Nasen- und Mundatmung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. Januar 2017
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Nasen- und Mundatmung dienen beide dem Zwecke der Atmung, unterscheiden sich jedoch in ihrem physiologischen Vorgang. Bei der Nasenatmung wird über die Nase ein- und ausgeatmet. Bei der Mundatmung wird hingegen die Luft durch die Mundhöhle in die weiteren Atemwege geleitet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Nasen- und Mundatmung?

Die Nasenatmung ist die physiologische Atmung. Das bedeutet, dass ein gesunder Mensch im Ruhezustand durch die Nase ein- und ausatmet. Bei einem erhöhten Sauerstoff- und somit auch Atemluftbedarf, z.B. bei körperlicher Betätigung, kann auch die Mundatmung physiologisch sein. Ursachen einer dauerhaften und somit pathologischen Mundatmung sind unter anderem Polypen, Erkältungskrankheiten, Zahn- und Kieferfehlstellungen, Allergien oder eine falsche Zungenruhelage.

Bei der Nasenatmung wird die Atemluft über die Nasenlöcher eingesogen und in die Nasengänge geleitet. Sie gleitet an den Nasenmuscheln entlang und gelangt dann über den Rachen in die Luftröhre, die Bronchien und abschließend in die Lunge. Dort erfolgt der Gasaustausch. Die mit Kohlendioxid versetzte Ausatemluft gelangt über die Bronchien und die Luftröhre durch den Rachen in die Nasengänge und wird dann über die Nasenlöcher ausgeatmet. Die Nasenatmung erfolgt normalerweise mit geschlossenem Mund.

In körperlicher Ruhe findet die Atmung nicht gleichzeitig durch beide Nasenlöcher statt. Die Nasenlöcher werden abwechselnd mit mehr oder weniger Luft durchströmt. sodass jeweils dem Nasenloch mit dem verringerten Luftstrom Zeit zur Schleimhautregeneration bleibt. Dieser Vorgang wird auch als Nasenzyklus bezeichnet.

Bei der Mundatmung wird die Atemluft über den Mund eingesogen. Die Luft ist somit direkt in der Mundhöhle, der Weg über die Nasengänge und Nasenmuscheln wird komplett ausgelassen. Der restliche Weg der Atemluft stimmt mit dem Weg bei der Nasenatmung überein. Von der Mundhöhle gelangt die Luft über den Rachen und die unteren Luftwege in die Lunge.

Funktion & Aufgabe

Die physiologische Form der Atmung beim Menschen ist die Nasenatmung. Dies hat mehrere Gründe. Die Nasenhöhlen und die Nasenmuscheln sind mit Nasenschleimhaut ausgekleidet. Die Nasenschleimhaut ist von vielen Gefäßen durchzogen und mit einer Schicht Flimmerhärchen überzogen. Die Flimmerhärchen schlagen etwa 500-mal pro Minute in Richtung Rachen. Eingeatmete Fremdkörper und Krankheitserreger bleiben an der Schleimschicht der Schleimhaut kleben und werden dann von den Flimmerhärchen in Richtung Rachen transportiert. Dort werden sie mit dem Speichel verschluckt und von der Magensäure unschädlich gemacht. So wird vermieden, dass die Fremdstoffe in die Lunge gelangen und dort schlimmstenfalls eine Infektion verursachen.

Durch die vielen Gefäße ist die Schleimhaut sehr gut durchblutet und somit warm. Kalte Luft, die durch die Nase einströmt, wird von der Schleimhaut angewärmt. Die Lunge und die Bronchien werden dadurch vor allzu kalter Luft geschützt. Zudem sorgen die Schleimhäute dafür, dass die Atemluft bei jedem Atemzug befeuchtet wird. Bei der Nasenatmung wird auch der Riechnerv stimuliert. In die Schleimhaut eingebettet liegen sogenannte Riechzellen. Beim Einatmen durch die Nase gelangen Geruchsmoleküle zur Schleimhaut und ermöglichen so das Wahrnehmen der verschiedensten Gerüche.

