Myelopathie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 11. Dezember 2017
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Durch Verschleiß oder Bandscheibenvorfälle an der Halswirbelsäule kann es zu degenerativen Einschränkungen des Rückenmarks mit neurologischen Ausfällen kommen. Ärzte sprechen von einer Myelopathie.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Myelopathie?

Der medizinische Fachbegriff Myelopathie oder zervikale Myelopathie setzt sich zusammen aus den griechischen Wörtern „myelon“ = Rückenmark und „pathos“ = Schmerz und steht für eine Schädigung des Rückenmarks im Bereich der Wirbelsäule. Durch die Schädigung des Rückenmarks kann es zu einer Reihe von Beschwerden wie Gangunsicherheiten, Taubheitsgefühlen und anderen neurologischen Problemen kommen. Am häufigsten ist die Halswirbelsäule betroffen, aber die Myelopathie kann auch an anderen Stellen der Wirbelsäule auftreten.

Ursachen

Die Hauptursache einer Myelopathie liegt in einer Einengung Rückenmarks, die angeboren sein kann, in den meisten Fällen aber im Laufe des Lebens erworben wird. Die degenerativen Veränderungen, die zur Myelopathie führen, können traumatischer Natur sein und durch Unfälle oder Stürze ausgelöst werden, sie können aber auch durch Entzündungen, Tumorerkrankungen oder durch Veränderungen nach einer Operation wie Narbenbildung entstehen.

In den meisten Fällen wird eine Myelopathie durch degenerative Veränderungen und Abnutzungserscheinungen im betreffenden Bereich der Wirbelsäule ausgelöst. Sie engen das Rückenmark ein und irritieren die Nervenwurzeln. Auch verschiedene Arten von Bandscheibenvorfällen können zu einer Stenose des Rückenmarks führen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Typische Symptome für eine Myelopathie sind Nackenschmerzen, die bis in die Arme ausstrahlen, teilweise auch Taubheitsgefühle und ein Gefühl von Schwäche in den Armen. Arme und Hände können in der Nacht einschlafen. Ein erstes Zeichen kann eine Nackensteifigkeit und ein eingeschränktes Drehvermögen des Kopfes nach links oder rechts sein.

Wenn das Rückenmark bereits geschädigt ist, können die Beschwerden auch in die Beine ausstrahlen und Unsicherheiten beim Gehen und eine Beeinträchtigung von Blase und Darms nach sich ziehen. Ein wichtiges Erkennungszeichen ist das Gefühl eines elektrischen Schlages, das beim Beugen des Kopfes auftreten kann (Lhermittsches Zeichen). Je weiter die Erkrankung fortgeschritten ist, desto mehr neurologische Ausfälle können auftreten. Zu diesen gehören Ameisenlaufen, Kribbeln, Schmerzen, tapsendes Gehen, Probleme mit der Koordination und Probleme bei alltäglichen Verrichtungen wie dem Zubinden der Schuhe oder Anziehen einer Jacke. In schwerwiegenden Fällen kann es zu Lähmungen, Blasen-, Darm- und Potenzstörungen kommen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die wichtigste Möglichkeit zur Diagnose einer Myelopathie ist eine Kernspintomographie (MRT). Sie stellt am deutlichsten degenerative Veränderungen mit einem Druck auf das Rückenmark dar. Wenn umfangreiche Verknöcherungen behandelt werden müssen, ist eine Computertomographie (CT) ein unverzichtbares Hilfsmittel zur Darstellung der Knochen, um den Operationsablauf besser planen und einschätzen zu können.

Um einen ungünstigen Verlauf rechtzeitig zu verhindern, ist eine möglichst frühzeitige Diagnose wichtig. Bei Patienten mit akuten Beschwerden nach einem Bandscheibenvorfall ist die Chance, dass sich die Beschwerden wieder zurückbilden, am größten, wenn der Bandscheibenvorfall umgehend diagnostiziert wird. Veränderungen an den Knochen können langsam und schleichend auftreten und werden manchmal nicht sofort bemerkt oder mit anderen Problemen in Zusammenhang gebracht.

In einer Kernspintomographie lassen sich degenerative Veränderungen an der Halswirbelsäule mit Veränderungen des Halsrückenmarks gut erkennen. Die Behandlung der Myelopathie ist vom Ausmaß der Schädigung abhängig.

Komplikationen

Durch die Myelopathie kommt es beim Patienten zu starken neurologischen Ausfällen. Diese Ausfälle können damit zu Lähmungen und zu weiteren Störungen der Sensibilität führen und damit die Lebensqualität des Patienten deutlich einschränken. Es kommt weiterhin auch zu Bewegungseinschränkungen, sodass die Patienten möglicherweise auf die Hilfe anderer Menschen in ihrem Alltag angewiesen sind. Die Betroffenen leiden dabei vor allem an starken Schmerzen im Nacken und auch an einem steifen Nacken.

Dadurch ist das Drehen des Kopfes mit Schmerzen verbunden. Weiterhin kommt es auch zu Problemen mit der Koordination und der Konzentration. Die Schmerzen können den Alltag eingrenzen und in Form von Ruheschmerzen auch zu Schlafbeschwerden in der Nacht führen. Nicht selten führt die Myelopathie auch zu Potenzbeschwerden.

