Nahfixation

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. Januar 2017
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Die Nahfixation ist die visuelle Konzentration auf einen Reiz in der unmittelbaren Nähe. Die Sehgrube ist der Netzhautpunkt des schärfsten Sehens und wird für die Fixation benutzt. Zur Nahfixation ist neben der Sehgrube die Nahakkomodation des Auges erforderlich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Nahfixation?

Dass der Mensch Dinge in der Ferne idealerweise ebenso scharf sieht, wie Dinge in der unmittelbaren Nähe, ist der Akkomodationsfähigkeit der Augen zu verdanken. Die Akkomodation ist die Nah- und Ferneinstellung, die die Augen durch Veränderungen der Linsenkrümmung vornehmen.

Die Einstellungen werden reflektorisch vom Musculus ciliaris vorgenommen. Dessen Kontraktionszustand regelt die Spannung der Zonulafasern an der Linse und verändert so deren Krümmungs- und Brechungsgrad. Bei der Nahakkomodation, zur Betrachtung nah gelegener Objekte, spannt sich der Musculus ciliaris und lässt die Zonulafasern so entspannen. Auf diese Weise krümmt sich die Linse. Gleichzeitig steigt ihre Brechkraft an.

Unter der Nahfixation versteht die Medizin die gezielte Betrachtung eines Objekts im Außenraum geringer Entfernung. Fixation ereignet sich auf der Netzhautstelle höchster Auflösung (Sehgrube in Foveola). Im physikalischen Raum ist die Nahfixation eine Gerade zwischen der Foveola (Gelber Fleck) und einem Fixierobjekt in der unmittelbaren Nähe des Betrachters. Diese Gerade wird auch als Gesichtslinie bezeichnet.

Funktion & Aufgabe

Der Musculus ciliaris ist ein paariger Muskel aus glatter Muskulatur. Bei Kontraktion dieses Muskels entspannen die Zonulafasern am gegenüberliegenden Ende der Linse. Die Eigenelastizität der Linse wird so abgekugelt und die Refraktionseigenschaften verändern sich. Um nahe gelegene Objekte zu sehen, verformt sich die Linse so durch die Kontraktion des Ziliarmuskels.

Das gleichzeitige Auftreten einer Konvergenzbewegung, einer Nahakkommodation und einer Pupillenverengung wird auch als Naheinstellungstrias bezeichnet und ist über einen neurophysiologischen Regelkreis aneinander gekoppelt. Das Ausmaß der Konvergenzbewegung steht dabei in direktem Verhältnis zur Akkommodationsleistung.

Wie die Nahakkomodation wird auch die Fernakkomodation über den Ziliarmuskel gesteuert. Die Zonulafasern spannen sich bei der Betrachtung weit entfernter Objekte durch eine Entspannung des Musculus ciliaris. Auf diese Weise nimmt die Linsenkrümmung und die Brechkraft der Linse ab. Durch diese Akkomodationsprozesse sieht der Mensch Objekte in der Nähe genauso scharf, wie Objekte in der Ferne.

Unter der Nahfixation versteht die Medizin die gezielte Betrachtung eines Objekts im Außenraum geringer Entfernung. Fixation ereignet sich auf der Netzhautstelle höchster Auflösung. Netzhaut in Abbildung als gelb umgebende Schicht dargestellt.

Die Akkomodation spielt auch für die Fixation eine Rolle. Bei der Fixation ruht das Auge auf einem bestimmten visuellen Reiz des Gesichtsfelds. Die Fixation findet immer auf einer Geraden zwischen der Sehgrube und einem Fixierobjekt statt. Die Sehgrube liegt im Zentrum des gelben Flecks und tritt dort als Einsenkung in Erscheinung. Dieser Bereich der Netzhaut ist der Ort des schärfsten Sehens, wie es zur Fixation eine Voraussetzung ist.

