Myzetom (Maduramykose)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 7. August 2017
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Bei einem Myzetom beziehungsweise der Maduramykose handelt es sich um eine durch Pilze bzw. pilzartige Bakterien hervorgerufene Weichteilinfektion. Die Infektion tritt hauptsächlich in den trockenen Gebieten der Tropen auf. Die Infektion erfolgt über kleine Verletzungen der Haut, durch die die Erreger in den Organismus eindringen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Myzetom?

Erstmals beschrieben wurde die Maduramykose in der indischen Provinz Madura, daher auch der Name der Infektion. Da die Infektion meist am Fuß auftritt - über kleine Risse, die durch Barfußgehen entstehen, dringt der Erreger typischerweise in den Organismus ein - ist die Infektion auch unter dem Namen „Madurafuß“ bekannt.

Die Maduramykose tritt in zwei unterschiedlichen Formen auf. Die Echte Myzetome (Eumyzetoma) wird durch Hefe- oder Schimmelpilze hervorgerufen, die Aktinomyzetome (Aktinomyzetoma) durch verschiedene Bakteriengattungen (Streptomyces, Actinomadura, Nocardia).

Insgesamt tritt die Maduramykose weltweit sehr häufig auf, wobei es geographische Schwerpunkte gibt. Während in Asien und Afrika die Maduramykose meist in Form der Eumyzetome auftritt, ist in Mexiko die Aktinomyzetoma stark verbreitet.

Ursachen

Die Ursache für eine Maduramykose liegt in der Infektion mit einem Pilz bzw. einem Bakterium.

Eine Infektion erfolgt meist über in den Fuß eingetretene Holzspreisel oder über das Eindringen der Pilze bzw. der Bakterien über kleine Verletzungen am Fuß. Als Erreger für ein Eumyzetom kommen folgende Pilze in Frage: Alle Pilze der Gattung Madurella, der Gattung Acremonium, des Phialophora verrucosa und des Aspergillus flavus.

Als Quelle eines Aktinomyzetoma können verschiedene Bakterien ausgemacht werden, nämlich verschiedene Arten der Bakteriengattung Nocardia (v.a. Nocardia brasiliensis), verschiedene Arten der Gattung Streptomyces (v.a. Streptomyces madurae) und Actinomadura.

In etwa 40% aller Fälle sind Pilze für eine Infektion verantwortlich, 60% aller Infektionen gehen auf eine Ansteckung mit Bakterien zurück.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Eine erste Diagnose bei Maduramykose kann meist aufgrund der eindeutigen Symptome getroffen werden. Es bilden sich schmerzlose kleine Knötchen bis hin zu massiven Schwellungen des infizierten Bereichs. Aus den Knötchen bzw. Schwellungen entleert sich - oft ohne Einwirkung von außen - körniges Sekret.

Der Arzt erkennt eine Infektion eindeutig nach einer mikroskopischen Untersuchung. Untersucht wird hierbei das ausgetretene Sekret. Handelt es sich um eine Pilzinfektion, hat das Sekret eine körnige, fadenartige, weiß bis leicht gelbliche Struktur.

Nach eindeutiger Diagnose hat der Arzt eine Auswahl an verschiedenen Medikamenten, die zur Therapie herangezogen werden können. Wird die medikamentöse Therapie rechtzeitig angewandt, ist der Verlauf der Infektion recht harmlos und vor allem schmerzlos.

Wird eine Maduramykose, besonders jedoch die durch Pilze hervorgerufene Eumyzetoma, nicht behandlet, verläuft die Infektion chronisch. Die Symptome wie eitrige Geschwulste heilen nicht von selbst ab. Außerdem ist ein Übergriff auf andere Körperregionen fast unausweichlich. Schlimmstenfalls müssen betroffene Körperregionen amputiert werden.

Komplikationen

Durch eine Infektion mit den Pilzen des Myzetoms kann es zu einer zusätzlichen bakteriellen Superinfektion kommen. Das bedeutet, dass eine weitere, durch Bakterien ausgelöste Erkrankung begünstigt wird. Diese kann auch auftreten, wenn eine medizinische Behandlung vorgenommen wurde.

Meistens entstehen Komplikationen bei einem Myzetom aber eher durch eine fehlende ärztliche Behandlung, da die Geschwulst dann die Möglichkeit hat, das Körperinnere zu infiltrieren und innen weiterzuwachsen. Hierdurch kann es zu Knochendestruktionen kommen, das heißt, dass Knochengewebe zerstört wird. Das Muskelgewebe kann ebenfalls betroffen sein. Auch eine Adenopathie ist möglich.

Damit wird eine Erkrankung von Hormonen produzierenden Drüsen bezeichnet. Durch wucherndes Granulationsgewebe entstandene Geschwulste können zerebrale und viszerale Metastasen bilden. Damit werden Ableger im Gehirn und den inneren Organen bezeichnet.

Lässt man die Myzetome zu lange wachsen, kann es, da sie insbesondere an den Füßen häufig auftreten, passieren, dass sie die Möglichkeit zum Laufen stark einschränken. Deformierungen der Fußgelenke können hierbei zu zusätzlichen Bewegungsstörungen führen. Sind Gelenke, Knochen und Muskeln zu sehr angegriffen worden, muss eine Amputation durchgeführt werden, was weitere Behinderungen zur Folge habt.

Behandlung & Therapie

Eine Behandlung eines Myzetoms erfolgt mittels Medikamentangabe. Um das richtige Mittel in der richtigen Dosierung zu wählen, ist eine genaue Diagnose notwendig. Liegt eine Pilzinfektion vor, kommen zur Behandlung verschiedene Antimykotika zum Einsatz.

Da viele der Pilzkulturen mittlerweile sehr widerstandfähig bzw. resistent gegen die Antipilzmittel sind, ist es unabdingbar, während der Einnahme der Medikamente die Wirkung entsprechend zu kontrollieren. Die Einnahme der Mittel erfolgt in der Regel über einen sehr langen Zeitraum, meist einige Jahre.

Über die Medikamentengabe hinaus empfiehlt es sich, betroffene geschwollene bzw. eitrige Bereiche chirurgisch zu entfernen, um die damit einhergehenden Unannehmlichkeiten für den Patienten abzumildern.

Ist das Myzetom durch Bakterien ausgelöst, erhält der Patient ein Antibiotikum. Auch bei einer bakteriellen Infektion kann es vorkommen, dass die Schwellungen in den betroffenen Körperregionen nicht abheilen. Auch dann wäre ein chirurgischer Eingriff angezeigt.

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Vorbeugung

Einem Myzetom lässt sich sehr einfach vorbeugen. In den Gebieten, in denen das Myzetom verbreitet ist, sollte auf das Barfußgehen konsequent verzichtet werden. Sollten dennoch kleine Verletzungen im Bereich des Fußes auftreten, müssen die Wunden sofort und nachhaltig desinfiziert werden. Bei Reisen in entsprechende Gebiete sollte Desinfektionsmittel bzw. Alkoholtupfer in der Reiseapotheke daher nicht fehlen.

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Quellen

  • Hahn, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004

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