Nabelinfektion (Omphalitis)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. September 2017
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An einer Nabelinfektion bzw. Omphalitis können sehr junge Säuglinge erkranken. Unbehandelt kann die Infektion durchaus lebensbedrohlich werden, antibiotische Therapie und Beobachtung im Krankenhaus sind daher fast immer notwendig. In Ländern mit ausreichenden Hygienestandards und guter medizinischer Versorgung tragen Nabelinfektionen so gut wie nicht mehr zur Säuglingssterblichkeit bei.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Nabelinfektion?

Die Nabelinfektion oder Omphalitis bei neugeborenen Säuglingen ist eine durch Bakterien verursachte Entzündung des nach dem Durchtrennen der Nabelschnur verbliebenen Nabelstumpfes und des umliegenden Gewebes der Bauchwand.

Für die Komplikation bei der Nabelheilung sind häufig Mischinfektionen mit verschiedenen Bakterienarten verantwortlich, die zur normalen Bakterienflora des Menschen gehören. Häufig an Nabelinfektionen beteiligt sind die auf der Haut vorkommenden Arten Staphylococcus aureus und Streptokokkus und die Darmbakterien Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae und Proteus mirabilis.

Ursachen

Da der Nabelstumpf noch für einige Wochen nach der Entbindung eine offene Wunde ist, können relativ leicht Keime eindringen, die eventuell eine Nabelinfektion auslösen. Die Keime stammen meist von der Mutter und gelangen während der Entbindung oder in den folgenden Tagen auf den Nabel.

Das unausgereifte Immunsystem des Säuglings kann mit den normalerweise harmlosen Bakterien oft noch nicht fertig werden. Was Bakterien angeht, ist ein Neugeborenes quasi ein unbeschriebenes Blatt - in der weitgehend keimfreien Umgebung der Gebärmutter hat sein Körper kaum Erfahrungen mit Bakterien gemacht. Risikofaktoren für eine Nabelentzündung sind ein geringes Geburtsgewicht, andere Infektionskrankheiten wie etwa Lungenentzündung oder bereits bestehende Sepsis, Immunschwäche und schlechter Allgemeinzustand.

Bei normalgewichtigen, gesunden Säuglingen gehören ungewöhnlich lange Geburten und vorangegangene Komplikationen wie Plazentainfektionen zu den Risikofaktoren. Auch ein im Verlauf einer neonatalen Behandlung eingesetzter Nabelschnurkatheter erhöht das Risiko der Entwicklung einer Nabelinfektion.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Auch wenn leichte Rötungen und geringfügige Blutungen normale Begleiterscheinungen der Nabelheilung sein können: Zeichen einer Nabelinfektion sollte in jedem Fall der Kinderarzt begutachten. Die Diagnose der Nabelinfektion erfolgt durch Untersuchung des Nabels.

Hautrötungen, blutiger oder eitriger Ausfluss, Schwellung, Wärme und Vorwölbung des Nabels sind häufige Symptome einer beginnenden Nabelinfektion. Im fortgeschrittenen Stadium der Nabelentzündung ist oft eine extreme Vorwölbung des Nabels zu beobachten. Fieber, beschleunigter Herzschlag, niedriger Blutdruck und Apathie treten auf.

Unbehandelt kann die Infektion schnell ins Blut übergehen und zu Sepsis und lebensbedrohlichen bakteriellen Infektionen der Organe führen. Bauchfellentzündungen, Leberabszesse, bakteriell bedingte Thrombosen (Aderverschlüsse) und Endokarditis (Entzündung der Herzinnenhaut) können äußerst gefährliche Folgen einer Nabelinfektion sein.

Komplikationen

Bei der Nabelinfektion handelt es sich um eine lebensbedrohliche Krankheit. Aus diesem Grund muss auf jeden Fall eine Behandlung erfolgen, da es in der Regel nicht zu einer Selbstheilung kommt. Im schlimmsten Fall kann der Säugling durch die Nabelinfektion versterben. Bei Beachtung d Herygienestandards kann der Tod allerdings vermieden werden.

Am Bauchnabel kommt es bei den Betroffenen in der Regel zu starken Rötungen oder Schwellungen. Auch ein Sekret kann dabei aus dem Nabel austreten. Die Infektion breitet sich weiterhin im Körper aus, sodass es in der Regel zu Fieber und zu einem erhöhen Puls kommt. Auch ein niedriger Blutdruck und Atembeschwerden können durch die Nabelinfektion auftreten. Weiterhin kommt es ohne Behandlung zu Beschädigungen an der Leber und zu einer Bauchfellentzündung.

Die Betroffenen können auch an einer Herzentzündung erkranken und an dieser versterben. In den meisten Fällen leiden dabei auch die Angehörigen und die Eltern an einer psychischen Belastung oder an Depressionen. Die Behandlung der Nabelinfektion erfolgt in der Regel mit Hilfe von Antibiotika und führt relativ schnell zu einem Erfolg. Dabei treten keine Komplikationen auf.

Behandlung & Therapie

Präsentiert sich die Nabelinfektion im sehr frühen Stadium, können lokale desinfizierende Maßnahmen die Entzündung zum Stillstand bringen. Typischerweise ist bei einer Nabelinfektion aber ein Krankenhausaufenthalt von etwa zwei Wochen notwendig. Eine Kombination von Antibiotika, die die verschiedenen beteiligten Bakterientypen bekämpfen, wird intravenös verabreicht.

Penicillin wird dabei häufig ergänzt durch Aminoglykoside und gegen anaerobe Keime wirksame Mittel. Durch die im Krankenhaus mögliche stetige Überwachung der Lebensfunktionen kann der Verlauf der Infektion genau beobachtet werden. Eventuelle Komplikationen werden so früh erkannt und rechtzeitig behandelt.

Zusätzlich zur antibiotischen Therapie sind häufig blutdruckstabilisierende Maßnahmen, Beatmung und weitere Schritte zur Stabilisierung des Allgemeinzustandes erforderlich. Zu den möglichen Komplikationen einer Nabelinfektion gehören auch Abszesse (abgekapselte Eiterherde) oder das Absterben von Haut- und Muskelgewebe (Nekrosen) in der Nabelumgebung.

In diesen Fällen sind chirurgische Eingriffe zur Entfernung von Eiterherden und nekrotischem Gewebe dringend notwendig.

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Vorbeugung

Maßnahmen zur Nabelhygiene können vorbeugend gegen eine Nabelinfektion wirksam sein. Allerdings wird heute in der Regel mit dem Nabel viel entspannter umgegangen als in früheren Generationen. Es wird zum Beispiel generell nicht mehr empfohlen, den Nabel abzudecken oder zu verbinden, auch vom Baden wird nicht mehr abgeraten.

Silberpuder oder Desinfektionsmittel gehören heute nicht mehr zur normalen Nabelpflege. Wichtig ist, den Nabel trocken, luftig, sauber und frei von Urin und Stuhlgang zu halten. Der Nabelstumpf sollte nur mit gewaschenen Händen berührt werden. Ist es nötig, den Nabel direkt zu reinigen, empfehlen sich mit Wasser oder Alkohol angefeuchtete sterile Kompressen.

Bücher über Kinderkrankheiten

Quellen

  • Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F.C.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Hellstern, G., et al: Kurzlehrbuch Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Koletzko, B.: Basiswissen Pädiatrie. Springer Medizin Verlag, Berlin 2009

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