Musculus scalenus anterior

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 3. November 2016
Symptomat.deAnatomie Musculus scalenus anterior

Der Musculus scalenus anterior gehört zusammen mit insgesamt drei paarig angelegten Skalenusmuskeln zur tiefen Halsmuskulatur. Er entspringt den Halswirbeln 3 bis 6 (C3-C6) und zieht schräg zur 1. Rippe. Der Musculus scalenus anterior erfüllt drei mechanische Hauptaufgaben, er ist an der seitlichen Beugung und an der Drehung des Halses beteiligt und in seiner Funktion als Atemhilfsmuskel an der Hebung der 1. Rippe.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Musculus scalenus anterior?

Der Musculus scalenus anterior ist wie auch die übrigen zwei Skalenusmuskeln paarig angelegt und gehört zur tiefen Halsmuskulatur. Die deutsche Bezeichnung „vorderer Rippenhaltermuskel“ deutet auf seine Funktion als Atemhilfsmuskel hin.

Der Muskel entspringt den Halswirbeln C3 bis C6 und zieht schräg seitwärts zur 1. Rippe, so dass bei beidseitiger Kontraktion und Fixierung der Halswirbelsäule ein Zug auf die erste Rippe ausgeübt wird, so dass sich die Rippe und damit auch der Thorax heben. Das bedeutet, dass der Vorgang des Einatmens unterstützt wird. Zwischen dem Musculus scalenus anterior und dem Musculus scalenus medius, also zwischen dem vorderen und dem mittleren Rippenhaltermuskel entsteht eine dreiecksförmige Lücke, die Skalenuslücke, durch die Nerven und Blutgefäße verlaufen. Unter anderem verläuft durch die Skalenuslücke die Arteria subclavia.

Sie ist eine wichtige, paarig angelegte Körperarterie, wovon der linke Ast direkt dem Aortenbogen entspringt und der rechte Ast aus dem mit der rechten Halsarterie gemeinsamen Stamm (Truncus brachiocephalicus). abzweigt. Die beiden Arterien versorgen Kopf, Hals, Schultern und Arme mit sauerstoffreichem Blut. Die durch die Skalenuslücke verlaufenden Nerven entstammen dem Plexus brachialis, dem Nervengeflecht, dessen Äste Arme, Schultern und Brust innervieren.

Anatomie & Aufbau

Der Musculus scalenus anterior, der vordere Rippenhaltemuskel, entspricht im anatomischen Aufbau der Skelettmuskulatur. Sein Muskelgewebe besteht hauptsächlich aus quergestreifter, roter Muskulatur, die einen hohen Anteil an Myoglobin aufweist, weil der Muskel vielfach Dauerbelastungen ausgesetzt ist.

Die Skelettmuskulatur zeichnet sich dadurch aus, dass der Kraftaufwand bei der Kontraktion der Muskelfasern durch entsprechende Nervenimpulse stufenlos dosiert werden kann. Ein weiteres charakteristisches Merkmal besteht darin, dass die Anspannung der Skelettmuskeln weitestgehend der willentlichen Kontrolle unterliegt. Zur Erfüllung seiner Hauptfunktion, der Hebung der ersten Rippe bzw. des gesamten Thorax benötigt der Musculus scalenus anterior ein gutes Gegenlager. Er fächert sich daher am oberen Ende auf, so dass sich bei Kontraktion die einseitige Zuglast auf die vier Halswirbel C3 bis C6 aufteilt und das Problem eines Bandscheibenvorfalls in dem Halswirbelbereich minimiert wird.

Am unteren Ende sind die beiden Rippenhaltemuskeln an speziell dafür vorgesehenen kleinen Höckern (Tubercula) auf dem ersten Rippenbogen (Tuberculum musculus scalenus anterior) angewachsen. Die sensible und motorische Innervation erfolgt durch spinale Nervenäste, die zwischen den Halswirbeln C5 bis C7 aus dem Spinalkanal austreten.

Funktion & Aufgaben

Eine der Hauptaufgaben der beiden Musculi scaleni anteriores besteht in der aktiven Unterstützung der Atmung. Durch gleichzeitige Kontraktion der beiden vorderen Rippenhaltemuskeln werden die Rippen nach oben gezogen. Dadurch erweitert sich der Brustraum, so dass die Einatmung unterstützt wird. In weiteren Funktionen unterstützen die beiden Muskeln maßgeblich eine seitliche Halsbeugung und eine seitliche Drehung in der Horizontalebene.

Halsbeugungen nach rechts oder links sowie Kopfdrehungen nach rechts oder links lassen sich durch eine jeweils einseitige Kontraktion des rechten oder linken Musculus scalenus anterior erreichen. Über die motorischen Aufgaben hinaus übernehmen die beiden vorderen Rippenhaltemuskeln noch eine Schutzfunktion. Durch ihren schrägen Verlauf vom ersten Rippenbogen zu den Halswirbeln entsteht ein dreiecksförmiger Zwischenraum zum Musculus scalenus medius, der Skalenuslücke. Sie dient der Durchleitung und dem Schutz wichtiger Blut- und Nervengefäße, die Kopf, Schultern und Arme mit sauerstoffreichem Blut versorgen bzw. sensorisch und motorisch innervieren.




Krankheiten

Durch chronische Stresssituationen oder durch andere Ursachen, die zu einer Verhärtung des vorderen oder mittleren Rippenhaltemuskels führen, kann eine Verengung der Skalenuslücke entstehen, so dass Druck auf die darin verlaufende Arteria subclavia oder auf die Nervenfasern des Nervengeflechts Plexus brachialis (Nervenkompression) ausgeübt wird.

Die Verengung der Skalenuslücke führt zum sogenannten Skalenussyndrom, das sich durch Schmerzen im Unterarm oder durch Parästhesien an der Hand äußern kann. Auch Symptome wie Kribbeln, Taubheits- und Kältegefühl sind typische Begleiter eines Skalenussyndroms. Falls auch die Arteria subclavia komprimiert wird, kommt es zu einer mangelhaften Blutversorgung und in vielen Fällen sogar zu einem Blutdruckabfall. Ähnliche Symptome werden durch das „Thoracic-outlet-Syndrom“ verursacht, das auch unter der Bezeichnung Schultergürtel-Kompressionssyndrom bekannt, bei der Nervenfasern, die Hauptarterie und die Hauptvene (Vena subclavia) gleichermaßen durch Kompression betroffen sind.

Als Auslöser für die Engpässe kommt unter anderem eine Vergrößerung (Hypertrophie) des Musculus scalenus anterior in Frage. Eine überstarke Kontraktion des vorderen Rippenhaltemuskels kann ein Hyperadduktionssyndrom verursachen, das sich in einer starken Hebung der obersten Rippe, an dem der Muskel angewachsen ist, äußert. Im Verlauf kommt es auch hier zu einer Kompression der Nerven mit vergleichbaren Symptomen wie oben beschrieben. Die Beschwerden treten meist nachts auf, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer.

Die Tatsache, dass Nervenkompressionen im Halsbereich zu Parästhesien und Lähmungserscheinungen an Armen und Schultern führen, macht sich die moderne Anästhesie bei operativen Eingriffen im Schulterbereich und an den Armen zu Nutze. In einem Regionalanästhesieverfahren wird der Plexus brachialis in der Skalenuslücke betäubt. Die Notwendigkeit einer Vollnarkose entfällt.

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