Mittelhirnsyndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 8. November 2016
Symptomat.deKrankheiten Mittelhirnsyndrom

Das Mittelhirnsyndrom ist die Folge einer Hirndrucksteigerung im Bereich der Fossa cranii media und hängt mit einer Kompression der Mittelhirnstruktur zusammen. Die häufigsten Ursachen für das Syndrom sind Blutungen und Ödeme. Die Behandlung erfolgt meist intensivmedizinisch und beinhaltet neben dem Erhalt der Vitalfunktionen eine meist neurochirurgische Drucksenkung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Mittelhirnsyndrom?

Das Mesencephalon bildet einen Anteil des Hirnstamms. Der Neurologe bezeichnet den Hirnteil zwischen Pons und Diencephalon auch als Mittelhirn. Im Mittelhirn sind Bahnsysteme und Nervenkerne lokalisiert, die für den Menschen lebenswichtig sind. Als Mittelhirnsyndrom werden Druckschädigungen des Mittelhirns zusammengefasst, die mit unterschiedlichen Symptomen einhergehen können.

Primär bildet eine Hirndrucksteigerung den Rahmen für akute Mittelhirnsymptomatik. Bei steigendem Hirndruck können Hirnstrukturen ihre physiologische Position verlassen und eingequetscht werden. In der Regel verklemmt sich der Mittelhirnanteil im Tentorium cerebelli, dem sogenannten Kleinhirnzelt.

Dabei handelt es sich um eine querlaufende Hirnhautstruktur zwischen Okzipitallappen im supratentoriellen Raum und Kleinhirn im infratentoriellen Raum. Zu einer Verklemmung des Hirnanteils kann es nur nach Drucksteigerung im Bereich der Fossa cranii media kommen. Die Ursachen für eine Drucksteigerung in diesem Bereich können unterschiedlicher Natur sein.

Ursachen

Einem akuten Mittelhirnsyndrom gehen hirndrucksteigernde Prozesse wie beispielsweise Ödembildungen voraus. Zu solchen Ödembildungen kann es im Rahmen unterschiedlicher Erkrankungen kommen, so zum Beispiel bei Gehirntumoren, Hirninfarkten oder toxischen Ischämien. Auch ein Schlaganfall kann zerebrale Ödembildung zur Folge haben.

Prinzipiell können Schlaganfälle und Tumore allerdings auch ohne begleitende Ödembildung ein Mittelhirnsyndrom zur Folge haben. Alle genannten Prozesse lassen den Hirndruck ansteigen. Innerhalb des Schädels liegt begrenzter Raum vor. Austretendes Blut im Rahmen eines Schlaganfalls nimmt mehr oder weniger viel Platz in Anspruch.

Dasselbe gilt für Raumforderungen im Gehirn sowie Wasseransammlungen im Sinne eines Ödems. Da die Hirnstrukturen innerhalb der Schädelhöhle kaum ausweichen können, werden sie aneinander gedrängt und verklemmen sich. Die Folge kann das Mittelhirnsyndrom sein.

In Einzelfällen sind auch Liquorabflussstörungen die primäre Ursache für eine Verklemmung. Als Liquor wird das Hirnwasser bezeichnet, das das zentrale Nervensystem umspült. Im Einzelfall kann das Mittelhirnsyndrom auch durch Schädel-Hirn-Traumata, Vergiftungen oder einen Herzstillstand verursacht werden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Aus klinischer Sicht lässt sich das Mittelhirnsyndrom in drei unterschiedliche Stadien unterteilen, die je durch verschiedene Symptome charakterisiert sind. Grundsätzlich liegt ein progredienter Bewusstseinsverlust vor. Außerdem kommt es im Verlauf zum Ausfall der Pupillenreflexe. Das Anfangsstadium ist durch Tachykardie und pathologische Cheyne-Stokes-Atmung gekennzeichnet.

