Musculus thyrohyoideus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Mai 2017
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Der Musculus thyrohyoideus zählt zur unteren Zungenbeinmuskulatur (infrahyoidalen Muskulatur) und wird von der Ansa cervicalis innerviert. Er ist beim Schlucken aktiv und verschließt dabei den Kehlkopf, damit keine Nahrung oder Flüssigkeit in die Atemwege gelangt. Störungen des Musculus thyrohyoideus können deshalb zu vermehrtem Verschlucken führen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Musculus thyrohyoideus?

Beim Musculus thyrohyoideus handelt es sich um einen unteren Zungenbeinmuskel (infrahyoidalen Muskel), der in jeder Körperhälfte einmal vorkommt.

Zu den infrahyoidalen Muskeln gehören außerdem der Musculus omohyoideus, der Musculus sternohyoideus und der Musculus stylohyoideus. Ihr Gegenstück oberhalb des Zungenbeins repräsentieren die suprahyoidalen Muskeln. Beide Gruppen müssen beim Schluckvorgang aufeinander abgestimmt kontrahieren. Die gemeinsame Nervenversorgung durch die Ansa cervicalis trägt dazu bei, dass die Koordination gelingt.

Seinen Namen verdankt der Musculus thyrohyoideus dem Umstand, dass er eine Verbindung zwischen Zungenbein (Os hyoideum) und Schildknorpel herstellt. Eine veraltete Bezeichnung für den Schildknorpel des Kehlkopfes ist „Thyroid“. Trotz der Namensgebung, die Laien oft irreführt, ist der Musculus thyrohyoideus dementsprechend nicht mit der Schilddrüse (Glandula thyroidea) verbunden.

Anatomie & Aufbau

Der Ursprung des Musculus thyrohyoideus befindet sich am Kehlkopf, wo er dem Schildknorpel (Cartilago thyroidea) entspringt. Neben dem Schildknorpel besitzt der Kehlkopf vier weitere Knorpelstrukturen. Cartilago thyroidea gehört zu den größeren von ihnen und besitzt eine schräge Kerbe, welche die Anatomie als Linea obliqua bezeichnet. Sie bietet dem Muskel Halt. Der Musculus thyrohyoideus setzt am Zungenbein (Os hyoideum) an, wo er am großen Horn (Cornu majus) befestigt ist.

Die Grundfläche des Musculus thyrohyoideus ist viereckig. Sein Gewebe besteht aus einzelnen Fasern, die den Muskelzellen entsprechen. Durch die länglichen Fasern ziehen sich dünnere Myofibrillen, die in Sarkomere gegliedert sind. Jedes Sarkomer ist für sich genommen in der Lage, sich zu verkürzen. Über die Länge der ganzen Faser führt dieser Vorgang zur Kontraktion des Muskels. Die neuronale Innervation geht dabei von der Ansa cervicalis aus, die am Plexus cervicalis beginnt und eine Nervenschleife im Hals darstellt. Ihre Fasern stammen aus den Spinalnerven des ersten bis dritten zervikalen Rückenmarksegments (C1–C3).

Funktion & Aufgaben

Während des Schluckvorgangs besteht die Aufgabe des Musculus thyrohyoideus darin, die Luftröhre (Trachea) vor dem Eindringen von Flüssigkeit und Nahrung zu schützen. Der Schluckakt besteht aus vier grob abgrenzbaren Phasen. In der oralen Vorbereitungsphase zerkleinern die Zähne Nahrung und vermengen sie dabei mit Speichel, den die Drüsen der Mund- und Rachenschleimhaut produzieren. Die orale Transportphase nutzt die Zungenmuskulatur, um die Zunge an den Gaumen zu pressen und die Nahrung zum Rachen zu befördern. Dabei sind vor allem der Musculus hyoglossus und der Musculus styloglossus aktiv.

Anschließend bewegen Gaumenheber und -spanner das Gaumensegel nach oben, um gemeinsam mit dem Passavant'schen Ringwulst den Zugang zur Nase zu verschließen. Dieser Schritt läutet den Beginn der pharyngealen Transportphase im Schluckvorgang ein. Stimmlippen (Labia vocalia) und Kehldeckel (Epiglottis) schließen sich, während sich Zungenbein (Os hyoideum) und Kehlkopf (Larynx) liften. Dieser Vorgang ist auch als Larynxelevation bekannt. Der Musculus thyrohyoideus hebt dabei den Kehlkopf an und bewegt ihn proportional näher an das Zungenbein heran. Gemeinsam ziehen der Musculus digastricus, der Musculus mylohyoideus und der Musculus stylohyoideus außerdem das Zungenbein nach oben, um die Aufwärtsbewegung zu unterstützen. Auf diese Weise verhindern der Musculus thyrohyoideus und die anderen beteiligten Muskeln, dass Flüssigkeit oder Nahrung in die Luftröhre (Trachea) gelangen.

Um die pharyngeale Transportphase im Schluckakt abzuschließen, schieben der mittlere und untere Schlundschnürer (Musculus constrictor pharyngis medius und Musculus constrictor pharyngis inferior) die Nahrung im Rachen weiter nach hinten, bis sie in die Speiseröhre gelangt und dort im Rahmen des ösophagealen Transports nach 8 bis 20 Sekunden schließlich im Magen ankommt.

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Krankheiten

Wenn der Musculus thyrohyoideus nicht in der Lage ist, den Kehlkopf beim Schlucken anzuheben und damit zum Verschluss der Luftröhre beizutragen, kann es zu vermehrtem Verschlucken kommen. Dabei dringen flüssige oder feste Stoffe in die Atemwege ein und lösen einen Hustenreflex aus.

Ist dieser nicht stark genug (oder ebenfalls gestört), kann die Substanz in die Lunge geraten. Die Medizin nennt diesen Prozess Fremdkörperaspiration. Aufgrund der anatomischen Struktur der Atemwege gelangen Fremdkörper häufiger in den rechten Bronchialbaum, da der Zugang steiler abfällt als der Weg zum linken Bronchialbaum. Eingedrungene Nahrung und Flüssigkeit können das empfindliche Gewebe des Atmungsorgans beschädigen. Darüber hinaus bergen sie das Risiko, Infektionen zu verursachen. Ärzte nutzen deshalb in der Regel ein Endoskop, um den Fremdkörper wieder zu entfernen. Sie führen das Instrument dabei über den Mund und die Atemwege ein.

Störungen des Musculus thyrohyoideus gehen häufig mit anderen Beschwerden einher, da die kleinen Muskeln in der Mund- und Halsgegend nicht nur anatomisch nah beisammen liegen, sondern auch neuronal eng miteinander verschaltet sind. Die Ansa cervicalis innerviert den Musculus thyrohyoideus und die drei übrigen infrahyoidalen Muskeln – Läsionen an dieser Nervenschlinge wirken sich deshalb auf die gesamte Muskelgruppe aus. Wenn die Nervenbahn bereits vor dem Austritt aus dem Rückenmark geschädigt sind, können je nach Ausmaß des Schadens ausgedehnte Lähmungen auftreten, die alle Körperbereiche unterhalb der Verletzung betreffen. Rückenmarksläsionen entstehen beispielsweise durch Tumore, Bandscheibenvorfälle und Wirbelverletzungen.

Ein Kehlkopfkarzinom kann den Musculus thyrohyoideus ebenfalls beeinträchtigen. Dabei wirkt sich die Raumforderung entweder direkt auf den Muskel aus oder behindert Nervenfasern, die den infrahyoidalen Muskel innervieren.

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