Beim Menschen hat die Sehgrube einen Durchmesser von 1,5 Millimetern. In der Sehgrube liegt eine Rezeptorzelle, deren Signal an eine einzige bipolare Ganglienzelle geleitet wird und von dort aus eine einzige multipolare Ganglienzelle erreicht. Übertragungsverluste oder Signalabschwächungen der optischen Information entstehen so nicht. Die Signalkonvergenz vermindert sich auf annähernd 0. Die Fixation ist das Hauptverfahren für bewusstes Sehen. Tatsächliche Informationsgewinnung über den Sehsinn ist daher meist an Fixationsprozesse über die Sehgrube gebunden. Alle anderen Netzhautpunkte oder Objekte außerhalb der Gesichtslinie sind lediglich Nebensehrichtungen.

Fixation wird oft mit dem Begriff der visuellen Aufmerksamkeit assoziiert, da der Betrachter durch die Fixation bestimmten Objekten des Gesichtsfeldes gezielte Konzentration entgegenbringt. Das Lesen ist ein Beispiel für die Nahfixation. Da es beim Lesen um tatsächliche Informationsgewinnung geht, machen Nahfixationen 90 bis 95 Prozent der Gesamtlesezeit aus und sind damit der wesentlich visuelle Prozess beim Lesen.

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Krankheiten & Beschwerden

Die Nahfixation des Auges verliert sich beispielsweise mit einem Verlust der Akkomodationsfähigkeit. Ein solcher Verlust kann durch eine Lähmung des Ziliarmuskels bedingt sein. Neben Schädigungen des dritten Hirnnervs (Nervus oculomotorius) können auch Läsionen am Nervus opticus die Nahfixation unmöglich machen. Wenn der Nervus oculomotorius ausfällt, ist der Augapfel nach außen und unten gewandt und die Pupillen sind geweitet. Mit dem geschädigten Auge ist durch den gleichzeitigen Ausfall des Musculus ciliaris dann keine Akkomodationsbewegung mehr möglich. Speziell die Konvergenzbewegungen der Nahfixation sind gestört. Bei einem Ausfall des zweiten Hirnnervs Nervus opticus ist das betroffene Auge vollständig blind.

Wenn der Sehnerv nicht komplett zerstört ist, sondern nur der Mittelteil an der Sehnervkreuzung beschädigt ist, leidet der Patient unter heteronymer Hemianopsie. Eine kontralaterale Hemianopsie ergibt sich durch eine Zerstörung des Sehstrangs. Die Zerstörung der Hirnnerven kann zum Beispiel im Rahmen von neurologischen Krankheitsbildern wie der Multiplen Sklerose stattfinden.

Die Fixation kann aber auch durch direkte Erkrankungen der Sehgrube beeinträchtigt werden. Eine so erschwerte Fixation äußerst sich in einer exzentrischen Einstellung oder einer exzentrischen Fixation. Eine exzentrische Einstellung verhindert die Nutzung der Sehgrube durch eine Makuladegeneration. Die Hauptsehrichtung bleibt so erhalten. Statt fixierte Objekte klar zu sehen, werden sie bei der Fixation durch ein zentrales Skotom (Gesichtsfeldausfall) überdeckt. Die Betroffen müssen an Objekten daher vorbeisehen, um sie tatsächlich sehen zu können.

Bei einer exzentrischen Fixation ist die Sehgrube, anders als bei der exzentrischen Einstellung, nicht mehr die Hauptsehrichtung. Ein anderer Punkt auf der Netzhaut hat diese Funktion übernommen und wird fortan zur Fixation verwendet. Dieses Phänomen liegt zum Beispiel bei Schielerkrankungen vor und löst oft eine Amblyopie aus. Subjektiv hat ein Betroffener den Eindruck, ein Objekt direkt zu fixieren. Er orientiert sich zur Fixation an der neuen Hauptsehrichtung, die fortan der Netzhautstelle exzentrischer Fixation entspricht.

Eine Sonderform des Fixationsverlustes ist die nystagmiforme Fixation. Sie ist durch eine unstete oder unruhige Fixierung von Objekten geprägt und geht mit Augenzittern einher.

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