Myelolipom

Letzte Aktualisierung am 8. Mai 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Bei Myelolipomen handelt es sich um gutartige Tumoren beziehungsweise tumorähnliche Läsionen, die sehr selten vorkommen. Die Myelolipome bestehen aus reifem Fettgewebe sowie variablen Anteilen an hämatopoetischem Gewebe. In den meisten Fällen treten sie in der Gegend der Nebenniere auf. Die Bezeichnung der Erkrankung prägte der französische Pathologe Charles Oberling.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Myelolipom?

Myelolipome stellen eine seltene Erkrankung dar, in deren Rahmen gutartige Tumoren auftreten. Diese sind meist im Bereich der Nieren lokalisiert. Myelolipome treten mit gleicher Häufigkeit bei Frauen und Männern auf, wobei der Altersgipfel im Zeitraum vom 50. bis zum 70. Lebensjahr liegt. Bei Obduktionsstudien werden Myelolipome in 0,08 bis 0,4 Prozent aller Fälle gefunden.

Bei Myelolipomen handelt es sich um Tumoren von gelblicher bis bräunlicher Farbe, deren Größe von wenigen Millimetern bis zu 30 Zentimetern reichen kann. Die Tumoren sind allerdings nicht gekapselt. In der Regel treten sie einzeln und einseitig im Bereich der Nebenniere auf. In selteneren Fällen können sie auch bilateral sowie mitunter außerhalb der Nebenniere vorkommen.

Dabei können sie etwa in der Leber, im Retroperitoneum, in den Muskelfaszien oder im Mediastinum auftreten. Im Rahmen von mikroskopischen Analysen zeigt sich, dass sich Myelolipome hauptsächlich aus reifem Fettgewebe sowie myeloiden Zellen zusammensetzen. Zum Teil finden sich bei Myelolipomen auch knöcherne Metaplasien oder Einblutungen.

Ursachen

Die für die Entstehung von Myelolipomen verantwortlichen Ursachen sind noch nicht ausreichend erforscht und daher weitgehend unbekannt. Jedoch existieren diverse Theorien über potenzielle Ursachen von Myelolipomen. So steht beispielsweise in der Diskussion, dass die Umwandlung (medizinische Bezeichnung Metaplasie) von sogenannten retikuloendothelialen Zellen bei Blutkapillaren eine mögliche Ursache darstellen könnte.

Derartige Umwandlungen können in der Folge bestimmter Stimuli wie etwa Stress, Infektionen oder Nekrose auftreten. Mitunter wird auch die Ansicht vertreten, dass es sich bei dem Myelolipom um einen Ort handelt, an dem extramedulläre Blutbildung stattfindet. Darunter wird eine Form der Blutbildung verstanden, die außerhalb des Knochenmarks stattfindet. Aktuellere Untersuchungen weisen darauf hin, dass sowohl die knochenmarkartige Komponente als auch der Fettanteil des Myelolipoms auf die gleiche Weise aufgebaut sind.

Dies veranlasst zu der Schlussfolgerung, dass es sich bei Myelolipomen womöglich tatsächlich um echte Neubildungen von Körpergewebe (medizinische Bezeichnung Neoplasie) handelt. Darüber hinaus wird in der Fachliteratur ein möglicher Zusammenhang von Myelolipomen mit angeborener Vergrößerung der Nebennieren (medizinische Bezeichnung Nebennierenhyperplasie) diskutiert.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Grundsätzlich können bei bestehenden Myelolipomen verschiedene Symptome auftreten. Jedoch handelt es sich bei den Tumoren im überwiegenden Teil der Fälle um asymptomatische Erkrankungen. Das bedeutet, dass die Myelolipome keine spürbaren Symptome oder Beschwerden verursachen und aus diesem Grund nicht von den betroffenen Personen bemerkt werden können.