Ebenso werden Darm und Blase durch die Krankheit beeinträchtigt. Die Betroffenen entwickeln dabei nicht selten auch psychische Beschwerden. Möglicherweise ist durch die Grunderkrankung auch die Lebenserwartung des Betroffenen durch die Myelopathie eingeschränkt. In vielen Fällen sind die Schäden irreversibel, sodass keine Behandlung stattfinden kann.

Durch verschiedene Therapien können die Beschwerden allerdings gelindert werden. Zu einer vollständigen Heilung der Myelopathie kommt es in den meisten Fällen allerdings nicht. Weitere Komplikationen treten bei der Behandlung in der Regel nicht auf.

Behandlung & Therapie

In den meisten Fällen hilft eine konservative Behandlung nicht ausreichend, weil die Ursache, die Quetschung des Rückenmarks, dadurch nicht abgestellt wird. Quetschungen des Rückenmarks und Veränderungen an den Knochen können sich in der Regel nicht von allein zurückbilden. Ein Bandscheibenvorfall kann sich zurückbilden und muss nicht immer zwingend operiert werden, aber es braucht sehr viel Zeit.

Wenn der Vorfall eine Rückenmarksschädigung verursacht hat, muss aber operiert werden, weil die Symptome sonst nicht verschwinden. Eine konservative Therapie kann manchmal notwendig werden, wenn Patienten wegen ihres erhöhten Alters oder wegen Begleiterkrankungen nicht operiert werden können. Sie beinhaltet die Verabreichung von schmerzlindernden, abschwellenden und entzündungshemmenden Medikamenten. Bei Bedarf muss eine Halskrause und Bettruhe verordnet werden.

Wenn keine Schmerzen vorhanden sind, hilft Physiotherapie, die Halswirbelsäule zu stabilisieren. Während der konservativen Behandlung muss der Verlauf engmaschig überwacht werden, um mögliche Verschlechterungen schnell zu erkennen. Wenn es zu neurologischen Beeinträchtigungen oder Ausfällen kommt, ist eine Operation zur Entlastung des Rückenmarks unumgänglich. Der Eingriff muss immer stationär erfolgen, vor der Operation wird mit Infusionen oder Medikamenten versucht, die Schwellung des Rückenmarks herbeizuführen.

Bei der Narkose muss beachtet werden, dass bei der Lagerung des Patienten eine Überstreckung des Kopfes vermieden werden muss, um das Rückenmark nicht noch mehr zu quetschen. Meistens erfolgt die Operation von vorne, bei entsprechendem Befund aber auch von hinten. Nach der Operation sind für mehrere Tage weiterhin abschwellende Medikamente erforderlich. Anschließend erfolgt in der Regel eine Reha-Maßnahme mit Übungen, um die Symptome zu reduzieren. Ganz heilen lassen sie sich oft nicht.

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Vorbeugung

Einer Myelopathie kann wie bei den meisten Wirbelsäulenerkrankungen wirksam vorgebeugt werden, indem einseitige Bewegungen und chronische Fehlhaltungen vermieden werden. Menschen, die im Büro arbeiten und viel am Schreibtisch und Computer sitzen müssen, sollten regelmäßig Übungen zur Entlastung der Halswirbelsäule durchführen.

Regelmäßige körperliche Bewegung stärkt die Rückenmuskulatur und bessert Rückenbeschwerden. Bei leichten Beschwerden helfen krankengymnastische Übungen, rechtzeitig chronische Fehlhaltungen zu verhindern und die Wirbelsäule zu entlasten.

Das können Sie selbst tun

Welche Maßnahmen Myelopathie-Patienten im Alltag ergreifen können, hängt von der Ursache und Ausprägung der Erkrankung ab. Liegt lediglich ein Bandscheibenvorfall zugrunde, können die Beschwerden durch eine fachlich angeleitete Physiotherapie gelindert werden. Der Patient kann die Therapie zu Hause durch individuelle Übungen unterstützen. Moderate Bewegung trägt dazu bei, dass die Bandscheibe nicht erneut herausrutscht.

Ist eine Operation notwendig, benötigt der Betroffene in erster Linie Schonung. Der Eingriff stellt meist eine große Belastung für die Wirbelsäule dar, weshalb in den ersten Tag nach der OP auf anstrengende körperliche Aktivitäten verzichtet werden sollte. Bei Bedarf muss der Patient eine Halskrause tragen und zu Beginn mit Krücken gehen. Sollten Schmerzen auftreten, muss ein relativ starkes Schmerzmittel eingesetzt werden, um Fehlhaltungen und daraus resultierende Schäden zu vermeiden. Der Patient kann die Medikation durch verschiedene Mittel aus der Naturheilkunde unterstützen. Bewährt haben sich neben Baldriantropfen auch Präparate wie Arnika oder Teufelskralle. Bei akuten Schmerzen hilft ein heißes Bad.

Parallel zu diesen Maßnahmen muss ein Arzt den Krankheitsverlauf überwachen. Sollten sich Komplikationen einstellen, muss der Mediziner darüber informiert werden. Womöglich liegt der Myelopathie eine Tumorerkrankung oder eine Entzündung zugrunde, die zuerst behandelt werden muss.

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Quellen

  • Grifka, J., Krämer, J.: Orthopädie, Unfallchirurgie. Springer, Heidelberg 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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