Nasalitätsstörung

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 31. Mai 2017Geprüfte Qualität
Sie sind hier: Symptomat.deKrankheiten Nasalitätsstörung

Nasalitätsstörungen sind Hyper- oder Hyponasalität und manifestieren sich dementsprechend in offenem oder geschlossenem Näseln. Neben organischen Ursachen wie Entzündungen, Spaltbildungen oder Tumoren im Mund-Rachen-Raum können funktionelle Ursachen für eine Nasalitätsstörung verantwortlich sein. Die Therapie besteht aus ursächlicher Behandlung und übenden Therapieschritten zur Lenkung das Artikulationsluftstroms.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Nasalitätsstörung?

Bei sogenannten Nasalen handelt es sich um Laute mit spezieller Artikulationsart. Bei oralen Lauten wandert der hintere und weiche Gaumen mehr oder weniger eng an die Rachenrückwand, wo er den Nasenraum verschließt. Bei nasalen Lauten ist das Gegenteil der Fall. Die Artikulation von Nasalen erfordert einen oralen Verschluss, bei dem sich das Velum absenkt.

Damit strömt die Luft zu einem Großteil aus der Nase aus. Der Resonanzraum zur Artikulation sind der Nasenraum und die Mundhöhle bis zur Stelle des oralen Verschlusses. Im Deutschen existieren nur wenige Nasale, so zum Beispiel das M und N. Eine akustisch vernehmbare Abweichung von der physiologischen Nasalität bei der Artikulation eines Nasalen wird als Nasalitätsstörung bezeichnet.

Die Begriffe Rhinolalie, Rhinophonolalie, Rhinophonie, Palatophonolalie und Dysglossia palatalis sind synonyme Begriffe, die die Störungsursachen, die Auswirkungen oder Störungsorte andeuten. Zu den Nasalitätsstörungen zählen das offenen Näseln im Sinne einer Hypernasalität und das geschlossene Näseln im Sinne einer Hyponasalität. Gemischtes Näseln ist relativ selten.

Ursachen

Bei Hypernasalität erfahren die nasalen Resonanzräume vermehrte Beteiligung, so typischerweise wegen organischen Ursachen wie der Gaumenspalte. Bei Hyponasalität erfahren dieselben Resonanzräume verminderte Beteiligung, wie es organisch charakteristischerweise beim Schnupfen der Fall ist.

Beim gemischten Näseln liegt eine Kombination aus Insuffizienzen des weichen Gaumens und einer Verlegung des Nasenraums vor. Bei allen Sprachstörungen wird im Bezug auf die Ursachen zwischen organische Ursachen und funktionellen Ursachen unterschieden. Organische Ursachen hängen mit einer körperlich manifesten Beeinträchtigung des Gaumensegels zusammen und liegen meist an Fehlbildungen wie Spaltbildung.

Andererseits können auch Lähmungen der beteiligten Muskulatur, Verletzungen oder Tumoren und andersartige Veränderungen im Bereich des Nasenraums den primären Ursachen von Nasalitätsstörungen entsprechen. Zu den funktionellen Ursachen für Nasalitätsstörungen zählen vor allem psychische Ursachen wie unbewusste oder bewusste Schonhaltung nach Operationen im Gebiet der beteiligten Strukturen. Die organischen Funktionen und die Anatomie des artikulationsrelevanten Gebiets sind bei funktionellen Ursachen unversehrt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Patienten mit einer Störung der Nasalität leiden an einer wahrnehmbar abnormen Lautbildung bei der Artikulation von nasalen Lauten. Die natürliche Physiologie ihrer Nasalität ist gestört. Bei einer Hyponasalität wirken die nasalen Laute zu wenig nasalisiert. Bei einer Hypernasalität liegt eine zu starke Nasalisierung vor.

Besonders die Artikulation von Nasalen und daran anschließende Plosiven lässt die Störung in Erscheinung treten. Die Störung kann sich generell aber auch auf die Verbindung von Nasalen und bestimmten Vokalen oder Konsonanten beziehen. In einigen Fällen sind alle Lautkombinationen mit einem Nasalen von der veränderten Aussprache betroffen.

