Nekrotisierende Fasziitis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. September 2017
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Eine nekrotisierende Fasziitis liegt bei einer bakteriellen Infektion der Haut, Unterhaut und Muskeln vor. Die häufigsten Erreger sind Streptokokken der Gruppe A, Staphylokokken oder Clostridien. Das betroffene Gewebe muss vollständig entfernt werden, um das Leben der Patienten nicht zu gefährden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine nekrotisierende Fasziitis?

Die Fasziitis ist eine nekrotisierende Faszienerkrankung. Es handelt sich um eine Entzündung im faszialen Gewebe, bei der Zellen zugrunde gehen. Die entzündliche Erkrankung wird auch als nekrotisierende Fasziitis bezeichnet. Die Inzidenz wird mit bis zu einem Fall auf 100 000 Einwohner angegeben. Die Entzündung ist bakteriell bedingt und zeigt blitzartig schnellen Verlauf.

Betroffen sind die Haut und Unterhaut mit Beteiligung der Faszien. Aus diesem Grund wird die Erkrankung den bakteriellen Weichteilinfektionen zugeordnet. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen Durchblutungsstörungen, wie sie im Rahmen von übergeordneten Stoffwechselerkrankungen auftreten können. Abhängig von der Spezies des bakteriellen Erregers werden zwei Untergruppen der nakrotisierenden Fasziitis unterschieden.

Diese Untergruppen werden als Typ I und Typ II der Erkrankung bezeichnet und können unterschiedlichen Verlauf zeigen. Bei immundefiziten Patienten ist der Verlauf von Infektionen generell heftiger. Wenn die beteiligten Bakterien die Blutbahnen dieser Patienten erreichen, ist die Gefahr einer Sepsis oder eines septischen Schocks groß. In einer Folge kann die nekrotisierende Fasziitis für immundefizite Patienten zu einem lebensbedrohlichen Zustand heranreifen.

Ursachen

Menschen mit Durchblutungsstörungen in peripheren Gefäßen sind am häufigsten von einer nekrotisierenden Fasziitis betroffen. Auch Störungen des Lymphabflusses und Immundefizienz begünstigen die Entstehung der Erkrankung. Besonders gefährdet sind Stoffwechselerkrankte, so vor allem Diabetiker. In der Regel wird die Infektion durch Hautverletzungen oder Abszesse der Haut ausgelöst, die Bakterien Zutritt zur Unterhaut verschaffen.

Auch intramuskuläre Injektionen wie die therapeutischen Injektionen bei Diabetes oder therapeutisch chirurgische Eingriffe können Bakterien die Tore zur Unterhaut öffnen. Streptokokken der Gruppe A gelten als wichtigste Erreger der nekrotisierenden Fasziitis. Auch Staphylokokken oder Clostridien können die Infektion theoretisch verursachen, sind in der klinischen Praxis aber eher selten daran beteiligt.

Zuweilen handelt es sich bei der Infektion auch um eine Mischinfektion:

  • Die nekrotisierende Fasziitis Typ 1 entspricht zum Beispiel einer aerob-anaeroben Mischinfektion und tritt vor allem nach chirurgischen Eingriffen auf. *Die nekrotisierende Fasziitis Typ 2 wird von Streptokokken der Gruppe A verursacht und ist damit die häufigste Form der Infektion.
  • Eine Sonderform der nekrotisierenden Fasziitis ist Fournier-Gangrän in der Leistenregion und der Genitalregion, die insbesondere Männern betrifft. Neugeborene mit Omphalitis haben für eine nekrotisierende Fasziitis des Nabelbereichs gesteigerte Anfälligkeit.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Patienten mit einer nekrotisierenden Fasziitis leiden zu Beginn der Infektion an eher unspezifischen Symptomen. Zu den Anfangssymptomen zählen vor allem lokale Schmerzen und mehr oder weniger hohes Fieber. Vergesellschaftet sind diese Beschwerden anfangs oft mit Schüttelfrost, Abgeschlagenheit und ähnlichen Infektionsanzeichen.

Innerhalb der ersten Woche schwellen die Partien unter entzündlichen Prozessen langsam an. Meist ist die Haut über dem infektiösen Herd bläulich-rot verfärbt und wird im Verlauf bläulich-grau. Durch die entzündlichen Vorgänge in der Unterhaut überwärmt sich die obere und wirft oft konfluierende Blasen. Die Blasen enthalten eine hell- bis dunkelrote Flüssigkeit mit visköser Konsistenz.

In einem fortgeschrittenen Stadium nekrotisiert das betroffene Gewebe. Die Nekrosen können mehr oder weniger ausgedehnt ausfallen und befallen meist nicht nur das Weichgewebe, sondern auch die Nerven und Muskeln. Schmerzen liegen ab diesem Zeitpunkt meist nicht mehr vor, da die sensiblen Nerven in dem Bereich Stück für Stück absterben.