In solchen Fällen werden die Myelolipome meist nur durch Zufall, beispielsweise im Rahmen von radiologischen Untersuchungen, festgestellt. Bleiben sie unerkannt und zeigen keinerlei Beschwerden, kann es vorkommen, dass Myelolipome erst bei der Obduktion gefunden werden. Von den betroffenen Patienten spürbare Symptome ergeben sich oftmals nur bei größeren Tumoren.

In solchen Fällen leiden die an Myelolipomen erkrankten Personen etwa unter Bauch- und Flankenschmerzen. Nur sehr selten besteht ein Zusammenhang zu endokrinen Störungen wie dem Conn-Syndrom, dem Cushing-Syndrom oder einer vererbten Nebennierenhyperplasie, wobei sich entsprechende Symptome zeigen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zeigen sich typische Symptome eines Myelolipoms, sollte umgehend ein Facharzt konsultiert werden, der die notwendigen Maßnahmen anordnet. Zur Diagnose von Myelolipomen kommen radiologische Untersuchungen in Betracht, die die inneren Organe und mögliche Tumoren bildlich darstellen. Ärztliche Untersuchungen sind in jedem Fall bedeutsam, da die Erkrankung von anderen, ernsthafteren Krankheiten mit ähnlichen Symptomen abgegrenzt werden muss.

Meist ist die Prognose von Myelolipomen relativ gut. Bisher wurden keine malignen Entartungen des Myelolipoms zu bösartigen Tumoren beobachtet. In seltenen Fällen kann es zu Komplikationen kommen, in deren Rahmen Blutungen eintreten. Diese werden meist durch traumatisch bedingte oder spontan auftretende Tumorrupturen verursacht. Gesicherte Angaben über die Mortalität im Zusammenhang mit Myelolipomen sind bedingt durch die Seltenheit der Tumoren nicht möglich.

Komplikationen

Da es sich in den meisten Fällen bei einem Myelolipom um eine Tumorerkrankung handelt, treten bei dieser Beschwerde die gewöhnlichen Komplikationen und Risiken einer Krebserkrankung auf. Im schlimmsten Falle kann sich der Tumor auch in andere Regionen ausbreiten und damit weitere gesundes Gewebe beschädigen. Dadurch wird in einigen Fällen auch die Lebenserwartung des Patienten verringert.

Nicht selten bleibt ein Myelolipom daher auch unerkannt, sodass eine frühzeitige Behandlung nicht möglich ist. Durch die Krankheit leiden die meisten Patienten an Schmerzen im Bauch oder an den Flanken. Diese Schmerzen können sich auch in den Rücken oder in andere Bereiche des Körpers ausbreiten und dort zu Beschwerden führen. Die Lebensqualität wird durch diese Krankheit deutlich verringert.

In der Regel muss ein Myelolipom nur dann behandelt und entfernt werden, wenn es zu Beschwerden führt oder wenn sich der Krebs ausbreiten könnte. Ohne Beschwerden wird in den meisten Fällen keine Behandlung durchgeführt. Dabei kommt es nicht zu weiteren Komplikationen und es stellt sich in der Regel ein positiver Krankheitsverlauf ein. Bei einer erfolgreichen Behandlung kommt es auch nicht zur Verringerung der Lebenserwartung des Patienten durch das Myelolipom.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn Anzeichen eines Tumors bemerkt werden, sollte in jedem Fall ärztlicher Rat eingeholt werden. Personen, die ungewöhnliche Knoten, Geschwülste oder Hautveränderungen bemerken, sprechen bestenfalls sofort mit dem Hausarzt. Auch bei einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes, die auf keine andere Ursache zurückzuführen ist, ist medizinische Hilfe nötig. Der Arzt kann ein Myelolipom diagnostizieren und anschließend sofort eine Behandlung einleiten. Geschieht dies frühzeitig, lassen sich ernste Komplikationen in vielen Fällen abwenden.

