Morbus Behcet

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 7. September 2017
Startseite » Krankheiten » Morbus Behcet

Morbus Behcet bzw. türk. Morbus Behçet ist eine schubweisende erlaufende Immunerkrankung, die vor allem südostasiatische und türkische Männer ab 30 Jahren betrifft. Die wichtigsten Symptome sind häufig wiederkehrende Aphthen und Erkrankungen der Augen, insbesondere Entzündungen und Eiteransammlungen. Zur Therapie stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, die wichtigste ist die Gabe von Kortison.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Morbus Behcet?

Die rheumatische Erkrankung Morbus Behcet befällt das Immunsystem und tritt schubweise auf. Bereits in der Antike wurden Symptome beschrieben, die sich als diese Krankheit erkennen lassen. Als Erstsymptom manifestierten sich häufig wiederkehrende Aphten an der Mund- oder Genitalschleimhaut.

Im weiteren, dann eindeutigen, Symptomverlauf kommt es zu Erkrankungen der Augen, insbesondere Eiteransammlungen, die vor allem in der vorderen Augenkammer auftreten, und Entzündungen der Regenbogenhaut.

Selten beschrieben werden rheumatische Symptome wie Hautrötungen und -knoten, Beschwerden und Entzündungen der Gelenken, arterielle Gefäßverschlüsse sowie Entzündungen der Nebenhoden. Sehr selten treten Gehirnentzündungen auf, die zu Koordinationsstörungen, Kopfschmerzen, Spastiken und Bewusstseinsstörungen führen können.

Auch bei Jugendlichen kann Morbus Behcet auftreten und verläuft dann monosymptomatisch. Die Inzidenz der Krankheit liegt bei unter 1 zu 100000.

Ursachen

Obwohl die Krankheit schon seit der Antike bekannt ist, konnten ihre und die Gründe des gehäuften Auftretens in der Türkei und Südostasien bis dato nicht geklärt werden. Während es jedoch konkrete Vermutungen zu den Ursachen gibt, konnten keine Theorien zu den Auftrittsorten gefunden werden.

Wissenschaftler vermuten, dass das Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung und Autoimmunkrankheiten mit bakteriellen oder viralen Entzündungen den Körper und das Immunsystem so sehr schwächt, dass es zu einer gestörten Immunregulation kommt. Diese würde den Krankheitsausbruch bedingen, weil dem Körper die Möglichkeiten fehlen, Entzündungen und Eiteransammlungen aus eigener Kraft abzubauen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Betroffene des Morbus Behcet wenden sich häufig an einen Arzt, weil sie ein irritierendes Wundheilungsverhalten an sich feststellen. Die verletzte Haut erweist sich als hyperaktiv, es kommt zu starken Hautrötungen und Blasenbildung in der Umgebung der Wunde. Auch den zurate gezogenen Ärzten dient dieses Symptom als Hauptkriterium zur Früherkennung des Morbus Behcet.

Die Diagnose wird anhand des sogenannten "Katzenellenbogen-Tests" gesichert. Hierfür werden von einem Arzt 0,5ml medizinische Kochsalzlösung in die Haut des Ellenbogens injiziert und seine Reaktion beobachtet. Ist der Patient an Morbus Behcet erkrankt, so reagiert die überschießende Haut mit Knötchenbildung und Entzündungsreaktionen auf die Injektion.

Bestätigt dieser Test den Verdacht, so müssen zur weiteren Diagnose Blutanalysen erfolgen, um zu bestimmen, wie viel Immunglobulin im Blut enthalten ist und wie sich dieses zusammensetzt.

Morbus Behcet ist eine in Schüben verlaufende chronische Erkrankung, die sich zunächst durch Aphten und später durch verschiedene Augenerkrankungen zeigt. Wird nicht ärztlich interveniert, so kann die rheumatische Erkrankung zur Erblindung oder schweren Entzündungsverläufen im Gehirn führen.

Komplikationen

Durch den Morbus Behcet kommt es zu verschiedenen Beschwerden und Komplikationen. In erster Linie kann es zu Entzündungen an den Augen kommen, sodass sich in der vorderen Augenkammer Eiter ansammelt. Durch diese Ansammlung kommt es in den meisten Fällen zu Sehbeschwerden und im schlimmsten Falle zu einer vollständigen Erblindung. Auf der Haut bilden sich Juckreize und Rötungen aus, die die Lebensqualität des Betroffenen erheblich einschränken.

Dabei fühlen sich die meisten unwohl und schämen sich nicht selten für diese Beschwerden. Ebenso kann der Morbus Behcet zu einem verringerten Selbstwertgefühl oder zu Minderwertigkeitskomplexen führen. Nicht selten leiden die Patienten dadurch auch an psychischen Einschränkungen oder an Depressionen. Auch die Wundheilung kann durch den Morbus Behcet eingeschränkt sein, sodass es häufiger zu Infekten kommt.

Der Morbus Behcet kann mit Hilfe von Medikamenten relativ gut behandelt werden. Besondere Komplikationen treten dabei in der Regel nicht auf. In den meisten Fällen sind die Patienten allerdings auf eine langwierige Behandlung angewiesen. Ebenso kommt es in der Regel nicht zu einer verringerten Lebenserwartung des Betroffenen. Durch das geschwächte Immunsystem sind die Patienten anfälliger für verschiedene Erkrankungen.

Behandlung & Therapie

Ist die Diagnose Morbus Behcet eindeutig nachgewiesen, so wird eine Standardtherapie eingeleitet. Diese besteht im Akutstadium aus der Gabe von Kortison, je nach Schweregrad und individuellen Bedürfnissen des Patienten intravenös oder in Tablettenform. Kortison hemmt Entzündungen im Körper und das Wachstum betroffener Zellen und kann so den Krankheitskreislauf unterbrechen oder abschwächen.

Bei sehr schweren Fällen und sich häufig wiederholenden Schüben kann der behandelnde Arzt entscheiden, zusätzlich oder alternativ Immunsuppressiva zu verabreichen. Diese vermindern die Funktionen des Immunsystems durch eingeschränktes Wachstum der Immunzellen oder Blockade des DNA-Wachstums. Dosishöhe und Einnahmehäufigkeit richten sich nach dem Schweregrad der Erkrankung.

Schlagen weder die Kortisontherapie noch die Immunsuppressiva oder die Kombination beider Präparate an, so stehen als letzte Möglichkeiten noch Therapien mit Infliximab oder Thalidomid zur Verfügung. Infliximab gilt als zentrales Medikament bei rheumatischen Erkrankungen. Thalodomid wurde unter den Namen und negativen Erfahrungen mit Contergan oder Softenon bekannt, verspricht jedoch in seiner heutigen Form und unter strengen Sicherheitskontrollen gute Heilungsaussichten.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Da die Ursachen der Krankheit bis dato nicht erforscht wurden, sind keine Präventionsmethoden bekannt. Betroffene sollten sich jedoch schnellstmöglich und regelmäßig ärztliche Hilfe suchen, um schweren Krankheitsverläufen vorzubeugen.

Bücher über Aphten & Autoimmunerkrankungen

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Murphy, K., Travers, P., Walport, M.: Janeway – Immunologie. Spektrum, Heidelberg, 2010
  • Peter, H.-H., Pichler, W.J. (Hrsg.): Klinische Immunologie. Urban & Fischer, München 2012

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: