Muskelabbau

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. Januar 2017
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Es gibt 3 verschiedene Ursachen für Muskelabbau. Zum einen kommt die „normale“ Einbuße im Rahmen des Alterungsprozesses in Frage. Zum anderen kann die Abnahme der Muskelmasse Folge einer Inaktivität oder einer Erkrankung des Muskels oder des Nervensystems sein.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Muskelabbau?

Muskelabbau bedeutet, dass ein Muskel messbar und manchmal auch sichtbar dünner wird und an Kraft verliert. Ganz grob kann man den Muskel in zwei Hauptstrukturen unterteilen. Das sind zum einen die Strukturen, die sich aktiv zusammenziehen (kontrahieren) können und zum anderen das passive Gewebe, wozu die Sehnen und die Hüllen des Gesamtmuskels und seiner Untereinheiten zählen. Primär spielt sich der Muskelabbau in den kontraktilen Elementen ab. Der vorherrschende Prozess ist eine Abnahme des Querschnitts der Muskelfasern, in zweiter Linie eine Reduzierung ihrer Anzahl.

Zwei Mechanismen müssen intakt sein, damit ein Muskel störungsfrei funktionieren kann. Zum einen ist dies die Funktion des Nervensystems, wo Impulse generiert und zum Muskel geleitet werden. Zum anderen ist es die einwandfreie Funktion des Muskels selber. Er muss die ankommenden Reize empfangen und verarbeiten können und er muss in der Lage sein, zu kontrahieren.

Die Reizaufnahme findet in den sogenannten motorischen Endplatten statt. Von dort wird der ankommende Impuls über bestimmte Kanalsysteme zum Muskelinneren weitergeleitet, wo er zu einer Calciumausschüttung ins Zellinnere führt. Ist die Konzentration hoch genug kommt es in den Sarkomeren, den kleinsten funktionellen Einheiten in der Muskelzelle, unter Energieverbrauch zu einer Kontraktion, bei der die Sarkomere verkürzt oder in erhöhte Spannung versetzt werden.

Funktion & Aufgabe

Die primäre Aufgabe eines Muskels ist neben der Wärmeproduktion die Kraftentwicklung durch Kontraktionen. Je stärker das Reizsignal ist, das über die Nerven zum Muskel gelangt, desto mehr Sarkomere in den Millionen von Muskelfasern werden angespannt und desto größer ist die Kraftentwicklung im Gesamtmuskel. Durch häufige und intensive Benutzung des Muskels kann es durch eine Vergrößerung des Querschnitts der Muskelfasern zu einem Kraftzuwachs kommen.

Die entstandene Kraft wird über die Sehnen auf die Ansätze am Knochen übertragen. Durch den Zug entsteht dort entweder eine Bewegung in den beteiligten Gelenken oder es kommt zu einer erhöhten Spannung. Im ersten Fall leisten die Muskeln dynamische im zweiten statische Arbeit. Gelenkt wird die Aktivität von den Zielprogrammen im Gehirn. So entstehen fein abgestimmte motorische Muster, bei der die agierenden Muskeln entweder als Gegenspieler oder als Teamworker auftreten.

Wenn ein Impuls aus dem Gehirn eine Bewegung in einem bestimmten Gelenk initiiert, werden automatisch alle Muskeln aktiviert, die dafür notwendig sind. Die Gegenspieler (Antagonisten) werden gehemmt. Dieser Mechanismus ist wichtig für einen optimalen Ablauf der Bewegungsfunktion.

Muskelabbau bedeutet, dass ein Muskel messbar und manchmal auch sichtbar dünner wird und an Kraft verliert.

Würden die Antagonisten ebenfalls anspannen, würde dadurch die Bewegung behindert. Fließende koordinierte Bewegungen wären dann nicht möglich.

Statische Muskelarbeit ist immer dann gefordert, wenn es darum geht, bestimmte Gelenke oder Körperregionen zu stabilisieren. Bekannte Beispiele dafür sind die Stabilisation des Rumpfes und der Wirbelsäule bei dynamischen Aktivitäten der Extremitäten oder die Kniestabilisation im Stand. Besonders bei leicht gebeugten Knien ist es wichtig, dass Agonisten und Antagonisten zusammenarbeiten. Die hauptsächlich aktiven kontrollierenden Muskeln sind in dem Fall die Kniestrecker. Sie kontrollieren den Stand und verhindern, dass ein Einbrechen der Beine. Gleichzeitig sind die Kniebeuger jedoch gefragt, um die Stellung der beiden Gelenkpartner zueinander im optimalen Bereich zu halten. Dadurch wird eine zu starke Belastung des Gelenkknorpels und der Menisken verhindert.

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Krankheiten & Beschwerden

Der Zustand eines Muskels ist abhängig davon, ob er benutzt wird oder nicht. Führen äußere oder innere Faktoren dazu, dass er nicht oder nur wenig gebraucht wird, kommt es zum Muskelabbau.

Der „normale“ Abbauprozess der Muskulatur setzt schon im Alter von 25 Jahren ein, wenn der Mensch nicht aktiv gegensteuert. Bei wenig aktiven Frauen und Männern gehen jedes Lebensjahrzehnt im Schnitt 5 – 10 Prozent der Muskelmasse verloren. Der Prozess beschleunigt sich nochmal deutlich, wenn in etwa das sechzigste Lebensjahr überschritten wird. Die Folge ist eine insgesamt verminderte Leistungsfähigkeit, die sich zum Beispiel beim Treppensteigen bemerkbar macht oder dann, wenn doch mal eine sportliche Aktivität ausgeführt wird. Regelmäßige körperliche Betätigung kann den Abbauprozess deutlich verlangsamen. Auch ein Einstieg im höheren Alter ist durchaus sinnvoll.

Muskeln bauen sehr schnell ab, wenn sie eine Zeit lang oder dauerhaft nicht mehr werden. Es bildet sich eine sogenannte Inaktivitätsatrophie heraus. Der Muskel wird mess- und sichtbar dünner und verliert an Kraft und Funktion; die Leistungsfähigkeit sinkt. Typische Ursachen für diesen Prozess sind die Ruhigstellung eines Körperteils nach Verletzungen oder die Inaktivität der gesamten Skelettmuskulatur durch Bettlägerigkeit infolge einer Erkrankung oder des Alters. Werden die Ursachen der Atrophie beseitigt, kann die betroffene Muskulatur durch Training wieder aufgebaut werden. Allerdings ist der Aufbau mühsam und dauert deutlich länger als der Abbau.

Bei bettlägerigen Menschen baut sich nicht nur die Skelettmuskulatur, sondern auch die Atemmuskulatur und die Muskeln der inneren Organe ab. Dadurch sind neben der Motorik auch die Funktionen der betroffenen Organe beeinträchtigt.

Bestimmte Krankheiten und Verletzungen können dazu führen, dass der Muskel nicht mehr arbeitet und abbaut. Eine typische Verletzungsfolge ist die Querschnittslähmung durch eine Rückenmarkdurchtrennung. Auch einzelne periphere Nerven können verletzt werden und eine Lähmung der versorgten Muskeln nach sich ziehen.

Genetisch bedingte Erkrankungen, die als Muskeldystrophie bezeichnet werden, schädigen die Muskulatur selber oder ihr Reizleitungssystem. In der Folge kommt es zum Muskelabbau und zu einer zunehmenden Leistungsminderung, teils mit frühzeitiger Todesfolge.

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