In den meisten Fällen steigt während diesen Vorgängen das Fieber der Patienten noch an. Wenn die beteiligten Erreger die Blutbahnen erreichen, tritt bei immunologisch gesunden Patienten eine vorübergehende Bakteriämie ein, die durch das Abwehrsystem wieder ausgeglichen wird. Bei immungeschädigten Patienten kann die Bakteriämie anhalten und in eine Sepsis münden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Lufteinschlüsse in der Muskelfaszien können bei der Diagnostik der nekrotisierenden Fasziitis mittels CT dokumentiert werden. Bei entsprechendem Verdacht findet eine mikrobiologische Diagnostik statt, bei der die Blasen punktiert werden oder Biopsien stattfinden. Diagnostisch gibt ein Grampräparat entscheidende Hinweise. Die mikrobielle Kultur zählt zur Standarddiagnostik.

Eine frühe Diagnose wirkt sich positiv auf die Prognose aus. Wegen des raschen Verlaufs liegt die Mortalität bei einer verzögerten Diagnose vor allem für den Typ II mit 20 bis 50 Prozent hoch. Vor allem bei Beteiligung der Rumpfgegend ist die Prognose ungünstig.

Komplikationen

Bei dieser Krankheit leiden die Betroffenen an einer bakteriellen Infektion. In den meisten Fällen wird dabei allerdings das gesamte infizierte Gewebe operativ entfernt, sodass Komplikationen damit in der Regel vermieden werden. Die Patienten leiden bei dieser Erkrankung an einem hohen Fieber und weiterhin auch an einer Müdigkeit und einer Abgeschlagenheit.

Auch Gliederschmerzen und Kopfschmerzen können dabei auftreten und die Lebensqualität des Patienten erheblich verringern. Es kommt auch zu Schwellungen an der Haut und die Haut selbst färbt sich meistens bräunlich. Weiterhin bilden sich auf der Haut blasen. Sollte die Krankheit nicht behandelt werden, so sterben die Nerven ab und es kommt zu Lähmungen oder zu anderen Störungen der Sensibilität. Diese Nervenschäden sind in der Regel nicht reversibel und können nicht mehr wiederhergestellt werden.

In schwerwiegenden Fällen kann es krankheitsbedingt auch zu einer Blutvergiftung und damit zu Tode des Betroffenen kommen. In der Regel wird die Krankheit ohne Komplikationen behandelt. Mit Hilfe von Antibiotika können die meisten Beschwerden relativ gut eingeschränkt werden. Bei einer frühen Diagnose kommt es zu einem vollständig positiven Krankheitsverlauf und nicht zu einer Verringerung der Lebenserwartung des Patienten.

Behandlung & Therapie

Die Therapie einer nekrotisierenden Fasziitis erfolgt chirurgisch. Alle betroffenen Weichteile müssen so schnell wie möglich radikal entfernt werden. Wenn zu wenig Gewebe entfernt wird, breitet sich die Fasziitis mit hoher Geschwindigkeit aus und führt zu hohen Gewebeverlusten oder sogar zum Tod. Die Erreger der Infektion sind extrem aggressive Erreger, sodass bei der Operation keinerlei Keime im Gewebe zurückgelassen werden dürfen.

Meist wird die chirurgische Intervention mit einer medikamentösen Therapie kombiniert. Diese Therapie besteht aus dreimal täglicher Gabe von Clindamycin, das häufig kombiniert mit Penicillin verabreicht wird. Viele der Erreger sind antibiotikaresistent. Daher ist eine rein antibiotische Behandlung in aller Regel nicht zielführend. Wenn alle chirurgischen und medikamentösen Maßnahmen ausgeschöpft sind und keine Besserung herbeiführt werden konnte, müssen die befallenen Gliedmaßen amputiert werden, um das Leben des Patienten zu retten.

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Vorbeugung

Da schlechte Durchblutung und Immunschwäche als Risikofaktoren für die nekrotisierende Fasziitis gelten, können immunstärkende und durchblutungsförderliche Maßnahmen im weitesten Sinne als Vorbeugemaßnahmen interpretiert werden.

Bücher über Hautkrankheiten

Quellen

  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Sterry, W. (Hrsg.): Kurzlehrbuch Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2011

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Hedwig kommentierte am 08.09.2017 um 04:04 Uhr

Ich hatte vor einem Jahr einen nekrotisierende Fasziitis am rechten Unterschenkel. Die Wade wurde dreimal gespalten. Hinten reichten normale Nähte, jedoch vorne benötigte ich eine Hauttransplantation. Ansich wurde die Krankheit gut und schnell behandelt. Jedoch, nachdem die Schnitte und die Transplantation verheilt waren, wurde ich mir selbst überlassen. Ich trage eine Jobstbandage, die aber nicht wirklich etwas bringt. Die Schmerzen, die ich immer noch habe, hindern mich daran meinen Beruf auszuüben, weil ich mich nach spätestens einer halben Stunde Stehen oder Gehen setzen, oder noch besser, hinlegen und Bein hochlagern muss.
Durch eine schon zuvor bestehende Venenschwäche, schwellen meine Beine im Laufe des Tages sowieso an, was die Schmerzen am rechten Bein noch schlimmer werden lässt. Auch im Ruhezustand habe ich ein Ziehen und Stechen im Bein. Bis jetzt konnte mir noch niemand so richtig weiterhelfen. Ich ernte meist ungläubige Blicke oder den Tipp einer "kosmetischen" Operation. Vielleicht finde ich auf diesem Wege jemanden, der mir helfen kann?

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