Mydriasis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. Januar 2017
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Unter einer Mydriasis wird die Erweiterung bzw. Weitstellung der Pupille verstanden. Dabei wird die gesamte Irisfläche verkleinert, der Augeninnendruck gesteigert und das Austreten des Kammerwassers gesenkt. In der Renaissance war die Pupillenerweiterung sogar modern und wirkte zu dieser Zeit attraktiv, weshalb sich die Menschen aus kosmetischen Gründen verschiedene Wirkstoffe in die Augen träufelten, so z. B. den Saft der Tollkirsche. Heute dient eine Mydriasis eher zur Untersuchung des Auges und zur Kontrolle des Bewusstseinszustands eines Menschen; gegebenenfalls auch zur Feststellung seines Todes. Das Gegenteil zur Mydriasis stellt die Miosis dar. Diese bezeichnet den Zustand des Auges, wenn sich die Pupille verengt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Mydriasis?

Eine Mydriasis tritt auf, wenn es zu einer parasympathischen Hemmung des Musculus sphincter oder zu einer sympathischen Stimulation des Musculus dilatator kommt. Beides sind innere Augenmuskeln, die aufeinander einwirken. Die Ursachen sind verschiedene, z. B. sie tritt sie durch die Einnahme von pupillenerweiternden Medikamenten ein, die u. a. bei einer Untersuchung der Netzhaut notwendig sind, da diese Untersuchung nur bei einer Mydriasis durchgeführt werden kann.

Genauer betrachtet gibt es drei Phasen, in denen eine Mydriasis einftritt. Zum einen durch Dunkeladaption, wenn der Mensch z. B. aus hellem Licht in einen dunklen Raum tritt, zum anderen bei starker Erregung, darunter Aufregung, Angst, Schmerz, Schreck, Freude oder aber durch pathologische Reizung und aufgrund einer Lähmung bzw. Hemmung des Musculus sphincter pupillae. Andere Medikamente oder Rauschmittel, wie z. B. Kokain oder Amphetamine, bewirken wiederum eine Stimulation des Sympathikus, wodurch der Musculus dilatator pupillare gereizt wird und die Pupille sich vergrößert.

Die Pupille ist immer rund, wenn es zu einer maximalen Mydriasis kommt. Die Pupillenerweiterung ist bei Dunkelheit vollkommen normal. Ebenso bei einem Blick in die Ferne. Das Auge reagiert unter diesen Umständen mit einem unbewussten Pupillenreflex, bei dem der Sehnerv und der dritte Gehirnnerv beteiligt sind. Dieser Prozess findet biochemisch in den Sinneszellen statt, genauer gesagt durch die Stäbchen und Zapfen der Netzhaut. Die Mydriasis tritt bei einer Dunkeladaption in beiden Augen gleichzeitig auf.

Funktion & Aufgabe

In erster Linie dient die Mydriasis dem Sehvorgang. Das Auge kann sich durch die Veränderung der Pupille auf unterschiedliche Lichtverhältnisse einstellen und die Umwelt in unterschiedlicher Distanz erkennen. In diesem Punkt ist ein Kameraobjektiv vergleichbar mit einem Auge. Auch dort können Objekte in der Nähe oder Ferne scharf fixiert werden und durch das Eng- oder Weitstellen kann das Objektiv mehr oder weniger Licht hineinlassen.

In der Augenheilkunde ist eine Pupillenerweiterung ein notwendiges Untersuchungsmittel. Um die Netzhaut des Auges untersuchen zu können, wird eine Mydriasis ausgelöst. Dafür bekommt der Patient Augentropfen, die die Pupille stark erweitern. Sie werden in den Bindehautsack des Auges getopft und bewirken eine Lähmung, die allerdings nur vorübergehend ist und über die Behandlung hinaus einige Stunden andauert.

Dieser Vorgang ist notwendig, da bei der Untersuchung mit einer Lampe in das Auge geleuchtet werden muss und sich die Pupille naturgemäß bei Lichteinwirkung verengt. Ist die Pupille weit, wird mit einer hellen Lampe und einer Lupe die gesamte Netzhaut untersucht. Die medizinische Bezeichnung hierfür ist die Ophthalmoskopie, auch als Augenspiegelung bezeichnet.

Durch diese kann der Augenarzt erkennen, ob mechanische Schädigungen oder Strukturveränderungen der Netzhaut vorliegen, sich irgendwo Metastasen im Auge gebildet haben und ob der Kopf des Sehnervs verletzt ist, was z. B. bei Sehnervenerkrankungen, Hirntumoren oder bei grünem Star der Fall ist. Der Arzt kann so auch die Makula überprüfen oder schwerwiegende Entzündungen im Augeninneren erkennen.

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Krankheiten & Beschwerden

Die Weitstellung der Pupille kann aber auch ein Symptom für Krankheiten sein. Der pathologische Zustand der Pupillenmuskulatur als Mydriasis tritt z. B. bei Hirntod, bei Migräneanfällen, bei starken Schmerzen, einer Hirnnervenstörung wie der Okulomotoriusparese oder bei einer Verletzung am Mittelhirn auf. Hierbei wird der Musculus sphincter pupillae gehemmt und die ihn versorgenden Fasern und Nerven blockiert. Es kommt zu einer abnormen Erweiterung der Pupille und zu Störungen der gesamten Pupillenreaktion.

Bei einer Okulomotoriusparese ist der Nervus oculomotorius, also der dritte Gehirnnerv, gelähmt. Er ist gemeinsam mit dem Nervus abducens und dem Nervus trochlearis für die Bewegung des Augenapfels zuständig. Die Ursache dieser Hemmung kann unterschiedlicher Art sein. Sie kann aufgrund eines Schlaganfalls entstanden sein oder ebenso durch Hirnblutungen. Auch gefäßbedingte Störungen oder ein Hirnaneurysma verursachen eine Lähmung und Mydriase. Bei einer kompletten Okulomotoriusparese sind alle Nervenfasern beeinträchtigt und es kommt zu einem Totalausfall aller Reaktionen des Auges. Dabei ist die komplette Pupillenreaktion und die Nah- und Fernstellung des Auges gestört.

Unter einer Mydriasis wird die Erweiterung bzw. Weitstellung der Pupille verstanden.

In der Pathophysiologie werden vier verschiedene Formen der Mydriasis unterschieden. Bei einer Mydriasis spactica kommt es zur Sympathikusreizung mit unmittelbarer Dauerkontraktion des Musculus dilatator pupillae. Bei einer Mydriasis traumatica handelt es sich um einen Einriss in der Sphinkterpapille. Bei einer Mydriasis spinalis ist das Centrum ciliospinale gereizt, welches die Pupillenweite und auch die Weite der Lidspalte beeinflusst. Bei einer Mydriasis paralytica ist schließlich der gesamte Parasympathikus gelähmt und es kommt zu einer Erschlaffung des Musculus sphincter pupillae.

Des Weiteren entsteht eine Mydriase aufgrund medikamentöser Einwirkung. So z. B. durch die Einnahme von Pflanzengift, Rauschmitteln oder anderen pharmakologischen Wirkstoffen. Parasympatholytika oder Anticholinergika hemmen die parasympathischen Fasern und bewirken eine Engstellung. Wirkstoffe dieser Gruppe sind z. B. Tropicamid, Homatropin, Scopolamin oder Atropin. Die mydriatische Wirkung wird durch Sympathomimetika verstärkt und wirkt auf die sympathischen Fasern. Wirkstoffe sind Epinephrin oder Phenyephrin.

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