Muskarin-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 7. August 2017
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Bei dem Muskarin-Syndrom handelt es sich um eine Art der Pilzvergiftung. Dabei zeigen sich wenige Minuten nach dem Konsum der entsprechenden Pilze die für das Muskarin-Syndrom typischen Symptome. Dazu gehören sowohl vegetative als auch neurologische Beschwerden, die Hinweise auf eine Beeinträchtigung des autonomen Nervensystems geben. Das Muskarin-Syndrom führt unter Umständen zum Tod und stellt aus diesem Grund insbesondere für Pilzsammler eine große Gefahr dar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Muskarin-Syndrom?

Schon die Bezeichnung des Syndroms deutet darauf hin, dass der Stoff Muskarin das verantwortliche Toxin darstellt. Muskarin ist ein sogenanntes Parasympathomimetikum, das in seiner Struktur dem Acetylcholin stark ähnelt. Aus diesem Grund ist der Wirkstoff in der Lage, sich an den gleichen Rezeptor des Parasympathikus zu binden.

Die entsprechenden Rezeptoren werden auch als muskarinische Acetylcholin-Rezeptoren bezeichnet. Der Unterschied und die Ursache für die Beschwerden liegen jedoch darin, dass die sogenannte Acetylcholinesterase das Muskarin nicht abbauen kann. In der Folge tritt eine dauerhafte Reizung des Parasympathikus auf, woraus die typischen und mitunter lebensbedrohlichen Symptome des Muskarin-Syndroms resultieren.

Der Stoff Muskarin wurde im Jahr 1869 zum ersten Mal in Fliegenpilzen wissenschaftlich nachgewiesen. Da Fliegenpilze zu ähnlichen neurologischen Beschwerden führen, ging die Forschung lange Zeit davon aus, dass auch Fliegenpilze das Muskarin-Syndrom hervorrufen können. Später wurde jedoch entdeckt, dass in Fliegenpilzen andere Toxine vorhanden sind, nämlich Muscimol und Ibutensäure.

Die Konzentration an Muskarin ist im Fliegenpilz allerdings viel zu gering, um eine Vergiftung wie das Muskarin-Syndrom auszulösen. Im Durchschnitt ist der Gehalt an Muskarin in Fliegenpilzen circa 200-mal geringer als in den verantwortlichen Arten von Risspilzen. Die Symptome des Muskarin-Syndroms zeigen sich rasch nach dem Verzehr der Pilze. Sie treten in vielen Fällen bereits wenige Minuten nach deren Verzehr auf, spätestens jedoch nach drei Stunden.

Ursachen

Die Ursache für das Muskarin-Syndrom liegt in dem gleichnamigen Stoff begründet, der in einigen Arten von Pilzen vorkommt. Im überwiegenden Teil der Fälle handelt es sich dabei um kleine Trichterlinge, die meist eine weiße Farbe aufweisen. Auch einige Risspilze lösen das Muskarin-Syndrom aus. Hingegen enthält der Fliegenpilz lediglich Spuren des Giftstoffs Muskarin, obwohl er nach dieser Substanz benannt wurde.

Für Pilzsammler ergibt sich das Risiko vor allem dann, wenn Nelkenschwindlinge gesammelt werden. Denn hier besteht eine leichte Verwechslungsgefahr mit Trichterlingen. Auch das Sammeln von Maipilzen ist problematisch, da diese mitunter mit Ziegelroten Risspilzen verwechselt werden. Rauschpilze werden in einigen Fällen mit dem Erdblättrigen Risspilz verwechselt, der ebenfalls Muskarin enthält.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Im Rahmen des Muskarin-Syndroms zeigen sich zahlreiche verschiedene Symptome und Beschwerden, die typisch für die Vergiftung sind. Erste Symptome zeigen sich in den meisten Fällen bereits wenige Minuten nach dem Verzehr der Pilze und spätestens nach zwei bis drei Stunden. So kommt es unmittelbar nach der Pilzmahlzeit zu einer verstärkten Produktion von Speichel und Tränenflüssigkeit gepaart mit Schweißausbrüchen, Erbrechen und Übelkeit.

Außerdem treten oftmals Sehstörungen und Atemnot auf, während sich der Puls verlangsamt. Diese Symptome sind für die betroffenen Personen überaus unangenehm und ziehen mitunter ernsthafte Komplikationen nach sich. Jedoch existiert ein Gegengift mit guter Wirksamkeit.

