Mitralklappe

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. November 2016
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Die Mitralklappe ist eine von insgesamt 4 Herzklappen. Sie trennt den linken Vorhof von der linken Kammer. Die Mitralklappe besteht als Segelklappe aus einem vorderen und einem hinteren Segel. Sie verhindert den Rückfluss des Blutes aus der linken Herzkammer in den linken Vorhof während der systolischen Kontraktion der Kammer. Im Verlauf der Diastole (Entspannung) der linken Herzkammer ist die Mitralklappe geöffnet, so dass sauerstoffreiches Blut aus dem linken Vorhof und der Lungenvene einströmen kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Mitralklappe?

Die Mitralklappe, auch als Bikuspidalklappe bezeichnet, trennt den linken Vorhof des Herzens von der linken Kammer (Ventrikel). Sie ist wie auch die Trikuspidalklappe, die den rechten Vorhof von der rechten Kammer trennt, als sogenannte Segelklappe mit einem vorderen (Cuspis anterior) und einem hinteren Segel (Cuspis posterior) ausgebildet.

Die Mitralklappe verhindert, dass Blut aus der rechten Vorkammer während der Systole (Kontraktion) in den linken Vorhof und die Lungenvene zurückströmt. Während der Diastole (Entspannungsphase) der rechten Kammer öffnet die Mitralklappe und sauerstoffreiches Blut aus der Lunge, das sich im linken Vorhof angesammelt hat, strömt in die Hauptkammer. In der anschließenden systolischen Phase wird das sauerstoffreiche Blut über die Aortenklappe in den großen Blutkreislauf (Körperkreislauf) gepumpt. Während eine geringe Undichtigkeit der Mitralklappe vom Herzmuskel toleriert wird, führen größere Undichtigkeiten zu empfindlichen Einschränkungen der Herzleistung (Mitralklappeninsuffizienz I bis IV).

Anatomie & Aufbau

Die Mitralklappe wird aus zwei dünnen Bindegewebslappen (Segel) gebildet, dem vorderen (Cuspis anterior) und dem hinteren Segel (Cuspis posterior). Beide Segel entspringen dem bindegewebsartigen Verstärkungsring, der die Öffnung zwischen linkem Vorhof und linker Kammer auskleidet. In geöffnetem Zustand während der Diastole ragen beide Segel in die linke Herzkammer hinein. Bei Druckaufbau in der Kammer (Systole) klappen die beiden Segel zurück, legen sich aneinander und verschließen die Öffnung zwischen linkem Vorhof und linker Kammer.

Um ein Umstülpen der Segel in den Vorhof zu verhindern, sind die Ränder der Segel mit feinen Sehnenfäden (Chordae tendineae) verbunden. Die Sehnenfäden entspringen den Papillarmuskeln, kleinen Ausstülpungen der Kammermuskulatur, die synchron zur Kammermuskulatur kontrahieren. Während der systolischen Kontraktion der Kammer kontrahieren auch die Papillarmuskeln und straffen dadurch die Sehnenfäden. Sie verhindern ein Umstülpen der Segel in den linken Vorhof, was einen Blutrückfluss in den linken Vorhof und die Lungenvene nicht mehr verhindern könnte.

Funktion & Aufgaben

Die Hauptfunktion der Mitralklappe besteht darin, dem sauerstoffreichen Blut, das sich im linken Vorhof angesammelt hat, während der diastolischen Entspannungsphase der Kammer das Einströmen in die Kammer zu ermöglichen. Während der anschließenden systolischen Kontraktion der Kammer muss die Mitralklappe den Blutrückfluss in den Vorhof verhindern, damit das Blut ordnungsgemäß über die Aortenklappe in den Körperkreislauf (großer Blutkreislauf) gepumpt werden kann. Die Mitralklappe könnte auch als passives Flatterventil bezeichnet werden, das automatisch auf Druckunterschiede vor und hinter dem Ventil reagiert.

Die geringe Masse der beiden Bindegewebslappen, aus denen sich die Mitralklappe zusammensetzt, macht das Ventil äußerst reaktionsschnell, so dass bei nur leichtem Druckanstieg in der Kammer das Ventil nahezu verzugslos schließt. Das leichte und dünne „Material“ der beiden Segel würde im geschlossenen Zustand dem Druck allerdings nicht standhalten und in den Vorhof umstülpen mit dem Effekt eines Blutrückflusses. Damit das nicht passiert, werden die Segelränder von feinen Sehnenfäden stabilisiert, die zwar eine Öffnung der Mitralklappe zur Kammer hin gestatten, nicht aber ein Umstülpen in den Vorhof.

Bis zu einem gewissen Grad reagieren die Sehnenfäden sogar aktiv, weil sie den Papillarmuskeln, kleinen Ausstülpungen der Kammermuskulatur entspringen, die synchron zur Kammermuskultur kontrahieren. Der Vorgang ist ein wenig mit dem aktiven Gurtstraffer Prinzip eines Pkws vergleichbar, bei dem die Gurte in bestimmten Situationen, die einen kommenden Aufprall vermuten lassen, straff an den Körper gezogen werden.

Krankheiten

Mitralklappeninsuffizienz und Mitralstenose sind die beiden wichtigsten Beschwerden und Krankheiten, die mit einer verminderten Funktionsfähigkeit der Mitralklappe verbunden sind. Eine Mitralklappeninsuffizienz kann verschiedene Ursachen haben und wird je nach Funktionsbeeinträchtigung mit Mitralklappeninsuffizienz I, II, III oder IV bezeichnet, wobei der Schweregrad I eine leichte und der Grad IV die schwerste Insuffizienz bedeutet.

Allen Schweregraden ist gemeinsam, dass die Mitralklappe nicht mehr richtig schließt, so dass es zu einem teilweisen Blutrückfluss in den linken Vorhof kommt. Die Insuffizienz kann z. B. durch Abriss oder Verkürzung der Sehnenfäden, die den Rand der beiden Segel halten, verursacht werden oder durch ein Loch in einem der beiden Segel oder durch Überdehnung des Gewebes. Einige Formen der Mitralstenose, die sich in einem verminderten Blutdurchfluss vom linken Vorhof in die linke Kammer äußert, sind angeborene Fehlstellungen und Fehlentwicklungen. Wenn sich z. B. oberhalb der Mitralklappe in der dort befindlichen Einengung zusätzliches membranartiges Bindegewebe gebildet hat und den Blutdurchfluss behindert, handelt es sich um eine sogenannte supravalvuläre Mitralstenose.

Bei anderen Formen einer Mitralstenose kommt es zu Verdickungen der Klappensegel, zu Verkürzungen der Sehnenfäden und zu direkten Verwachsungen der Segelränder mit den Papillarmuskeln. Die Klappensegel werden in ihrer Beweglichkeit stark eingeschränkt, es kommt zu Undichtigkeiten und Teilrückfluss des Blutes während der systolischen Kontraktion der Kammer. In seltenen Fällen wird eine Mitralklappenatresie festgestellt, die einen kompletten Verschluss bedeutet oder die Mitralklappe ist während der embryonalen Entwicklung nicht angelegt worden. In diesem Fall handelt es sich um einen Teil des Hypoplastischen Linksherzsyndroms.

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