Morbus Sinding-Larsen-Johansson

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 24. Oktober 2016
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Morbus Sinding-Larsen-Johansson (auch: Patellaspitzensyndrom) ist eine entzündliche Erkrankung am Patellasehnenansatz an der Kniescheibe. Sie entsteht durch Überbelastung des Kniegelenks und betrifft vorwiegend Sportler und junge Menschen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Morbus Sinding-Larsen-Johansson?

Bei Morbus Sinding-Larsen-Johansson handelt es sich um eine chronische degenerative Entzündung im Bereich des Kniegelenks. Sie geht von der Stelle aus, an der die Patellasehne an der unteren Kniescheibenspitze ansetzt. Die Patellasehne fängt Belastungen ab, die auf das Kniegelenk einwirken.

Durch Überbelastung kann es zu einer Reizung oder Entzündung der Patellasehne an ihrem Ansatz kommen. Symptome sind starke Schmerzen bei Belastung sowie Bewegungseinschränkungen. In fortgeschrittenem Stadium kann die Erkrankung zu einem Sehnenriss oder einer Nekrose der Kniescheibe mit Ablösung von Knochenstücken führen.

Der Name der Erkrankung geht auf den norwegischen Arzt Christian Magnus Falsen Sinding-Larsen und den schwedischen Arzt Sven Christian Johansson zurück. Sie beschrieben die Erkrankung 1921 beziehungsweise 1922 unabhängig voneinander erstmals.

Ursachen

Die Hauptursache für eine Erkrankung an Morbus Sinding-Larsen-Johansson ist eine Überbelastung des Kniegelenks. Häufige oder andauernde starke Zugbelastungen der Patellasehne können besonders dann zu einer Entzündung führen, wenn die Belastung ungewohnt ist. Riskant sind in erster Linie Sprungsportarten, schnelle Richtungswechsel im Laufen und abrupte Stop-and-Go-Bewegungen.

Entsprechend betrifft Morbus Sinding-Larsen-Johansson häufig Basketball- und Volleyballspieler, Weit- und Hochspringer, Tennis- und Fußballspieler. Aber auch Jogger, Skifahrer und Gewichtheber sind gefährdet. Doch nicht immer liegt den Beschwerden eine äußere Ursache zugrunde.

Zu den inneren Ursachen zählen der Kniescheibenhochstand, eine angeborene Bandschwäche und eine verminderte Dehnbarkeit der Muskulatur in der Region des Kniegelenks. Auch genetische Einflüsse sind nicht auszuschließen. Des Weiteren führen Fehlstellungen des Beckens, der Wirbelsäule oder der Füße unter Umständen zu einer Erkrankung an Morbus Sinding-Larsen-Johansson.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Leitsymptom der Erkrankung sind starke Schmerzen im Bereich des Kniegelenks, genauer unterhalb der Kniescheibe. In manchen Fällen tritt zusätzlich eine Rötung oder Schwellung auf. Das Kniegelenk ist druckempfindlich und die Beweglichkeit ist eingeschränkt. Das Strecken des Beins ist schmerzhaft.

Nach körperlicher Belastung sind die Schmerzen besonders ausgeprägt. In fortgeschrittenem Stadium verschwinden die Schmerzen zunächst kurz nach Beginn der Belastung, treten aber nach der Belastung erneut auf. Später besteht der Schmerz auch in Ruhe. Bei 20 bis 30 Prozent der Patienten treten die Beschwerden beidseitig auf. Da diese Symptome auf verschiedene Erkrankungen des Kniegelenks hindeuten können, ist ein frühzeitiger Arztbesuch zur Abklärung und zur Einleitung einer angemessenen Therapie ratsam.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Im Rahmen der Diagnosestellung findet zunächst ein Anamnesegespräch statt. Der Arzt erkundigt sich nach den Beschwerden, möglichen Vorerkrankungen und den Lebensgewohnheiten des Patienten einschließlich der sportlichen Betätigung. Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung. Im Fall eines Morbus Sinding-Larsen-Johansson ist ein Druckschmerz auf Höhe der unteren Kniescheibenspitze feststellbar.

