Nahtmaterial

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 16. Dezember 2016
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Eine wichtige Rolle in der Medizin spielt das chirurgische Nahtmaterial. So lässt sich mit Nadel und Faden durchtrenntes Gewebe wirksam behandeln.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Nahtmaterial?

Unter medizinischem Nahtmaterial werden chirurgische Materialien zum Verschließen von Wunden verstanden. Zu solchen Verletzungen kommt es zumeist durch Unfälle. Aber auch gezielte Schnitte im Rahmen eines operativen Eingriffes sind möglich. Nach der Operation verschließt der ChirurgIn die Wunde wieder mit dem chirurgischen Material, das umgangssprachlich oft als „Faden“ bezeichnet wird.

Bei der Herstellung von medizinischem Nahtmaterial wird auf die Abstimmung der Gewebetypen geachtet, bei denen sie zum Einsatz gelangen. Wichtige Faktoren sind dabei die Beschaffenheit der Oberfläche, die Kapillarität sowie die Zugfestigkeit. Bei der Oberflächenbeschaffenheit des Nahtmaterials sind in erster Linie die Gleiteigenschaften des Fadens bedeutsam. So fällt das Gewebetrauma beim Gleiten umso geringer aus, je weniger Widerstand besteht.

Zu unterscheiden ist zwischen glattem und rauem Nahtmaterial. Bei glattem Material besteht eine umfangreichere Spannung. Dadurch ist es besser für eine genauere Apposition von Wundrändern geeignet. Verfügt das Nahtmaterial über eine rauere Oberfläche, gleitet es träger innerhalb des Gewebes. Die Knotensicherheit des rauen Materials fällt jedoch besser aus als beim glatten Nahtmaterial. Darüber hinaus verfügt es über einen größeren Saugeffekt.

Von Bedeutung ist auch die Kapillarität des medizinischen Nahtmaterials. So fallen die Kapillarkräfte, von denen Mikroorganismen und Wundflüssigkeit aufgesaugt werden, größer aus, wenn das Material filamentöser ist. Dagegen gilt geflochtenes Nahtmaterial als ungeeignet für infizierte Wunden.

Eine besondere Rolle spielt zudem die Zugfestigkeit des Materials. Diese bestimmt, welche Kraftwirkungen beim Nahtmaterial möglich sind, ohne dass es zerstört wird. So verfügt geflochtenes Material über eine höhere Krafttoleranz als Fäden, die sich lediglich aus einer einzigen Faser zusammensetzen.

Formen, Arten & Typen

Bei chirurgischem Nahtmaterial gilt es, zwischen mehreren Arten und Formen zu unterscheiden. Neben den Nadeln stellen die Fäden das wichtigste Nahtmaterial dar. In früheren Jahren kamen Fäden aus Schafdarm oder Naturseide zur Anwendung. In der Gegenwart greift die Medizin beinahe ausschließlich auf moderne Kunststoffe zurück.

Zu den wichtigsten Unterscheidungsmerkmalen zählen resorbierbare und nicht-resorbierbare Fäden. Fäden, die nicht resorbierbar sind, müssen nach einem bestimmten Zeitraum wieder entfernt werden. In solchen Fällen ist dann vom „Fäden ziehen“ die Rede. Da sich jedoch nicht jeder Bereich des Körpers zum Ziehen von Fäden eignet, wie zum Beispiel das Unterhautfettgewebe oder die inneren [Organe]], greift die Medizin mitunter auf resorbierbare Fäden zurück, die sich vom Körper abbauen lassen.

Dabei spielt nicht nur das Material der Fäden eine Rolle, sondern auch die Zeitdauer der Resorption. Bei modernen Fäden erfolgt durch Körperwasser eine hydrolytische Spaltung. Von Bedeutung für die Resorption sind die Art des behandelten Gewebes, bei denen ein unterschiedlicher Feuchtigkeitsgehalt besteht, sowie die Oberflächengroße und der Durchmesser der Fäden.

Unterschieden wird nach dicken und dünnen Fäden. So halten umfangreichere Fäden größeren Kräften stand. Zur Anwendung kommen dicke Fäden besonders beim Nähen unter Zugspannung. Allerdings bilden sich durch die dicken Fäden nach dem Ziehen auch umfangreichere Stichkanäle, was wiederum zur Narbenbildung führen kann.

Bei den Fäden wird außerdem nach monofilem und polyfilem Material unterschieden. Monofile Fäden haben den Vorteil, über gute Gleiteigenschaften und eine geschlossene Oberfläche zu verfügen. Dickeren monofilen Fäden mangelt es allerdings an Drahtigkeit. Polyfile Fäden entstehen durch das Verflechten oder Verdrehen von einzelnen Fäden. Sie verfügen über einen besseren Knotensitz, sind jedoch rauer ausgeprägt.

Aufbau & Funktionsweise

Unter medizinischem Nahtmaterial werden chirurgische Materialien zum Verschließen von Wunden verstanden.

Zusammengesetzt wird medizinisches Nahtmaterial aus Nadel und Faden. In früheren Zeiten griff die Medizin auf sterile Nadeln, die sich wiederverwenden ließen und in ein Federöhr eingespannt wurden, zurück. Heutzutage kommen jedoch nur noch Nadel-Faden-Kombinationen zur Anwendung, die einmalig verwendet werden. Dabei wird von Nadel und Faden eine Einheit gebildet. Der Faden lässt sich nicht austauschen.

Neben dem Material des Fadens ist auch das Material der Nadel von Bedeutung. So gibt es Nadeln, die sich für die unterschiedlichsten Zwecke eignen. Dazu gehören gerade, gebogene, kleine oder große sowie scharfkantige dreieckige oder runde Nadeln.

Handelt es sich um ein atraumatisches Nahtmaterial, fallen das Maximalkaliber der Nadel sowie des Fadens identisch aus. Außerdem kommt es zu einem stufenlosen Übergang. Auf diese Weise wird der Stichkanal vom Faden komplett ausgefüllt, sodass selbst bei Gefäßnähten kein Blut aus dem Kanal austreten kann. Als heikel bei Herstellung und Gebrauch gilt das hohle Nadelende, von dem der Anfang des Fadens umschlossen wird.

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Medizinischer & gesundheitlicher Nutzen

Zum erfolgreichen Operieren von Wunden sind Nahtmaterialien wie Nadeln und Faden unverzichtbar. Dabei lässt sich der Faden separat in eine Nadelöse einführen oder kommt als verpackte Nadel-Faden-Kombination zum Einsatz.

Medizinische Verwendung fand das Nahtmaterial bereits im Altertum. Doch erst während der Industrialisierung wurden spezielle chirurgische Nahtmaterialien konzipiert. So stand das erste echte Nahtmaterial ab 1860 durch das Einführen des Karbolt-Catguts zur Verfügung. Davor gelangte das gleiche Material zur Anwendung, das auch beim Nähen von Kleidung und Stoffen eingesetzt wurde. Die industrielle Fertigung von sterilem Catgut fand ab 1909 statt. Synthetisch resorbierbares Nahtmaterial gibt es seit 1931. In den späteren Jahren entstanden weitere Materialien wie ummantelte Polyamidfäden, synthetische Kollagenfäden und Polyester.

Die Nahtmaterialien ermöglichen es, offene Wunden durch Nähen zu verschließen. So gewährleisten sie eine schnelle Wundheilung und schützen den Körper vor dem Eindringen von Keimen, die beispielsweise bakterielle Infektionen auslösen können.

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