Mittlere Radialislähmung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. August 2017
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Bei einer mittleren Radialislähmung handelt es sich um eine Parese des Nervus radialis. Die Lähmung tritt dabei in der Gegend des distalen oberen Arms auf und ergibt sich in der Regel in der Folge von Verletzungen oder sonstigen äußeren Faktoren. Die mittlere Radialislähmung ist üblicherweise innerhalb des sogenannten Sulcus radialis lokalisiert.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine mittlere Radialislähmung?

Die mittlere Radialislähmung führt bei den betroffenen Personen dazu, dass sich Einschränkungen in der Beweglichkeit von Arm, Handgelenk und Fingern ergeben. Die Lähmung des mittleren Radialis zeigt sich im überwiegenden Teil der Fälle nur auf einer Körperseite.

Denn ein gleichzeitiges Vorkommen der zu Grunde liegende Faktoren an beiden Armen ist eher selten. Die Patienten haben bedingt durch die mittlere Radialislähmung zum Beispiel Schwierigkeiten, ihr Handgelenk auszustrecken. Eine mittlere Radialislähmung verschwindet in zahlreichen Fällen von selbst wieder.

Ursachen

Die Ursachen, die zur Entstehung einer mittleren Radialislähmung führen, sind von Einzelfall zu Einzelfall unterschiedlich. Grundsätzlich sind verschiedene Faktoren und Einflüsse in der Lage, eine Lähmung des mittleren Radialis auszulösen. Dabei handelt es sich in zahlreichen Fällen um Schädigungen am Nervus radialis, die sich im distalen Abschnitt des oberen Arms ereignen.

Bei zahlreichen Patienten entwickelt sich die mittlere Radialislähmung in der Folge der Einwirkung von Druck auf den entsprechenden Nerv. Der Druck wird vor allem dann zum Problem, wenn er über einen längeren Zeitraum anhält. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn der Arm für eine ungewöhnlich lange Zeit in der gleichen Position lag, etwa auf einer harten Unterlage oder Stuhllehne. Mitunter wird die Erkrankung deshalb auch als sogenannte Parkbank-Lähmung bezeichnet.

Auch zu eng gelegte Gipsverbände schädigen oder irritieren den Nervus radialis unter Umständen. Zudem entwickelt sich eine mittlere Radialislähmung in manchen Fällen im Zusammenhang mit Brüchen am Knochen des Oberarms (medizinischer Fachbegriff Humerus).

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die charakteristischen Symptome und Krankheitsanzeichen einer mittleren Radialislähmung sind zahlreich. So sind die betroffenen Patienten zum Beispiel in ihrer Supination und der Abduktion von Radius und Ulna beeinträchtigt. Mitunter sind die erkrankten Personen infolge der Lähmung nicht in der Lage, ihr Handgelenk wie gewohnt auszustrecken.

Diese Störungen ergeben sich in erster Linie durch Irritationen bestimmter Muskeln, zum Beispiel des Musculus supinator. Das Unvermögen zur Streckung betrifft in der Regel nicht nur das Gelenk der Hand, sondern auch die Fingergelenke. Aus diesem Grund nennen Mediziner die Symptomatik auch Fallhand oder -finger. Im Rahmen dieses Beschwerdebildes fallen Muskeln wie der Musculus extensor indicis aus.

Auch eine Beugung des unteren Armes ist in der Folge der mittleren Radialislähmung nur noch unzureichend möglich. Darüber hinaus zeigt sich bei den betroffenen Personen eine Verringerung des Radiusperiostreflexes. Eine Lähmung des mittleren Radialis führt zudem zu Störungen der Sensibilität, die sich in erster Linie im unteren Armbereich konzentrieren. Hingegen kommt es am Oberarm nicht zu vergleichbaren Beschwerden. Der Trizepssehnenreflex wird während der mittleren Radialislähmung weitgehend aufrechterhalten.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose der mittleren Radialislähmung ist von einem Arzt zu stellen. Bei Verdacht auf das Vorliegen einer solchen Parese ist daher umgehend medizinische Beratung in Anspruch zu nehmen. Denn unter Umständen ist eine Therapie erforderlich, wobei sich ein zeitiger Behandlungsbeginn positiv auf Prognose und Lebensqualität der betroffenen Personen auswirkt.

