Morgellons

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. August 2017
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Morgellons ist vermutlich eine Variante des Dermatozoenwahns, bei der die Patienten subjektiv Fäden- und Hyphenbildung unter der Haut wahrnehmen. Aktuelle Studien haben bakteriellen Ursprung ausgeschlossen und zur Klassifikation der Erkrankung als Wahnerkrankung geführt. Die Behandlung der Patienten erfolgt symptomatisch mit Antipsychotika und kann außerdem von Psychotherapie begleitet werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Morgellons?

Der Dermatozoenwahn ist von den wahnhaften Vorstellungen winziger Lebewesen unter der Haut gekennzeichnet. Die Patienten meinen, Bewegungen unter ihrer Haut zu spüren. Sie leiden unter Angstzuständen und starkem Juckreiz. Der Parasitenbefall ihrer Haut ist für die Betroffenen eine feststehende Tatsache.

Die Patienten lassen sich von Ärzten nicht darin korrigieren, obwohl es keinerlei klinische Beweise für den Befall gibt. Karl-Axel Ekbom beschrieb den Wahn 1938 erstmals. Morgellons oder auch Morgellons-Krankheit ist eine Variante des Dermatozoenwahns. Der Begriff wurde vom englischen Arzt Sir Thomas Browne erstmals im 17. Jahrhundert erwähnt.

2002 fand der Begriff insbesondere im englischen Sprachraum Verbreitung, da die Mutter von einem betroffenen Kind die Verbreitung mit der Gründung der sogenannten Morgellons Research Foundation unterstützte. Die wahnhafte Erkrankung ist von der Einbildung gekennzeichnet, dass sich unter der Haut der Patienten Hyphen oder Fasern bilden. Bislang ist die Ursache der Erkrankung weitestgehend unklar. Allerdings existieren mittlerweile unterschiedliche Spekulationen zur Pathogenese.

Ursachen

Die Ätiopathogenese von Morgellons ist spekulativ. Einige Hypothesen gehen von infektiösen Erregern aus, so zum Beispiel von den Bakterien Agrobacterium tumefaciens oder Stenotrophomonas maltophilia, der Pilzapezies Cryptococcus neoformans und dem Parasiten Strongyloides stercoralis. Da in den Hautproben der Betroffenen allerdings keine Erreger gefunden wurden, ist dieser Erklärungsansatz vermutlich widerlegt.

In einer Studie wurden bei rund zehn Prozent der Teilnehmer tatsächlich Fasern gefunden, die sich auf der Haut und im Schorf oder den Krusten der Kratzwunden befanden. Die meisten der gefundenen Fasern bestanden aus Cellulose, wie sie typischerweise in Baumwolle vorkommt. Darüber hinaus wurde Polyamid im Sinne von Nylon gefunden. Auch eine Nagellackverbindung wurde isoliert. Die Studienentwickler fassen zusammen, dass die gefundenen Fasern vermutlich von der Kleidung der Patienten stammten.

Die unverletzte Haut der Patienten wurde ebenfalls auf Fasern untersucht. In den unverletzten Arealen konnten keinerlei Fasern gefunden werden, sodass es sich bei der Erkrankung ziemlich sicher um einen Wahn handelt. Was den Wahn auslöst, bleibt unklar. Eventuell spielt eine Störung des Körpergefühls eine ursächliche Rolle und lässt die Patienten normale Körperprozesse besonders intensiv empfinden oder falsch zuordnen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Patienten mit Morgellons sind anhaltend davon überzeugt, dass sich bunte Fasern und Hyphen unter ihrer Haut oder im Unterhautgewebe bilden. Sie empfinden Juckreiz und sind oftmals verängstigt. Um die Fasern loszuwerden, kratzen sie sich selbst die Haut auf, oder schneiden sich sogar hinein.

Aus diesem Grund zeigen die Betroffenen vielfältige Hautläsionen. Oftmals sprechen sie von unerklärlichen Bewegungsphänomenen unter ihrer Haut. Einige leiden zusätzlich an Beschwerden des Bewegungsapparats oder beklagen Symptome des Magen-Darm-Trakts.