Nasen- und Mundatmung dienen beide dem Zwecke der Atmung, unterscheiden sich jedoch in ihrem physiologischen Vorgang.

Ein weiterer Vorteil der Nasenatmung ist, dass das in den Nasennebenhöhlen produzierte Stickstoffmonoxid bei der Einatmung gemeinsam mit der Atemluft in die Lungen gelangt. Stickoxid kann Viren, Parasiten und entartete Zellen in den Atemwegen und der Lunge zerstören. Zudem spielt es scheinbar eine Rolle beim Schmerzempfinden, Schlafen und Lernen. Stickstoffmonoxid sorgt auch dafür, dass in den Lungen vermehrt Sauerstoff vom Hämoglobin freigegeben wird. Selbes gilt für Kohlendioxid. Ein hoher Kohlendioxidgehalt begünstigt die Aufnahme von Sauerstoff in der Lunge. Dies bezeichnet man als Bohr-Effekt.

Die Nasenhöhle und die Nasennebenhöhlen gehören zum sogenannten Atemtotraum. Hier sammelt sich vermehrt Kohlendioxid. Beim Einatmen durch die Nase wird dieses in die Lunge transportiert. Da die Luft bei der Mundatmung die Nasenhöhlen umgeht, gelangt auch weniger Kohlendioxid in die Lungen und die Sauerstoffaufnahme in der Lunge wird somit erschwert. Nasenatmung führt im Vergleich zur Mundatmung zu einer 10-15% höheren Sauerstoffsättigung des Blutes.

Zudem scheint die Nasenatmung vermehrt den Parasympathikus zu aktivieren. Der Parasympathikus ist ein Teil des vegetativen Nervensystems. Ihm unterliegt die Steuerung der meisten inneren Organe. Er dämpft den Herzschlag und ist für Ruhe und Schlaf zuständig. Man bezeichnet ihn deshalb auch als Ruhenerv. Gegenspieler des Parasympathikus ist der Sympathikus, der Kampf- und Fluchtnerv. Er aktiviert den Körper und führt zu einer Anregung des Herz-Kreislauf-Systems. Bei Mundatmung konnte in Studien eine deutlich höhere Sympathikusaktivität nachgewiesen werden.

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Krankheiten & Beschwerden

Eine Nasenatmungsbehinderung kann verschiedene Ursachen haben. Bei Erwachsenen liegt in vielen Fällen eine Vergrößerung der unteren Nasenmuschel vor. Auch eine schiefe Nasenscheidewand kann zu einer Behinderung der Nasenatmung führen. Seltenere Gründe sind Polypen, Tumore oder Verletzungen.

Können Kinder nicht mehr richtig durch die Nase atmen, sollte stets an einen Fremdkörper gedacht werden. Auch bestimmte Medikamente wie beispielsweise einige Antidepressiva, Hypertensiva und Verhütungsmittel können eine Nasenatmungsbehinderung zur Folge haben. Gleiches gilt für den Langzeitgebrauch von abschwellenden Nasentropfen oder Nasensprays. Durch die Tropfen schwillt die Nasenschleimhaut zwar zunächst ab, sobald die Wirkung jedoch nachlässt, erfolgt reaktiv eine stärkere Füllung der Gefäße und somit eine noch stärkere Schwellung als vor der Einnahme.

Häufigster Grund für eine behinderte Nasenatmung ist eine Rhinitis, also ein gewöhnlicher Schnupfen. Dieser kann bakteriell, viral oder allergisch bedingt sein. Auch eine akute oder chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen kann die Nasenatmung so erschweren, dass eine zusätzliche Mundatmung erforderlich ist.

Eine überwiegende Mundatmung kann zu einer Aerophagie führen. Als Aerophagie bezeichnet man einen Luftüberschuss in Magen und Darm. Die Folge sind Blähungen, Bauchschmerzen und vermehrtes Aufstoßen.

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