Muskeldystrophie Typ Duchenne (DMD)

Letzte Aktualisierung am 8. Mai 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Die Muskeldystrophie vom Typ Duchenne ist eine bösartige (maligne) Muskelkrankheit, die auf einem Gendefekt auf dem X-Chromosom beruht, so dass die Krankheit nur bei männlichen Nachkommen auftreten kann. Die Symptome zeigen sich bereits im Kleinkindalter in Form von Schwächen an der Becken- und Oberschenkelmuskulatur. Sie endet immer tödlich im frühen Erwachsenenalter durch Abbau der Herz- und Lungenmuskulatur.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Muskeldystrophie vom Typ Duchenne?

Als Muskeldystrophie Typ Duchenne (DMD) wird eine fortschreitende Muskelschwäche bezeichnet, die auf einem Gendefekt auf dem „männlichen“ X-Chromosom beruht. Weil der Gendefekt auf dem X-Chromosom liegt, kann die Krankheit nur bei männlichen Familienmitgliedern auftreten.

Für diese ist sie allerdings reinerbig, weil das Gen, auf dessen Mutation die Krankheit beruht, nur einmal vorkommt und nicht durch ein zweites Gen - wie sonst bei einem diploiden Chromosomensatz üblich - ausgeglichen werden kann. Das bedeutet, dass männliche Nachkommen bei Vorliegen des Gendefektes mit Sicherheit an der DMD erkranken werden.

Die DMD zeigt sich bereits im frühen Lebensalter zwischen dem ersten und sechsten Jahr durch Muskelschwäche und Muskelabbau im Bereich der Becken- und Beinmuskulatur. Die Krankheit selbst wird durch eine Synthesestörung des Proteins Dystrophin ausgelöst. Dystrophin ist ein wichtiger und funktionsnotwendiger Bestandteil der Membran, die die Muskelfasern umgibt (Sarkolemm). DMD ist die häufigste Form aller bekannten Muskeldystrophien.

Ursachen

Auf dem X-Chromosom befindet sich das sogenannte DMD-Gen, das für die Kodierung des Proteins Dystrophin verantwortlich ist. Es handelt sich mit 2,5 Millionen Basenpaaren um das größte bekannte Gen im menschlichen Genom und ist daher anfällig für Mutationen, die in der Auswirkung eine Synthese des Dystrophins meist völlig unterbinden.

Bei der Mutation des DMD-Gens kann es sich um den Verlust (Deletion) eines Teilstücks (mehrere Basenpaare), um eine Duplikation oder um eine Punktmutation handeln, bei der nur eine einzige Nukleinbase betroffen ist. Die Mutationen lösen verschiedene Formen einer Muskelschwäche aus, von denen die Duchenne Muskeldystrophie die weitaus häufigste Erscheinungsform ist.

Es ist bemerkenswert, dass bei etwa einem Drittel der an DMD erkrankten Jungen die Krankheit durch eine Neumutation verursacht und nicht durch die Mutter vererbt wurde. Das erklärt, warum sich DMD in der Häufigkeit seines Auftretens nicht wesentlich vermindert.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Muskeldystrophie Typ Duchenne (DMD) manifestiert sich in den ersten Lebensjahren und hat ihren Beginn im Beckengürtelbereich. Die Kleinkinder haben Probleme beim Gehen, laufen unsicher, stolpern und fallen häufiger hin. Sie sind nicht in der Lage schnell zu laufen. Aufgrund der geschwächten Oberschenkelmuskulatur können sie sich ferner nicht alleine Aufrichten, sondern stützen sich beim Aufrichten mit den Händen am Oberschenkel ab.

Dieses charakteristische Symptom wird auch als Gowers-Zeichen bezeichnet. Menschen mit einer Muskeldystrophie Typ Duchenne (DMD) weisen vor allem im Bereich der Waden einen Zuwachs von Binde- und Fettgewebe auf. Deshalb erscheinen ihre Waden ungewöhnlich kräftig.