Das Strecken des Beins ist nur unter Schmerzen möglich. Falls die Untersuchung den Verdacht auf Morbus Sinding-Larsen-Johansson erhärtet, folgen im nächsten Schritt eine Ultraschalluntersuchung, eine Kernspintomografie (MRT) oder eine Röntgenuntersuchung. Diese Verfahren bilden Veränderungen der Knochenstruktur des Kniegelenks, der Sehne und der umgebenden Strukturen ab.

So ist der Grad der Entzündung erkennbar. Eine Erkrankung an Morbus Sinding-Larsen-Johansson kann über vier verschiedene Grade (Klassifikation nach Roels et al., 1978) verlaufen. Zunächst tritt der Schmerz nur nach Belastung auf. Nimmt das Ausmaß der Entzündung zu, treten die Schmerzen zwar zu Beginn einer Belastung auf, verschwinden dann aber vorübergehend, um nach Beendigung der Belastung zurückzukehren.

Bei weiterer Verschlechterung dauert der Schmerz über die Belastung hinaus in Alltagssituationen und bei Ruhe an. Zuletzt kommt es zum Riss der Patellasehne. Auch eine Nekrose der Kniescheibe kann auftreten. Wird Morbus Sinding-Larsen-Johansson frühzeitig diagnostiziert und behandelt, ist die Prognose sehr gut. Andernfalls besteht die Gefahr einer Chronifizierung der Schmerzen. Auch nach der Ausheilung ist eine übermäßige Belastung der Kniescheibenspitze zu meiden.

Behandlung & Therapie

Um einer Ausbreitung der Entzündung entgegenzuwirken, ist die Therapie baldmöglichst einzuleiten. Die Regeneration ist mit bis zu einem Jahr Dauer langwierig. Dennoch genügt bei etwa 90 Prozent der Erkrankungen eine konservative Therapie.

Am wichtigsten ist die Schonung des betroffenen Kniegelenks. Regelmäßiges Dehnen der Oberschenkelmuskulatur reduziert die Spannung im Bereich der Kniescheibe. Die weitere Behandlung hängt vom Grad der Erkrankung ab. Warme oder kalte Umschläge, Krankengymnastik und manuelle Therapie sind allgemeine Maßnahmen, die den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.

Auch Elektrostimulation, Ultraschall und Stoßwellenbehandlung werden erfolgreich eingesetzt. Naturheilkundliche Therapien wie Homöopathie, Phytotherapie und die Behandlung mit Schüßlersalzen können die Heilung weiter unterstützen. Ziel all dieser Behandlungen ist, die Regeneration zu fördern, indem sie den lokalen Stoffwechsel aktivieren und die regionale Durchblutung anregen.

Die Lockerung der Oberschenkelmuskulatur reduziert die Zugkräfte auf die Kniescheibe. Des Weiteren helfen entzündungshemmende Medikamente und Schmerzmittel. Sind konservative Therapiemethoden nicht ausreichend, wird eine Operation in Form einer Arthroskopie durchgeführt.

Zu den üblichen Maßnahmen gehören die Entfernung von entzündlich verändertem Gewebe oder Teilen der Patellasehne, die Denervierung der Sehnenumgebung, die Lösung der Patellasehne von der Kniescheibenspitze und die Entfernung von abgestorbenem Knochengewebe.

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Vorbeugung

Um einer Überbelastung der Patellasehne vorzubeugen, ist es besonders wichtig, sich vor dem Sport gut aufzuwärmen und die Muskulatur regelmäßig zu dehnen. Beim Einstieg in eine neue Sportart sollte die Belastung auf das Kniegelenk langsam gesteigert werden. Zwischen den Sporteinheiten muss ausreichend Zeit zur Regeneration liegen. Bei Fehlstellungen senken orthopädische Einlagen das Risiko einer Erkrankung an Morbus Sinding-Larsen-Johansson. Beim Auftreten von Schmerzen im Bereich des Kniegelenks sollte die Belastung umgehend reduziert werden.

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