Multipler Wachbleibetest

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. September 2017
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Der Multiple Wachbleibetest ist ein apparatives Verfahren der Schlafmedizin, das zur Diagnosestellung von Schlafstörungen sowie Beurteilung von Therapiemaßnahmen zur Tagesschläfrigkeit dienen kann. Der Patient soll dabei in verschiedenen Intervallen in reizarmer und dämmriger Umgebung solange wie möglich dem Einschlafen trotzen. Die aktuell vermehrt angewandten Empfehlungen zur Durchführung des Tests stammen von Karl Doghramji und sollen einheitlichere, besser zu beurteilende Testergebnisse ermöglichen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Multiple Wachbleibetest?

Der multiple Wachbleibetest ist eines der weltweit führenden Verfahren schlafmedizinischer Leistungsdiagnostik. Im Testverlauf wird der Patient sowohl auf tonische Aktivierung, als auch Wachbleibefähigkeit untersucht.

Die Testteilnehmer werden in eine reizarme Umgebung ohne Ablenkung durch äußere Einflüsse überführt. Dort sollen sie im Dämmerlicht solange wie möglich dem Einschlafen trotzen. Die einzelnen Durchgänge des Verfahrens werden in festgesetzten Intervallen wiederholt. Der Test unterscheidet sich grundlegend von anderen apparativen Verfahren der Schlafdiagnostik. Der Multiple-Schlaf-Latenz-Test findet zum Beispiel in liegender Position und mit geschlossenen Augen bei gänzlicher Abdunklung statt, während der Multiple Wachbleibetest im Sitzen, mit offenen Augen und bei dämmriger Lichtqualität durchgeführt wird.

Funktion, Wirkung & Ziele

Insbesondere Narkolepsie und Hypersomnie sind zwei Diagnosen der Schlafmedizin, die mit dem Multiplen Wachbleibetest gesichert oder objektiviert werden können. Gerade für die Hypersomnie kann der Test eine Objektivierung ermöglichen. Zur Ausschlußdiagnostik kann das apparative Verfahren keine Anwendung finden, wohl aber zur Einordnung der Schwere von zuvor gestellten Diagnosen.

Auch die Neigung zum Einschlafen am Steuer kann mit dem Test erfolgreich untersucht werden. Die Grundlage des Testverfahrens bildet die Erhebung verschiedener Werte, die das Labor mit den vorab erhobenen Normwerten von Schlafstörungspatienten und gesunden Personen vergleicht. Da spezielle Messtechniken zur Durchführung erforderlich sind, finden Multiple Wachbleibetests ausschließlich in Schlaflaboren statt. Unter Umständen ergänzen Schlaftagebücher und Polysomnographien die Testergebnisse. Ob und welche Ergänzungen im Einzelfall sinnvoll sind, entscheidet das jeweilige Schlaflabor abhängig von den Testzielen.

Nach den Empfehlungen von Karl Dogrhamji findet der Test mittlerweile unabhängig vom durchführenden Labor in vier Durchgängen statt, die nach 40-Minuten-Protokoll laufen und in einem zwei Stunden-Intervall ab 9 oder 10 Uhr stattfinden. Mindestens eine Stunde vor dem Test reichen die Aufsichtspersonen dem Patienten ein leichtes Frühstück. Nach dem zweiten Intervall findet ein leichtes Mittagessen statt, wobei Medikamente, Alkohol, Cola, Koffein und Tabak weder vor noch während des Verfahrens erlaubt sind, da sie Einfluss auf das Schlafverhalten nehmen können. Der Patient befindet sich während des Tests in einem abgedunkelten Raum, in dem behagliche Temperaturen herrschen.

Der Multiple Wachbleibetest ist ein apparatives Verfahren der Schlafmedizin, das zur Diagnosestellung von Schlafstörungen sowie Beurteilung von Therapiemaßnahmen zur Tagesschläfrigkeit dienen kann.

Das Personal erkundigt sich regelmäßig nach der Behaglichkeit der Teilnehmer und leitet gegebenenfalls Maßnahmen in die Wege, um die Behaglichkeit zu verbessern. Hinter dem Kopf des Patienten befindet sich eine einzige Lichtquelle. Die Testperson verbringt den gesamten Testlauf sitzend auf dem Bett und nutzt eine Nackenrolle als Kopfstütze. Ablenkungen, wie Singen oder Aufstehen sind gänzlich verboten und Sensoren ermitteln permanent, ob sich die Testperson noch im Wachzustand befindet. Vor jedem Intervall bewegt der Patient nach Anleitung des Personals die Augen, wobei Elektroenzephalografen, Elektrookulografen, Elektromyographen sowie Elektrokardiogramme der Werterhebung dienen. Schlafbeginn ist der Zeitpunkt, zu dem die Sensoren mehr als 15 Sekunden lang Schlaf registriert haben.

Ein Intervall endet entweder mit dem Einschlafen oder spätestens nach 40 Minuten. Für jeden Durchgang wird die genaue Uhrzeit von Beginn und Ende festgeschrieben. Zusätzlich werden Einschlaflatenzen sowie Schlafdauer ermittelt. Auch die jeweiligen Schlafstadien gehen in die Testergebnisse mit ein und werden festgehalten. Die während der Testphase erhobenen Daten vergleicht das Labor am Ende des Tests mit den zuvor ermittelten Standarddaten von Menschen mit und ohne Schlafstörungen. Auf Basis dieses Vergleichs ermittelt das Personal die allgemeine Tagesschläfrigkeit des Patienten und kann so unter anderem Aussagen zu den Risiken von Sekundenschlaf am Steuer machen.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Der Multiple Wachbleibetest geht auf den Multiplen-Schlaf-Latenz-Test zurück und existiert seit den 80er Jahren. Im Laufe der Zeit entwickelten sich aus dem Testverfahren verschiedene Unterverfahren, sodass eine einheitliche Beurteilung der jeweiligen Ergebnisse bald nicht mehr möglich war. Wer heute an dem Test teilnimmt, sollte darauf achten, dass sich das Labor in seinem Vorgehen an die Empfehlungen von Dogrhamji hält. Wenn das nicht der Fall ist, fällt die tatsächliche Einordnung der erhobenen Daten schwer. Wenn der Patient regelmäßig Medikamente einnehmen muss, sollte er mit dem Labor vorab außerdem über diese Einschränkung sprechen.

Während einige Medikamente kaum Einfluss auf das Schlafverhalten nehmen, ist die Teilnahme unter dem Einfluss anderer Medikamente nicht empfehlenswert, da der Medikamenteneinfluss die Ergebnisse verfälscht. Anders als der Multiple Schlaf Latenz Test eignet sich der Multiple Wachbleibetest auch für Patienten, die sich wegen erhöhter Tagesschläfrigkeit in Therapie befinden. Die Erfolge der Therapie lassen sich durch den Test einschätzen, da während des Verfahrens insbesondere die Fähigkeit untersucht wird, sich auf Anweisung dem Schlaf zu widersetzen. Sowohl vor dem Multiplen Schlaf Latenz Test als auch vor dem Wachbleibetest ist zwingend eine Polysomnografie zu erstellen, da die Schlafqualität für beide Verfahren von erheblicher Bedeutung sein kann.

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Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Hacke, W.: Neurologie. Springer, Heidelberg 2010

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