In der medizinischen Fachsprache werden die verdickten Waden Gnomwaden genannt. Ferner lassen sich bei Patienten mit der Muskeldystrophie Typ Duchenne (DMD) Spitzfüße und eine ausgeprägte Krümmung der Wirbelsäule im Lendenbereich beobachten.

Die Muskeldystrophie Typ Duchenne (DMD) schreitet rasch fort, sodass ein Großteil der Patienten bereits vor dem 12. Lebensjahr auf den Rollstuhl und eine ganztägige Pflege angewiesen ist. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung kommt es durch eine Schwäche der Atemmuskulatur zu Atembeschwerden. Ferner haben die Betroffenen verminderte Reflexe und leiden unter Sensibilitätsstörungen. Rund ein Drittel der Patienten weist ferner eine Intelligenzminderung auf.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Sollte sich der Anfangsverdacht bestätigen, sind neurologische Untersuchungen und Funktionsprüfungen der Muskulatur angezeigt. Auch bildgebende Verfahren wie MRT und Ultraschall können weiteren Aufschluss geben. Häufig lässt sich im Blut ein erhöhter Wert des Muskelenzyms Creatin-Kinase feststellen. Letztliche Gewissheit schafft eine Gendiagnostik, die auch die Zuordnung der Muskeldystrophie zu einer der bekannten Erscheinungsformen erlaubt.

Der Verlauf der DMD ist progressiv. Ab dem 5. bis 7. Lebensjahr können sich die Betroffenen meist nicht mehr ohne fremde Hilfe aus dem Sitzen oder Liegen aufrichten und nicht mehr Treppen steigen. Der Muskelschwund führt zu Verformungen der Gelenke und zu Einlagerungen von Fettgewebe in den Muskeln als Ersatz für das Muskelgewebe. In der Regel sind die Kinder ab dem 10. bis 12. Jahr auf einen Rollstuhl angewiesen. Die Lebenserwartung beträgt etwa 40 Jahre, wobei auch ein früherer Tod noch vor Einsetzen der Pubertät nicht immer verhindert werden kann.

Komplikationen

In der Regel kommt es durch die Muskeldystrophie Typ Duchenne zum Tode des Patienten. Der Tod tritt dabei schon in einem sehr jungen Alter ein. Vor allem Eltern und Angehörige sind durch die Krankheit von starken psychischen Beschwerden und Verstimmungen betroffen. Durch die Krankheit selbst leiden die Patienten an einer sehr stark abgeschwächten Muskulatur.

Diese Abschwächung findet dabei im gesamten Körper statt, sodass auch innere Organe und auch das Herz geschwächt sind. Schließlich kommt es zu einem Herztod. Ebenso sind gewöhnliche Tätigkeiten für den Betroffenen nur schwer durchführbar und die Patienten leiden an einer sehr geringen Belastbarkeit. Nicht selten sind die Patienten dann auch auf die Hilfe anderer Menschen im Alltag angewiesen.

Gelenke und Muskeln sind oft verformt und es kommt zu erheblichen Bewegungseinschränkungen durch die Muskeldystrophie Typ Duchenne. Ebenso kann diese Krankheit auch zu psychischen Beschwerden führen und damit die Lebensqualität des Patienten deutlich verringern. Eine Behandlung der Muskeldystrophie Typ Duchenne ist nicht möglich.

Die Betroffenen sind auf verschiedene Therapien angewiesen, um die Lebenserwartung zu erhöhen, welche allerdings stark verringert ist. Bei der Behandlung treten allerdings keine besonderen Komplikationen auf.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei Störungen der Muskelkraft, einem verminderten körperlichen Leistungsvermögen oder Muskelverspannungen sollte ein Arzt aufgesucht werden. Kommt es bereits im Entwicklungs- und Wachstumsprozess im unmittelbaren Vergleich zu Gleichaltrigen zu Unregelmäßigkeiten, ist ein Arztbesuch anzuraten. Liegt eine geringe Belastbarkeit oder schnelle Ermüdung vor, ist die Rücksprache mit einem Arzt zu empfehlen. Verformungen des Körperbaus, eine Fehlhaltung des Oberkörpers oder eine allgemeine fehlerhafte Belastung des Skelettsystems sind untersuchen und behandeln zu lassen. Eine Krümmung der Wirbelsäule ist charakteristisch für Muskeldystrophie Typ Duchenne und sollte unverzüglich mit einem Arzt besprochen werden.

