Morbus Crohn (chronische Darmentzündung)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. Dezember 2017
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Morbus Crohn ist eine chronische Darmentzündung im Bereich des Magen-Darm-Trakts bzw. Verdauungstrakts. Dabei kommt es zu typischen Schüben von Beschwerden und Symptomen, wie Durchfall, schmerzhafte Magenkrämpfe und starkem Gewichtsverlust. Allerdings sind diese Symptome zunächst unpsezifisch, sodass nicht immer als erstes Morbus Crohn diagnostiziert wird. Daher sollte der Arzt bei Verdacht auf eine chronische Darmentzündung immer eine Darmspiegelung, Röntgenuntersuchung, Laboruntersuchungen und Ultraschall bei der Diagnose und Behandlung vornehmen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Morbus Crohn?

Der Morbus Crohn (chronische Darmentzündung) ist neben der Colitis ulcerosa eine der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, die häufig in Krankheitsschüben auftritt. Der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen dem 16. und dem 35. Lebensjahr. Bei älteren Menschen über 60 Jahren kann es zu einem so genannten Alterscrohn kommen. Es liegt eine familiäre Häufung vor, insgesamt ist die Krankheitshäufigkeit steigend.

Die Symptome sind nicht selten unspezifisch (Krämpfe, Übelkeit, Gewichtsverlust), auch Verläufe ohne den richtungweisenden Durchfall sind möglich. Kennzeichnend ist die Bildung von Granulomen in der Darmwand. Im Gegensatz zu der Colitis ulcerosa kann der Morbus Crohn im gesamten Gastrointestinal-Trakt auftreten, von der Mundhöhle bis zum Rektum. Oft liegt ein diskontinuierlicher Befall vor, d.h. betroffene Abschnitte werden von gesundem Darm unterbrochen.

Typisch ist allerdings der Befall des letzten Dünndarmabschnittes, dem terminalen Ileum. Beschwerden außerhalb des Magen-Darm-Trakts sind häufig, meist liegen Gelenkschmerzen und Gelenkentzündungen, schmerzhafte Hautveränderungen oder Augensymptome vor. Die Diagnose wird über eine Darmspiegelung (Koloskopie) mit Entnahme von Gewebeproben gestellt.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen und die betroffene Regionen bei Colitis ulcerosa und Morbus Crohn im Vergleich.
Schematische Darstellung zum zur den Symptomen und Beschwerden bei Morbus Crohn. Klicken, um zu vergrößern.

Ursachen

Über die Ursachen von Morbus Crohn (chronische Darmentzündung) wird viel spekuliert, keine der Thesen konnte bis jetzt bewiesen werden. Einzig das Rauchen ist als Risikofaktor identifiziert worden. Zurzeit wird der Morbus Crohn als Autoimmunerkrankung eingestuft. Diese Einteilung ist keinesfalls gesichert, allein das gute Ansprechen auf immunsuppressive Therapie liegt dem zu Grunde. Ebenfalls wird vermutet, dass bei den Betroffenen eine Barrierestörung der Darmwand vorliegt, so dass Bakterien ungehindert eindringen können und eine teilweise überschießende Abwehr provozieren.

Auch eine genetische Komponente wird wegen der familiären Häufung diskutiert. Unklar ist, ob eine übertriebene Hygiene, Ernährungsumstände oder Infektionen mit Mykobakterien eine entscheidende Rolle spielen. Lange wurde der Morbus Crohn für eine psychosomatische Erkrankung gehalten. Das konnte mittlerweile als alleinige Ursache widerlegt werden, obwohl ein psychosomatischer Einfluss anzunehmen ist. So ist die Erkrankungsstärke und Schubhäufigkeit in stressreichen Zeiten deutlich erhöht.

Typische Symptome & Anzeichen


Koloskopie des Dickdarms bei Morbus Crohn © Juan Gärtner - Fotolia.com

Komplikationen

Da Morbus Crohn das Gewebe des Verdauungstrakt auf Dauer durch Entzündungen schädigt, kommen Fisteln vor. Abhängig davon, wie sie verlaufen und ob sie für eine nicht vorgesehene Stoffdurchmischung im Körper sorgen, sind diese operativ zu entfernen. Gleiches gilt für entstehende Geschwüre.

Im schlimmsten Fall können diese entarten und zu einer Tumorbildung führen. Das Risiko für Tumorerkrankungen im Bereich des Verdauungstraktes ist erhöht. Ein Darmverschluss tritt bei bis zu 30 Prozent der Betroffenen mindestens einmal auf und stellt einen akuten Notfall dar. Auch starke Verengungen einzelner Darmabschnitte kommen vor. Beides zieht Operationen nach sich.

Entzündliche Abzesse in den verschiedenen Teilen des Verdauungstraktes - vor allem im Darm - kommen ebenso vor. Sie können ebenfalls schwere Entzündungen verursachen und bei einer mechanisch bedingten Öffnung zu Vergiftungserscheinungen führen. Zudem führt die verschlechterte Resorbtionsfähigkeit des Darms, in Kombination mit auftretenden Durchfällen, häufig zu Mangelerscheinungen und Stoffwechselungleichgewichten.

