Myelographie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. September 2017
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Als Myelographie wird ein radiologisches Diagnoseverfahren zur Darstellung der Platzverhältnisse im Wirbelkanal bezeichnet. Durch nicht-invasive Diagnoseverfahren wie Computer- oder Magnetresonanztomographie hat die Myelographie an Bedeutung verloren. Allerdings kommt diese oftmals bei spezifischen Fragestellungen, insbesondere bei spinalen Wurzelkompressionssyndromen, als zusätzliches diagnostisches Verfahren zum Einsatz.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Myelographie?

Als Myelographie wird eine Röntgen-Konstrastmitteluntersuchung zur Darstellung des Wirbelkanals bzw. Subarachnoidalraums (spinaler Liquorraum), des Rückenmarks sowie der abgehenden Spinalnerven bezeichnet.

Das invasive Diagnoseverfahren kommt in aller Regel bei einem Verdacht auf eine Kompression des Myelons (Rückenmark) und/oder der Spinal- bzw. Rückenmarksnerven zum Einsatz, wenn andere bildgebende Verfahren wie eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) nicht zur detaillierten Diagnosestellung ausreichen.

Durch die Injektion eines Kontrastmittels in den Subarachnoidalraum mit anschließenden Röntgenaufnahmen in unterschiedlichen Projektionen bzw. aus verschiedenen Perspektiven können die Platzverhältnisse für Myelon und Rückenmarksnerven bildhaft dargestellt werden.

Funktion, Wirkung & Ziele

Unterschiedliche Beeinträchtigungen der Wirbelsäule, die mit einer Nervenschädigung im Rückenmarkskanal einhergehen, können die Indikation für eine Myelographie begründen, wenn durch ein CT oder MRT keine ausreichenden Informationen geliefert werden können.

In aller Regel sind diese auf degenerative Wirbelsäulenerkrankungen zurückzuführen, die beispielsweise eine Spinalkanalstenose (Rückenmarkskanalverengung) mit druckbedingten Schädigungen der nervalen Strukturen bedingen können. Diese manifestieren sich anhand von Schmerzen, Sensibilitätsstörungen in den Beinen und Armen sowie durch Kraftlosigkeit.

Eine Myelographie kann ebenfalls bei Verdacht auf eine Neuroforamenstenose (lokale Verengung einer bzw. mehrerer Nervenwurzelaustrittsöffnungen) angezeigt sein. Zudem kommt das Diagnoseverfahren oftmals im Vorfeld einer Wirbelsäulenoperation wie einer Dekompression oder Spondylodese als Planungshilfe zur Anwendung. Ziel einer Myelographie ist die bildhafte Darstellung der Platzverhältnisse im Rückenmarkskanal, um Ausmaß und Lokalität potenzieller Nerven-, Wirbelkörper- oder Bandscheibenschädigungen feststellen und beurteilen zu können.

Hierzu werden im Vorfeld der Untersuchung durch eine Blutanalyse die Blutgerinnungswerte überprüft und blutverdünnende Medikamente zur Vermeidung eines Blutungsrisikos abgesetzt. Zudem wird oftmals vor der Myelographie eine Röntgenaufnahme der Wirbelsäule durchgeführt, um für die Punktion einen optimalen Zugang zum Rückenmarkskanal zu bestimmen. Im Anschluss an die lokale Betäubung der Punktionsstelle wird das wasserlösliche Kontrastmittel (10 bis 20 ml) im Bereich der Lendenwirbelsäule mit einer Kanüle (Lumbalpunktion) injiziert, so dass sich dieses im Duraschlauch (Hirnhautschlauch) verteilen kann.

Das invasive Diagnoseverfahren kann bei einem Verdacht auf eine Kompression des Rückenmark und/oder der Spinal- bzw. Rückenmarksnerven zum Einsatz kommen.