Personen, die bereits einmal an einem Myelolipom oder an einem anderen gutartigen Tumor erkrankt sind, sollten beim Wiederauftreten von Beschwerden den zuständigen Arzt informieren. Auch Menschen mit Vorerkrankungen und anderen Dispositionen, welche die Entstehung eines Tumors begünstigen, sollten mit genannten Beschwerden zum Arzt gehen. Ein Myelolipom kann vom Allgemeinmediziner festgestellt werden. Die weitere Behandlung erfolgt durch Internisten und Fachärzte für Tumore und Metastasen. Im Zeitraum der Behandlung muss regelmäßig Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden, da auch bei gutartigen Geschwülsten Komplikationen auftreten können, die sofort zu behandeln sind.

Behandlung & Therapie

Die therapeutischen Maßnahmen bei Vorliegen eines Myelolipoms sind abhängig vom individuellen Krankheitsbild sowie dem Schweregrad der Läsion. Bei Myelolipomen, die durch eine kleine Größe gekennzeichnet sind und bei den betroffenen Patienten keine Symptome hervorrufen, kann von einer Behandlung des Myelolipoms vorerst abgesehen werden.

In diesem Fall muss das Myelolipom lediglich einer regelmäßigen fachärztlichen Untersuchung unterzogen werden, um möglicherweise auftretende Veränderungen oder potenzielle Komplikationen rechtzeitig einzudämmen. Myelolipome, die mit spürbaren Symptomen verbunden sind, werden in der Regel mittels chirurgischer Entfernung der betroffenen Nebenniere therapiert.

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Vorbeugung

Konkrete Maßnahmen zur Prävention von Myelolipomen existieren nach dem derzeitigen Kenntnisstand der medizinischen Wissenschaft noch nicht. Es bestehen lediglich Hinweise darauf, dass spezielle externe Stimuli die Entstehung eines Myelolipoms beim Menschen begünstigen können. Zu derartigen Stimuli zählen zum Beispiel psychischer und physischer Stress, diverse Infektionen oder eine Nekrose, worunter das Absterben von Zellen im lebenden Organismus verstanden wird.

Wenn typische Anzeichen eines Myelolipoms wie beispielsweise Schmerzen in Bauch und Flanken auftreten, sollte umgehend ein Arzt konsultiert werden, um adäquate therapeutische Maßnahmen zu veranlassen.

Das können Sie selbst tun

Welche Maßnahmen Betroffene beim Vorliegen eines Myelolipoms selbst ergreifen können, hängt vom individuellen Krankheitsbild und der Schwere der Läsion ab. Kleinere Wucherungen rufen oft keine Beschwerden hervor und bedürfen nicht zwingend einer Behandlung. Größere Tumoren sollten allerdings ärztlich abgeklärt und behandelt werden.

Der Patient kann die Therapie unterstützen, indem er sich schont und enge Rücksprache mit dem zuständigen Arzt hält. Sollte der Tumor an Größe zunehmen, muss der Arzt darüber informiert werden. Auch ernste Komplikationen wie zum Beispiel Schmerzattacken oder gar eine Ruptur des Tumors bedürfen einer raschen Abklärung. Zur Linderung der Schmerzen bieten sich neben den verordneten Arzneimitteln auch eine Reihe von Naturheilmitteln an. Bewährt haben sich zum Beispiel Präparate mit Arnika und Belladonna, doch auch Ringelblumensalbe kann die typischen Beschwerden lindern. Die Verwendung alternativer Heilmittel sollte zuvor mit dem Mediziner abgesprochen werden.

Größere Myelolipome müssen operativ entfernt werden. Die wichtigste Selbsthilfe-Maßnahme besteht darin, den Körper nach der Operation zu schonen. Die Operationswunde muss nach den Vorgaben des Arztes gepflegt werden, da ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht. Begleitend dazu sind regelmäßige Arztbesuche angezeigt, um ein mögliches Rezidiv frühzeitig erkennen zu können.

Quellen

  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Keller, C.K., Geberth, S.K.: Praxis der Nephrologie. Springer, Berlin 2010
  • Pfeifer, B., Preiß, J., Unger, C. (Hrsg.): Onkologie integrativ. Urban & Fischer, München 2006

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