Bei Störungen der Atemtätigkeit, einer Atemnot oder Unterbrechungen der Atmung wird ein Arzt benötigt. Bei einer akuten Beeinträchtigung der Atmung oder einem Sauerstoffmangel besteht unverzüglicher Handlungsbedarf. Hinweise dafür sind eine Blaufärbung der Lippen und Finger, der Verlust des Bewusstseins sowie eine innere Schwäche. In schweren Fällen ist ein Rettungsdienst zu alarmieren. Bis zu dessen Ankunft benötigt der Betroffene eine Mund-zu-Mund-Beatmung. Leidet der Betroffene unter Empfindungs- oder Wahrnehmungsstörungen der Haut, ist dies ein Anzeichen einer bestehenden Unregelmäßigkeit. Sie sollte abgeklärt werden, damit durch eine Behandlung eine Linderung der Beschwerden erfolgen kann. Bei einer Auffälligkeit des geistigen Potenzials, einer vermeintlichen Intelligenzminderung sowie einer Lernschwäche ist ein Arztbesuch anzuraten.

Behandlung & Therapie

Bis dato ist AMD nicht heilbar. Alle Versuche einer Gentherapie waren bislang erfolglos und scheiterten vermutlich am körpereigenen Immunsystem. Seit einigen Jahren sind Arzneistoffe in der Entwicklung oder sogar bereits in der experimentellen Erprobung, die die Auswirkungen des Gendefektes auf die Dystrophin-Synthese abmildern sollen, so dass der Körper wieder – zumindest in begrenztem Maß – Dystrophin synthetisieren kann.

Ein Arzneistoff, der sich momentan im klinischen Versuch befindet, ist Eteplirsen, auch als AVI-4658 bezeichnet. Ein weiterer Arzneistoff in der experimentellen Phase ist Ataluren. Bei Vorliegen sogenannter nonsense-Mutationen, die zu einem Abbrechen der Transkription der Basensequenzen aufgrund sogenannter Stopp-Codons führen, soll Ataluren den Abbruch der Transkription verhindern können. Im Erfolgsfall bedeutet das, dass der Körper wieder in der Lage wäre, Dystrophin zu synthetisieren und dadurch die Muskeldystrophie angehalten würde.

Die derzeit angewandten Therapien zielen auf die Linderung der Symptome ab und beinhalten auch lebensverlängernde Maßnahmen, nehmen aber keinen Einfluss auf die eigentliche Ursache der Krankheit. Der Maßnahmenkatalog für die Symptombekämpfung besteht aus einem Mix aus ärztlicher Betreuung, Physio- und Ergotherapie sowie aus Pflege und psychologischer Unterstützung für die Patienten und die Angehörigen. Bei fortschreitender Krankheit sind Atemhilfen über Sauerstoffmasken notwendig. In späteren Phasen wird meist ein Schnitt in die Luftröhre (Tracheotomie) notwendig, um eine aktive Beatmung durchführen zu können.

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Vorbeugung

Da die Muskeldystrophie AMD durch einen Gendefekt verursacht wird, sind direkte Vorbeugungsmaßnahmen, die einen Schutz gegen den Ausbruch der Krankheit bieten könnte, nicht bekannt. Eine Frühdiagnose, möglichst noch im 1. oder 2. Lebensjahr, hilft allerdings, die Symptome über weit gefächerte Therapiemaßnahmen zu bekämpfen und hinauszuzögern. Neben der Ernährung und der Versorgung des Körpers mit Mineralstoffen, Aminosäuren, Vitaminen, Enzymen und Spurenelementen, ist eine gezielte Physiotherapie wichtig, um die Muskelfunktionen möglichst lange zu erhalten.

Quellen

  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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