Musculus hyoglossus

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 3. November 2016
Symptomat.deAnatomie Musculus hyoglossus

Als äußerer Zungenmuskel ist der Musculus hyoglossus am Schlucken, Sprechen, Saugen und Kauen beteiligt, wobei er die Zunge nach hinten und unten zieht. Funktionelle Einschränkungen gehen oft auf Probleme am Nervus hypoglossus zurück, der den Muskel neuronal versorgt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Musculus hyoglossus?

Der Musculus hyoglossus ist einer von insgesamt vier äußeren Zungenmuskeln, zu denen außerdem der Musculus genioglossus, der Musculus styloglossus und der Musculus chondroglossus gehört.

Wegen seiner Lage im Körper ist der Musculus hyoglossus auch als Zungenbein-Zungen-Muskel bekannt. Das Zusammenziehen des Muskels hat zur Folge, dass sich die Zunge nach hinten und unten bewegt. Sein Antagonist ist der Musculus styloglossus, der einen weiteren äußeren Zungenmuskel darstellt und vor allem am Schlucken beteiligt ist. Wenn er kontrahiert, zieht er die Zunge nach hinten und oben, wobei sich der Musculus hyoglossus zum Teil entspannt.

Fachleute sind sich nicht einig darüber, ob der Musculus chondroglossus zum Musculus hyoglossus gehört und sich von ihm abspaltet – oder ob er einen eigenständigen Muskel darstellt. Der Musculus chondroglossus ist zwei Zentimeter lang und zieht die Zunge wie der Musculus hyoglossus nach hinten und unten. Er entspringt dem Zungenbein und setzt an der Zunge an.

Anatomie & Aufbau

Der Ursprung des Musculus hyoglossus befindet sich im unteren hinteren Bereich der Mundhöhle am Zungenbein (Os hyoideum). Das Zungenbein ist ein Knochen, den Muskeln und Bänder halten, ohne dass er direkt mit anderen Knochen verbunden ist – zu seinen stützenden Muskeln gehört der Musculus hyoglossus jedoch nicht.

Stattdessen ist er seinerseits auf den festen Halt des Zungenbeins angewiesen. Der Ansatz des Musculus hyoglossus ist an der Aponeurosis linguae befestigt. Die Sehnenplatte befindet sich zwischen Zungenmuskeln und Mundschleimhaut und geht ins Zungenseptum (Septum linguae) über, mit dem sie verwachsen ist. In seiner Grundform bildet der Musculus hyoglossus eine annähernd viereckige, dünne Fläche. Er gehört zur quergestreiften Skelettmuskulatur, dessen Aufbau aus einzelnen Fasern besteht.

Eine solche Muskelfaser oder Muskelzelle entsteht aus Zellteilung und besitzt viele Zellkerne, die jedoch nicht wie üblich in einer jeweils abgegrenzten Zelle liegen. Stattdessen bilden sie ein Gewebe mit übergeordneter Organisation. Eine Muskelfaser fasst dabei viele Myofibrillen zusammen. Seinen Namen verdankt die quergestreifte Muskulatur ihrem mikroskopischen Bild: Abwechselnd zeigen sich helle und dunkle Streifen. Sie kommen dadurch zustande, dass haarähnliche Fasern aus Aktin und Myosin enger oder weiter ineinander verschoben sind.

Funktion & Aufgaben

Der Musculus hyoglossus beteiligt sich am Schlucken, Sprechen, Saugen und Kauen. Für seine Steuerung ist der Hirnnerv XII bzw. Nervus hypoglossus verantwortlich, der auch die anderen Zungenmuskeln innerviert. Der Nerv transportiert Befehle zur Anspannung der Muskeln in Form von elektrischen Impulsen, die sich über die Nervenfaser fortbewegen.

Am Muskel endet die Faser in einer motorischen Endplatte: In ihr sitzen Bläschen (Vesikel), die mit Neurotransmittern gefüllt sind. Der eintreffende elektrische Reiz führt zur Freisetzung der Transmitter in den synaptischen Spalt zwischen Nerv und Muskel. An der Membran der Muskelzelle angelangt öffnen die Moleküle Ionenkanäle, was den Ladungszustand der Zelle geringfügig verändert. Diese vorübergehende elektrische Ladung der Muskelzelle ist auch als Endplattenpotenzial bekannt. Es wandert über das Sarkolemm und die T-Tubuli zum sarkoplasmatischen Retikulum, das daraufhin Kalziumionen abgibt.

Kalzium bindet sich an die Feinstrukturen der Myofibrillen und sorgt dafür, dass sich dessen Aktin- und Myosin-Filamente ineinander schieben. Dadurch verkürzen sich die gereizten Muskelfasern der Länge nach und ziehen die Zunge gleichzeitig nach hinten und unten, was beim Schlucken, Sprechen, Saugen und Kauen erforderlich ist. Menschen sind in der Lage diese Bewegungen bewusst zu steuern; doch auch automatische Reflexe haben einen Einfluss auf die Steuerung des Musculus hyoglossus. Beispielsweise ist der Saugreflex bei Neugeborenen nicht das Ergebnis einer willkürlichen Handlung, sondern Teil eines angeborenen Verhaltensprogrammes.




Krankheiten

Da der Musculus hyoglossus weit im Inneren des Kopfes liegt, sind direkte Läsionen des Gewebes selten. Funktionelle Ausfälle und Beschwerden des Zungenmuskels gehen häufig auf Schäden am Nervus hypoglossus zurück, der für seine Steuerung verantwortlich ist.

Die Medizin unterscheidet dabei zwischen einseitigen und beidseitigen Läsionen, die beide zu verschiedenen Störungen des Kauens, Schluckens, Saugens und Sprechens führen. Die ursächliche Läsion des Nervus hypoglossus kann ihrerseits zum Beispiel auf Verletzungen, neurodegenerativen Erkrankungen oder einem Schlaganfall beruhen.

Eine beidseitige Läsionen spiegelt sich in der vollständigen Zungenlähmung wider: Die Zunge ist gänzlich funktionsunfähig, da der Nervus hypoglossus nicht nur den Musculus hyoglossus innerviert, sondern auch für die Steuerung der übrigen Zungenmuskeln zuständig ist. Wenn die Nervenschädigung über längere Zeit besteht, schwindet das Muskelgewebe (Atrophie), da der Körper es allmählich abbaut. Handelt es sich um eine reversible Läsion am Nervus hypoglossus, ist deshalb nach der Zungenlähmung oft ein Training der betroffenen Muskulatur erforderlich. Gezielte Übungen regen den Körper dazu an, das Gewebe wieder aufzubauen. Inwiefern eine vollständige Wiederherstellung des Normalzustands möglich ist, hängt vom Einzelfall ab.

Im Gegensatz zur vollständigen Zungenlähmung geht die halbseitige Zungenlähmung auf eine einseitige Läsion am Nervus hypoglossus zurück. Infolgedessen hängt die Zunge auf der betroffenen Seite herab. Umgekehrt weist eine leichte Abweichung in der Zungenstellung jedoch nicht zwangsweise auf eine Nervenschädigung hin, da sie auch auf anderen Faktoren beruhen kann und nicht immer pathologisch ist.

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