Nekrotisierende Enterokolitis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 19. September 2017
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Die nekrotisierende Enterokolitis ist eine Erkrankung des Darms, die vornehmlich bei Frühgeborenen auftritt. Die genauen Ursachen wurden noch nicht eindeutig geklärt. Auch wenn die Behandlung der Krankheit immer größere Erfolge erreicht, kommt sie unverändert häufig vor und führt in nicht wenigen Fällen zum Tode.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine nekrotisierende Enterokolitis?

Unter einer nekrotisierenden Enterokolitis verstehen Mediziner eine schwere Darmerkrankung, die hauptsächlich bei frühgeborenen Säuglingen auftritt.

Dabei handelt es sich um eine Infektion in Verbindung mit einer gestörten Durchblutung der Darmwand. Das Gewebe wird nekrotisch und verändert sich. Fäulnisgase lagern sich ein, und schlimmstenfalls kommt es zu einem Eindringen des Darminhalts in die Bauchhöhle. Die betroffenen Neugeborenen weisen einen aufgeblähten Bauch auf, vertragen keine Nahrung mehr und erbrechen unter Umständen blutigen Gallensaft.

Statistiken besagen, dass noch immer jedes 10. Frühgeborene von der nekrotisierenden Enterokolitis betroffen ist. Obwohl die Medizin immer größere Fortschritte macht, liegt die Sterblichkeitsrate bei Frühgeborenen immer noch bei 5 - 10 %, abhängig von Geburtsgewicht und allgemeiner Verfassung des Säuglings sowie dem Stadium, in dem die Krankheit erkannt wird.

Ursachen

Die genauen Ursachen für die Entstehung der nekrotisierenden Enterokolitis sind noch nicht geklärt. Mediziner konnten zwar zahlreiche Risikofaktoren bzw. Umstände, welche die Erkrankung zu begünstigen scheinen, ausfindig machen.

Allerdings konnte nicht festgestellt werden, ob einigen Faktoren größeren Einfluss auf die Krankheitsentstehung haben oder nicht. Zu den möglichen Auslösern der nekrotisierenden Enterokolitis zählen Vorerkrankungen wie bestimmte Herzfehler (beispielsweise eine Aortenisthmusstenose, eine Verengung der Aorta).

Aber auch Zustände wie etwa ein Volumenmangelschock, bei dem es durch einen starken Flüssigkeitsverlust zu einer Abnahme der Blutmenge in den Gefäßen kommt, oder ein Atemnotsyndrom, einer Lungenfunktionsstörung bei Neugeborenen, sollen die Entstehung einer nekrotisierenden Enterokolitis begünstigen. Dies gilt auch für Unterzuckerung, Unterkühlung, einen zu niedrigen Blutdruck oder auch das Einbringen eines Katheters über die Nabelschnurgefäße.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Eine nekrotisierende Enterokolitis kann noch in der Klinik von den behandelnden Ärzten diagnostiziert werden.

Zunächst findet eine allgemeine körperliche Untersuchung des Frühgeborenen statt, zusammen mit einer umfassenden Blutuntersuchung. Zusätzlich geben bildgebende Verfahren Auskunft über deutliche Symptome wie verdickte Darmwände und erweiterte Darmschlingen. Oftmals lassen sich auch Gasbläschen erkennen. Ist die Darmwand bereits perforiert, kann auch ausgetretene Luft in der Bauchhöhle erkannt werden.

Ein Ultraschall kann ähnlich eindeutige Beweise für das Bestehen einer nekrotisierenden Enterokolitis liefern. Bleibt eine nekrotisierende Enterokolitis unbehandelt oder wird sie zu spät erkannt, kommt es zu den soeben beschriebenen Perforationen in der Darmwand. Dadurch kann Darminhalt in die Bauchhöhle gelangen, was zu einer Sepsis führt und einen tödlichen Ausgang nehmen kann.

Komplikationen

Im schlimmsten Fall kann es bei dieser Krankheit zum Tod des Betroffenen kommen. Vor allem die Eltern und die Angehörigen können darauf mit psychischen Verstimmungen reagieren und benötigen mitunter eine psychologische Behandlung. In der Regel leiden die Betroffenen bei dieser Erkrankung an verschiedenen Beschwerden in der Region des Magens und des Darms. Es kommt dabei zu einem blutigen Stuhlgang und weiterhin öfter zu Erbrechen.

Auch ein Blähbauch und ein zu geringer Stuhlgang können dabei auftreten und die Lebensqualität des Patienten weiterhin verringern. In vielen Fällen leiden die Patienten bei dieser Krankheit auch an einer sehr blassen Hautfarbe und an Kreislaufbeschwerden. Ebenso kann es dabei ohne Behandlung zu einer Bauchfellentzündung kommen, die im schlimmsten Falle tödlich verlaufen kann.

In der Regel kann diese Krankheit mit Hilfe von Antibiotika behandelt werden. Komplikationen treten dabei nicht auf. Allerdings sind die Betroffenen weiterhin auf operative Eingriffe oder auf die Entnahme des Darms angewiesen und erhalten somit einen künstlichen Darmausgang. Damit kommt es zu erheblichen Einschränkungen im Alltag des Patienten. Bei einer erfolgreichen Behandlung wird die Lebenserwartung des Betroffenen in der Regel nicht verringert.

Behandlung & Therapie

Wurde eindeutig eine nekrotisierende Enterokolitis diagnostiziert, muss zunächst die Ernährung über den Magen-Darm-Trakt eingestellt werden. Währenddessen werden dem Frühgeborenen alle notwendigen Nährstoffe über Infusionen zugeführt.

Meist muss diese Maßnahme über einen Zeitraum von bis zu zehn Tagen erfolgen. Die Erkrankung selbst wird mit Antibiotika behandelt. Auch die Durchblutung der Darmwand kann medikamentös unterstützt bzw. verbessert werden. Ist es bereits zu einer Perforation der Darmwand gekommen, müssen die betroffenen Teile des Darms operativ entfernt werden. Je früher dieser Eingriff erfolgt, umso kleiner fällt der zu entfernende Abschnitt aus.

Vorübergehend muss ein künstlicher Darmausgang gelegt werden, der nach ca. acht bis zehn Tagen langsam wieder durch eine normale Darmtätigkeit ersetzt werden kann. Wird die Krankheit früh genug erkannt und angemessen behandelt, ist die Prognose für Neugeborene bei einer nekrotisierenden Enterokolitis recht günstig.

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Vorbeugung

Ein Vorbeugen einer nekrotisierenden Enterokolitis ist noch nicht möglich. Wissenschaftler versuchen unter anderem, Frühgeborene mit der Gabe von Antikörpern oder prophylaktischen Antibiotika vor der Erkrankung zu bewahren. Eine erwiesene vorbeugende Wirkung ist bisher aber noch nicht bekannt.

Ein genaues Beobachten des Frühgeborenen in der Klinik ist daher bislang die beste und einzige Möglichkeit, mögliche auftretende Symptome rechtzeitig zu erkennen und eine Therapie einzuleiten. So können ein Fortschreiten der Erkrankung und ein potenziell tödlicher Verlauf verhindert werden.

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Quellen

  • Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F.C.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Kurz, R. et al.: Checkliste Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2015
  • Rodeck, B., Zimmer, K.-P.: Pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung. Springer, Heidelberg 2013 - Gastro

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