Weil die Patienten emotional verängstigt sind, erleiden sie mehr oder weniger starke Leistungseinschränkungen. Oftmals treten kognitive Störungen auf. Alle Patienten sind unfähig, ihren Wahn als solchen anzuerkennen. In den USA wird für die Erkrankung eine Prävalenz von gerundet vier Fällen auf 100.000 Einwohner angegeben. Das Krankheitsbild betrifft vor allem Frauen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose auf Morgellons wird in der Regel im Rahmen einer größer angelegten Diagnostik gestellt. Der Arzt hat bei der Diagnostik den Befürchtungen des Patienten genau nachzugehen und muss im Rahmen der Nachforschungen ausschließen, dass tatsächliche Parasiten oder andere Mikroorganismen vorhanden sind. In der Regel erfolgt außerdem eine psychiatrische Einschätzung.

Komplikationen

Durch diese Krankheit kommt es nicht nur zu psychischen, sondern auch zu starken physischen Einschränkungen und Beschwerden. Die Betroffenen leiden dabei an einem sehr unangenehmen Gefühl und können sich durch die Wahnvorstellungen auch die Haut aufkratzen. Dabei kommt es nicht selten zu Entzündungen oder zu Rötungen, auch Narben können durch das Aufkratzen entstehen.

Die Patienten leiden aus diesem Grund an verschiedenen Läsionen auf der Haut, die das Selbstwertgefühl deutlich einschränken und dabei auch zu psychischen Beschwerden oder zu Minderwertigkeitskomplexen führen können. Ebenso kommt es zu Beschwerden im Magen und im Darm und nicht selten zu Bewegungsstörungen. Die Lebensqualität des Patienten wird durch diese Erkrankung deutlich eingeschränkt.

In vielen Fällen gestehen sich die Betroffenen die Krankheit nicht selbst ein, wodurch eine frühzeitige Behandlung in vielen Fällen nicht möglich ist. Dabei kann es ohne Behandlung zu irreversiblen Schäden auf der Haut kommen, die die Ästhetik des Patienten stark einschränken. Die Behandlung dieser Krankheit erfolgt in der Regel ohne Komplikationen mit Hilfe von Medikamenten und durch eine psychologische Betreuung.

Damit können die meisten Beschwerden eingeschränkt werden. Auch die Lebenserwartung wird dadurch in der Regel nicht verringert. Der Erfolg der Behandlung hängt allerdings auch stark vom Willen des Patienten ab.

Behandlung & Therapie

Da die Ursache für Morgellons unklar ist, existieren bislang keine kausalen Behandlungsmöglichkeiten. Die Wahnerkrankung kann so ausschließlich symptomatisch behandelt werden. Verbreitet sind medikamentös konservative Ansätze mit Antipsychotika. Besserungen der Wahnvorstellung wurden vor allem mit Pimozid, Risperidon und Aripiprazol herbeigeführt.

Da diese Substanzen zu einer Besserung der Symptome geführt haben, ist die Einordnung der Erkrankung in den Bereich der Wahnvorstellung mit ziemlicher Sicherheit korrekt. Eine psychotherapeutische Betreuung ist indiziert. Zur ursächlichen Behandlung von Morgellons müsste die psychische Ursache für das Einsetzen der Wahnvorstellungen zunächst identifiziert werden, um mittels Gesprächstherapie aufgelöst werden zu können.

Falls die Hypothese von einem gestörten Körpergefühl im Sinne einer Übersensibilisierung gegenüber eigener Körperprozesse korrekt ist, könnte eine Neubelegung der wahrgenommenen Reize unter der Haut zu einer ursächlichen Heilung der Symptomatik führen. Diese Neubelegung würde den Patienten einen anderen Blickwinkel der Betrachtung eröffnen und könnte dazu führen, dass die wahrgenommenen Reize nicht mehr als furchteinflößend empfunden werden.

Sobald das nicht mehr der Fall ist, fokussieren sich die Patienten nicht mehr derart stark auf die Detektion der Reize selbst und die Wahnvorstellungen gehen Stück für Stück zurück. Diese Art der Therapie wäre eine deutlich sanftere Variante als die symptomatische Gabe von Antipsychotika. Sogar ohne die psychische Ursache zu detektieren, könnte durch eine positive Neubelegung der Wahnvorstellungen eine subjektive Besserung herbeigeführt werden.

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Vorbeugung

Die primäre Ursache für die Entstehung von Morgellons liegt bislang im Dunkeln. Aus diesem Grund lässt sich der Wahnerkrankung bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur schwer vorbeugen. Bemühungen um eine Stabilisierung der eigenen Psyche können im weitesten Sinne als unspezifische Vorbeugemaßnahme verstanden werden.

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Quellen

  • Köhler, T.: Medizin für Psychologen und Psychotherapeuten. Schattauer, Stuttgart 2014
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015
  • Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015

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