Mykoplasma genitalium

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Mai 2017
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Das Mykoplasma genitalium gehört zur Gattung der Mykoplasmen. Die Mykoplasmen wurden im Jahr 1898 das erste Mal von kranken Rindern isoliert. Mit dem Mycoplasma pneumoniae konnte erstmals im Jahr 1962 eine für Menschen pathogene Form nachgewiesen werden. Im Jahr 1981 wurde das Mykoplasma genitalium entdeckt und im Jahr 1983 als neue Spezies der Gattung Mykoplasmen zugeordnet. Eine vollständige Gen-Sequenzierung wurde im Jahr 1995 veröffentlicht.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Mykoplasma genitalium?

Die Bakterienart Mykoplasma genitalium gehört zur Gattung der Mykoplasmen und zur übergeordneten Klasse der Mollicutes. Bakterienarten der Klasse der Mollicutes besitzen keine Zellwand. Die Bezeichnung Mollicutes bedeutet Weichhaut bzw. Weichhäutler (Molli= weich, mollig; Cutis= Haut) und weist darauf hin.

Die fehlende Zellwand der Mollicutes im Allgemeinen und der Mykoplasmen im Speziellen erlaubt eine pleomorphe, also vielgestaltige Form. Die Bakterien erscheinen sowohl bläschenförmig als auch fadenartig und können je nach Bedarf die Gestalt ändern. Die fadenartige Form der Mykoplasmen erinnert sehr stark an einen Pilz, was in der Bezeichnung Mykoplasma zum Ausdruck kommt. Übersetzt bedeutet Mykoplasma (Myko = Pilz und Plasma = Form) in etwa "Pilzförmig".

Das Fehlen einer Zellwand verursacht neben den pleomorphen Eigenschaften aber auch ausgeprägte Anfälligkeiten auf verschiedene Umwelteinflüsse. So können bereits leichte osmotische Schwankungen des umgebenden Mediums zur Abtötung der Keime führen.

Auf der anderen Seite weisen Mykoplasmen durch die fehlende Zellwand auch eine natürliche Resistenz zu Antibiotika auf, die an der Zellwand haften. Herkömmliche Antibiotika wie Penicilline zeigen somit keinerlei Wirkung.

Die Mykoplasmen sind von sehr kleiner Gestalt und zählen mit 200-300 Nanometern zu den kleinsten Bakteriengattungen der Welt. Aufgrund ihrer geringen Größe spielen sie häufig eine Rolle als Laborkontaminanten. Da die meisten seriell hergestellten Sterilfilter die nominale Porengröße von 220 Nanometern nicht unterschreiten, kann eine effektive Filtrierung von Mykoplasmen nicht gewährleistet werden. Das Erbgut der Mykoplasmen gehört zu den kleinsten prokaryotischen Genomen der Welt.

Mykoplasmen gehören also mit 580-1.380 kbp neben dem Nanoarchaeum equitans (~500 kbp) und dem Endosymbionten Carsonella ruddii (etwa 160 kbp) zu den genetisch kleinsten zur Autoreplikation fähigen Keimen. Eine weitere Auffälligkeit ist das Cholesterin, welches in der Zellmembran der Mykoplasmen enthalten ist und sonst nur bei eukaryotischen Zellen gefunden werden kann.

Genaue RNA- Untersuchungen zeigen, dass die Gattung der Mollicutes nicht zur Basis des bakteriellen Stammbaums gezählt werden können, sondern durch degenerative Evolution entstanden sind. Eine Abstammung von Keimen der Lactobacillus- Gruppe und ein anschließender Verlust von großen Teilen genetischer Information durch degenerative Evolution ist sehr wahrscheinlich und macht die Klasse der Mollicutes zu Vertretern der Lebewesen mit kleinstem bekannten Genom.

Das kleine Genom der Mykoplasmen bietet sich für Forschungen zur Synthetisierung an und so wundert es nicht, das die Forschergruppe um Craig Venter im Jahr 2008 den Keim Mykoplasma genitalium synthetisch hergestellt hat. Der Nachbau wird Mycoplasma genitalium JCVI-1.0 genannt und gilt als das erste komplett synthetisch hergestellte Bakterium.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Mykoplasmen haben eine parasitäre Lebensweise und sind auf Wirtszellen angewiesen. Sie können sowohl extrazellulär an der Wirtszelle als auch intrazellulär parasitieren. Mykoplasmen sind auf essenzielle Stoffwechselkomponenten wie Amino- und Nukleinsäuren von der Wirtszelle angewiesen.

Es besteht die Fähigkeit, das Genom je nach Bedarf zu verkleinern, was einer anspruchslosen parasitären Lebensweise entgegen kommt. Das Mykoplasma genitalium siedelt sich in der Harnröhre an und lebt hier bevorzugt auf den Epithelzellen.

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Krankheiten & Beschwerden

Mykoplasmen sind aufgrund ihrer parasitären Lebensweise für zahlreiche Krankheiten verantwortlich. Das Mykoplasma genitalium ist neben Chlamydia trachomatis einer der häufigsten Erreger für die non-gonococcale Urethritis. Als non-gonococcale Urethritis werden Harnröhrenentzündungen bezeichnet, die nicht von den üblicherweise verantwortlichen Gonokokken ausgelöst werden.

Die Harnröhrenentzündung läuft meistens mit typischen Symptomen wie starkem Brennen beim Wasserlassen und schleimig- eitrigem Ausfluss ab. Infolge dessen kann es bei Frauen zu starken Blutungen nach dem Sexualverkehr kommen.

Es kann bei Frauen des Weiteren auch zu schwerwiegenden Komplikationen kommen. Durch die wesentlich kürzere Harnröhre (Urethra) können starke Folgeentzündungen entstehen. Inflammatorische Erkrankungen wie die Zervizitis (Gebärmutterhalsentzündung), Endometritis, Salpingitis und andere entzündliche Erkrankungen des Beckens können auftreten.

Eine Korrelation mit weiteren Beschwerden und Erkrankungen wie Unfruchtbarkeit oder Eierstockkrebs wurde statistisch belegt, konnte jedoch kausal bis dato nicht belegt werden.

Eine verminderte Entwicklung der Prostata wurde bei Männern mit einer bereits abgelaufenen Infektion beobachtet und steht zur Diskussion.

Eine höhere Intensität von HIV-Infektionen durch Mykoplasma genitalium wird ebenfalls diskutiert. Weiterhin ist es fraglich, ob das Mykoplasma genitalium als sexuell übertragbarer Krankheitserreger definiert werden muss.

Die Urethritis, im Volksmund auch als Tripper bezeichnet, ist eine häufig übertragene Infektionskrankheit. Eine Behandlung mit Antibiotika ist möglich. Da aber mehrere Krankheitserreger die Symptome auslösen können, ist eine Identifikation des Antigens mit sämtlichen Resistenzen für eine erfolgreiche antibiotische Therapie unumgänglich.

Für Mykoplasma genitalium empfiehlt sich, wie für die meisten Keime der Klasse der Mollicutes, ein Antibiotikum der Makrolid- Klasse, insbesondere Azithromycin. Die Makrolide greifen den Erreger nicht wie Penicillin an der Zelloberfläche an, sondern verhindern die weitere Replikation durch eine Verlangsamung der Proteinbiosynthese des Erregers.

Eine vorschnelle Antibiotikagabe, insbesondere von Penicillin, kann gerade bei Keimen der Klasse der Mollicutes zu einer erhöhten Persistenz des Erregers führen.

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