Neben allgemeiner Abgeschlagenheit führt dies auch zu Problemen im Knochengewebe (Osteoporose; begünstigt auch durch eine Cortisontherapie der Krankheit) und zu weiteren Gewebeschwächen. Auch Harnsteine kommen gehäuft vor. Zudem kann sich ein Eiweißmangel einstellen, der ungünstig für den gesamten Zellerhalt des Körpers ist.

Dadurch, dass Menschen mit Morbus Crohn bestimmte Lebensmittel meiden sollten, kommt es oftmals zu einer Unterversorgung mit bestimmten Nährstoffen, die medikamentös oder durch Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln ausgeglichen werden muss.

Behandlung & Therapie

Im akuten Schub bei Morbus Crohn wird der Darm durch parenterale Ernährung entlastet. Medikamentös ist der Einsatz von Cortison an erster Stelle.

Dieses kann entweder systemisch oder bei tiefem Befall als Klysma oder Rektalschaum angewendet werden. Eine Linderung der Symptome ist die Regel, oft ist sogar ein Nachlassen von Krankheitssymptomen zu erreichen. Auch Salazosulfapyridin und Mesalazin können eingesetzt werden, allerdings ist die Wirksamkeit relativ gering.

Eine antibiotische Therapie kann bei Komplikationen sinnvoll sein. Zu einer sehr jungen Wirkstoffgruppe gehören die Antikörper gegen TNF-alpha (Tumornekrosefaktor), welche bis dato auch bei schweren Verläufen eine viel versprechende Wirkung zeigen.

Zur Remissionstherapie (also zur Verhinderung von neuen Schüben) werden Immunsuppressiva und TNF-alpha-Blocker eingesetzt. Oft ist eine Erhaltungsdosis von Cortison nicht zu vermeiden.

Die chirurgische Therapie sollte so sparsam wie möglich erfolgen und in der Regel nur auf Behandlung von Komplikationen beschränkt bleiben. Indikationen sind z.B. Verengungen des Darms (Stenosen) bis hin zum Darmverschluss, Durchbruch durch die Darmwand (Perforation), Tunnelbildung zwischen Darmschlingen, zu anderen Organen oder zur Hautoberfläche (Fisteln), entzündliche Einschmelzungen (Konglumerattumor) und Abszesse.

Begleitend ist eine Psycho- Stressbewältigungs- und Körperwahrnehmungstherapie zu empfehlen.

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Vorbeugung

Morbus Crohn zählt zu den chronisch-entzündlichen Darmkrankheiten. Im Gegensatz zur Colitis ulcerosa kann sich beim Morbus Crohn die Schleimhaut des gesamten Verdauungssystems, vom Mund bis zum After, entzünden.

Da bis heute keine Ursache für den Morbus Crohn gesichert werden konnte, ist eine spezifische Vorbeugung nicht möglich. Lediglich Risikofaktoren können gemieden werden (vor allem das Rauchen). Komplikationen können durch eine frühzeitige Diagnostik und anschließende adäquate Therapie vermieden oder rausgezögert werden. Auch die Vorbeugung von Mangelerscheinungen als Folge der gestörten Resorption aus dem Darm (z.B. Mangel der fettlöslichen Vitamine, Osteoporose durch Calciummangel, massiver Gewichtsverlust durch Fettverluste über den Darm) ist einer der Bausteine in der Therapie des Morbus Crohn.

Das können Sie selbst tun

Das Einhalten des vom Arzt verordneten Behandlungsplanes ist in der Behandlung von Morbus Crohn äußerst wichtig, zur Vermeidung von Komplikationen darf die Dosierung der Medikation auch bei einer Besserung der Symptomatik nicht eigenmächtig verändert werden.

Stress kann die Beschwerden verschlechtern, im Alltag sollten daher regelmäßige Erholungspausen Platz finden. Das Erlernen von Entspannungstechniken und sportliche Betätigung unter Berücksichtigung der eigenen Leistungsfähigkeit können ebenfalls zu einer Steigerung des Wohlbefindens beitragen. Rauchen wirkt sich negativ auf den Krankheitsverlauf und sollte unterbleiben.

Eine große Rolle spielen die Essgewohnheiten: Empfehlenswert ist das Führen eines Ernährungstagebuchs, um unverträgliche Lebensmittel aufzuspüren – diese müssen konsequent vom Speiseplan gestrichen werden. Gelegentlich verhilft eine Änderung der Zubereitungsweise zur besseren Verträglichkeit: Rohes Gemüse löst beispielsweise weit öfter Beschwerden aus als gekochtes. Besonderes Augenmerk ist auf eine ausreichende Nährstoffaufnahme zu richten, da diese infolge der chronischen Darmentzündung schlecht aus der Nahrung resorbiert werden können. Einige Vitamine und Mineralstoffe, darunter das für die Knochengesundheit wichtige Calcium und Vitamin D, müssen unter Umständen nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt über eine entsprechende Nahrungsergänzung zugeführt werden.

Eine eingehende Information über die Krankheit und die damit verbundenen Einschränkungen und Möglichkeiten kann helfen, die Erkrankung leichter anzunehmen – dazu trägt oftmals auch der Austausch in einer Selbsthilfegruppe bei.

Bücher über Magengeschwür

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Messmann, H.: Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2012

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