Mitralklappenprolapssyndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 17. Oktober 2017
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Unter einem Mitralklappenprolapssyndrom wird eine angeborene Fehlbildung des Herzens am Mitralklappenapparat verstanden. Dabei kommt es zu einer Wölbung der Mitralklappenanteile.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Mitralklappenprolapssyndrom?

Bei einem Mitralklappenprolapssyndrom oder Mitralklappenprolaps erfolgt das Umklappen oder eine ballonartige Aufdehnung des hinteren Mitralklappensegels in den linken Vorhof des Herzens. Es können aber auch beide Mitralklappen davon betroffen sein. Der Mitralklappenprolaps gehört bei erwachsenen Menschen zu den häufigsten Veränderungen der Herzklappen. Dabei zeigt sich der Vorfall häufiger beim weiblichen als beim männlichen Geschlecht.

Die erste Beschreibung des Mitralklappenprolapssyndroms fand im Jahr 1963 durch den Herzspezialisten John B. Barlow aus Südafrika statt. Daher trägt die Erkrankung auch die Bezeichnungen Morbus Barlow oder Barlow-Syndrom. Betroffen von einem Mitralklappenprolaps sind weltweit rund fünf Prozent aller Erwachsenen. In Deutschland liegt die Rate zwischen ein und zwei Prozent. Zu den meisten Prolapsfällen kommt es zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr.

Grundsätzlich kann ein Mitralklappenprolapssyndrom aber in jedem Lebensalter auftreten. Angesiedelt ist die Mitralklappe zwischen linker Herzkammer und linkem Vorhof des Herzens. Sie wirkt unterstützend auf das Herz, mit Sauerstoff angereichertes Blut via linken Vorhof in die linke Herzkammer zu pumpen. Von dort aus gelangt es weiter in den Organismus.

Zum Öffnen der Mitralklappe kommt es beim Einströmen des Blutes vom linken Vorhof in Richtung linke Herzkammer. Beim Zusammenziehen der Kammer erfolgt der Verschluss der Herzklappe. Die Bezeichnung Mitralklappe ist auf die Ähnlichkeit der Klappe mit einer Mitra, einer Bischofsmütze, zurückzuführen.

Ursachen

Hervorgerufen wird ein Mitralklappenprolapssyndrom durch eine Bindegewebsstörung. Aus welchen Gründen dies geschieht, ließ sich bisher jedoch nicht klären. Es wird vermutet, dass sich genetische Einflüsse auswirken. Bei manchen Menschen kann es aufgrund von erblich bedingten Erkrankungen des Bindegewebes, zu denen zum Beispiel das Marfan-Syndrom zählt, kommen.

Solche Erkrankungen haben das Überdehnen, Verdicken, Vergrößern oder Lockern der Mitralklappe zur Folge. Mitunter zeigt sich ein Mitralklappenprolaps aber auch im Anschluss an einen Herzinfarkt. Nicht selten besteht dabei eine Schädigung der Papillarmuskeln. An diesen haben die Sehnenfäden der Mitralklappe ihren Ursprung.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Oftmals sind die Beschwerden, die bei einem Mitralklappenprolapssyndrom auftreten, sehr unspezifisch. So kann es sich dabei um Herzrhythmusstörungen oder Beschwerden, die einer Angina pectoris ähneln, handeln. Oftmals empfinden die Patienten auch Gefühle von Atemnot, Unruhe, Angst und Müdigkeit. Weiterhin treten im Brustkorb stechende Schmerzen auf. Nur selten zeigt sich eine schwergradige symptomatische Mitralinsuffizienz. Das Gleiche gilt für einen abrupten Verlust des Bewusstseins. Bei vielen betroffenen Personen werden allerdings auch gar keine Beschwerden bemerkt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Kommt es nicht zu Symptomen, lässt sich ein Mitralklappenprolapssyndrom vom Arzt meist nur durch Zufall entdecken. Zur Sicherung der Diagnose erfolgen das Abhören des Herzens (Auskultation) sowie eine Echokardiographie. Im Rahmen einer Auskultation lässt sich ein systolischer Klick hören, der als Ausdruck der systolischen Klappensegelvorwölbung in Richtung des linken Vorhof gilt.

Leidet der Patient zudem an einer Mitralinsuffizienz, ist außerdem ein systolisches Herzgeräusch zu identifizieren. Bei der Durchführung einer Echokardiographie sind die verdickten Klappensegel auffällig. Das Gleiche gilt für deren systolische Vorwölbung. Besteht Verdacht auf eine Mitralinsuffizienz, kann diese durch eine Doppler-Echokardiographie diagnostiziert werden. Eine EKG-Untersuchung führt in der Regel zu normalen Ergebnissen.

Manchmal eignet sie sich aber auch zum Erkennen von möglichen Herzrhythmusstörungen. Als hilfreich zu diesem Zweck gilt ein Langzeit-EKG, das der Patient 24 Stunden lang bei sich trägt. In den meisten Fällen wird der Verlauf eines Mitralklappenprolapssyndroms als positiv eingestuft. Lediglich bei ungefähr drei Prozent aller Betroffenen sind gravierende Komplikationen zu verzeichnen. Dazu gehören eine Herzinsuffizienz, eine arterielle Thrombembolie sowie schwer ausgeprägte Herzrhythmusstörungen, die im schlimmsten Fall zu einem plötzlichen Herztod führen können.

Komplikationen

Durch das Mitralklappenprolapssyndrom kommt es in erster Linie zu Beschwerden am Herzen. Diese Beschwerden können sich hierbei sehr negativ auf die Lebenserwartung des Patienten auswirken und diese deutlich verringern. In den meisten Fällen kommt es dabei zu einer inneren Unruhe und zu einer Atemnot. Weiterhin können die Betroffenen auch an einer Todesangst leiden und eine starke Müdigkeit verspüren.

