Mitralklappeninsuffizienz

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 15. Oktober 2017
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Bei einer Mitralklappeninsuffizienz ist die zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer befindliche Herzklappe nicht mehr in der Lage, vollständig zu schließen. Die Mitralklappeninsuffizienz ist mit einer Inzidenz von etwa 2 bis 3 Prozent der zweithäufigste Klappenfehler des Erwachsenenalters.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Mitralklappeninsuffizienz?

Eine Mitralklappeninsuffizienz liegt vor, wenn die Verschlussfunktion der Herzklappe, die sich zwischen dem linken Vorhof (Atrium cordis) und der linken Kammer (Ventriculus cordis) befindet, so vermindert ist, dass während des Herzschlags das Blut partiell wieder aus der Herzkammer in den Vorhof zurückfließt (Regurgitation).

In der Folge pendelt eine bestimmte Blutmenge dauerhaft zwischen linkem Atrium und Ventrikel hin und her (Pendelvolumen), wobei ab einem Pendelvolumen von 15 Prozent des Schlagvolumens von einer relevanten Mitralklappeninsuffizienz gesprochen wird. Infolge dieser ständigen Pendelbewegung des Blutes dehnen sich Ventrikel und Atrium zunehmend aus (Dilation), während die linke Herzkammer gleichzeitig in ihrer Leistungsfähigkeit mehr und mehr restringiert wird (Linksherzschwäche).

Infolge des erhöhten Blutvolumens im linken Vorhof kann es zu einer Rückstauung des Blutes in die Lunge kommen. Der dort erhöhte Blutdruck (pulmonale Hypertonie) führt langfristig dazu, dass das im Blut befindliche Wasser in die Lunge gepresst wird. Die rechte Herzkammer ist zunehmend weniger in der Lage die Lunge mit Blut zu versorgen. Es kommt zu einer dauerhaften Überlastung und schließlich zu einer Rechtsherzschwäche.

Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern, Blutgerinnsel im betroffenen Atrium, verminderte Leistungsfähigkeit, Atemnot sowie Ödeme bei Beteiligung der rechten Herzkammer sind charakteristische Symptome einer Mitralklappeninsuffizienz.

Ursachen

Eine Mitralklappeninsuffizienz ist in den meisten Fällen auf eine rheumatische oder bakteriell bedingte Endokarditis zurückzuführen.

Infolge der Entzündung der Herzinnenschicht entwickelt sich Narbengewebe, das eine Verengung und Undichtigkeit der Mitralklappe verursachen kann. Zudem kann rheumatisches Fieber im Anschluss an eine Streptokokkeninfektion neben den Gelenken und das Gehirn auch die Herzstrukturen bzw. die Mitralklappe betreffen und eine Insuffizienz nach sich ziehen.

Darüber hinaus wird eine Mitralklappeninsuffizienz mit einem Mitralklappenprolaps (fehlgebildeter Mitralklappenapparat), Myokardinfarkten (Herzinfarkten), hypertropher obstruktiver und dilativer Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankung) sowie Kalzifikationen (Verkalkungen) des Klappenrings assoziiert. Ferner können Mitralklappeninsuffizienzen angeboren oder traumatisch (Riss der Sehnenfäden) bedingt sein.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Eine Mitralklappeninsuffizienz kann im Rahmen einer Auskultation (Abhören) mit dem Stethoskop anhand des hörbaren Blutrefluxes durch die betroffene Mitralklappe diagnostiziert werden.

Durch ein EKG (Echokardiogramm) und eine Röntgenaufnahmen lassen sich die charakteristischen Veränderungen am Herzen (vergrößerter linker Vorhof) sowie potenzielle Lungenödeme nachweisen. Zudem kann im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung, bei welcher unter lokaler Narkose ein Katheder über eine größere Körpervene zum Herzen vorgeschoben wird, das genaue Pendelvolumen und somit das Erkrankungsstadium bestimmt werden.

Die Prognose und der Verlauf hängen bei Mitralklappeninsuffizienzen stark von der Ausprägung und dem Progressionsgrad der Erkrankung ab. Durchschnittlich leben nach fünf Jahren nach der Diagnosestellung etwa 25 bis 40 Prozent der Betroffenen, an denen keine Operation durchgeführt wurde, während die Letalität bei einem Klappenersatz erheblich abnimmt (20-40 Prozent).

Komplikationen

Durch die Mitralklappeninsuffizienz kommt es beim Patienten zu schwerwiegenden Beschwerden am Herzen. Diese können dabei im schlimmsten Falle auch zum Tode des Patienten führen, wenn eine Behandlung dieser Krankheit nicht eingeleitet wird. In der Regel leiden die Betroffenen dabei an einem Herzstolpern oder an Herzrasen.

Ebenso können Störungen des Herzrhythmus auftreten, sodass es auch zu ungewöhnlichen Geräuschen am Herzen kommt. Die Betroffenen leiden auch an einer Müdigkeit oder an einer geringen Belastbarkeit. Weiterhin können auch Atembeschwerden auftreten, sodass es zu einem Bewusstseinsverlust oder zu Schäden den an den inneren Organen kommen kann.

