Muskeldystrophie Typ Duchenne (DMD)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 7. August 2017
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Die Muskeldystrophie vom Typ Duchenne ist eine bösartige (maligne) Muskelkrankheit, die auf einem Gendefekt auf dem X-Chromosom beruht, so dass die Krankheit nur bei männlichen Nachkommen auftreten kann. Die Symptome zeigen sich bereits im Kleinkindalter in Form von Schwächen an der Becken- und Oberschenkelmuskulatur. Sie endet immer tödlich im frühen Erwachsenenalter durch Abbau der Herz- und Lungenmuskulatur.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Muskeldystrophie vom Typ Duchenne?

Als Muskeldystrophie Typ Duchenne (DMD) wird eine fortschreitende Muskelschwäche bezeichnet, die auf einem Gendefekt auf dem „männlichen“ X-Chromosom beruht. Weil der Gendefekt auf dem X-Chromosom liegt, kann die Krankheit nur bei männlichen Familienmitgliedern auftreten.

Für diese ist sie allerdings reinerbig, weil das Gen, auf dessen Mutation die Krankheit beruht, nur einmal vorkommt und nicht durch ein zweites Gen - wie sonst bei einem diploiden Chromosomensatz üblich - ausgeglichen werden kann. Das bedeutet, dass männliche Nachkommen bei Vorliegen des Gendefektes mit Sicherheit an der DMD erkranken werden.

Die DMD zeigt sich bereits im frühen Lebensalter zwischen dem ersten und sechsten Jahr durch Muskelschwäche und Muskelabbau im Bereich der Becken- und Beinmuskulatur. Die Krankheit selbst wird durch eine Synthesestörung des Proteins Dystrophin ausgelöst. Dystrophin ist ein wichtiger und funktionsnotwendiger Bestandteil der Membran, die die Muskelfasern umgibt (Sarkolemm). DMD ist die häufigste Form aller bekannten Muskeldystrophien.

Ursachen

Auf dem X-Chromosom befindet sich das sogenannte DMD-Gen, das für die Kodierung des Proteins Dystrophin verantwortlich ist. Es handelt sich mit 2,5 Millionen Basenpaaren um das größte bekannte Gen im menschlichen Genom und ist daher anfällig für Mutationen, die in der Auswirkung eine Synthese des Dystrophins meist völlig unterbinden.

Bei der Mutation des DMD-Gens kann es sich um den Verlust (Deletion) eines Teilstücks (mehrere Basenpaare), um eine Duplikation oder um eine Punktmutation handeln, bei der nur eine einzige Nukleinbase betroffen ist. Die Mutationen lösen verschiedene Formen einer Muskelschwäche aus, von denen die Duchenne Muskeldystrophie die weitaus häufigste Erscheinungsform ist.

Es ist bemerkenswert, dass bei etwa einem Drittel der an DMD erkrankten Jungen die Krankheit durch eine Neumutation verursacht und nicht durch die Mutter vererbt wurde. Das erklärt, warum sich DMD in der Häufigkeit seines Auftretens nicht wesentlich vermindert.

Typische Symptome & Anzeichen

Ein Verdacht auf Vorliegen einer Muskeldystrophie ist gegeben, wenn sich bereits im frühen Kindesalter eine ungewöhnlich schwache Muskulatur erkennen lässt, zumal, wenn es sich um symmetrisch ausgebildete Schwächen handelt. Der Anfangsverdacht wird über eine umfangreiche Anamnese erhärtet oder entkräftet, in der vor allem bekannte Erkrankungen innerhalb der Familie der Mutter abgefragt und die Symptome in der zeitlichen Abfolge eruiert werden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Sollte sich der Anfangsverdacht bestätigen, sind neurologische Untersuchungen und Funktionsprüfungen der Muskulatur angezeigt. Auch bildgebende Verfahren wie MRT und Ultraschall können weiteren Aufschluss geben. Häufig lässt sich im Blut ein erhöhter Wert des Muskelenzyms Creatin-Kinase feststellen. Letztliche Gewissheit schafft eine Gendiagnostik, die auch die Zuordnung der Muskeldystrophie zu einer der bekannten Erscheinungsformen erlaubt.

Der Verlauf der DMD ist progressiv. Ab dem 5. bis 7. Lebensjahr können sich die Betroffenen meist nicht mehr ohne fremde Hilfe aus dem Sitzen oder Liegen aufrichten und nicht mehr Treppen steigen. Der Muskelschwund führt zu Verformungen der Gelenke und zu Einlagerungen von Fettgewebe in den Muskeln als Ersatz für das Muskelgewebe. In der Regel sind die Kinder ab dem 10. bis 12. Jahr auf einen Rollstuhl angewiesen. Die Lebenserwartung beträgt etwa 40 Jahre, wobei auch ein früherer Tod noch vor Einsetzen der Pubertät nicht immer verhindert werden kann.

