Nasenzyklus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. Januar 2017
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Unter dem Nasenzyklus versteht die Medizin einen ultradianen Rhythmus, der die Nasenschleimhäute wechselseitig an- und abschwellen lässt. Dieser Wechsel von Arbeits- und Ruhephasen dient der Regenerierung der Schleimhäute. Eine übersteigerter Nasenzyklus ist auch als spezifisch oder unspezifisch nasale Hyperreaktivität bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Nasenzyklus?

Der Nasenzyklus ist das wechselseitige An- und Abschwellen der Schleimhautareale in den beiden Nasenmuscheln. Dieser Vorgang findet permanent und unabhängig von äußeren Reizen statt. Ein Zyklus dauert zwischen rund 30 Minuten und 14 Stunden. Durchschnittlich werden etwa 2,5 Stunden für einen Nasenzyklus angesetzt.

Die interindividuellen Unterschiede sind allerdings gravierend. Weil seine Perioden unter 24 Stunden liegen, wird der Nasenzyklus den ulradianen Rhythmen zugeordnet. Beim abgeschwollenen Zustand der Schleimhäute ist innerhalb des ultradianen Nasenzyklus auch von der Arbeitsphase die Rede. Der angeschwollene Zustand wird dagegen als Ruhephase bezeichnet.

Sowohl während des Tages, als auch in der Nacht bleibt der Nasenzyklus bestehen. Der Tag- und Nachtzyklus unterscheiden sich allerdings in der Luftmenge. So ist der verhältnismäßige Luftstrom zwischen Ruhe- und Arbeitsphase während der Nacht größer als am Tag. Der Breslauer Arzt Kayser beschrieb den Nasenzyklus Ende des 19. Jahrhunderts erstmals. Heute wird das Phänomen vor allem mit regenerierenden Effekten in Verbindung gebracht.

Funktion & Aufgabe

Der Nasenzyklus wird von der Gehirnregion des Sympathikus gesteuert. Dieser Bereich des Gehirns übernimmt wichtige Aufgaben im vegetativen Nervensystem. Der Sympathikus und der Parasympathikus ergänzen einander und regeln so mit äußerster Präzision die Organtätigkeit.

Die Wirkung des Sympathikus wird als ergotrop beschrieben, da das Regulationszentrum die Aktionsfähigkeit nach außen erhöht. Die von hieraus gesteuerten Nervenreize und Körperfunktionen sind unabhängig von der willkürlichen Kontrolle und finden damit permanent und unbewusst statt. Der Hypothalamus ist das oberste Regulierungszentrum für alle vegetativen Vorgänge, so zum Beispiel für den Kreislauf oder die Körpertemperatur. Dieser Teil des Zwischenhirns übernimmt im Nasenzyklus die neuronale Koordination.

Während des Nasenzyklus ist immer je die Schleimhaut der einen Nasenmuschel angeschwollen, während sich die der anderen Seite in der Arbeitsphase befindet. In dieser Arbeitsphase dringt ein weitaus höherer Luftstrom in die Nase ein, als während der turbulenzlosen Ruhephase. Der angeschwollene Zustand in der Ruhephase minimiert die Luft, die die Schleimhäute erreicht. Daher gibt die Schleimhaut in der Ruhephase deutlich weniger Feuchtigkeit an die Nase ab.

Der Nasenzyklus ist das wechselseitige An- und Abschwellen der Schleimhautareale in den beiden Nasenmuscheln.

Da in der Arbeitsphase wegen des abgeschwollenen Zustands ungehindert Luft in die Nase eindringt, ergibt sich für die Schleimhaut in dieser Phase ein umso höherer Befeuchtigungsaufwand.

Die Ruhephase dient demnach der Entspannung und Regeneration der Nasenschleimhäute. In dieser Phase der Regenerierung spart die Schleimhaut nicht nur Feuchtigkeit ein, sondern ebenso Energie. In der Nachtphase erreichen die körpereigenen Regenerationsprozesse ihren Höhepunkt.

Die Nasenschleimhäute spielen in erster Linie als Schutzvorrichtungen vor eingeatmeten Fremdkörpern und Krankheitserregern eine Rolle. Ihre Flimmerhärchen schlagen bis zu 900 Mal pro Minute und transportieren so körperfremde Stoffe ab. Die Regenerierungsprozesse sorgen dafür, dass die Schleimhäute funktionsfähig bleiben. Gerade nach Erkältungen oder Infekten ist die Fähigkeit zur Regeneration für die Wiederherstellung der Schutzfunktionen wichtig. Die Schleimhäute könnten sich zwar auch ohne den Nasenzyklus erholen, die Regeneration wäre vermutlich aber weniger effektiv, wenn es den Zyklus nicht gäbe.

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Krankheiten & Beschwerden

Eine der bekanntesten Beschwerden im Zusammenhang mit dem Nasenzyklus ist die nasale Hyperreaktivität. Bei diesem Phänomen ist der natürliche Nasenzyklus durch den Kontakt mit äußerlichen Reizen gestört. Natürlicherweise reagiert die Schleimhaut der Nase auf bestimmte Reize mit einer Nasenatmungsbehinderung, mit Niesen oder ähnlichen Erscheinungen. Eine Nasenatmungsbehinderung oder auch nasale Obstruktion als Reaktion auf chemische, physikalische oder pharmakologische Reize wird als nasale Hyperreaktivität bezeichnet.

Die Medizin unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen einer spezifischen und einer unspezifischen Hyperreaktivität. Bei der spezifischen Hyperreaktivität reagiert der Patient übermäßig auf Allergene. Wenn er dagegen mit einer Nasenobstruktion auf eine Veränderung der eigenen Körperlage, auf Anstrengung oder auf Umweltreize wie Rauch, Dämpfe oder Kaltluft reagiert, ist von einer unspezifischen Hyperreaktivität die Rede.

Sowohl Entzündungen, als auch Störungen der Nervkontrolle spielen im Rahmen der Hyperreaktivität eine Rolle. Die Produktion und Freisetzung von körpereigenen Stoffen wie Neurotransmittern verändert sich und die empfangenden Rezeptoren der Gefäße und Nerven oder Drüsen reagieren über. Eine allergische Rhinitis stellt sich ein. An einer solchen Rhinitis leiden rund 15 Prozent der Bevölkerung.

Auch im Bereich der Schlafmedizin wurde der Nasenzyklus bereits beobachtet. Dabei haben sich insbesondere für Patienten mit Schlafapnoe-Syndrom Auffälligkeiten im Nasenzyklus dokumentieren lassen. Die Betroffenen des Schlafapnoe-Syndroms leiden an kleinen Atemstillständen während der Schlafphase. Schlafmedizinischen Untersuchungen zufolge besteht zwischen ihrem Nasenzyklus und ihrer Körperlage im Schlaf ein unstrittiger Zusammenhang. So schwillt bei den Patienten die Nasenmuschel jeweils auf der Seite an, auf der der Patient im Schlaf liegt. Der erhöhte Tonus des Sympathikus wird bei Betroffenen des Schlafapnoe-Syndroms als Ursache für diese Beobachtung angenommen.

Der Nasenzyklus spielt auch im Rahmen von Erkältungen oder anderen Infekten eine Rolle. Erkältungserkrankungen und Grippen können den natürlichen Rhythmus demzufolge vorübergehend aus dem Gleichgewicht bringen.

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