Morbus Basedow (Basedowsche Krankheit)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. August 2017
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Morbus Basedow, auch Basedowsche Krankheit genannt, ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, die in der Regel mit einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) einhergeht. Dabei sind Frauen vier bis fünfmal häufiger von Morbus Basedow betroffen als Männer.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Morbus Basedow?

Als Morbus Basedow (Basedowsche Krankheit) wird eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse bezeichnet, die mit einer Überfunktion (Hyperthyreose)und Entzündung der Schilddrüse (Thyreoiditis) einhergeht.

Bei Morbus Basedow liegt ein Überschuss an thyreoideastimulierendem Hormon TSH (schilddrüsenstimulierendes Hormon) vor. Infolge einer Störung des Immunsystems werden körpereigene Antikörper gegen das Schilddrüsengewebe, so genannte TSH-Rezeptoren-Antikörper (TRAK), gebildet, die an den TSH-Rezeptoren an der Gewebeoberfläche der Schilddrüse andocken, eine vom normalen hormonellen Regulierungssystem entkoppelte Überproduktion von Schilddrüsenhormonen stimulieren und sukzessiv eine Schilddrüsenüberfunktion bewirken.

Symptomatisch äußert sich ein Morbus Basedow in der Regel durch eine unterschiedlich ausgeprägte Struma (vergrößerte Schilddrüse) oftmals in Kombination mit endokriner Orbitopathie (hervortretender Augapfel) sowie Tachykardie (Herzrasen), wobei dieser Symptommix bei Morbus Basedow auch als Merseburger Trias bezeichnet wird.

Ursachen

Die Ursachen für Morbus Basedow sind bis heute nicht geklärt. Es wird aber von einer genetischen Prädisposition (Veranlagung) ausgegangen, da die Erkrankung häufiger in bestimmten Familien auftritt und sich bei eineiigen Zwillingen in vielen Fällen gemeinsam manifestiert.

Ferner weisen von Morbus Basedow Betroffene spezifische gemeinsame genetische Eigenschaften auf. Daneben wird vermutet, dass Umweltfaktoren, hormonelle Veränderungen sowie Stressfaktoren die Manifestation sowie den Verlauf von Morbus Basedow beeinflussen. So gilt eine Schwangerschaft beispielsweise als gesicherter Auslösefaktor, wenngleich noch nicht abschließend nachgewiesen werden konnte, dass dies ursächlich auf die hormonelle Umstellung (veränderter Östrogen- und Progesteronspiegel) während und nach der Schwangerschaft zurückzuführen ist.

Daneben werden auch Infektionen durch Bakterien (u.a. Yersinia enterocolitica) und Viren (u.a. Retroviren) sowie eine übermäßige Jodzufuhr als mögliche Auslöser von Morbus Basedow diskutiert.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Der Arzt ertastet die Schilddrüsenvergrößerung bei Morbus Basedow

Ein Morbus Basedow lässt sich anhand der Struma (vergrößerte Schilddrüse) ertasten. Mehr als 50 Prozent der von Morbus Basedow Betroffenen weisen eine endokrine Orbitopathie auf, bei welcher die Augen infolge von Entzündungsprozessen in den Augenhöhlen und im Augenhintergrundgewebe hervortreten.

Daneben zeigt eine Sonografie (Ultraschall) der Schilddrüse hypoechogene (echoarme) Gewebestrukturen. Im Rahmen einer Szintigrafie (nuklearmedizinisches Bildgebungsverfahren) kann die erhöhte Produktion von Schilddrüsenhormonen festgestellt werden. Daneben dient eine genaue Blutuntersuchung zur Bestimmung der Hormon- und Antikörperkonzentration einer Sicherung der Diagnose und wird differentialdiagnostisch angewandt, um Morbus Basedow von anderen Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse (bspw. Hashimoto-Thyreoiditis) abzugrenzen.

So ist die TRAK-Konzentration bei von Morbus Basedow Betroffenen in der Regel erhöht. Morbus Basedow weist einen chronischen Verlauf auf, der individuell sehr verschieden sein kann und durch Spontanremissionen (Spontanheilung) wie auch Rezidiven (Rückfall) gekennzeichnet ist.

Komplikationen

Morbus Basedow ist eine Erkrankung, die Komplikationen zur Folge haben kann. Wird das Leiden auf die Dauer nicht medizinisch behandelt, drohen unter anderem Herzprobleme wie Herzrhythmusstörungen oder eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Zu den gefürchteten Auswirkungen der Basedowschen Krankheit gehört die thyreotoxische Krise, bei der es sich um eine gravierende Entgleisung des Stoffwechsels handelt.

