Myelodysplastisches Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 7. August 2017
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Das myelodysplastische Syndrom, kurz MDS, beschreibt verschiedene Erkrankungen des Blutes bzw. des blutbildenden Systems, die durch die genetische Veränderung von gesunden Blutzellen deren vollständige Ausprägung und Funktionstüchtigkeit verhindern und auf diese Weise den Organismus angreifen und ihn schwächen. Die Wahrscheinlichkeit an einem myelodysplastischen Syndrom zu erkranken steigt mit dem Alter und nimmt ab dem 60. Lebensjahr stark zu.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein myelodysplastische Syndrom?

Entgegen eines weit verbreiteten Fehlglaubens ist ein myelodysplastisches Syndrom kein Blutkrebs (Leukämie). Da als eine Folgeerscheinung aber in einigen Fällen eine Akute myeloische Leukämie (AML) auftreten kann, bekam es Synonyme wie schleichende Leukämie oder Präleukämie.

Eine Parallele zur Leukämie ist, dass auch beim myelodysplastischen Syndrom das Knochenmark als Zentrum der Blutbildung direkt betroffen ist und in seiner essentiellen Funktion für den Organismus beeinträchtigt wird.

So ist das Knochenmark bei dieser Erkrankung nicht mehr dazu in der Lage, ausreichend weiße Blutkörperchen (Leukozyten), rote Blutkörperchen (Erythrozyten) und Bluttplättchen (Thrombozyten) herzustellen und somit den Transport von Sauerstoff, die Aufrechterhaltung des Immunsystems sowie eine vernünftige Blutgerinnung zu gewährleisten.

Ursachen

In neun von zehn Krankheitsfällen ist kein direkter Grund für die Entstehung eines myelodysplastisches Syndroms zu erkennen. Der Rest geht entweder auf die Folgen einer Strahlen- oder Chemotherapie, wie sie z.B. bei Krebspatienten angewendet wird, als sogenannte sekundäre myelodysplastische Syndrome zurück oder aber auf die Einwirkung von schädlichen und zumeist giftigen Fremdstoffen wie Benzol, das beispielsweise in Benzin enthalten ist.

Zudem wird vermutet, dass auch häufig konsumierte Güter wie Zigarettenqualm, Haarfärbemittel, Pestizide oder Alkohol zu der Entstehung eines myelodysplastischen Syndroms beitragen können.

Diese These konnte allerdings noch nicht nachhaltig bewiesen werden. Eine erbliche Veranlagung zum myelodysplastischen Syndrom, sowie eine Übertragung der Krankheit von Mensch zu Mensch sind hingegen gänzlich ausgeschlossen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Erste Anzeichen für das Auftreten eines myelodysplastischen Syndroms ähneln stark denen einer Anämie (Blutarmut), bei der auch nicht mehr genügend rote Blutkörperchen im Blut vorhanden sind, um den Sauerstoff ausreichend schnell im Organismus zu verteilen und es dadurch zu Symptomen wie Kurzatmigkeit, Blässe, Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, einem erhöhten Pulsschlag und Ohrensausen kommen kann.

Aufgrund des Mangels an weißen Blutkörperchen können außerdem vermehrt Infektionen auftreten, die auch durch eine gezielte Behandlung mit Antibiotika nicht zu bekämpfen sind. Als Folge des Mangels an ausreichend Blutplättchen sind darüber hinaus oft schwer zu stillende und ungewöhnlich starke Blutungen, etwa bei kleinen Schnittwunden oder chirurgischen Eingriffen, zu beobachten. Auch gehäuft auftretende Blutergüsse oder Blut im Urin und Stuhl können erste Anzeichen für ein myelodysplastisches Syndrom sein.

