann es zu Störungen des Herz-Kreislauf-Systems kommen.

Da die Narkose die Schutzreflexe des Körpers ausschaltet, kann unter ungünstigen Bedingungen Mageninhalt in den Rachen, in die Luftröhre oder in die Lunge gelangen. Dadurch kann sich eine sogenannte Aspirationspneumonie entwickeln. Bei der Intubation zu Beginn oder bei der Extubation zum Ende der Narkose kann in seltenen Fällen ein Krampf der Stimmritze entstehen. Durch den Endotrachealtubus oder die Kehlkopfmaske werden der Hals und die Stimmbänder gereizt. Deshalb kann es nach der Operation zu Heiserkeit und Husten kommen. In seltenen Fällen können Stimmbandschäden zurückbleiben.

Gelegentlich werden beim Einführen des Laryngoskops die Frontzähne des Oberkiefers beschädigt. 20 bis 30 Prozent aller Patienten leiden nach der Narkose zudem unter Übelkeit und Erbrechen.

Auch wenn nach dem Eingriff möglicherweise nur eine kleine Narbe zurückbleibt, ist eine Schon- und Erholungsphase von 4 bis 6 Wochen nach der Operation nötig. Während der ersten 4 bis 6 Wochen nach der Operation ist das Thromboserisiko erhöht. Schmerzen in der Hüfte, im Bein oder im Sprunggelenk sowie Schwellungen der Beine sind immer als Warnzeichen zu werten. Infolge der Beinvenenthrombose kann sich eine lebensbedrohliche Lungenembolie entwickeln.

Nach der Nephrektomie muss die verbliebene Niere den Nierenfunktionsverlust ausgleichen. Deshalb vergrößert sie sich meist. In der Regel verläuft dieser Vorgang problemlos. Trotzdem sollten regelmäßig die Laborwerte durch den Arzt kontrolliert werden. Insbesondere die Glomeruläre Filtrationsrate (GFR), die Kreatinin-Clearance und der Kreatinin-Wert sollten überwacht werden. Eine Überwachung durch den Internisten ist ebenfalls empfehlenswert. Dieser kann bei einer Funktionseinschränkung der Einzelniere gegebenenfalls rechtzeitig die Dialyse einleiten.

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