Abhängig von der primären Ursache der Störung können unterschiedliche Begleitsymptome vorliegen. Bei primär organischen Nasalitätsstörungen sind Schmerzen zum Beispiel nicht ausgeschlossen. Bei primär funktionellen Nasalitätsstörungen liegen in der Regel keine begleitsymptomatischen Schmerzen vor.

Diagnose & Krankheitsverlauf

In der Diagnostik einer Nasalitätsstörung wird der subjektiv auditive Nasalitätseindruck als Basisbaustein angewandt. Der Arzt oder Logopäde verschafft sich durch die Spontansprache des Patienten einen ersten Eindruck von der Störung, wobei vor allem die Kombinationen von nasalen Lauten und Plosiven überprüft wird.

Für den anglo-amerikanischen Sprachraum existieren standardisierte Testsätze zur Diagnosesicherung, so zum Beispiel der Gutzmann-Test. Diese Testvariante hat den unterschiedlichen Velumabschluss bei den Vokalen /a/ und /i/ zur Basis. Bei ersterem Vokal besteht physiologischer Weise eine große Öffnung und bei letzterem ein Verschluss.

Die Erfassung von nasalen Atemdurchschlägen während der Artikulation erfolgt mittels Czermak-Platte. In Regionen von Deutschlands existieren Normwerte für Nasalanz, mit denen die gemessene Nasalanz verglichen wird. Um die primäre Ursache der Nasalitätsstörung zu bestimmten, findet eine organische Diagnostik statt. Diese Diagnostik umgreift eine Untersuchung des Mund-Rachenraums, bei der die Gaumensegelaktivität, der Nasenrachen und die Nase beurteilt werden. Die Verschlussaktivität des Velums kann fiberoptisch mittels transnasaler Endoskopie bestimmt werden.

Behandlung & Therapie

Bei Nasalitätsstörungen mit organischer Ursache steht eine ursächliche Therapie im Fokus der Behandlung. Soweit die Ursache aufgehoben werden kann, ist auch die Nasalitätsstörung heilbar. Die Ursachenbeseitigung kann beispielsweise der Exzision von Tumoren entsprechen oder der Korrektur einer Fehlbildung gleichkommen. Die Beseitigung des organischen Schadens erfolgt, wo erforderlich, mit einer Operation.

Hierzu stehen zum Beispiel Verschlussoperationen von Spaltbildungen zur Verfügung. Auch Septumplastiken und Muschelkaustik kommen in Frage. In einigen Fällen besteht mit einer operativen Anstandsverkleinerung zwischen dem Velum und der Rachenhinterwand eine erfolgsversprechende Operationsmöglichkeit.

Die entsprechende Operation ist auch als Velopharyngoplastik bekannt. Bei funktionellen Nasalitätsstörungen und begleitend zu organischen Therapien von organischen Nasalitätsstörungen kommen übende Therapieverfahren zum Einsatz. Die Patienten lernen in diesen übenden Verfahren eine pathologische Luftstromlenkung zu normalisieren und sich an die physiologisch vorgesehene Nasalität anzunähern.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Nasalitätsstörungen mit habituell funktioneller Natur lassen sich beispielsweise vorbeugen, indem nach Operationen oder Traumata keine Schonhaltung eingenommen wird. Organisch bedingten Nasalitätsstörungen lässt sich nur insoweit vorbeugen, wie Vorbeugemaßnahmen für Tumore, Entzündungen und Fehlbildungen des Mund-Rachenraums zur Verfügung stehen.

Bücher über Sprachstörung

Quellen

  • Böhme, G. (Hrsg.): Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen. Urban & Fischer, München 2006
  • Probst, R., Grevers, G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009

Das könnte Sie auch interessieren:

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Nasalitätsstörung?

Name oder Pseudonym:

E-Mail: (optional)

(wird nicht angezeigt, nur notwendig, wenn aktuelle Gesundheitsinformationen erwünscht werden)

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?

Bekannt aus: