Morbus Gaucher (Gaucher-Syndrom)

Letzte Aktualisierung am 16. April 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
Startseite » Krankheiten » Morbus Gaucher (Gaucher-Syndrom)

Morbus Gaucher ist eine der häufigsten Lipidspeicherkrankheiten und auf einen genetisch bedingten Mangel des Enzyms Glukozerebrosidase zurückzuführen. In einer Vielzahl der Fälle kann die Erkrankung im Rahmen einer Enzymersatztherapie behandelt werden, die eine Rückbildung der für Morbus Gaucher charakteristischen Symptome bewirkt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Morbus Gaucher?

Als Morbus Gaucher (Gaucher-Syndrom) wird eine genetisch bedingte Fettstoffwechselstörung bezeichnet, die durch einen Mangel des Enzyms Glukozerebrosidase verursacht wird. Infolge der durch diesen bedingten Abbaustörung wird vermehrt Glukozerebrosid im Organismus angereichert, vor allem in den Retikulumzellen (Fibroblasten im Bindegewebe), was zu einer Vergrößerung der betroffenen Organe führt.

Morbus Gaucher wird nach drei Formen differenziert, die sich hinsichtlich der Symptome und des Verlauf unterscheiden. Die viszerale oder nicht-neuronopathische Form kennzeichnen vor allem organische Beeinträchtigungen wie Leber- und Milzvergrößerung (Hepatosplenomegalie), Anämie (Blutarmut), Knochen- und Gelenkstörungen sowie Gerinnungsstörungen.

Bei Vorliegen eines akut-neuronopathischen Morbus Gaucher weisen die Betroffenen zusätzlich Schädigungen des Nervensystems auf. Diese Erkrankungsform besitzt einen schweren und stark progredienten Verlauf und führt in den ersten Lebensjahren zum Tod. Die chronisch-neuronopathische Form charakterisiert ein schwach progredienter Verlauf mit einer Manifestation in späteren Lebensjahren.

Ursachen

Morbus Gaucher ist ein autosomal-rezessiv vererbter Mangel des Enzyms Glukozerebrosidase, der auf mutative Veränderungen des Erbguts zurückzuführen ist. Glukozerebrosidase ist ein Enzym, das den Abbau von Glukozerebrosid, einem bei der Zerlegung verbrauchter Blutkörperchen anfallenden Fettbestandteil, unterstützt.

Die Zellen von von Morbus Gaucher Betroffenen sind nicht in der Lage dieses Enzym im ausreichendem Maße zu produzieren bzw. stellen Glukozerebrosidase in verminderter Qualität her. Infolgedessen kommt es zu einer Akkumulation von Glukozerebrosid in den Makrophagen (Fresszellen).

Die Makrophagen sammeln sich mit dem unverdauten Glukozerebrosid hauptsächlich in der Milz, Leber sowie im Knochenmark an und verursachen die für Morbus Gaucher typische Organvergrößerung, die die Funktion der betroffenen Organe einschränkt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Morbus Gaucher kann in drei unterschiedlichen Formen mit jeweils unterschiedlichen Symptomen auftreten. Die mildeste Form der Erkrankung ist der Typ I mit einer non-neuronopathischen Verlaufsform. Typ II kennzeichnet die akut neuronopathische Verlaufsform, während Typ III der Erkrankung die chronisch neuronopathische Verlaufsform darstellt. Bei Morbus Gaucher Typ I kommt es meist erst im Erwachsenenalter zu den ersten Symptomen. Im Gegensatz zu den anderen Formen der Erkrankung treten hier keine neurologischen Beschwerden auf.

Allerdings sind die inneren Organe betroffen. Besonders die Milz vergrößert sich und ruft solche Beschwerden wie vergrößerten Bauch, Oberbauchbeschwerden und ständiges Sättigungsgefühl hervor. Gleichzeitig werden die Blutzellen schneller abgebaut und die Blutbildung im Knochenmark behindert.

Das hat eine zunehmende Blutarmut (Anämie) zur Folge, die sich durch Müdigkeit und Abgeschlagenheit äußert. Das Immunsystem ist durch den Mangel an weißen Blutkörperchen geschwächt. Die Blutgerinnung ist ebenfalls herabgesetzt, weil zu wenig Blutplättchen gebildet werden. Außerdem kommt es zur Verformung der Knochen, vermehrten Knochenbrüchen und häufigen Infektionen.

Knochenschmerzen, chronische Gelenkschmerzen und Durchblutungsstörungen gehören ebenfalls zu den möglichen Symptomen bei der non-neuronopathischen Verlaufsform. Beim Gauchersyndrom vom Typ II beginnt die Erkrankung bereits bei Säuglingen mit heftigen Symptomen, die auf Nervenabbauprozesse zurückzuführen sind.

Durch zunehmende Hirnschädigung kommt es zu Schluckbeschwerden und schweren Krampfanfällen. Der Tod tritt innerhalb von zwei Jahren ein. Bei der chronischen neuronopathischen Verlaufsform finden langsame Nervenabbauprozesse statt mit fortschreitendem geistigen Abbau, Bewegungsstörungen, Verhaltensauffälligkeiten und zunehmenden Krampfanfällen.

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose von Morbus Gaucher erfolgt anhand der für die Erkrankung charakteristischen Symptome wie Milz- und Lebervergrößerung (Hepatosplenomegalie), Knochen- und Gelenkschmerzen, spontane Frakturen, abnehmender Muskeltonus, Anämie, Ermüdungserscheinungen, Krampfanfälle sowie Augenhintergrundveränderungen (weiße Flecken).

Abgesichert wird die Diagnose durch eine Blutuntersuchung sowie einen Enzymtest, bei welchem die Enzymaktivität in den Leukozyten bzw. Fibroblasten bestimmt wird. Werden eine Erhöhung von Phosphatase sowie eine verminderte Glukozerebrosidasekonzentration im Blut festgestellt und lassen sich Gaucher-Zellen im Knochenmark nachweisen, gilt die Diagnose als gesichert.

Bei rechtzeitigem Therapiebeginn ist bei der viszeralen und chronisch-neuronopathischen Form von Morbus Gaucher in den meisten Fällen mit einer Verlangsamung des progredienten Krankheitsverlaufs sowie einer Linderung der Symptome zu rechnen. Die akut-neuronopathische Form weist hingegen einen stark progredienten Verlauf auf und die Betroffenen dieser Form von Morbus Gaucher versterben oftmals im frühkindlichen Alter.

Komplikationen

In erster Linie führt der Morbus Gaucher zu einer starken Vergrößerung der Milz. Dadurch kann es auch zu Schmerzen kommen, die die Lebensqualität des Patienten deutlich verringern können. In den meisten Fällen leiden die Patienten auch an einer Vergrößerung des Bauches und an Schmerzen im Bauch.

Neben den Schmerzen tritt auch eine Appetitlosigkeit ein, die weiterhin zu einer Unterernährung oder zu einem Nährstoffmangel führen kann. Die Blutarmut fördert zudem die Abgeschlagenheit und Müdigkeit des Patienten. Die Lebensqualität wird durch den Morbus Gaucher deutlich verringert. Auch Schmerzen in den Gelenken oder Krampfanfälle können dabei auftreten und den Alltag des Betroffenen erschweren.

Nicht selten versterben vor allem sehr kleine Kinder an den Beschwerden dieser Krankheit, was zu psychischen Beschwerden oder zu Depressionen bei den Eltern und den Angehörigen der Patienten führen kann. Die Behandlung dieser Krankheit kann mit Hilfe von Infusionen und anderen Medikamenten stattfinden.

Komplikationen treten dabei in der Regel nicht auf. Allerdings ist es nicht möglich, den Morbus Gaucher vollständig einzuschränken, sodass die Patienten in den meisten Fällen auf eine lebenslange Therapie angewiesen sind. Ob es zu einer Verringerung der Lebenserwartung kommt, hängt stark von der Behandlung und von der Ausprägung dieser Krankheit ab.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei der vererbbaren Fettspeicherkrankheit Morbus Gaucher müssen die Betroffenen damit rechnen, dass dieser selten auftretende Enzymdefekt mehrfach falsch diagnostiziert wird. Derzeit sind in Deutschland nur etwa 2.000 Patienten damit registriert. Daher ist jeder Gang zum Arzt, der durch diesen Gendefekt notwendig wird, zunächst ein problematischer Gang. Schwierig ist bereits der Umstand, dass die Symptomlage bei jedem Menschen anders ausfällt.

Menschen, die von Morbus Gaucher betroffen sind, erkranken oft schon als Kind. Manche Betroffenen haben kaum Symptome zu verzeichnen. Sie besuchen folglich auch keinen Arzt. Bei einer prekären Beschwerdelage durch den Enzymdefekt sollte ein Facharzt aufgesucht werden. Im Internet finden sich genügend Tests und Symptomlisten, um bei einem Verdacht auf Morbus Gaucher eine entsprechende Anmerkung gegenüber dem Arzt zu machen. Dieser Hinweis ist vermutlich Auslöser für einen Bluttest.

Die Erkrankung Morbus Gaucher ist nicht heilbar. Sie ist aber mit einer Enzymersatztherapie oder einer Substrat-Reduktionstherapie gut behandelbar. Daher müssen die Betroffenen nach der Diagnosestellung mehrfach zur Einleitung einer entsprechenden Behandlung in einem ausgewiesenen Gaucher-Zentrum antreten. Außerdem sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen im Abstand von drei bis sechs Monaten nötig.

Die notwendigen Untersuchungen sollten in einem klinischen Gaucher-Zentrum durchgeführt werden. Hier wird auch die Enzymersatztherapie als Infusionstherapie begonnen. Später kann der Hausarzt die Weiterbehandlung übernehmen.

Behandlung & Therapie

Bei Morbus Gaucher stehen prinzipiell zwei Therapieformen zur Verfügung: die Enzymsubstitutionstherapie (Enzymersatztherapie – EET) sowie die Substratreduktionstherapie. Da Morbus Gaucher durch einen Enzymmangel bedingt wird, konzentriert sich die Behandlung auf die Beseitigung dieses Mangels durch eine Enzymsubstitutionstherapie.

Hierbei wird gentechnisch gewonnene Glukozerebrosidase (rekombinante Imiglucerase) intravenös infundiert. Da das modifizierte Enzymsubstrat eine relativ lange Halbwertzeit aufweist, genügen zweiwöchige Infusionen. Das Substrat wird von den Makrophagen aufgenommen und kann somit den Glukozerebrosidabbau katalysieren. Die Enzymersatztherapie stellt die Standardtherapie bei der nicht-neuronopathischen und chronisch-neuronopathischen Form von Morbus Gaucher dar und bewirkt eine sukzessive Verbesserung der für Morbus Gaucher charakteristischen Symptome.

Daneben wird bei einem milden Verlauf von Morbus Gaucher ein Therapieansatz verfolgt, bei welchem die Glukozerebrosidanreicherung teilweise durch den oral verabreichten Wirkstoff Miglustat gehemmt wird (Substratreduktionstherapie). Aufgrund starker Nebenwirkungen kommt dieses Medikament nur bei von Morbus Gaucher Betroffenen zum Einsatz, für die eine Enzymersatztherapie nicht angezeigt ist.

Zusätzlich können begleitende Maßnahmen ergriffen werden, die zur Minderung oder Beseitigung der jeweiligen Symptome beitragen. So können beispielsweise bei starken Beeinträchtigungen der Knochen zusätzliche orthopädische Maßnahmen bis hin zu einem Gelenkersatz erforderlich werden.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Da Morbus Gaucher eine genetisch bedingte Lipidspeicherkrankheit ist, kann dieser nicht direkt vorgebeugt werden. Im Rahmen eines Heterozygotentest und einer pränatalen Diagnostik kann jedoch während der Schwangerschaft geprüft werden, ob das Kind von Morbus Gaucher betroffen sein wird.

Quellen

  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

Das könnte Sie auch interessieren: