Morbus Canavan

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. August 2017
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Der Morbus Canavan ist ein Mangel an Myelin, der auf eine chromosomale Mutation zurückgeht. Die Betroffenen zeigen neurologische Defizite und versterben meist im Teenageralter. Bislang ist die Erkrankung trotz gentherapeutischer Ansätze unheilbar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Morbus Canavan?

Unter dem Begriff Morbus Canavan ist eine genetische Leukodystrophie bekannt. 1931 beschrieb Myrtelle Canavan die Erscheinung erstmals. Die autosomal rezessiv vererbte Erkrankung kommt bei arabischen und ashkenazisch-jüdischen Menschen häufiger vor, als in der restlichen Welt. Wie alle Lukodystrophien stellt sich beim Morbus Canavan ein Mangelzustand der weißen Gehirnsubstanz ein.

Leukodystrophien sind demnach Stoffwechselkrankheiten, die das nervensystemisch relevante Myelin betreffen. Betroffene leiden unter einer fortschreitenden Demyelinisierung. Durch den Abbau des Myelins werden Nervenbahnen beeinträchtigt. Neurologische Defizite stellen sich ein. Beim Morbus Canavan ist oft von einer spongiösen Degeneration des Nervensystems die Rede, da das Gehirn anschwillt und das Myelin schwammig wird.

Von Leukodystrophien wie dem Morbus Canavan sind genetisch bedingte Speicherkrankheiten wie der Morbus Krabbe zu unterscheiden. Auch der Morbus Krabbe demyelinisiert das Nervensystem und die Ursache beider Erscheinungen ist eine chromosomale Mutation. Die betroffenen Chromosomen unterscheiden sich aber.

Ursachen

Bei der biologischen Transkription wird ein Abbild von DNA-Strängen erstellt, das auch als mRNA bekannt ist. Während der biologischen Translation wird diese mRNA zu Proteinsequenzen übersetzt. Beim Morbus Canavan tritt während dieser Prozesse eine Mutation ein. Es handelt sich dabei um Mutationen des ASPA-Gens. Dieses Gen ist auf dem kurzen Arm von Chromosom 17 angesiedelt und codiert für das Enzym Aspartoacylase. Aspartoacylase kommt ausschließlich im Gehirn vor, wo es N-Acetylaspartat abbaut.

Eine Mutation des codierenden Gens hat einen Mangel des Enzyms zur Folge. In einer Folge dessen wird im Gehirn weniger N-Acetylaspartat abgebaut. Der Stoff lagert sich daher ein. Diese Einlagerung äußert sich in spongiösen Veränderungen und lässt das Gehirn anschwellen. Das Myelin im Gehirn nimmt im Rahmen dessen Schaden und geht teilweise verloren. Myelin ernährt, schützt und isoliert Nervengewebe. Beschädigtes Myelin leiet Nervenimpulse nur noch verzögert oder überhaupt nicht mehr. Beim Morbus Canavan funktioniert die Übermittelung von Informationen zwischen Gehirnregionen wegen der beschriebenen Prozesse nicht mehr. Der Myelinverlust geht mit einer sekundären Neuronenbeeinträchtigung einher.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Meist sind Kinder mit dem Morbus Canavan unmittelbar nach der Geburt eher unauffällig. Ab dem dritten Lebensmonat treten bei infantilen Formen der Erbkrankheit die ersten Symptome auf. In der Regel betreffen die ersten Symptome die psychomotorische Entwicklung. Die Kontrolle über den Kopf ist gestört und es entwickelt sich häufig ein übergroßer Schädel. Die Betroffenen weisen meist einen Spannungsmangel in den Muskeln auf.

Der weitere Krankheitsverlauf ist von motorischen Störungen wie der Unmöglichkeit des freien Laufens, Sitzens und Stehens geprägt. Auch Schluckstörungen oder Krampfanfälle werden zum Krankheitsbild gerechnet. Oft treten spastische Lähmungen ein. Auch Wahrnehmungszentren des Gehirns können von der Demyelinisierung betroffen sein.

In der Regel betreffen Einschränkungen in der Wahrnehmungsfähigkeit vor allem das Sehvermögen. Nicht zwingend muss eine vollständige Erblindung auftreten. Die infantile Form des Morbus Canavan ist am meisten verbreitet. Davon zu unterscheiden sind die angeborene und die juvenile Form. Bei der juvenilen Form treten die ersten Symptome erst nach den ersten Lebensjahren auf.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Der Arzt stellt die Diagnose des Morbus Caravan hauptsächlich über eine magnetresonanztomographische Bildgebung des Gehirns. In diese Bildgebung zeigt die Erkrankung ein relativ typisches Bild. Die subkortikale Substanz des Groß- und Kleinhirns zeigt Läsionen. Diese Schädigungen breiten sich im Verlauf zentripetal aus. Die symmetrisch wirkenden Läsionen betreffen insbesondere den Globus pallidus und den Thalamus, nicht aber das Putamen oder den Nucleus Caudatus. Der Nachweis von erhöhtem N-Acetylaspartat im Harn sichert die Diagnose.

Auch molekulargenetische Untersuchungen zum Nachweis der Genmutation kommen infrage. Diese aufwändigen Verfahren sind aber nicht zwingend notwendig, da erhöhte N-Acetylaspartat im Urin für den Morbus Canavan spezifisch ist. Für die angeborene Form ist die Prognose ungünstig. Die Lebenserwartung beläuft sich auf wenige Tage oder Wochen. Patienten der infantilen Form erreichen meist das Teenager-Alter. Bei der juvenilen Form ist der Krankheitsverlauf verlangsamt und die Patienten werden oft älter als 20.

Komplikationen

Durch Morbus Canavan kommt es bei den meisten Betroffenen zu einer stark verringerten Lebenserwartung, sodass die Patienten schon im jungen Alter als Teeanger versterben. Dabei wirkt sich die Krankheit auch stark auf die Angehörigen und die Eltern aus, sodass diese an starken psychischen Beschwerden oder Depressionen leiden. Vor allem nach dem Tod ist eine Behandlung durch einen Psychologen in vielen Fällen notwendig.

Die Patienten leiden dabei vor überwiegend an Lähmungen und an starken Einschränkungen in der Sensibilität. Dabei sind die Betroffenen in ihrem Alltag möglicherweise auch auf die Hilfe der Eltern angewiesen, um diesen meistern zu können. Es kommt zu Einschränkungen in der Bewegung und die Lebensqualität der Patienten sinkt erheblich. Auch Spastiken und Krampfanfälle treten bei dieser Erkrankung auf.

Nicht selten leiden die Betroffenen dabei auch an Sehbeschwerden oder an Hörbeschwerden. Sie benötigen auch eine spezielle Förderung und sind in ihrer Entwicklung deutlich eingeschränkt. Durch verschiedene Therapien kann der Morbus Canavan eingeschränkt werden, eine vollständige und vor allem kausale Behandlung ist allerdings nicht möglich. Bei der Behandlung selbst treten keine weiteren Komplikationen auf. Allerdings ist die Lebenserwartung des Patienten durch die Krankheiten deutlich verringert.

Behandlung & Therapie

Der Morbus Canavan ist unheilbar. Bislang gibt es statt ursächlichen Therapien lediglich unterstützende Therapieoptionen. Auch die Verzögerung der Krankheit und eine gesicherte Verlängerung des Lebens sind bisher nicht realisierbar. Das supportive therapeutische Vorgehen richtet sich nach den Symptomen. Unruhe, Schmerzen und Krampfanfälle lassen sich zum Beispiel mit medikamentösen Therapien lindern. Bei Funktionsstörungen des Atemsystems wird eine Atemhilfe anzudenken.

Auch die Angehörigen von Betroffenen werden oft zusätzlich therapeutisch versorgt. In der Regel wird ihnen ein Psychotherapeut zur Seite gestellt. Seit einigen Jahren sind gentherapeutische Ansätze zur Heilung der Krankheit in Arbeit. Das ASPA-Gen soll im Rahmen der gentherapeutischen Behandlung über eine virale Genfähre aus Adenoviren ins Gehirn der Patienten eingebracht werden.

Im Tiermodell senkte sich die Konzentration von N-Acetylaspartat im Urin über diese Maßnahme ab. Das Myelin blieb trotz dieser Teilerfolge allerdings spongiös. Trotzdem bemüht sich die medizinische Forschung aktuell weiterhin um die Entwicklung einer ursächlichen Therapie. Eine Verbesserung der Genfähren hat bereits stattgefunden, konnte aber noch immer keine bahnbrechenden Erfolge liefern.

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Vorbeugung

Genetisch bedingten Erkrankungen wie dem Morbus Canavan lässt sich nicht vorbeugen. Paare in der Familienplanung können über molekulargenetische Untersuchungen allerdings Ihr Risiko einschätzen lassen.

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Quellen

  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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