Morbus Scheuermann (Scheuermann-Krankheit)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 16. August 2017
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Morbus Scheuermann ist eine Erkrankung der Wirbelsäule, die sich häufig im Wachstumsalter manifestiert. Durch eine Wachstumsstörung der Wirbelkörper bilden sich keilförmige Wirbel, die die zwischengelagerten Bandscheiben verschmälern. Dadurch entsteht der für Morbus Scheuermann typische Rundrücken mit Hohlkreuz.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Morbus Scheuermann?

Die Scheuermann-Krankheit wurde von dem dänischen Röntgenologen Holger Scheuermann entdeckt und nach ihm benannt. Sie betrifft mehr männliche als weibliche Jugendliche. Es wird geschätzt, dass etwa 10-20% der Bevölkerung von dieser Wachstumsstörung der Wirbelkörper in mehr oder minder ausgeprägter Form betroffen sind.

Es kommt zu Fehlbildungen der Grund- und Deckplatten benachbarter Wirbelkörper, hauptsächlich im Brustwirbelbereich, die zu einer keilförmigen Ausbildung der Wirbelkörper führen. Dadurch werden die zwischen den Wirbelkörpern liegenden Bandscheiben verschmälert, was in späteren Lebensjahren zu verschiedenen Beschwerden führt.

Sind die Brustwirbel von der Wachstumsstörung betroffen, bildet sich der typische Rundrücken mit Hohlkreuz und Wirbelsäulenverkrümmung. Sind dagegen die Wirbelkörper der Lendenwirbelsäule betroffen, kommt es zur Herausbildung eines Flachrückens. Die Scheuermann-Krankheit wird auch als Osteochondritis deformans juvenilis dorsi bezeichnet.

Ursachen

Die eigentlichen Ursachen für die Entstehung dieser Wachstumstörung sind noch unbekannt. Man vermutet jedoch sowohl eine genetische Veranlagung als auch äußere Einflüsse, die die Wachstumstörungen begünstigen. Neben der genetischen Veranlagung scheinen auch Stoffwechselstörungen und hormonelle Einflüsse im Pubertätsalter eine Rolle zu spielen.

Verschiedene äußere Faktoren, wie Fehlhaltungen beim stundenlangen Sitzen am Schreibtisch in gebeugter Haltung oder auch eine schwache Muskulatur durch eine zu geringe sportliche Betätigung, gelten ebenfalls als begünstigend für Morbus Scheuermann. Durch die gebeugte Haltung ensteht ein verstärkter Druck auf die Vorderkanten der Brustwirbelsäule. Da sich die Wachstumszone der Wirbelkörper in den Kantenbereichen befindet, wird das Wachstum der Wirbelkörper durch den vermehrten Druck auf die Vorderkante beeinträchigt und verlangsamt.

Hierdurch wachsen die Wirbelkörper an der Hinterkante stärker, als an der Vorderkante, in dessen Folge sich keilförmige Wirbelkörper herausbilden. Dies wiederum führt zu einer Verringerung des Abstandes der Wirbelkörper zueinander, zu einer Abflachung der Bandscheiben und zu einer größeren Bruchgefahr der Grund- und Deckplatte der Wirbelkörper. Als weitere Ursache für Morbus Scheuermann gilt eine mechanische Überbeanspruchung der Wirbelsäule, beispielsweise bei Leistungssportlern.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Rückenschmerzen bei Morbus Scheuermann.

Die Diagnose Morbus Scheuermann wird durch eine Röntgendiagnostik erstellt. Im Röntgenbild zeigen sich die typische Verkrümmung der Wirbelsäule sowie die keilförmig verformten Wirbelkörper.

Zu Beginn der Krankheit zeigen sich kaum Beschwerden. Im weiteren Verlauf kommt es zu nach vorn gezogenen Schultern und einem Rundrücken. Durch den Rundrücken kommt es zu einer verstärkten Beanspruchung der Lendenwirbelsäule und der Ausbildung eines Hohlkreuzes. Um die Schmerzen zu verringern, wird von den Betroffenen häufig eine Schon-Fehlhaltung eingenommen, die zu Abnutzungserscheinungen an den Wirbelkörpern und Beeinträchtigung der Muskulatur, Sehnen und Bänder führt.