Das Durchfahren von anstrengenden Tätigkeiten oder Sportarten ist für den Patienten durch das Mitralklappenprolapssyndrom in den meisten Fällen nicht mehr möglich. Es kommt zu einer Abgeschlagenheit und die Belastbarkeit des Betroffenen wird verringert. Durch die Atemnot kann es dabei auch zu einem Bewusstseinsverlust kommen, welcher weiterhin zu verschiedenen Beschwerden oder Verletzungen führen kann.

Im schlimmsten Falle verstirbt der Patient an einem plötzlichen Herztod. Sollte es zu akuten Notfällen kommen, so ist eine Behandlung mit Hilfe von Medikamenten notwendig. Komplikationen treten dabei in der Regel nicht auf. Allerdings können nicht alle Beschwerden vollständig behoben werden, sodass in einigen Fällen auch operative Eingriffe notwendig sind. In den meisten Fällen ist das Mitralklappenprolapssyndrom mit einer Verringerung der Lebenserwartung verbunden.

Therapie & Behandlung

Ruft ein Mitralklappenprolaps keine Beschwerden hervor, kann auf eine medizinische Behandlung verzichtet werden. Liegt ein Mitralklappenprolapssyndrom vor, das Symptome nach sich zieht, ist eine medikamentöse Therapie von Herzrhythmusstörungen oder Angina-pectoris-Beschwerden möglich. Hierbei erhält der Patient entweder Antiarrhythmika oder Beta-Blocker. Führt der Mitralklappenprolaps zu einer Klappeninsuffizienz, bedarf es einer aufwendigen ärztlichen Therapie. Dabei muss eine enge medizinische Kontrolle stattfinden.

Eine Fehlfunktion der Mitralklappe lässt sich vom Herzen für einen gewissen Zeitraum ausgleichen, da es sich verstärkend auf seine Leistung auswirkt. Durch das Reißen eines überanstrengten Sehnennervs besteht jedoch die Gefahr, dass sich der Zustand der Klappenfunktion abrupt noch weiter verschlechtert, was sich durch akute Atemnot bemerkbar macht. In solchen Fällen ist eine notärztliche Behandlung erforderlich. Des Weiteren kommt es zu einer Veränderung der betroffenen Herzkammer, die auf verstärkte Belastungen zurückzuführen ist.

Während sich das Volumen der Herzkammer erweitert, verdickt sich zur gleichen Zeit ihre Muskulatur. Dadurch droht eine Herzschwäche, die sich nicht mehr beheben lässt. Zumeist ist dann eine Operation der Mitralklappe notwendig. Diese findet in der Regel minimal-invasiv statt. Manchmal wird die Mitalklappe auch komplett ersetzt.

Liegt ein ausgeprägtes Mitralklappenprolapssyndrom vor, sollten vor kleineren operativen Eingriffen oder einer zahnärztlichen Behandlung stets vorbeugend Antibiotika gegeben werden. Auch wenn keine Beschwerden durch einen Mitralklappenprolaps bestehen, werden von Ärzten Kontrolluntersuchungen im Abstand von drei bis fünf Jahren empfohlen. Im Rahmen einer Mitalklappeninsuffizienz müssen die Kontrolluntersuchungen alle sechs bis zwölf Monate erfolgen.

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Vorbeugung

Eine spezielle Vorbeugung gegen ein Mitralklappenprolapssyndrom gibt es nicht. So sind die auslösenden Ursachen nach wie vor nicht bekannt.

Das können Sie selbst tun

Das Mitralklappenprolapssyndrom birgt je nach Erscheinungsformen sehr unterschiedliche Risiken. Ein schwach ausgeprägter Mitralklappenprolaps wird häufig nicht entdeckt und verursacht keine oder nur leichte Beschwerden, so dass keine Anpassung im Alltag erfolgt. In den Fällen, in denen die funktionelle Anomalie der Mitralklappe zwar festgestellt wird, aber ein minimalinvasiver oder operativer Eingriff (noch) nicht empfohlen wird, kann eine Anpassung des Verhaltens im Alltag und Selbsthilfemaßnahmen das allgemeine Befinden subjektiv und auch objektiv verbessern.

Grundsätzlich sollten körperliche und psychische Belastungsspitzen vermieden werden, weil eine plötzliche Überschwemmung des Körpers mit Stresshormonen zu einem abrupten Anstieg des Blutdrucks während der Schlagphase (Systole) der Ventrikel führt. Die Vorwölbung eines oder beider Segel der Klappe in den linken Vorhof kann sich dadurch verstärken. Andererseits ist es durchaus hilfreich, durch leichten bis mäßigem Ausdauersport dem Herzen Anreize zur Kräftigung zu geben.

Um mit akuten Stresssituationen gut und herzschonend umgehen zu können, sind Entspannungsübungen wie autogenes Training, Atemübungen, Yoga und andere Techniken gut geeignet. An sportlichen Aktivitäten sind Ausdauersportarten wie beispielsweise Nordic Walking, Schwimmen, Skilanglauf und Golfspielen hilfreich, das Herz zu kräftigen, ohne dass es zu irreversiblen Verdickungen der Herzwände kommt. Wichtig ist auch eine gewisse Aufmerksamkeit gegenüber dem subjektiven Befinden bei der Ausübung des Sports, ohne darauf fixiert und konzentriert zu sein.

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Quellen

  • Erdmann, E.: Klinische Kardiologie. Springer, Heidelberg 2011
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Roskamm, H., et al.: Herzkrankheiten. Springer, Heidelberg 2004

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