Bei einem Verdacht werden in der Regel eingehende Blutuntersuchungen durchgeführt und dabei die Blutwerte auf Abweichungen und Anomalien analysiert. Zudem wird eine Probe des Knochenmarks aus der Hüfte entnommen und auf Veränderungen der Chromosomen, die in etwa 60 Prozent der Fälle auftreten, untersucht. Ein myelodysplastisches Syndrom wirkt sich zwar nicht ganz so schnell und verheerend auf den Körper aus, wie eine Leukämie, dennoch sollte nach der Diagnose rasch mit einer Therapie begonnen werden, da es ansonsten durch Infektionen, etwa der Lunge oder des Darms, oder durch eine sich aus dem myelodysplastischen Syndrom entwickelnde akute Leukämie zu lebensbedrohlichen Umständen kommen kann.

Komplikationen

Durch dieses Syndrom kommt es in erster Linie zu einer starken Blutarmut. Diese wirkt sich im Allgemeinen sehr negativ auf den gesundheitlichen Zustand des Patienten aus und kann dabei auch die Lebenserwartung deutlich verringern. Die Betroffenen wirken aufgrund der Blutarmut sehr müde und abgeschlagen und nehmen dabei nicht mehr aktiv am Leben teil.

Ebenso kommt es zu einer Schwäche und die Belastbarkeit des Patienten sinkt ebenso ab. Die Betroffenen können sich nicht mehr Konzentrieren und wirken sehr blass. Weiterhin führt das Syndrom zu einem Herzrasen und zu Schwindelgefühlen. Durch die verringerte Durchblutung leiden die Betroffenen auch an Ohrensausen und an Kopfschmerzen.

Die Lebensqualität wird erheblich eingeschränkt und es kommt oft zu einer Gereiztheit des Patienten. Schon bei kleinen Wunden oder Schnitten kommt es zu starken Blutungen, wobei das Blut auch im Urin auftreten kann. In der Regel ist eine vollständige Heilung des Syndroms nur durch die Transplantation von Stammzellen möglich.

Weiterhin sind die Betroffenen auf regelmäßige Transfusionen angewiesen, um nicht an den Beschwerden zu versterben. In schwerwiegenden Fällen ist auch eine Chemotherapie notwendig, die allerdings zu verschiedenen Nebenwirkungen führen kann. Ohne Behandlung des Syndroms kommt es zu einer deutlichen Verringerung der Lebenserwartung des Betroffenen.

Behandlung & Therapie

Ein myelodysplastisches Syndrom kann letztlich nur durch eine erfolgreiche Stammzelltransplantation völlig geheilt werden. Alle anderen Behandlungsmethoden sind nur palliativer, also die Symptmoe der Krankheit lindernder Natur.

Der Mangel an roten Blutkörperchen kann z.B. durch regelmäßige Bluttransfusionen bekämpft werden, das Fehlen von Bluttplättchen durch Thrombozytenkonzentrate. Zur Vorbeugung von Infektionen werden Impfungen gegen Grippe und Pneumokokken sowie eine vorsorgliche Behandlung mit Antibiotika vorgenommen. Zudem wird eine intensive Körperhygiene so wie das Meiden von Kontakt mit möglichen Krankheitsüberträgern angeraten.

Bei einem bereits weit fortgeschrittenen Krankheitsbild wird häufig eine Chemotherapie durchgeführt, die die rasch größer werdenden Zellen in Knochenmark und Blut eliminieren und so das Blutbild vorübergehend auf einen normalen Zustand zurückversetzen. Diese Methoden variieren von Patient zu Patient sehr stark und müssen stets individuell mit dem behandelnden Arzt abgesprochen und geplant werden.

Seit 2003 existiert deswegen das MDS Register Düsseldorf, das es sich zum Ziel gesetzt hat, den Krankheitsverlauf individueller und genauer einordnen und auf dieser Grundlage maßgeschneiderte Therapien zur Bekämpfung des myelodysplastischen Syndroms entwickeln zu können.

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Vorbeugung

Aufgrund großer Anstrengungen in den letzten Jahrzehnten wird die Behandlung des myelodysplastischen Syndroms immer effektiver und effizienter, so dass viele Betroffene heute eine stark erhöhte Heilungs- bzw. Überlebenschance haben.

Bücher über myelodysplastisches Syndrom

Quellen

  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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