Sie tritt zwar nur selten auf, stellt jedoch eine lebensgefährliche Notfallsituation dar. Die Gefahr einer thyreotoxischen Krise erhöht sich bei einer schweren Überfunktion der Schilddrüse oder durch das Absetzen der verordneten Medikamente. Aber auch eine falsche Behandlung mit jodhaltigen Mitteln kommt als mögliche Ursache in Betracht.

Bemerkbar macht sich die thyreotoxische Krise zunächst durch Herzrasen, ständigen Durchfall, Erbrechen, Angst und Unruhe. Weiterhin können hohes Fieber, Bewusstseinsstörungen und Desorientierung einsetzen. Im weiteren Verlauf drohen der Fall ins Koma, das Versagen des Kreislaufs sowie Einschränkungen der Nierenfunktionen.

Komplikationen durch Morbus Basedow sind mitunter auch in der Schwangerschaft möglich und können selbst bei einer sinnvollen Therapie auftreten. So ist es denkbar, dass sich Antikörper gegen die Schilddrüse innerhalb des Blutes der Mutter bilden und dabei auch die Plazenta durchdringen.

In solchen Fällen besteht das Risiko, dass die Hormonproduktion des ungeborenen Kindes gesteigert wird, wodurch es zu einer Überproduktion kommt. Dadurch droht dem Kind eine Frühgeburt oder ein zu geringes Gewicht bei der Geburt. In der ersten Lebenswoche ist die Sterblichkeit des Babys erhöht.

Behandlung & Therapie

Da die Ursachen von Morbus Basedow nicht geklärt sind, sind die therapeutischen Maßnahmen symptomatisch angelegt und zielen auf die medikamentöse Beseitigung bzw. Reduzierung der Schilddrüsenüberfunktion.

Hierzu werden Thyreostatika (Thiamazol, Carbimazol, Propylthiouracil) angewandt, die in der Schilddrüse hemmend auf die Hormonsynthese, -sekretion oder den Jodeinbau in die Hormonvorstufen wirken. Die medikamentöse Langzeittherapie dauert in der Regel 12 bis 18 Monate, wobei die Dosierung mit der Dauer der Therapie abnimmt.

Daneben kommen bei Morbus Basedow oftmals β-Blocker zur Behandlung der Begleitsymptome (Tachykardie, erhöhter Blutdruck) zum Einsatz. In einigen Fällen führt diese Behandlung zu einer vollständigen Heilung (40 bis 70 Prozent). Sollte nach einem Rückfall eine weitere medikamentöse Therapie nicht erfolgreich sein (etwa 80 Prozent der Rezidivfälle), kommen definite Therapiemaßnahmen wie ein operativer Eingriff oder eine Radiojodtherapie zur Schilddrüsenentfernung bzw. -zerstörung infrage.

Bei einer Radiojodtherapie wird radioaktives Jod verabreicht, das eine temporäre und auf die Schilddrüse lokal begrenzte Bestrahlung bewirkt, die das Schilddrüsengewebe absterben lässt. Ist die Schilddrüse stark vergrößert, wird diese im Rahmen eines operativen Eingriffs entfernt. Infolge der Radiojodtherapie sowie des operativen Eingriffs liegt eine Unterfunktion vor, die lebenslang hormonell behandelt werden muss.

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Vorbeugung

Da die Ursachen für Morbus Basedow nicht geklärt sind, kann der Erkrankung nicht vorgebeugt werden. Allerdings können sämtliche Faktoren, die das Immunsystem negativ beeinträchtigen, zur Manifestation von Morbus Basedow beitragen. Hierzu gehören Stress und psychische Belastungen, hormonelle Verhütungsmethoden sowie eine übermäßige Aufnahme von Jod (Röntgen mit jodhaltigen Kontrastmitteln, Jodsalz). Auch Nikotinkonsum kann Morbus Basedow auslösen und den Verlauf des Morbus Basedow verschlimmern.

Bücher über Morbus Basedow

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Murphy, K., Travers, P., Walport, M.: Janeway – Immunologie. Spektrum, Heidelberg, 2010
  • Peter, H.-H., Pichler, W.J. (Hrsg.): Klinische Immunologie. Urban & Fischer, München 2012

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