Naratriptan

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2016
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Naratriptan gehört der Gruppe der Triptane an. Der Arzneistoff ist wirksam gegen Migräne und Cluster-Kopfschmerzen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Naratriptan?

Bei Naratriptan handelt es sich um einen Wirkstoff aus der Triptangruppe. In Deutschland werden mehrere unterschiedliche Triptane angeboten. Die Herstellung des selektiven Serotoninagonisten Naratriptan erfolgte in den 1990er Jahren durch den britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline. Dabei stellte Naratriptan, das 1997 auf dem Markt gelangte, das schwächste Triptan dar, da das Mittel geringere Nebenwirkungen als andere Triptane hervorrufen sollte.

Einige Zeit stellte Naratriptan den einzigen Triptan-Stoff in Europa dar, der bei einer entsprechend niedrigen Dosierung von 2,5 Milligramm pro Tablette nicht mehr unter die Rezeptpflicht fiel. So kann Naratriptan in Form des Präparats Formigran® in der Apotheke seit 2006 rezeptfrei erworben werden. Im Jahr 2012 gelangten zudem bioäquivalente Generika auf den Markt.

Zum Einsatz kommt Naratriptan bei Migräne zur Behandlung von akuten Kopfschmerzen im Rahmen eines Anfalls.

Pharmakologische Wirkung

Im Falle von Migräne leiden die betroffenen Personen periodisch unter typischen Kopfschmerzattacken, die halbseitig auftreten. Über die genauen Abläufe während eines Migräneanfalls im Körper bestehen bis heute lediglich Vermutungen. So sollen während eines Anfalls gefäßaktive Botenstoffe innerhalb der Blutgefäße des Gehirns freigesetzt werden. Die Botenstoffe sorgen für das Weitstellen der Blutgefäße sowie für das Aktivieren angrenzender Nervenfasern. Dadurch entsteht eine Entzündung, die die Reizung sensibler Nervenenden an den Blutgefäßen zur Folge hat. Dabei kommt es zum Aussenden von schmerzhaften Signalen an bedeutende Gehirnschaltzentren. Bemerkbar macht sich dies bei den betroffenen Personen durch starke Kopfschmerzen, Übelkeit und Brechreiz.

Naratriptan gilt als selektiver Agonist an Serotonin-Rezeptoren wie 5-HT1B und 5-HT1D. Diese Rezeptoren sind präsynaptisch auf Neuronen (Nervenzellen) und zerebralen Blutgefäßen zu finden. Kommt es zu einem Migräneanfall, verfügt Naratriptan über die Fähigkeit, die Rezeptoren zu aktivieren. Auf diese Weise lassen sich die Blutgefäße innerhalb des Gehirns auf ihr normales Maß verengen, was wiederum das Abmildern der Weiterleitung von Schmerzen nach sich zieht. Dabei erfolgt die Beeinflussung des Botenstoffes Serotonin. Des Weiteren werden weniger Entzündungsmediatoren ausgeschüttet.

Da Naratriptan als sehr gut verträglich gilt, eignet es sich gut zur Therapie von Patienten, die zum ersten Mal mit einem Triptan in Berührung kommen. Ebenfalls zu empfehlen ist die Darreichung des Mittels bei jungen und empfindlichen Patienten. Der Eintritt der Wirkung und das Nachlassen der Kopfschmerzen erfolgt in einem Zeitraum von etwa einer Stunde. Zur maximalen Wirkung kommt es nach ungefähr vier Stunden, sodass Naratriptan möglichst frühzeitig eingenommen werden sollte.

Ein weiterer Vorteil von Naratriptan besteht darin, dass nur bei 19 Prozent aller Patienten Wiederkehrkopfschmerzen auftreten. Außerdem fällt die Wirkungsdauer des Serotoninagonisten länger aus als bei anderen Triptanen.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Naratriptan gehört der Gruppe der Triptane an. Der Arzneistoff ist wirksam gegen Migräne und Cluster-Kopfschmerzen.

Wichtigste Indikation von Naratriptan sind migränebedingte Kopfschmerzen. Dabei eignet sich der Wirkstoff zur Behandlung von Migräneattacken mit oder ohne Aura. Von einer Aura ist die Rede, wenn der Migräneanfall von Sehstörungen, Sprachstörungen oder Lähmungserscheinungen begleitet wird.

Zur ständigen Behandlung von Migräne ist Naratriptan jedoch nicht geeignet, sodass sich sein Einsatz auf die Dauer der Attacke beschränken sollte. Der Einsatz von Naratriptan darf außerdem nur bei einer gesicherten Migräne-Diagnose erfolgen. Ferner sollten keine anderen Gehirnerkrankungen bestehen. Des Weiteren dient Naratriptan der Vorbeugung von Cluster-Kopfschmerzen.

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Risiken & Nebenwirkungen

Allgemein lässt sich Naratriptan als gut verträglich einstufen. Nebenwirkungen zeigen sich daher nur relativ selten. Zu den häufigsten unerwünschten Effekten zählen Unwohlsein, Übelkeit, Erbrechen, Schläfrigkeit, Hitzegefühl, Kribbeln und Schwindelanfälle. In einigen Fällen kann es außerdem zu Herzrasen, langsamerem Herzschlag, einem Anstieg des Blutdrucks, Sehstörungen, Druckgefühlen, Schmerzen, Angina pectoris-Anfällen, Juckreiz, Nesselsucht, Ödemen sowie einem allergischen Schock kommen. Im schlimmsten Fall ist sogar ein Herzinfarkt im Bereich des Möglichen.

Es besteht der Verdacht, dass einige Nebenwirkungen das Resultat des Migräneanfalls sind. Wird Naratriptan zu lange eingenommen, droht eine Verschlimmerung der Beschwerden, was sich durch regelmäßige Kopfschmerzen bemerkbar machen kann.

Als ungeeignet gilt die Einnahme von Naratriptan, wenn der Patient unter Migräneformen wie einer durchblutungsbedingten Basilaris-Migräne, der halbseitigen Migräne oder Lähmungen der Augenmuskeln leidet. Weitere Gegenanzeigen sind im Vorfeld erlittene Herzinfarkte, Herzerkrankungen aufgrund von verminderter Durchblutung, Durchblutungsstörungen der Gliedmaßen, Schlaganfälle, Nierenfunktionsstörungen, Leberfunktionsstörungen sowie eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff. Außerdem sollten die Patienten nicht älter als 65 Jahre sein.

Für eine Anwendung während der Schwangerschaft liegen bislang kaum gesicherte Erkenntnisse vor. Grundsätzlich darf eine Anwendung des Migränemittels bei Schwangeren nur mit Einverständnis des Arztes erfolgen. Da auch nicht bekannt ist, ob Naratriptan in die Muttermilch gelangen kann, wird empfohlen, das Kind erst 24 Stunden nach der Darreichung des Mittels zu stillen.

Naratriptan sollte nicht zur gleichen Zeit mit Mutterkorn-Alkaloiden verabreicht werden. So besteht das Risiko von Krämpfen an den Herzkranzgefäßen. Weiterhin darf eine gleichzeitige Einnahme von Naratriptan und selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern nur unter strenger Kontrolle eines Arztes erfolgen. Es kann sonst das gefährliche Serotonin-Syndrom drohen.

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