Komplikationen

In der Regel kommt es durch die Muskeldystrophie Typ Duchenne zum Tode des Patienten. Der Tod tritt dabei schon in einem sehr jungen Alter ein. Vor allem Eltern und Angehörige sind durch die Krankheit von starken psychischen Beschwerden und Verstimmungen betroffen. Durch die Krankheit selbst leiden die Patienten an einer sehr stark abgeschwächten Muskulatur.

Diese Abschwächung findet dabei im gesamten Körper statt, sodass auch innere Organe und auch das Herz geschwächt sind. Schließlich kommt es zu einem Herztod. Ebenso sind gewöhnliche Tätigkeiten für den Betroffenen nur schwer durchführbar und die Patienten leiden an einer sehr geringen Belastbarkeit. Nicht selten sind die Patienten dann auch auf die Hilfe anderer Menschen im Alltag angewiesen.

Gelenke und Muskeln sind oft verformt und es kommt zu erheblichen Bewegungseinschränkungen durch die Muskeldystrophie Typ Duchenne. Ebenso kann diese Krankheit auch zu psychischen Beschwerden führen und damit die Lebensqualität des Patienten deutlich verringern. Eine Behandlung der Muskeldystrophie Typ Duchenne ist nicht möglich.

Die Betroffenen sind auf verschiedene Therapien angewiesen, um die Lebenserwartung zu erhöhen, welche allerdings stark verringert ist. Bei der Behandlung treten allerdings keine besonderen Komplikationen auf.

Behandlung & Therapie

Bis dato ist AMD nicht heilbar. Alle Versuche einer Gentherapie waren bislang erfolglos und scheiterten vermutlich am körpereigenen Immunsystem. Seit einigen Jahren sind Arzneistoffe in der Entwicklung oder sogar bereits in der experimentellen Erprobung, die die Auswirkungen des Gendefektes auf die Dystrophin-Synthese abmildern sollen, so dass der Körper wieder – zumindest in begrenztem Maß – Dystrophin synthetisieren kann.

Ein Arzneistoff, der sich momentan im klinischen Versuch befindet, ist Eteplirsen, auch als AVI-4658 bezeichnet. Ein weiterer Arzneistoff in der experimentellen Phase ist Ataluren. Bei Vorliegen sogenannter nonsense-Mutationen, die zu einem Abbrechen der Transkription der Basensequenzen aufgrund sogenannter Stopp-Codons führen, soll Ataluren den Abbruch der Transkription verhindern können. Im Erfolgsfall bedeutet das, dass der Körper wieder in der Lage wäre, Dystrophin zu synthetisieren und dadurch die Muskeldystrophie angehalten würde.

Die derzeit angewandten Therapien zielen auf die Linderung der Symptome ab und beinhalten auch lebensverlängernde Maßnahmen, nehmen aber keinen Einfluss auf die eigentliche Ursache der Krankheit. Der Maßnahmenkatalog für die Symptombekämpfung besteht aus einem Mix aus ärztlicher Betreuung, Physio- und Ergotherapie sowie aus Pflege und psychologischer Unterstützung für die Patienten und die Angehörigen. Bei fortschreitender Krankheit sind Atemhilfen über Sauerstoffmasken notwendig. In späteren Phasen wird meist ein Schnitt in die Luftröhre (Tracheotomie) notwendig, um eine aktive Beatmung durchführen zu können.

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Vorbeugung

Da die Muskeldystrophie AMD durch einen Gendefekt verursacht wird, sind direkte Vorbeugungsmaßnahmen, die einen Schutz gegen den Ausbruch der Krankheit bieten könnte, nicht bekannt. Eine Frühdiagnose, möglichst noch im 1. oder 2. Lebensjahr, hilft allerdings, die Symptome über weit gefächerte Therapiemaßnahmen zu bekämpfen und hinauszuzögern. Neben der Ernährung und der Versorgung des Körpers mit Mineralstoffen, Aminosäuren, Vitaminen, Enzymen und Spurenelementen, ist eine gezielte Physiotherapie wichtig, um die Muskelfunktionen möglichst lange zu erhalten.

Bücher über Muskeldystrophie Duchenne & Muskelschwäche

Quellen

  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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