Der Arzt beginnt die Untersuchung in der Regel mit einer Anamnese. Dabei gilt es, die individuell vorliegenden Beschwerden zu erfragen und Hinweise bezüglich potenzieller Ursachen für die Beschwerden zu erhalten. Denn daraus lassen sich in zahlreichen Fällen bereits Rückschlüsse auf die Erkrankung ziehen, sodass dem Arzt die Stellung einer Verdachtsdiagnose möglich ist.

Essentiell für eine sichere Diagnose der mittleren Radialislähmung sind neurologische Untersuchungen. Der Arzt überprüft, inwieweit der Patient in der Lage ist, seinen unteren Arm zu strecken und zu beugen. Zudem wird getestet, ob die Streckung von Hand- und Fingergelenken möglich ist. Weitere bedeutsame Hinweise gehen davon aus, ob der Trizepssehnen- und der Radiusperiostreflex noch funktionieren.

Auf diese Weise lässt sich auch herausfinden, wo sich die Schäden am Nervus radialis befinden. Dadurch ist eine Abgrenzung zur oberen Radialislähmung möglich, die in jedem Fall im Rahmen der Differentialdiagnose vorzunehmen ist. Um die Diagnose der mittleren Radialislähmung zu sichern, eignet sich eine Elektroneurographie.

Komplikationen

Durch die mittlere Radialislähmung kommt es zu starken Einschränkungen im Alltag des Patienten. In den meisten Fällen kann der Betroffene dabei sein Handgelenk nicht mehr vollständig ausstrecken. Dabei treten im Alltag und bei verschiedenen Arbeiten Behinderungen auf, die die Lebensqualität deutlich verringern. Vor allem bei Kindern kann die Radialislähmung zu Störungen der Entwicklung führen.

Nicht selten können dabei auch die Finger nicht mehr gestreckt oder bewegt werden. Weiterhin betrifft die Lähmung in einigen Fällen auch den gesamten Arm, sodass der Betroffene in seinem Alltag möglicherweise auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen ist. Durch die Radialislähmung ist auch der Schutzmechanismus der Patienten deutlich eingeschränkt und verringert, sodass es leichter zu verschiedenen Verletzungen kommen kann.

In der Regel hängt die Behandlung dieser Krankheit stark von der Ursache ab. In vielen Fällen kann schon eine Schonung der gesamten Muskulatur zu einem positiven Krankheitsverlauf führen. Allerdings sind in einigen Fällen auch operative Eingriffe notwendig, um die Beschwerden zu lösen. Es kommt dabei nicht zu einer Beeinträchtigung der Lebenserwartung des Patienten. Falls die Nerven irreversibel geschädigt wurden, ist in vielen Fällen keine Behandlung mehr möglich.

Behandlung & Therapie

Die Maßnahmen der Behandlung der mittleren Radialislähmung sind in erster Linie abhängig von den auslösenden Faktoren. Eine Parese des Nervs infolge einer Druckschädigung ist in zahlreichen Fällen nicht behandlungsbedürftig. Durch eine Schonung des betroffenen Arms bessern sich die Beschwerden meist von selbst und verschwinden nach einigen Tagen wieder.

In diesem Fall steht die Prognose der mittleren Radialislähmung grundsätzlich gut. Wenn der Schaft des Oberarms gebrochen und der Nervus radialis infolgedessen beschädigt ist, sind in der Regel operative Interventionen notwendig. Dies gilt auch für sogenannte Trümmerfrakturen, die im Rahmen von Operationen so weit wie möglich rekonstruiert werden.

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Vorbeugung

Präventive Maßnahmen zur Vermeidung einer mittleren Radialislähmung setzen an den auslösenden Faktoren der Parese an. Wenn möglich, sind Druckschäden des entsprechenden Nervs zu vermeiden und der Arm zu schonen.

Bücher über Lähmung

Quellen

  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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