In den meisten Fällen von Morbus Scheuermann kommt es jedoch nicht zur vollen Ausbildung des Krankheitsbildes, da mit dem Ende der Wachstumsphase auch das Fehlwachstum beendet ist.

Komplikationen

In erster Linie führt der Morbus Scheuermann zu einer Verkrümmung der Wirbelsäule beim Patienten. Diese ist in den meisten Fällen mit relativ starken Schmerzen verbunden, sodass die Betroffenen dadurch an Einschränkungen in der Bewegung leiden. Die Schmerzen können dabei auch nachts auftreten und zu Schlafbeschwerden oder zu anderen unangenehmen Gefühlen und Depressionen führen. Nicht selten breiten sich die Schmerzen aus dem Rücken auch in andere Regionen des Körpers aus.

Die Rückenschmerzen selbst schränken den Alltag des Patienten deutlich ein und führen zu einer deutlich verringerten Belastbarkeit des Patienten. Weiterhin wird auch das Wachstum von Kindern durch den Morbus Scheuermann merklich eingeschränkt und verzögert. Dadurch kann es auch zu Folgeschäden im Erwachsenenalter kommen, die in den meisten Fällen irreversibel sind.

Die Behandlung des Morbus Scheuermann findet mit Hilfe verschiedener Therapien statt. Damit können die Schmerzen relativ gut eingeschränkt und behandelt werden. Besondere Komplikationen treten dabei nicht auf. In der Regel werden operative Eingriffe nur dann durchgeführt, wenn es sich um einen schwerwiegenden Fall handelt. Auch die Lebenserwartung des Betroffenen wird durch den Morbus Scheuermann in der Regel nicht verringert.

Behandlung & Therapie

Bei leichten Fällen der Scheuermann-Krankheit ist eine gezielte Physiotherapie ausreichend. Bei den krankengymnastischen Übungen wird eine gesunde Körperhaltung antrainiert und die Rückenmuskulatur gekräftigt. Wichtig ist eine regelmäßige sportliche Betätigung, die der Verkrümmung der Wirbelsäule entgegenwirkt.

Spezielle Rückengymnastik, Schwimmen und Wandern dienen der Kräftigung der Muskulatur und einer gesunden Körperhaltung. Hilfreich ist auch das Tragen eines Korsetts während der Wachstumsphase, das den Oberkörper zu einer gesunden Haltung zwingt und ein gesundes Wachstum der Wirbelkörper fördert.

Nur in besonders schweren Fällen, wenn es bereits zu einer ausgeprägten Fehlhaltung und damit verbunden starken Rückenschmerzen gekommen ist, kann eine Operation erforderlich werden. Dabei werden die defekten Bandscheiben entfernt und durch vorher aus den Rippen oder dem Beckenkamm entnommene Knochenstücke ersetzt. Diese Operationsmethode ist jedoch nur in etwa der Hälfte aller Fälle erfolgreich und mit gewissen Risiken behaftet.

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Vorbeugung

Zur Vorbeugung der Scheuermann-Krankheit gehören die Vermeidung von Fehlhaltungen bei Kindern und Jugendlichen etwa durch eine der Körpergröße angepasste Höhe des Schreibtisches und einen ergonomisch geformten Stuhl. Regelmäßige sportliche Betätigung kräftigt die Rücken- und Bauchmuskulatur, stützt die Wirbelsäule und begünstigt eine gesunde Körperhaltung. Günstig sind Ausdauersportarten wie Schwimmen und Laufen, während Leistungssport sowie das Heben und Tragen von schweren Lasten und die damit verbundene starke mechanische Belastung der Wirbelsäule vermieden werden sollten.

Bücher über Morbus Scheuermann

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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