Muskulärer Schiefhals (Torticollis muscularis)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. August 2017
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Ein muskulärer Schiefhals oder auch Torticollis muscularis ist eine angeborene und erworbene neurologische Erkrankung und tritt häufig bei Säuglingen auf. Typischerweise wird der Kopf zu einer Seite geneigt. Der Schiefhals kommt durch die Verkürzung der Kopfnickermuskulatur zustande. Wenn nicht rechtzeitig behandelt wird, drohen Verschlimmerungen und neurologische Probleme.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein muskulärer Schiefhals?

In der Medizin kennzeichnet der Begriff muskulärer Schiefhals eine seltene, zum Teil angeborene, zum Teil erworbene Fehlstellung des Kopfes. Die angeborene Variante tritt häufig bei Säuglingen auf und fällt dadurch auf, dass der Kopf zur gesunden Seite hin geneigt ist, einher gehend mit einer Verkürzung des seitlichen Kopfnickermuskels.

Ursachen

Die Ursachen für einen muskulären Schiefhals können nicht eindeutig geklärt werden. Eine Bindegewebsveränderung innerhalb des Kopfnickermuskels scheint verantwortlich, aber woher diese Veränderung kommt, ist nicht bekannt. Ob die Erkrankung durch Muskeleinblutungen, Verletzungen oder Druck in den Muskeln während der Geburt entsteht, gilt es noch medizinisch abzuklären.

Eine ungünstige Lage in der Gebärmutter kann zum Schiefhals führen. Man nennt das auch "Kopfnickerhämatom". Der muskuläre Schiefhals tritt gehäuft zusammen mit anderen Fehlbildungen wie Hüftdysplasien oder Klumpfüßen auf. Eine Vererbung kann bisher nicht nachgewiesen werden.

Weitere Ursachen für einen Torticollis muscularis können Schwerhörigkeit, Fehlsichtigkeit, Gleichgewichtsstörungen, Fehlbildungen der Halswirbelsäule oder steifer Nacken durch Zugluft sein, die aber nicht verwechselt werden dürfen mit dem Torticollis muscularis.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Den muskulären Schiefhals erkennt der Arzt an der typischen Fehlstellung des Kopfes. Um eine sichere Diagnose zu stellen, schließt er zunächst ähnliche Erkrankungen wie z. B. Fehlbildungen der Halswirbelsäule oder eine Schwerhörigkeit aus. Zusätzlich werden Röntgenaufnahmen von der Halswirbelsäule zur Beurteilung herangezogen. Bei Säuglingen ist ein Hörtest sinnvoll.

Wenn ein muskulärer Schiefhals nicht oder nicht rechtzeitig behandelt wird, kann es zu bleibenden Schäden kommen, die eine Funktionseinschränkung der Halswirbelsäule nach sich ziehen und durch das Belastungsungleichgewicht eine vorzeitige Gelenksarthrose der Halswirbelsäule begünstigen.

In der Folge bildet sich durch die knöcherne Fehlstellung eine Skoliose der Halswirbelsäule, die u. a. Gesichtsasymmetrien verursachen kann. Diese lassen sich bei zu späterer Behandlung nicht mehr vollständig korrigieren.

Wenn eine Therapie früh genug beginnt und konsequent durchgeführt wird, kann der muskuläre Schiefhals gut korrigiert und möglichen Bewegungseinschränkungen vorgebeugt werden. Danach sind regelmäßige Folgeuntersuchungen wichtig. Wenn nicht rechtzeitig therapiert wird, lässt sich der muskuläre Schiefhals nicht mehr vollständig regenerieren.

Komplikationen

Durch den Schiefhals leiden die Betroffenen an einer starken Fehlstellung des Kopfes. Diese ist dabei in den meisten Fällen auch mit starken Schmerzen und Verspannungen verbunden. Nicht selten breiten sich die Schmerzen dabei auch in andere Regionen des Körpers aus und können dabei auch zu Kopfschmerzen oder zu Rückenschmerzen führen.

Ebenso kommt es zu deutlichen Bewegungseinschränkungen und damit zu starken Einschränkungen im Alltag des Patienten, sodass die Lebensqualität erheblich verringert wird. Der Hals des Betroffenen ist durch den Schiefhals in der Regel angeschwollen. Ebenso können sich die Beschwerden des Schiefhalses auch auf die Hüfte negativ auswirken.

Vor allem bei Kindern kommt es durch diese Erkrankung zu Störungen der Entwicklung, sodass diese verzögert wird. Ebenso kann sich der Schiefhals negativ auf das Hörvermögen des Patienten auswirken und dieses ebenso einschränken. Die Behandlung wird in der Regel mit Hilfe von operativen Eingriffen und verschiedenen Therapien durchgeführt.

In vielen Fällen ist auch der Besuch der Krankengymnastik notwendig. Dabei kommt es in der Regel nicht zu Komplikationen. In den meisten Fällen stellt sich dabei auch ein positiver Krankheitsverlauf ein. Die Lebenserwartung des Patienten wird durch den Schiefhals nicht beeinflusst.

Behandlung & Therapie

Von entscheidender Bedeutung für den Verlauf ist eine rechtzeitige Behandlung des muskulären Schiefhalses. Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten:

1. konservative Behandlung

2. operative Behandlung

Konservative Behandlung:

Eine konservative Behandlung kann ohne Klinikaufenthalt durchgeführt werden. Mit verschiedenen Maßnahmen wird eine Korrektur der Fehlstellung versucht:

  • gegengleiche Lagerung des Kopfes

Zur Korrektur der Fehlstellung werden dem Säugling sanft Aufmerksamkeitsreize in der Gegenrichtung angeboten, so dass er seinen Kopf drehen muss, um diese wahrzunehmen.

  • Vermeidung der Bauchlage

Sehr wichtig ist es, die Säuglinge auf dem Rücken oder auf der Seite zu lagern. Die Bauchlage könnte das Problem verstärken.

Durch vorsichtige Dehnübungen wird der Kopf in die Gegenrichtung bewegt, um eine gesunde Position zu erreichen. Unabdingbar ist dabei, dass Eltern die erlernten Übungen regelmäßig zu Hause durchführen. In den meisten Fällen erübrigt sich dadurch eine operative Korrektur bei frühzeitiger Behandlung.

Operative Behandlung:

Wenn die konservative Behandlung keine ausreichend positiven Ergebnisse bringt oder zu spät eingesetzt hat, ist manchmal eine operative Korrektur des Kopfnickermuskels unvermeidbar. Dabei wird Halsmuskel am Brustbeinansatz durchtrennt, um die Fehlstellung zu korrigieren. Anschließend muss der Kopf mit einer Halskrawatte oder einem Gipsverband fixiert werden, um ihn drei bis vier Wochen ruhig zu stellen.

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Vorbeugung

Eine aktive Möglichkeit zur Vorbeugung des muskulären Schiefhalses gibt es nicht. Das Problem kann durch eine ungünstige Lage in der Gebärmutter hervorgerufen werden, auf die man keinen Einfluss hat. Auch Verletzungen durch die Geburt können Auslöser sein. Man kann lediglich durch die vorstehend aufgeführten Maßnahmen die Fehlstellung bessern bzw. ganz korrigieren.

Bücher über nuskulären Schiefhals

Quellen

  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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