Ohne Behandlung der Mitralklappeninsuffizienz wird die Lebenserwartung des Patienten deutlich verringert. Nicht selten leiden die Betroffenen Menschen auch an Depressionen oder häufig an einer Todesangst, wenn es zu einem beklemmenden Gefühl oder zu einem Stechen in der Brust kommen. Die Lebensqualität wird durch die Mitralklappeninsuffizienz aus diesem Grund deutlich eingeschränkt.

Die Behandlung dieser Krankheit richtet sich nach den Symptomen und den Ursachen. In der Regel ist allerdings ein operativer Eingriff notwendig, welcher nicht zu besonderen Komplikationen führt. Weiterhin ist in der Regel auch die Einnahme von Medikamenten notwendig, um Entzündungen und Infekte vorzubeugen.

Behandlung & Therapie

Die therapeutischen Maßnahmen hängen bei einer Mitralklappeninsuffizienz von der Ausprägung der Erkrankung ab, wenngleich heute in aller Regel frühzeitig operiert wird.

Eine leichte Herzinsuffizienz wird zunächst medikamentös behandelt. Zur Reduzierung der Nachlast werden unter anderem ACE-Hemmer eingesetzt. Parallel werden Grunderkrankungen wie arterielle Hypertonie oder Endokarditis, die ein Fortschreiten der Insuffizienz begünstigen, konsequent therapiert. Bei angeborenen Beeinträchtigungen des Mitralklappenapparates und ausgeprägten Mitralklappeninsuffizienzen mit Rechtsherzinsuffizienz, stark verschlechterter Funktionsfähigkeit des linken Ventrikels ist in aller Regel ein operativer Eingriff indiziert.

Standardmäßige Operationsverfahren sind die Mitralklappenrekonstruktion und der Ersatz der Mitralklappe durch eine mechanische oder biologische Klappenprothese, wobei die Klappenrekonstruktion in Deutschland mittlerweile häufiger zum Einsatz kommt als der Klappenersatz. Hierbei wird der Betroffene an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, während mit Hilfe von Gewebe und synthetischen Sehnenfäden (i.a.R. aus Goretex) die Mitralklappe rekonstruiert und durch einen speziellen, auf die Mitralklappe aufgenähten Stützring stabilisiert wird.

Kann die Mitralklappe nicht wiederhergestellt werden, wird diese durch eine Klappenprothese aus synthetischen (pyrolytischer Kohlenstoff, Edelstahlgehäuse) oder biologischen (Gewebe von Rind oder Schwein) Material ersetzt. Darüber hinaus wird zur Vermeidung von Blutgerinnseln im erweiterten linken Vorhof die Blutgerinnung medikamentös (u.a. mit Phenprocoumon, Warfarin) gehemmt.

Prophylaktisch kommt bei Vorliegen einer Mitralklappeninsuffizienz zudem immer dann eine Antibiotika-Therapie zur Vermeidung einer bakteriellen Infektion und somit zusätzlichen Schädigung der Klappe zum Einsatz, wenn erhöhte Infektionsgefahr (u.a. zahnärztliche Eingriffe) besteht.

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Vorbeugung

Einer Mitralklappeninsuffizienz kann vorgebeugt werden, indem bakterielle Infekte und andere auslösende Grunderkrankungen konsequent therapiert werden, um das Risiko für Beeinträchtigungen der Herzklappen zu reduzieren. Angeborenen Mitralklappenfehlern, die zu einer Insuffizienz führen, kann hingegen nicht vorgebeugt werden.

Das können Sie selbst tun

Bei leichter bis mittelgradiger Insuffizienz der Mitralklappe sollten im Alltag Situationen vermieden werden, die zu einem sprunghaften Anstieg des Blutdrucks führen oder zu sprunghaft steigenden Spitzenbelastungen in der körperlichen Leistungsanforderung. Ein plötzlich ansteigender Blutdruck aufgrund eines Adrenalinschubes durch den Sympathikus führt zu einer unkontrollierbar starken Druckbelastung der beiden Segel der Mitralklappe, so dass es während der Systole zu einer Vorwölbung der Segel in den Vorhof kommen kann, was den Blutrückfluss in den linken Vorhof verstärkt.

Zur Verbesserung des eigenen Wohlbefindens tragen Ausdauersportarten wie Joggen, Radfahren oder Schwimmen bei. Allerdings sollte der Sport nicht bis zur jeweiligen Leistungsgrenze betrieben werden. Von einer relativ gleichmäßigen Belastung profitieren Betroffene am meisten. Die individuelle Belastbarkeit kann stark variieren je nach Erscheinungsform und Schwere der Klappeninsuffizienz. Das oberste Gebot heißt keineswegs Schonung und keineswegs keinen Sport, sondern die Selbsthilfe im Alltag besteht in angepassten Abläufen mit möglichst wenig unkalkulierbaren Stressspitzen, aber durchaus mit moderater Belastung.

Zur Unterstützung einer eventuellen medikamentösen Behandlung mit Betablockern und ACE-Hemmern sind auch mentale Entspannungstechniken wie Yoga und Meditation gut geeignet. Hilfreich ist es, im Alltag ein wenig auf körperliche Symptome zu achten, ohne darauf fixiert zu sein.

Bücher über Herzinsuffizienz

Quellen

  • Erdmann, E.: Klinische Kardiologie. Springer, Heidelberg 2011
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Roskamm, H., et al.: Herzkrankheiten. Springer, Heidelberg 2004

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