Dabei handelt es sich um Atropin, das Gift der Tollkirsche. Wird dieses Gegengift rasch verabreicht, verschwinden die Beschwerden des Muskarin-Syndroms innerhalb von wenigen Minuten. Ist das Gegenmittel nicht sofort verfügbar, besteht die Gefahr von Todesfällen durch Herz-Kreislauf-Versagen.

Da das Muskarin ähnlich wie Neurotoxine wirkt, nimmt es Einfluss auf das vegetative Nervensystem. Dabei wirkt es sich auf den Parasympathikus aus, weshalb das Muskarin-Syndrom mit entsprechenden Symptomen einhergeht. Dazu gehören zum Beispiel Sehstörungen, da sich die Pupillen stark verengen (Miosis).

Außerdem wird vermehrt Schweiß produziert (Hyperhidrose). Es zeigen sich Beschwerden des Magen-Darm-Trakts wie Übelkeit und Erbrechen. Das Muskarin-Syndrom wird oftmals von Tremor und einem langsamen Puls begleitet. In einigen Fällen sinkt der Blutdruck stark ab. Das Atmen wird erschwert, da sich die Atemwege verengen. Zudem werden zahlreiche Patienten panisch.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Da es sich bei dem Muskarin-Syndrom um eine potenziell lebensbedrohliche Vergiftung handelt, ist bereits beim Verdacht auf das Syndrom eine Behandlung angezeigt. Zeigen sich nach einer Pilzmahlzeit Symptome, ist unmittelbar eine Therapie einzuleiten.

Durch einen Labortest ist der Stoff Muskarin im Serum nachweisbar. Die Diagnose lässt sich durch Untersuchungen der verspeisten Pilze oder des Erbrochenen erhärten. Kommt das Gegengift Atropin rasch zur Anwendung, stehen die Überlebenschancen relativ gut.

Komplikationen

Durch das Muskarin-Syndrom kann es im schlimmsten Falle zum Tode des Patienten kommen. Aus diesem Grund müssen schwerwiegende Vergiftungen auf jeden Fall von einem Arzt untersucht werden. Ohne Behandlung kann es auch zu schwerwiegenden Folgeschäden an den inneren Organen des Betroffenen kommen. In den meisten Fällen leiden die Patienten durch das Muskarin-Syndrom an den Beschwerden und Symptomen einer typischen Vergiftung.

Es kommt zu Übelkeit, Erbrechen und weiterhin auch zu Fieber oder zu Schweißausbrüchen. Die Belastbarkeit des Betroffenen sinkt und es kommt zu Störungen der Koordination oder der Konzentration. Auch Sehstörungen können durch das Muskarin-Syndrom eintreten und weiterhin mit einer Atemnot verbunden sein. Durch die Atemnot kann der Betroffene auch einen Bewusstseinsverlust erleiden.

In vielen Fällen kommt es weiterhin zum Tode durch ein Herzversagen. Die Betroffenen leiden an einem Zittern und an einem stark verlangsamten Puls. Die Behandlung des Muskarin-Syndroms muss in jedem Fall akut erfolgen. Dabei kann der Tod des Betroffenen vermieden werden. In einigen Fällen kann die Vergiftung auch die inneren Organe beschädigen. Ob es damit zu einer Verringerung der Lebenserwartung kommt, kann nicht allgemein vorausgesagt werden.

Behandlung & Therapie

Um das Muskarin-Syndrom zu behandeln, ist bei der betroffenen Person nach Möglichkeit zunächst ein Erbrechen der Mahlzeit herbeizuführen. Eventuell ist eine Magenspülung notwendig. Anschließend werden mehrmals jeweils 20 bis 40 Gramm Aktivkohle verabreicht. Besonders wichtig ist, dass der Patient mit ausreichend Flüssigkeit versorgt wird. Das Gegenmittel Atropin wird in der Regel intravenös verabreicht. Die Therapie wird von einer EKG-Kontrolle begleitet.

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Vorbeugung

Da das Muskarin-Syndrom eine bedrohliche Pilzvergiftung darstellt, sind vorbeugende Maßnahmen und Kenntnisse für Pilzsammler von hoher Bedeutung. Bei Unsicherheit über die Art eines Pilzes ist von dessen Verzehr abzusehen. Unklarheiten beim Sammeln von Pilzen lassen sich zum Beispiel bei erfahrenen Pilzkennern beseitigen.

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Quellen

  • Hacke, W.: Neurologie. Springer, Heidelberg 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010

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