Die Betroffenen schwitzen und besitzen keine Schmerzreizreaktionen mehr. Pathologische Reflexe treten ein. Die Babinski-Zeichen sind zum Beispiel positiv. Im dritten Stadium eines akuten Mittelhirnsyndroms leiden die Patienten an lichtstarren Pupillen. Außerdem treten Strecksynergismen in Form einer sogenannten Dezerebrationsstarre ein. Dieses Symptom erklärt sich durch den Ausfall aller inhibitorischen Bahnen.

Die Reflexe sind in dieser Phase überaktiv. Die Rede ist hierbei auch von Hyperreflexie. Da das Mittelhirnsyndrom während des dritten Stadiums in ein Koma mündet, sind die Vitalfunktionen der Patienten im Spätverlauf des Syndroms bedroht. Bei fortschreitenden Schädigungen durch zunehmende Hirndrucksteigerung geht das Mittelhirnsyndrom in der Regel fließend in ein lebensbedrohliches Bulbärhirnsyndrom über.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Erste Hinweise auf ein Mittelhirnsyndrom erhält der Neurologe durch die Anamnese. Die standardmäßige Reflexprüfung bestärkt die erste Verdachtsdiagnose. Zur Diagnosesicherung eines Mittelhirnsyndroms bedient sich der Neurologe einer bildgebenden Diagnostik. In den meisten Fällen ordnet er ein MRT an. Die Verklemmung des Mittelhirns ist auf der Schichtaufnahme deutlich zu sehen.

Eine Messung des Hirndrucks ist bei entsprechender Indikation zwingend erforderlich. Die Messung wird im Verlauf fortlaufend wiederholt, um einen fortlaufenden Druckanstieg möglichst früh zu erkennen und intervenieren zu können. Die Prognose für Patienten mit Mittelhirnsyndrom hängt vom Zeitpunkt der Diagnose ab. Die Diagnose im ersten Stadium wirkt sich prognostisch positiv aus.

Behandlung & Therapie

Die Therapie eines Mittelhirnsyndroms hängt vom Stadium und der Ursache der Erscheinung ab. Im Vordergrund der Behandlung steht vor allem die Sicherung der Vitalfunktionen. Außerdem muss der Hirnstoffwechsel in Gang gehalten und der Hirndruck überwacht werden. Zum Erhalt der Vitalfunktionen erhalten die Patienten eine Beatmung mit kontrollierter Hyperventilation.

Die konservativ medikamentöse Therapie entspricht der Gabe von Katecholaminen. Außerdem muss in der Regel eine Volumensubstitution erfolgen. Sind die Vitalfunktionen stabilisiert, so gilt die Senkung des Hirndrucks als endgültiges Therapieziel. Die effektivste Methode zur Hirndrucksenkung hängt von der primären Ursache der Drucksteigerung ab. Neben der neurochirurgischen Senkung können Mannitol oder die Ventrikeldrainage wichtige Ansatzpunkte sein.

Während der Drucksenkung gilt es nicht nur die Druckverhältnisse, sondern auch die Vitalfunktionen der Patienten fortlaufend zu überwachen. Diese Überwachung geschieht über intensivmedizinisches Monitoring. An die akute Hirndrucksenkung schließt sich die Beseitigung der primären Ursache an. Diese Ursachenbeseitigung erfolgt mittels neurochirurgische Intervention.

Falls die primäre Ursache zum Beispiel in ausgetretenem Blut gelegen hat, erfolgt als Kausaltherapie eine Hämatomausräumung. Bei ursächlichen Raumforderungen erfolgt dagegen eine Tumorexstirpation. Ob sich Patienten vollständig von einem Mittelhirnsyndrom erholen, hängt vom Schweregrad der Quetschungen und den betroffenen Gebieten ab, Rehabilitative Maßnahmen können die Rückbildung von etwaigen Langzeitfolgen fördern.




Vorbeugung

Dem Mittelhirnsyndrom lässt sich nur insoweit vorbeugen, wie einer Drucksteigerung im Bereich der Fossa cranii media vorzubeugen ist. Die Vorbeugemaßnahmen im Kontext des Hirninfarkts können im weitesten Sinn zum Beispiel zu den präventiven Maßnahmen gezählt werden.

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