Myokardszintigrafie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. September 2017
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Wenn sich beim normalen EKG, Belastungs-EKG und und der Herzultraschalluntersuchung (Echokardiographie) unklare Herzbefunde ergeben, sich aber keine genaue Diagnose stellen lässt, ist die Myokardszintigrafie die Methode der Wahl. Sie ist nicht-invasiv und hat eine hohe Aussagekraft.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Myokardszintigrafie?

Die Myokardszintigrafie ist ein schonendes, nuklearmedizinisches Diagnoseverfahren, um die Durchblutung, den Stoffwechsel und die Masse des Herzmuskels zu untersuchen. Die Untersuchung des Herzens erfolgt in zwei Phasen: unter Belastung und in Ruhe.

Anschließend werden die Befunde miteinander verglichen. Im Szintigramm kann der Arzt erkennen, wie sich Durchblutungsstörungen auf den Herzmuskel auswirken. Die Ursache für die gestörte Durchblutung liegt meistens in Verengungen der Herzkranzgefäße. Eine mangelnde Durchblutung des Herzens birgt die Gefahr eines lebensbedrohlichen Herzinfarktes. Die Myokardszintigrafie kann feststellen, ob das Ausmaß der Durchblutungsstörungen eine Herzkatheteruntersuchung notwendig macht, und kann manchen Patienten diese sogar ersparen.

Funktion, Wirkung & Ziele

Durch die Myokardszintigrafie kann der Arzt erkennen, welche Blutmenge in Ruhe und unter Belastung das Herz erreicht. Durch den Vergleich der Aufnahmen kann er feststellen, ob verschiedene Bereiche des Herzens unter Belastung schlechter durchblutet werden als andere. Eine Minderdurchblutung könnte ein Anzeichen für eine Gefäßverengung sein und ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt darstellen.

Wenn der Patient schon einen Herzinfarkt hatte, lässt sich die Größe der Narbe, das Ausmaß der Gewebeschädigung und die Restdurchblutung des Infarktbereiches feststellen. Das Ergebnis bestimmt, ob eine Bypass-Operation erfolgen oder ein Stent gesetzt werden muss. Über diese Fragen hinaus liefert die Myokardszintigrafie Erkenntnisse über die Pumpleistung des Herzens und die körperliche Belastbarkeit des Patienten, die nach einem Herzinfarkt schlechter ist als bei gesundem, gut durchblutetem Gewebe.

Für die Myokardszintigrafie wird ein Zugang zur Armvene gelegt, über den während des Belastungstests auf dem Fahrrad-Ergometer eine leicht radioaktiv gekennzeichnete Trägersubstanz gespritzt werden kann, die die Herzgefäße sichtbar macht. Bei Patienten, die eingeschränkt körperlich belastbar sind, z. B. aufgrund von orthopädischen Problemen oder wenn der Blutdruck in Ruhe schon zu hoch ist, besteht die Möglichkeit, im Liegen ein Medikament zur Belastung zu verabreichen.

Der Arzt will erkennen, wie sich Durchblutungsstörungen auf den Herzmuskel auswirken. Die Ursache für die gestörte Durchblutung liegt meistens in Verengungen der Herzkranzgefäße.

Der Belastungstest wird ärztlich kontrolliert und durch ein EKG überwacht. In der Phase der gesteigerten Belastung wird über den Zugang eine radioaktiv angereicherte Trägersubstanz injiziert. Nach der Belastung folgt eine Ruhephase von 30 bis 60 Minuten, in der der Patient eine mitgebrachte, möglichst fetthaltige Mahlzeit essen soll. Nach der Ruhephase werden ca. 20 Minuten lang im Liegen Aufnahmen mit der Gammakamera gemacht und ausgewertet. Anhand dieser Aufnahmen wird entschieden, ob noch eine Ruheuntersuchung erforderlich ist.

Manchmal reicht die Belastungsuntersuchung. Wenn zur Abklärung noch eine Ruheuntersuchung erforderlich ist, muss erst einmal ungefähr 2 Stunden lang die Radioaktivität im Herzen abgebaut werden, bevor der zweite Teil der Untersuchung folgt. Danach folgt noch einmal der gleiche Ablauf, nur ohne Belastung.

Die Myokardszintigrafie immer sinnvoll, um eine Koronare Herzerkrankung (KHK) auszuschließen, wenn noch folgende Risikofaktoren vorliegen:

Weil die Myokardszintigrafie das Ausmaß der Durchblutungsstörung bestimmt, kann sie helfen, die Behandlung zu optimieren und unnötige operative Eingriffe vermeiden. Nach erfolgreichen Behandlungen kann sie als nicht-invasive Methode zur Kontrolle von neuen Gefäßverengungen genutzt werden. Sie kann auch ein individuelles Herzrisiko bestimmen. Die Untersuchung wird von allen gesetzlichen und privaten Krankenkassen als Regelleistung angeboten.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Nebenwirkungen wie Allergien treten bei radioaktiven Substanzen selten auf, eher bei Röntgenuntersuchungen als Reaktion auf Kontrastmittel. Die Strahlenbelastung ist nur gering und liegt nicht höher als bei Röntgenstrahlungen. Ein sehr geringes Krebsrisiko als Spätfolge kann dennoch nicht ganz ausgeschlossen werden. Daher sollten Nutzen und Risiken immer individuell abgewogen werden.

Auch die Belastungsphase führt selbst bei herzkranken Patienten selten zu Komplikationen. Um eine optimale Aussagefähigkeit des Untersuchungsergebnisses gewährleisten zu können, muss der Patient die für ihn höchstmögliche Stufe erreichen. In äußerst seltenen Fällen kann es dabei zu Herzrhythmusstörungen und zu einem Herzinfarkt kommen. Gelegentlich können leichte Nebenwirkungen wie eine Brustenge, ein Wärmegefühl, Atemnot, ein Druckgefühl im Bauch, Kopfschmerzen, Arm- und Beinbeschwerden und Schwindel auftreten. Diese treten aber nur bei einer medikamentös verursachte Belastung auf. Die radioaktive Substanz selbst verursacht keine Nebenwirkungen.

In der Schwangerschaft wird die Myokardszintigrafie nur in Ausnahmefällen durchgeführt, in der Stillzeit müssen Mütter nach der Untersuchung zwei Tage mit dem Stillen pausieren. Bei schweren Organerkrankungen kann die Belastung des Herz-Kreislaufs-Systems zu hoch sein. Weitere Kontraindikationen sind fiebrige Infekte, ein akuter Herzinfarkt oder eine schwere Herzschwäche, ein unbeherrschbarer Bluthochdruck, schwerwiegende Herzrhythmusstörungen und -klappenfehler und eine akute Herzmuskelentzündung (Myokarditis).

Für die Untersuchung müssen Patienten mindestens 12 Stunden nüchtern sein, dürfen nur etwas kohlensäurearmes Wasser trinken. Medikamente dürfen eingenommen werden, Herzmedikamente sollten aber für 24 Stunden ausgesetzt werden, Betablocker sogar 2 bis 3 Tage. Sie können vor der Ruhephase bei Bedarf eingenommen werden. Diabetiker dürfen eine kleine, möglichst fettarme Mahlzeit zu sich nehmen.

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Quellen

  • Erdmann, E.: Klinische Kardiologie. Springer, Heidelberg 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Roskamm, H., et al.: Herzkrankheiten. Springer, Heidelberg 2004

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