Vorhandene Engstellen modifizieren den Kontrastmittelfluss und werden durch die anschließenden Röntgenaufnahmen sichtbar gemacht. Durch eine Röntgenaufnahme von vorne (a.p.) können anhand der Verteilung des Kontrastmittels die Platzverhältnisse im Rückenmarksraum und die Rückenmarksnerven durch Kontrastmittelaussparungen bildlich dargestellt werden. Schräge Röntgenaufnahmen erlauben die Beurteilung der Rückenmarksnervenabgänge, während seitliche Aufnahmen während der Ante- und Retroflexion (Vor- und Rückbeugung) des Oberkörpers Rückschlüsse auf die Platzverhältnisse im Rückenmarkskanal zulassen.

Darüber hinaus kann im Anschluss eine Computertomographie durchgeführt werden (Myelo-CT). Die Kombination aus Kontrastmitteleinspritzung und Schnittbildverfahren liefert die detailliertesten Informationen zur Beurteilung und Feststellung von Wirbelkanalengen und Nervenkompressionen. Zur Vermeidung bzw. Minimierung der Kopfschmerzen, die durch die vorübergehenden Druckveränderungen im Liquorraum (Nervenwasserraum) infolge der Punktion entstehen können, sollte im Anschluss an die Myelographie eine 24-stündige Bettruhe eingehalten werden.

Ferner sollte zur schnellen Kompensation des Nervenwasserverlustes eine ausreichend hohe Flüssigkeitszufuhr sichergestellt werden. Im Rahmen einer Rare-MR-Myelographie (Rapid Acquisition with Relaxation Enhancement Myelographie) können zudem äußerst schnell wasserspezifische Bilder erhalten werden, die Informationen zu einer Verlegung des Subarachnoidalraums, bspw. durch Tumoren, liefern.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Komplikationen können in aller Regel selten bei einer Myelographie beobachtet werden. Die häufigste Nebenwirkung stellen die durch den Nervenwasserverlust vorübergehend auftretenden Kopfschmerzen dar. Daneben können durch eine Verletzung eines Blutgefäßes Einblutungen in den Rückenmarkskanal bedingt werden (epidurales Hämatom), die eine Nervenschädigung nach sich ziehen können.

Wird die Myelographienadel (Kanüle) fehlplatziert, können die abgehenden Nerven des Rückenmarks geschädigt werden, was Schmerzen, Sensibilitätsstörungen sowie Lähmungen verursachen kann. Da die Myelographie aufgrund der Hautverletzung durch die Punktion ein invasives Verfahren darstellt, kann es infolge einer Keimverschleppung zu einer Infektion kommen. Diese kann lediglich oberflächlich sein oder tiefere Strukturen der Wirbelsäule wie Wirbelkörper, Bandscheibe oder Rückenmark betreffen.

Schlimmstenfalls kann sich eine aufsteigende Entzündung der Rückenmarks- und Hirnhaut (Meningitis) manifestieren. Bei einem nicht eigenständigen Verschluss der Dura (Rückenmarkshaut) kann Liquor kontinuierlich aus der Punktionsstelle nach außen sickern, was oftmals einen chirurgischen Verschluss nach sich zieht. Eine Myelographie kann bei Vorliegen einer Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) aufgrund der angewandten jodhaltigen Kontrastmittel kontraindiziert sein.

Ebenso kann eine Überempfindlichkeit gegenüber Jod, die zu einem anaphylaktischen Schock (schwerer Kreislaufschock) führen kann, eine Myelographie gegebenenfalls ausschließen.

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Quellen

  • Bücheler, E., et al.: Einführung in die Radiologie: Diagnostik und Interventionen. Thieme, Stuttgart 2006
  • Hosten, N., Liebig, T.: Computertomographie von Kopf und Wirbelsäule. Thieme, Stuttgart 2011
  • Prokop, M. et al.: Ganzkörper-Computertomographie. Thieme, Stuttgart 2013

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